VonGeorg Leppertschließen
Ausgerechnet die Eintracht-Fans beteiligen sich nicht an den bundesweiten Protesten – das hat Gründe.
Frankfurt – Freiburger Fans lassen ferngesteuerte Flugzeuge im Stadion kreisen. Der Kölner Anhang versucht es mit Autos in Miniaturformat. In fast jedem Stadion fliegen Tennisbälle oder Süßigkeiten aufs Feld. Nur die Fans von Eintracht Frankfurt halten sich in diesen Tagen beim Protest gegen einen Investoreneinstieg in den deutschen Profifußball bemerkenswert zurück.
Eintracht-Fans protestierten als erste gegen Montagsspiele in der Bundesliga
Das verwundert auf den ersten Blick. Ausgerechnet Frankfurt ist nicht dabei, wenn es darum geht, Spielunterbrechungen zu provozieren? Die aktive Fanszene der Eintracht, dominiert von den einflussreichen Ultras, gilt als wenig autoritätshörig. Der (letztlich erfolgreiche) Protest gegen Montagsspiele nahm in Frankfurt seinen Anfang. Sechs Jahre ist das jetzt her, die Fans der Eintracht warfen beim ersten Montagsspiel Dutzende Tennisbälle aufs Feld.
Damals war das noch eine Besonderheit. Hinzu kommt, dass gerade die Ultras mit dem Argument, man schade durch Spielunterbrechungen und den damit verbundenen Strafen dem eigenen Verein, nicht zu erreichen sind. Und genau diese Leute machen bei den größten Fan-Protesten in der Geschichte der Bundesliga nicht mit? Die Ruhe in der Frankfurter Fankurve hat im Wesentlichen drei Gründe. Da ist zum einen die Person Axel Hellmann. Der Vorstandschef der Eintracht ist zusammen mit Dortmund-Boss Joachim Watzke das Gesicht hinter dem Vorstoß, einen Investor mit ins Boot zu holen.
Eintracht-Boss Hellmann suchte früh Kontakt zur organisierten Fanszene
Hellmann suchte früh den Kontakt zur organisierten Fanszene. Am Ende gelang es ihm, eine Botschaft zu vermitteln: Es gibt rote Linien, und die werden nicht überschritten. Keine Pflichtspiele im Ausland, keine neuen Anstoßzeiten. Viele Fans, die die Kommerzialisierung des Fußballs zwar nicht gut finden, sich aber irgendwie damit abgefunden haben, waren damit zufrieden. Und sollte ein Investor doch irgendwann Grenzen überschreiten, könne man ja immer noch protestieren, so ist zu hören. Die Abschaffung der Montagsspiele habe schließlich gezeigt, das Druck wirkt.
Zum zweiten hält sich die Frankfurter Fanszene traditionell zurück, wenn es um gemeinsame Aktionen geht. Schon als im Dezember 2012 das umstrittene Sicherheitskonzept für den Profifußball beschlossen wurde, standen die Frankfurter nicht in der ersten Reihe. Man beteiligte sich am Schweigen zu Beginn jedes Spiels. Weitergehende Aktionen – etwa Proteste vor dem Frankfurter Tagungshotel, in dem das Konzept beschlossen wurde – überließ man anderen Gruppen.
Kritik von Kölner Ultras
Mit dem Motto „Getrennt in den Farben – vereint in der Sache“ können viele der Eintracht-Fans nur wenig anfangen. Eher gilt der in besonders derber Sprache oft skandierte Wahlspruch: „Alles außer Frankfurt ist Scheiße.“ Andere Szenen kritisieren diese Haltung. „Während in Frankfurt die Funktionäre der DFL fleißig am Investorendeal basteln, glänzt die örtliche Fanszene bei diesem Thema mit absoluter Gleichgültigkeit“, stellte die Kölner Ultra-Gruppe „Coloniacs“ anlässlich des Gastspiels der Eintracht kürzlich fest. Erfolge der Frankfurter Fans, etwa die Abschaffung der Montagsspiele, „werden dadurch zunehmend bedeutungslos“.
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Aber in Frankfurt – und das ist der dritte Grund für die Zurückhaltung – hat man derzeit ganz andere Probleme. Allen voran die ständigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitsbehörden. Seit Monaten gibt es in der heimischen Nordwestkurve keine Choreos mehr. Dabei wurden die Fans dafür europaweit gefeiert. Mittlerweile hat aber die Feuerwehr Bedenken angemeldet. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
Fans von Eintracht Frankfurt mit Aufarbeitung von Massenschlägerei im November beschäftigt
Zudem sind Fans und Polizei – streng getrennt voneinander – dabei, die Massenschlägerei im November auszuarbeiten. Vor dem Heimspiel der gegen Stuttgart hatte es Auseinandersetzungen zwischen Einsatzkräften und Eintracht-Anhängern gegeben. Zahlreiche Unbeteiligte wurden verletzt. Die Polizei sagt, sie sei angegriffen worden und habe so handeln müssen. Die Fans sprechen von massiver Polizeigewalt. Zwischen ihrer Schilderung und der Einschätzung des Frankfurter Polizeipräsidenten Stefan Müller liegen Welten. Eine Annäherung scheint derzeit ausgeschlossen.
Und so wird aus der Frankfurter Kurve wohl zunächst nichts fliegen. Das heißt nicht, dass die Eintracht-Fans sich nicht äußern würden. Dario Minden sagt etwa, die Aussage der DFL, wonach Fans und Mitglieder in den Vereinen wesentlich zum deutschen Fußball gehörten, sei „wohlfeil“. Bei der Debatte über einen Investoreneinstieg habe sie „keine Grundlage“. Und Minden wird aller Voraussicht nach Ende des Monats zum Vorsitzenden der Fan- und Förderabteilung gewählt.
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