VonLars Pollmannschließen
Ein Sorgenkind fiel beim BVB-Heimsieg gegen Mainz 05 erneut ab. Im Sommer wird für die bisherige Leihgabe eine hohe Ablöse fällig.
Dortmund – Dass Cheftrainer Niko Kovač beim 3:1-Heimsieg von Borussia Dortmund gegen den FSV Mainz 05 am Sonntag mit der Umstellung auf ein 3-5-2-System auf die Ausfälle von Serhou Guirassy und Marcel Sabitzer reagierte, kam nicht als große Überraschung daher.
Immerhin hat der Kroate auf seinen vorherigen Stationen oft und durchaus erfolgreich mit drei Innenverteidigern spielen lassen. Dem BVB-Kader kommt diese Anordnung derzeit entgegen, weil durch das Fehlen von Sabitzer und Felix Nmecha sowie die neue Rolle von Pascal Groß als Achter kein spielstarker defensiver Mittelfeldspieler zur Verfügung steht. Bei der Umstellung auf Dreierkette sind die Strukturen im Aufbau sonnenklar, während die Flügelverteidiger dem Spiel Breite geben sollen.
Brasilianer verpasst Freiburg-Duell wegen Gelbsperre
Eigentlich ist diese Rolle auf der rechten Außenbahn für Yan Couto wie auf den Leib geschneidert. Jedoch zeigte der Brasilianer auch auf seiner Lieblingsposition eine schwache Vorstellung. Der von Manchester City derzeit noch ausgeliehene 22-Jährige gibt in Dortmund weiterhin große Rätsel auf.
Gegen Mainz verschleppte Couto immer wieder unnötig das Tempo, seinem Passspiel fehlte es an Genauigkeit und Schärfe. Kurz vor der Halbzeitpause holte sich der vierfache Nationalspieler der Seleção eine (zugegebenermaßen fragwürdige) fünfte Gelbe Karte ab und fehlt damit beim nächsten richtungsweisenden Spiel in Freiburg.
In der zweiten Hälfte wurde Couto nach einigen weiteren Fouls Gelb-Rot-gefährdet ausgewechselt – nachdem wenige Augenblicke zuvor sein haarsträubender Ballverlust eine Doppelchance für Mainz provoziert hatte.
Couto ist in knapp 1000 BVB-Minuten einen Leistungsnachweis schuldig geblieben
Zwar rettete der Neuzugang in der Anfangsphase auch einmal aufmerksam nach einem Lapsus von Kapitän Emre Can und bereitete im zweiten Durchgang eine gute Gelegenheit von Maximilian Beier vor, dennoch fiel Couto im Vergleich zu den Teamkollegen insgesamt deutlich ab. Bei den BVB-Noten von Absolut Fußball, dem Fußballportal von Home of Sports, kassierte Couto eine 5,0.
Es war kurzum ein unglücklicher Auftritt, und keineswegs der erste in dieser Saison. In insgesamt 26 Pflichtspielen und knapp 1000 Einsatzminuten in allen Wettbewerben konnte Couto seine Qualitäten nur sehr vereinzelt unter Beweis stellen.
Endgültiger Wechsel nach Dortmund steht bereits fest
Dass es für den Brasilianer nun auch auf seiner vermeintlichen Parade-Position nicht mit einem guten Auftritt gelingen wollte, gibt zu denken. Denn: Bei Couto steht jetzt schon fest, dass er im Sommer endgültig nach Dortmund wechseln wird. Die Verantwortlichen um Sportdirektor Sebastian Kehl hatten sich auf ein Leihgeschäft mit verpflichtender Kaufoption eingelassen.
Die entsprechenden Parameter wurden dem Vernehmen nach schon mit dem siebten Pflichtspieleinsatz von Couto erreicht. Bis zu 30 Millionen Euro Ablöse soll sein Transfer insgesamt kosten. Die bisherigen Leistungen rechtfertigen ein solches Investment nicht im Ansatz.
Transfersommer 2025 beginnt für den BVB mit einem Minus von rund 25 Millionen Euro
Eine besondere Note erhält die Sache, wenn der BVB am Ende der Bundesliga-Saison die Champions-League-Qualifikation und die damit verbundenen Einnahmen in der kommenden Saison verpassen sollte. In diesem Fall wird der BVB wohl den ein oder anderen Spieler verkaufen müssen, um wirtschaftliche Lücken zu füllen, wie Hans-Joachim Watzke bereits angedeutet hat.
Dass der Transfersommer 2025 mit einem Minus von rund 25 Millionen Euro beginnt, ist umso ärgerlicher, weil sich bei Couto bislang nicht der Gedanke aufdrängt, dass er eine solche Summe eines Tages wieder einspielen könnte. Sein Marktwert hat sich durch die schwache erste Saison beim BVB bereits reduziert.
Beim BVB sollte man Spieler nicht zu früh abschreiben
Wohlgemerkt, abschreiben sollte man den Flügelverteidiger gewiss noch nicht. Dortmund ist für viele Neuzugänge ein hartes Pflaster. Bei Couto kommen diverse Faktoren zusammen: Er kannte vor dem Wechsel weder Deutschland noch die Bundesliga, arbeitete beim BVB bereits unter drei Trainern. Die Zahl der Einsätze auf seiner Lieblingsposition in einer Systematik mit drei Innenverteidigern ist noch sehr gering.
Es gibt genügend Beispiele von Profis, denen in Dortmund zu früh das Etikett des „Fehleinkaufs“ angeheftet wurde und die ihre Kritiker nach einer Anlaufzeit Lügen gestraft haben.
Jedoch bedarf es dabei mit Blick auf Couto besonders großer Fantasie. Wann er nach seiner Gelbsperre die nächste Chance in der Startelf erhält, steht jedenfalls in den Sternen. Den Eindruck einer verlorenen Saison wird Couto eher nicht mehr geraderücken können. Wenn die Kaufpflicht eine reine Kaufoption wäre, würde der BVB wohl kaum viel Geld in die Hand nehmen.
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