Entscheidung kurz vor EM 2024

Nike zahlt 50 Millionen Euro mehr als Adidas: Darum braucht der DFB so dringend Geld

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Der DFB hat mit dem Wechsel von Adidas zu Nike auf seine finanzielle Schieflage reagiert. Doch warum braucht der Verband dringend frisches Geld?

Frankfurt – Der DFB sorgt nur wenige Wochen vor Beginn der EM 2024 für einen echten Paukenschlag. Nike wird den langjährigen Ausrüster Adidas ersetzen – ab 2027. Dafür wird der klamme Verband fürstlich entlohnt, denn der DFB braucht dringend Geld. Doch warum ist der Deutsche Fußball-Verband überhaupt auf die Mehreinnahmen aus dem Ausland angewiesen?

DFB gerettet? Nike zahlt offenbar mehr als doppelt so viel wie Adidas

„Nike hat das mit Abstand beste wirtschaftliche Angebot abgegeben“, sagte Holger Blask als Vorsitzender der Geschäftsführung der DFB GmbH & Co. KG. Laut dem Handelsblatt kassiert der DFB mehr als 100 Millionen Euro pro Jahr. Das soll aus Branchenkreisen bekannt geworden sein, wie das Blatt berichtet.

Damit würde Nike die bisherige Vertragssumme des aktuellen Ausrüsters Adidas bei Weitem übertreffen. Der langjährige Partner Adidas, der noch bis Ende 2026 alle Nationalmannschaften ausrüstet, soll rund 50 Millionen Euro jährlich an den DFB überweisen.

Der DFB hat mit dem Wechsel von Adidas zu Nike auf seine finanzielle Schieflage reagiert. Doch warum braucht der Verband dringend frisches Geld?

Der DFB braucht dringend Geld – und findet in Nike seinen Retter

Zuvor war auch Kritik an der Entscheidung laut geworden. „Wir verstehen jede Emotionalität. Auch für uns als Verband ist es ein einschneidendes Ereignis, wenn feststeht, dass eine Partnerschaft, die von vielen besonderen Momenten geprägt war und ist, nach mehr als 70 Jahren zu Ende geht“, teilte der DFB mit.

Der Verband sei jedoch dem deutschen Fußball und dessen Entwicklung verpflichtet. Er sei „ein Sport-Fachverband, der seine Mitgliedsverbände und die Basis im Amateurbereich finanziert und nicht von ihnen finanziert wird. Er steckt das Geld in den Fußball. Damit Fußball ein Volkssport bleibt“, so der DFB. Vor diesem Hintergrund müsse der Verband wirtschaftliche Entscheidungen treffen. Der DFB findet im US-Sportartikelhersteller Nike also seinen Retter.

Alle EM-Trikots des DFB seit 1972 in der Übersicht

Gerd Müller erzielte im klassischen Schwarz und Weiß gehalten im Finale der EM 1972 in Belgien einen Doppelpack – die BR Deutschland gewann mit 3:0 gegen die Sowjetunion. Uli Hoeneß trägt hier das Auswärtsdress, grün mit weißem Kragen, weißer Hose und grünen Stutzen.
Gerd Müller erzielte im klassischen Schwarz und Weiß im Finale der EM 1972 in Belgien einen Doppelpack – die BR Deutschland gewann mit 3:0 gegen die Sowjetunion. Uli Hoeneß trägt hier das Auswärtsdress, grün mit weißem Kragen, weißer Hose und grünen Stutzen. © Bildmontage IMAGO / Colorsport + IMAGO / Colorsport
Die EM 1976 im ehemaligen Jugoslawien hatte die DFB-Stars wieder im schlichten Schwarz-Weiß empfangen. Gegen die Tschechoslowakei verlor man im Final-Elfmeterschießen 3:5.
Die EM 1976 im ehemaligen Jugoslawien hatte die DFB-Stars wieder im schlichten Weiß-Schwarz empfangen. Gegen die Tschechoslowakei verlor man im Final-Elfmeterschießen 3:5. © imago sportfotodienst
Farblich blieben die Akzente weiterhin aus: Bei der EM 1980 in Italien sorgte aber immerhin der Kragen für Aufsehen. Sportliches Resümee: Europameister.
Farblich blieben die Akzente weiterhin aus: Bei der EM 1980 in Italien sorgte aber immerhin der Kragen für Aufsehen. Sportliches Resümee: Europameister. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Jetzt aber: Auf dem DFB-Trikot zeichneten sich leichte Querstreifen ab, die modische Revolution hat begonnen. Tatort: EM 1984 in Frankreich.
Jetzt aber: Auf dem DFB-Trikot zeichneten sich leichte Querstreifen ab, die modische Revolution hat begonnen. Tatort: EM 1984 in Frankreich. Sportlich lief es überhaupt nicht, Aus bereits in der Gruppenphase. © Pressefoto Rudel/Herbert Rudel via www.imago-images.de
Deutschland erstrahlte bei der EM 1988 im eigenen Land erstmals in Schwarz-Rot-Gold. Aus im Halbfinale gegen die Niederlande.
Deutschland erstrahlte bei der EM 1988 im eigenen Land erstmals in Schwarz-Rot-Gold. Brachte fast den ganz großen Erfolg, Aus im Halbfinale gegen die Niederlande. © imago sportfotodienst
EM 1992 in Schweden: Schwarz-Rot-Gold auf den Schultern und ansatzweise im Kragen. Finalniederlage gegen Dänemark.
EM 1992 in Schweden: Schwarz-Rot-Gold auf den Schultern und ansatzweise im Kragen. Finalniederlage gegen Dänemark. © IMAGO/Pressefoto Rudel/Herbert Rudel
Mehmet Scholl und Co. trugen bei der EM 1996 in England wieder eher schlicht, aber mit landesfarblichem Touch am Ärmelende sowie im Kragen. Finalsieg über Tschechien durch Golden Goal.
Mehmet Scholl und Co. trugen bei der EM 1996 in England wieder eher schlicht, aber mit landesfarblichem Touch am Ärmelende sowie im Kragen. Finalsieg über Tschechien durch Golden Goal. © Laci Perenyi via www.imago-images.de
Aus bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlagen als Letzter der Gruppenphase – und auch die Trikots waren eher weniger der Hingucker. Das Heimtrikot war schlicht gehalten, auswärts lief das DFB-Team wieder mal in Grün auf.
Aus bei der EM 2000 in Belgien und den Niederlagen als Letzter der Gruppenphase. Das Heimtrikot war schlicht gehalten, auswärts lief das DFB-Team wieder mal in Grün auf. © Bildmontage Rolf Kosecki/Imago + IMAGO / Horstmüller
Sportlich glich auch die EM 2004 in Portugal einem Horrorszenario – Aus in der Gruppenphase zum zweiten Mal in Folge. Das Auswärtsgrün wich einem Auswärtsschwarz, das Heimtrikot war dem zur vorherigen Europameisterschaft ziemlich ähnlich.
Sportlich glich auch die EM 2004 in Portugal einem Horrorszenario – Aus in der Gruppenphase zum zweiten Mal in Folge. Das Auswärtsgrün wich einem Auswärtsschwarz, das Heimtrikot war dem der vorherigen Europameisterschaft ziemlich ähnlich. © Bildmontage IMAGO / Camera 4 + IMAGO / Pixsell
Schwarz-Rot-Gold war in Österreich und der Schweiz bei der EM 2008 wieder mitten auf der Brust zu sehen – erst dick in Schwarz, dann in Rot und Gold schmal darunter. Beim Auswärtstrikot setzte der DFB auf ein ungewohnt schrilles Rot, garniert mit einem schwarzen Balken in der Mitte. Finalniederlage gegen Spanien.
Schwarz-Rot-Gold war in Österreich und der Schweiz bei der EM 2008 wieder mitten auf der Brust zu sehen – erst dick in Schwarz, dann in Rot und Gold schmal darunter. Beim Auswärtstrikot setzte der DFB auf ein ungewohnt schrilles Rot, garniert mit einem schwarzen Balken in der Mitte. Finalniederlage gegen Spanien. © Bildmontage IMAGO / Bernd König + IMAGO / Sven Simon
Polen und die Ukraine waren Gastgeber der EM 2012, bei der die DFB-Elf wieder auf eher schlichte Trikots setzte. Das Heimjersey war fast komplett in Weiß gehalten, hatte dazu leichte schwarze Streifen. Auswärts war ein knalliges Grün ziemlich auffällig. Fast wie die Leistungen: Halbfinalniederlage gegen Italien.
Polen und die Ukraine waren Gastgeber der EM 2012, bei der die DFB-Elf wieder auf eher schlichte Trikots setzte. Das Heimjersey war fast komplett in Weiß gehalten, hatte dazu leichte schwarze Streifen. Auswärts war ein knalliges Grün ziemlich auffällig. Fast wie die Leistungen: Halbfinalniederlage gegen Italien. © Bildmontage IMAGO / Sportimage + IMAGO / DeFodi
Der zwei Jahre zuvor geholte WM-Pokal zierte beim Heimtrikot die deutsche Brust, das Auswärtsleibchen wurde bei der EM 2016 in Frankreich in Grau und Grün gehalten. Grau für die Hinterhöfe und Bolzplätze, Grün für die Rasenplätze der Vereinsmannschaften. Wieder Niederlage im Halbfinale, diesmal gegen Frankreich.
Der zwei Jahre zuvor geholte WM-Pokal zierte beim Heimtrikot die deutsche Brust, das Auswärtsleibchen wurde bei der EM 2016 in Frankreich in Grau und Grün gehalten. Grau für die Hinterhöfe und Bolzplätze, Grün für die Rasenplätze der Vereinsmannschaften. Wieder Niederlage im Halbfinale, diesmal gegen Frankreich. © Bildmontage IMAGO / Fotostand + IMAGO / Fotoarena
Das Grün im Auswärtstrikot wich bei der kontinental ausgetragenen EM 2021 wieder dem schwarzen Grund. Ansonsten spielte das DFB-Team in Weiß mit länglichen schwarzen Streifen. Die Ära Jogi Löw endete, Deutschland schied im Achtelfinale gegen England aus.
Das Grün im Auswärtstrikot wich bei der kontinental ausgetragenen EM 2021 wieder dem schwarzen Grund. Ansonsten spielte das DFB-Team in Weiß mit länglichen schwarzen Streifen. Die Ära Jogi Löw endete, Deutschland schied im Achtelfinale gegen England aus. © Bildmontage IMAGO / Sven Simon + IMAGO / ULMER Pressebildagentur

DFB verbrennt Millionen: Campus-Projekt und Steuernachzahlungen wiegen schwer

Die Misswirtschaft und horrenden Kosten haben den größten und einst reichsten Sportverband der Welt zum Handeln gezwungen. Die Ausgaben für den neu gebauten DFB-Campus überstiegen die Pläne bei weitem, von 180 statt 150 Millionen Euro ist die Rede. Darüber hinaus kostet der Unterhalt 18 Millionen Euro im Jahr, bestätigte Schatzmeister Stephan Grunwald dem ZDF, doppelt so viel wie erwartet.

Zudem drücken Steuerrückzahlungen an das Finanzamt die Bilanzen. Die Steuererklärungen für 2014 und 2015 wurden nicht anerkannt, deshalb wurde dem Verband für diese Jahre die Anerkennung der Gemeinnützigkeit verweigert. Kostenpunkt: 26 Millionen Euro zu erwartende Steuernachzahlungen, die der DFB nach jenen von den Finanzbehörden zurückgeforderten 21 Millionen aus dem Jahr 2006 (Stichwort: „Sommermärchenaffäre“) belasten. Der Verband hat allerdings jeweils Einspruch eingelegt.

Schwache Nationalmannschaft bringt DFB in finanzielle Bedrängnis – Nike als Retter?

Selbstredend trägt auch die sportliche Bilanz zur finanziell unsicheren Lage bei. Das Zugpferd deutsche Nationalmannschaft schwächelt seit Jahren. Bei den letzten beiden Weltmeisterschaften war jeweils nach der Gruppenphase Schluss, bei der letzten Europameisterschaft im Achtelfinale – dem DFB gingen so Millionen-Einnahmen in Form von Prämien verloren.

Die Folge der sportlichen Misere waren zudem teure Trainer-Entlassungen der ehemaligen Bundestrainer Joachim Löw und Hansi Flick, dem der DFB das Gehalt weiter zahlen muss. Nachfolger Julian Nagelsmann, der immerhin deutlich weniger verdienen soll, muss nun mit einer erfolgreichen Europameisterschaft wieder Geld in die Kassen spülen – und ab 2027 rettet dann vorerst Nike den DFB. (ck)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Florian Wiegan

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