Nike zahlt 50 Millionen Euro mehr als Adidas: Darum braucht der DFB so dringend Geld
VonChristoph Klaucke
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Der DFB hat mit dem Wechsel von Adidas zu Nike auf seine finanzielle Schieflage reagiert. Doch warum braucht der Verband dringend frisches Geld?
Frankfurt – Der DFB sorgt nur wenige Wochen vor Beginn der EM 2024 für einen echten Paukenschlag. Nike wird den langjährigen Ausrüster Adidas ersetzen – ab 2027. Dafür wird der klamme Verband fürstlich entlohnt, denn der DFB braucht dringend Geld. Doch warum ist der Deutsche Fußball-Verband überhaupt auf die Mehreinnahmen aus dem Ausland angewiesen?
DFB gerettet? Nike zahlt offenbar mehr als doppelt so viel wie Adidas
„Nike hat das mit Abstand beste wirtschaftliche Angebot abgegeben“, sagte Holger Blask als Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB GmbH & Co. KG. Laut dem Handelsblattkassiert der DFB mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr. Das soll aus Branchenkreisen bekannt geworden sein, wie das Blatt berichtet.
Damit würde Nike die bisherige Vertragssumme des aktuellen Ausrüsters Adidas bei Weitem übertreffen. Der langjährige Partner Adidas, der noch bis Ende 2026 alle Nationalmannschaften ausrüstet, soll rund 50 Millionen Euro jährlich an den DFB überweisen.
Der DFB braucht dringend Geld – und findet in Nike seinen Retter
Zuvor war auch Kritik an der Entscheidung laut geworden. „Wir verstehen jede Emotionalität. Auch für uns als Verband ist es ein einschneidendes Ereignis, wenn feststeht, dass eine Partnerschaft, die von vielen besonderen Momenten geprägt war und ist, nach mehr als 70 Jahren zu Ende geht“, teilte der DFB mit.
Der Verband sei jedoch dem deutschen Fußball und dessen Entwicklung verpflichtet. Er sei „ein Sport-Fachverband, der seine Mitgliedsverbände und die Basis im Amateurbereich finanziert und nicht von ihnen finanziert wird. Er steckt das Geld in den Fußball. Damit Fußball ein Volkssport bleibt“, so der DFB. Vor diesem Hintergrund müsse der Verband wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Der DFB findet im US-Sportartikelhersteller Nike also seinen Retter.
Alle EM-Trikots des DFB seit 1972 in der Übersicht
DFB verbrennt Millionen: Campus-Projekt und Steuernachzahlungen wiegen schwer
Die Misswirtschaft und horrenden Kosten haben den größten und einst reichsten Sportverband der Welt zum Handeln gezwungen. Die Ausgaben für den neu gebauten DFB-Campus überstiegen die Pläne bei weitem, von 180 statt 150 Millionen Euro ist die Rede. Darüber hinaus kostet der Unterhalt 18 Millionen Euro im Jahr, bestätigte Schatzmeister Stephan Grunwald dem ZDF, doppelt so viel wie erwartet.
Zudem drücken Steuerrückzahlungen an das Finanzamt die Bilanzen. Die Steuererklärungen für 2014 und 2015 wurden nicht anerkannt, deshalb wurde dem Verband für diese Jahre die Anerkennung der Gemeinnützigkeit verweigert. Kostenpunkt: 26 Millionen Euro zu erwartende Steuernachzahlungen, die der DFB nach jenen von den Finanzbehörden zurückgeforderten 21 Millionen aus dem Jahr 2006 (Stichwort: „Sommermärchenaffäre“) belasten. Der Verband hat allerdings jeweils Einspruch eingelegt.
Schwache Nationalmannschaft bringt DFB in finanzielle Bedrängnis – Nike als Retter?
Selbstredend trägt auch die sportliche Bilanz zur finanziell unsicheren Lage bei. Das Zugpferd deutsche Nationalmannschaft schwächelt seit Jahren. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften war jeweils nach der Gruppenphase Schluss, bei der letzten Europameisterschaft im Achtelfinale – dem DFB gingen so Millionen-Einnahmen in Form von Prämien verloren.
Die Folge der sportlichen Misere waren zudem teure Trainer-Entlassungen der ehemaligen Bundestrainer Joachim Löw und Hansi Flick, dem der DFB das Gehalt weiter zahlen muss. Nachfolger Julian Nagelsmann, der immerhin deutlich weniger verdienen soll, muss nun mit einer erfolgreichen Europameisterschaft wieder Geld in die Kassen spülen – und ab 2027 rettet dann vorerst Nike den DFB. (ck)