VonDaniel Schmittschließen
Die Eintracht-Mannschaft hat durchaus Potenzial, aber Mentalität, Härte, Widerstandsfähigkeit gehen dem Team zu oft ab. Ein Kommentar.
Neben aller Kritik an der eigenen Leistung und dem Ärger über den verzockten Vorsprung waren sie bei Eintracht Frankfurt verständlicherweise darum bemüht, auch das Positive herauszuarbeiten, das Ergebnis nämlich, ein 2:2 auf fremden Felde, das fürs Conference-League-Rückspiel gegen Royal Union Saint-Gilloise tatsächlich alle Chancen aufs Weiterkommen ins Achtelfinale des drittklassigen Europapokal-Wettbewerbs lässt.
Einerseits. Andererseits verfestigte sich der Eindruck, dass das richtig schiefgehen könnte kommende Woche im Stadtwald. Das Aus gegen den belgischen Außenseiter droht, ist kein völlig unrealistisches Szenario. Doch warum? Weil es zu dieser nur sehr schwer greifbaren Mannschaft der Hessen irgendwie passen würde, die höchst veranlagt, aber auch ebenso wankelmütig ist. Schon die ganze Saison über.
Manager Markus Krösche hat den Kader auf Wertsteigerung ausgelegt, die Eintracht sich gerade bei (französischen) Talenten erfolgreich den Ruf als ideales Sprungbrett in eine noch größere Fußballwelt verschafft und ihnen einen Übungsleiter, Dino Toppmöller, vorgesetzt, der den langwierigen Prozess als große Chance wahrnimmt – für den Klub, für die Spieler, für sich selbst als Bundesligatrainer-Novizen. Unbestritten verfügt die Gruppe über Qualitäten, doch ganz offensichtlich aktuell nicht über alle, die für den nächsten Entwicklungsschritt, für Konstanz, nötig wären. Das kann noch kommen, klar, muss es aber auch nicht. Zu viele Potenziale schlummern derzeit noch unter der dicken Winterdecke.
Mentalität, Härte, Widerstandfähigkeit – Schlagworte, die dem Team zu oft abgehen. Funktioniert Plan A des Trainers, wie in den Anfangsminuten gegen Saint-Gilloise, blitzt die fußballerische Klasse des Teams auf, kann die Mannschaft einen manierlichen Ball spielen, dann flutscht es. Zumindest phasenweise. Sind ein Plan B oder gar C nötig, kann das Spiel auch mal schnell den Bach runtergehen. Siehe die zweite Hälfte in Brüssel. Oder in Darmstadt. Oder in Augsburg.
Die liegengelassenen Siege mit individuellen Patzern zu erklären, mag punktuell stimmen, in der Draufsicht aber wäre dieser Ansatz zu simpel. Vielmehr lassen sich strukturelle Schwierigkeiten erahnen. Gerade die erfahrene Achse des Teams schafft es zu selten, das ganze Gebilde stabil zu halten, verständliche Formschwächen von Einzelnen im Gesamten wettzumachen. Fehler schlagen zu häufig spielentscheidend durch. Auch des Trainers taktische Anpassung verfangen oft nicht, überfordern die Profis. Im Gesamtkontext ergibt das weiterhin eine ergebnistechnisch ordentliche Saison mit Bundesligaplatz sechs und der realistischen Möglichkeit aufs Europapokal-Achtelfinale. Einzig: Bleibt die Mannschaft so wankelmütig wie bisher, wofür einiges spricht, könnte es alsbald auch mal richtig schiefgehen.
