VonLars Pollmannschließen
Beim Sieg in Freiburg geht der Stern eines neuen BVB-Profis auf. Ob er eine große Zukunft in Dortmund hat, bleibt jedoch abzuwarten.
Freiburg – Nach dem FSV Mainz 05 hat Borussia Dortmund am Samstag mit dem SC Freiburg den nächsten Konkurrenten im Kampf um die Europapokalränge in der Bundesliga besiegt. Gegen seinen Lieblingsgegner aus dem Breisgau holte der BVB einen verdienten 4:1-Auswärtssieg.
Dortmund rückte damit vorerst auf Rang acht vor. Und weil Mainz zeitgleich gegen Schlusslicht Holstein Kiel nicht über ein Remis hinauskam, beträgt der Rückstand auf die Champions-League-Ränge nur noch fünf Zähler. Trainer Niko Kovač darf also auf ein Happyend hoffen, das ihm wohl auch den Job beim BVB über das Saisonende hinaus sichern würde.
In Freiburg ging eine unerwartete Maßnahme des Kroaten voll auf: Carney Chukwuemeka feierte überraschend sein Debüt in der Startelf und avancierte gleich zum Spieler des Spiels – in der Einzelkritik von Absolut Fußball, dem Fußballportal von Home of Sports, erhielt Chukwuemeka als bester BVB-Profi eine 1,5.
BVB-Jungstar hat seine Einsatzzeit in Freiburg quasi verdoppelt
„Wir haben heute die Möglichkeit gehabt und ihm von Anfang an das Vertrauen geschenkt. Er hat viele gute Aktionen dabei gehabt. Jetzt muss er weitermachen“, äußerte Sportdirektor Sebastian Kehl beim TV-Sender Sky zum gelungenen Startelf-Debüt von Chukwuemeka.
Der Engländer, der im Winter vom FC Chelsea nach Dortmund gekommen war, stand gegen Freiburg letztlich 70 Minuten auf dem Platz – nachdem er zuvor nur insgesamt 74 Minuten als Joker absolviert hatte. Seinen Einsatz rechtfertigte Chukwuemeka mit vielen guten Ideen, einer starken Zweikampfquote, der Einleitung des 3:0 und seinem eigenen Treffer zum 2:0.
BVB-Trainer Kovač zufrieden: „Man sieht, warum wir ihn verpflichtet haben“
„Carney ist ein toller Fußballer, der natürlich ein bisschen Aufholbedarf hatte. Er hat heute gezeigt, was er kann. Es freut mich, dass er sich selber auch belohnt hat. Klar, ein glücklicher Treffer, abgefälscht, das ist immer nicht ganz einfach für einen Torhüter“, schätzte Kovač ein. Gewissermaßen bewahrheitete sich bei Chukwuemeka aber das Sprichwort vom Glück des Tüchtigen, als sein mutmaßlich eher harmloser Schuss unhaltbar abgefälscht wurde.
Auch ohne das Tor wäre es eine starke Visitenkarte von Chukwuemeka gewesen. „Man sieht schon, warum wir ihn verpflichtet haben. Ich bin sehr glücklich und hoffe, dass er dort weitermachen kann, wo er heute aufgehört hat“, sagte Kovač. „Das ist ein Perspektivspieler, nicht nur jetzt im Moment bei uns, sondern auch sicherlich bei Chelsea.“
BVB hat happige Kaufoption bei Carney Chukwuemeka
Damit sprach der Chefcoach des BVB den einen Wermutstropfen an, den die starke Leistung von Chukwuemeka mit sich bringt: Der Jungstar ist lediglich von Chelsea ausgeliehen, muss nach derzeitigem Stand am Ende der Bundesliga-Saison zurück nach London. Dortmund soll aktuell den Versuch unternehmen, Chukwuemeka wenigstens für die FIFA Klub-WM im Sommer zu behalten.
Dabei gäbe es auch die Möglichkeit, den Mittelfeldmann nach seiner Leihe fest zu verpflichten. Die BVB-Verantwortlichen um Sportdirektor Kehl haben sich eine Kaufoption gesichert. Die allerdings soll bei happigen 35 Millionen Euro liegen. Damit würde sich Chukwuemeka unter den teuersten Einkäufen der Klubhistorie weit oben einreihen.
BVB kann sich den Transfer ohne Champions League kaum leisten
Bei allem Potenzial, das der Engländer in Freiburg erstmals über einen längeren Zeitraum zeigen konnte, ist aktuell nur schwer vorstellbar, dass Dortmund diese Kaufoption nutzen wird. Zu groß sind die Fragezeichen, die vor allem der langfristige Fitnesszustand von Chukwuemeka, der erst sehr wenige Spiele im Profifußball auf dem Konto hat, hinterlässt.
Geradezu unvorstellbar wird das Szenario, wenn der Klub die großen Einnahmen aus der Champions League verpassen sollte. Besonders ärgerlich: Bei einem anderen Leihspieler, der bisher komplett hinter den Erwartungen bleibt, hat eine verpflichtende Kaufoption bereits gegriffen. Der BVB muss dem Vernehmen nach bis zu 30 Millionen Euro investieren.
Geld, das der Klub am Saisonende vielleicht lieber in Chukwuemeka gesteckt hätte. Ob der 21-Jährige womöglich nochmals ausgeliehen werden kann, ist wohl fraglich. Aktuell deutet viel darauf hin, dass die BVB-Fans die Technik, Athletik und Durchsetzungsfähigkeit von Chukwuemeka nur noch wenige Male bestaunen können.
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