Investoren-Proteste

Das große Schweigen der Eintracht-Fans

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Ausgerechnet die Eintracht-Fans beteiligen sich nicht an den bundesweiten Protesten – das hat Gründe.

Frankfurt – Freiburger Fans lassen ferngesteuerte Flugzeuge im Stadion kreisen. Der Kölner Anhang versucht es mit Autos in Miniaturformat. In fast jedem Stadion fliegen Tennisbälle oder Süßigkeiten aufs Feld. Nur die Fans von Eintracht Frankfurt halten sich in diesen Tagen beim Protest gegen einen Investoreneinstieg in den deutschen Profifußball bemerkenswert zurück.

Eintracht-Fans protestierten als erste gegen Montagsspiele in der Bundesliga

Das verwundert auf den ersten Blick. Ausgerechnet Frankfurt ist nicht dabei, wenn es darum geht, Spielunterbrechungen zu provozieren? Die aktive Fanszene der Eintracht, dominiert von den einflussreichen Ultras, gilt als wenig autoritätshörig. Der (letztlich erfolgreiche) Protest gegen Montagsspiele nahm in Frankfurt seinen Anfang. Sechs Jahre ist das jetzt her, die Fans der Eintracht warfen beim ersten Montagsspiel Dutzende Tennisbälle aufs Feld.

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Damals war das noch eine Besonderheit. Hinzu kommt, dass gerade die Ultras mit dem Argument, man schade durch Spielunterbrechungen und den damit verbundenen Strafen dem eigenen Verein, nicht zu erreichen sind. Und genau diese Leute machen bei den größten Fan-Protesten in der Geschichte der Bundesliga nicht mit? Die Ruhe in der Frankfurter Fankurve hat im Wesentlichen drei Gründe. Da ist zum einen die Person Axel Hellmann. Der Vorstandschef der Eintracht ist zusammen mit Dortmund-Boss Joachim Watzke das Gesicht hinter dem Vorstoß, einen Investor mit ins Boot zu holen.

Auswärts-Choreo statt Protest: Die Frankfurter Fans zeigen ihren Stepi, den Kultcoach Dragoslav Stepanovic.

Eintracht-Boss Hellmann suchte früh Kontakt zur organisierten Fanszene

Hellmann suchte früh den Kontakt zur organisierten Fanszene. Am Ende gelang es ihm, eine Botschaft zu vermitteln: Es gibt rote Linien, und die werden nicht überschritten. Keine Pflichtspiele im Ausland, keine neuen Anstoßzeiten. Viele Fans, die die Kommerzialisierung des Fußballs zwar nicht gut finden, sich aber irgendwie damit abgefunden haben, waren damit zufrieden. Und sollte ein Investor doch irgendwann Grenzen überschreiten, könne man ja immer noch protestieren, so ist zu hören. Die Abschaffung der Montagsspiele habe schließlich gezeigt, das Druck wirkt.

Zum zweiten hält sich die Frankfurter Fanszene traditionell zurück, wenn es um gemeinsame Aktionen geht. Schon als im Dezember 2012 das umstrittene Sicherheitskonzept für den Profifußball beschlossen wurde, standen die Frankfurter nicht in der ersten Reihe. Man beteiligte sich am Schweigen zu Beginn jedes Spiels. Weitergehende Aktionen – etwa Proteste vor dem Frankfurter Tagungshotel, in dem das Konzept beschlossen wurde – überließ man anderen Gruppen.

Kritik von Kölner Ultras

Mit dem Motto „Getrennt in den Farben – vereint in der Sache“ können viele der Eintracht-Fans nur wenig anfangen. Eher gilt der in besonders derber Sprache oft skandierte Wahlspruch: „Alles außer Frankfurt ist Scheiße.“ Andere Szenen kritisieren diese Haltung. „Während in Frankfurt die Funktionäre der DFL fleißig am Investorendeal basteln, glänzt die örtliche Fanszene bei diesem Thema mit absoluter Gleichgültigkeit“, stellte die Kölner Ultra-Gruppe „Coloniacs“ anlässlich des Gastspiels der Eintracht kürzlich fest. Erfolge der Frankfurter Fans, etwa die Abschaffung der Montagsspiele, „werden dadurch zunehmend bedeutungslos“.

Die größten Transfer-Flops von Eintracht Frankfurt

Anderson Bamba Ordonez Eintracht Frankfurt sieht sich die Commerzbank Arena an 05 02 2017 Eintr
Platz 10: Anderson Ordonez wechselte im Januar 2017 für 1 Mio. Euro von Barcelona an den Main. Jedoch nicht vom katalanischen Weltklub, sondern vom ecuadorianischen Pendant aus Guayaquil. Nach einem Jahr mit Verletzungsproblemen und nur vier Einsätzen ging es wieder zurück nach Ecuador, wo er bis heute spielt. © imago
Training Eintracht Frankfurt Ali Akman (Eintracht Frankfurt, 30) auf dem Rad. Training von Eintracht Frankfurt am 28. Ju
Platz 9: Ali Akman kam 2019 mit vielen Vorschusslorbeeren und reichliche Drama von Buraspor zur Eintracht. Weil er einen Vorvertrag in Deutschland unterschrieb, ließ Buraspor sein Toptalent für die restliche Vertragslaufzeit nicht mehr auflaufen. Die SGE zahlte ein wenig drauf, Akman kam noch früher. Der Stürmer kann sich aber bis heute nicht durchsetzten. Bis Sommer 2023 ist er an Göztepe ausgeliehen. Bislang ist er noch ohne Torerfolg in der Türkei. Der Durchbruch in Frankfurt wird ihm wohl nicht mehr gelingen. © Kessler/imago
31.10.2020, xjhx, Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt - Werder Bremen emspor, v.l. Bas Dost (Eintracht Frankfurt
Platz 8: Bas Dost schloss sich für stolze 7 Mio. Euro der SGE von Sporting aus Lissabon an. Nach einem vielversprechenden Start mit drei Treffern in fünf Spielen folgten in seiner Premierensaison nur noch fünf weitere Tore. Nach anderthalb Jahren ging er für 4 Mio. Euro - ein satter Verlust von 3 Millionen. © Huebner/imago
Lucas Alario fotografiert beim Fußball Freundschaft Spiel Eintracht Frankfurt gegen den SV Sandhausen am 2.12..22. in Fr
Platz 7: Für einen ähnlich hohen Betrag (6 Mio. Euro) kam Lucas Alario im Sommer 2022 von Bayer Leverkusen zu Eintracht Frankfurt. Mit nur 200 Spielminuten und nur einem mageren Törchen ist der Argentinier ein großer Flop - eigentlich. Denn noch hat Alario die Chance, das Ruder herumzureißen und sich mit Toren am Fließband aus dieser Liste zu katapultieren. © Schmidt/imago
Nelson VALDEZ F verletzt mit Krücken Fussball 1 Bundesliga 3 Spieltag Eintracht Frankfurt F
Platz 6: Bundesliga-Veteran Nelson Valdez kam 2014 immerhin ablösefrei aus den Vereinigten Arabischen Emiraten an den Main. Doch der Paraguayer riss sich bereits in seiner dritten Partie das Kreuzband. Zum Ende der Spielzeit kam er für acht Einsätze nochmal zurück, eher er die SGE wieder verließ. Immerhin: Bei seinem Comeback gegen Paderborn traf der Angreifer und sorgte für große Emotionen. © imago
Tommy Berntsen 2001 im Trikot von Eintracht Frankfurt
Platz 5: Nur die wenigsten Eintracht-Fans werden sich noch an Tommy Berntsen erinnern. 2001 für die damals schwindelerregende Ablösesumme von rund 1,9 Mio. Euro aus dem norwegischen Lillestrom nach Frankfurt gewechselt, reichte es nur zu drei Kurzeinsätzen in zwei Monaten. Neun Monate lang wurde der Norweger nicht mehr eingesetzt, ehe es wieder in die Heimat ging. © imago
Ümit Korkmaz von Eintracht Frankfurt mit Trainer Armin Veh
Platz 4: Als Toptalent von Rapid Wien für 2,3 Mio. Euro unter Vertrag genommen, konnte Ümit Korkmaz die Erwartung bei der Eintracht nie erfüllen. Zahlreiche Verletzungen verhinderten, dass der Österreicher mal viele Spiele in Folge absolvieren konnte. Dennoch ist der mittlerweile 37-Jährige immer ein gern gesehener Gast in Frankfurt. © imago
11.12.2019, xmhx, Fussball UEFA Europa League, Eintracht Frankfurt - Training und PK emspor, v.l. Dejan Joveljic (Eintr
Platz 3: Mit ähnlich großen Erwartungen schloss sich Dejan Joveljic den Adlerträgern an. Satte 4 Mio. Euro zahlte der Klub 2019 für das hoffnungsvolle Talent an Roter Stern Belgrad. Doch der Serbe setzte sich nie durch. Nach zwei Leihgeschäfte folgte im Sommer 2021 der Schritt nach Los Angeles - ohne je einen Bundesliga-Treffer erzielt zu haben. Mit einer Ablösesumme von 3,5 Mio. Euro konnte zumindest der finanzielle Schaden in Grenzen gehalten werden. © Huebner/imago
15.05.2021, Fussball, Saison 2020/2021, 1. Bundesliga, 33.Spieltag, FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt, Steven Zuber (E
Platz 2: 3 Milo. Euro ließ sich die Eintracht Steven Zuber Kosten. In 23 Einsätzen konnte er sich nicht in die Herzen der SGE-Fans spielen und enttäuschte größtenteils. Sein Leihgeschäft und anschließender Transfer-Deal nach Athen spülten immerhin 2 Mio. Euro wieder zurück in die Kassen der Hessen. © Rehbein/imago
Sam Lammers 9 (Eintracht Frankfurt), Bayer Leverkusen vs. Eintracht Frankfurt, Fussball, 1. Bundesliga, 32. Spieltag, 0
Platz 1: Schon die Rahmenbedingungen des größten Eintracht-Flops aller Zeiten machten stutzig. 3,6 Mio. Euro zahlten die Frankfurter für das einjährige Leihgeschäft von Sam Lammers an Atalanta Bergamo. Der Niederländer wirkt in jeder seiner größtenteils kurzen Einsätze wie ein Fremdkörper im Spiel der SGE. Der völlig überteuerte Leih-Deal wurde zur großen Enttäuschung. Ein anschließender Kauf stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, sodass der Angreifer nach einem Jahr wieder zurück nach Italien gehen musste. © Niemeyer/imago

Aber in Frankfurt – und das ist der dritte Grund für die Zurückhaltung – hat man derzeit ganz andere Probleme. Allen voran die ständigen Auseinandersetzungen mit den Sicherheitsbehörden. Seit Monaten gibt es in der heimischen Nordwestkurve keine Choreos mehr. Dabei wurden die Fans dafür europaweit gefeiert. Mittlerweile hat aber die Feuerwehr Bedenken angemeldet. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Fans von Eintracht Frankfurt mit Aufarbeitung von Massenschlägerei im November beschäftigt

Zudem sind Fans und Polizei – streng getrennt voneinander – dabei, die Massenschlägerei im November auszuarbeiten. Vor dem Heimspiel der gegen Stuttgart hatte es Auseinandersetzungen zwischen Einsatzkräften und Eintracht-Anhängern gegeben. Zahlreiche Unbeteiligte wurden verletzt. Die Polizei sagt, sie sei angegriffen worden und habe so handeln müssen. Die Fans sprechen von massiver Polizeigewalt. Zwischen ihrer Schilderung und der Einschätzung des Frankfurter Polizeipräsidenten Stefan Müller liegen Welten. Eine Annäherung scheint derzeit ausgeschlossen.

Und so wird aus der Frankfurter Kurve wohl zunächst nichts fliegen. Das heißt nicht, dass die Eintracht-Fans sich nicht äußern würden. Dario Minden sagt etwa, die Aussage der DFL, wonach Fans und Mitglieder in den Vereinen wesentlich zum deutschen Fußball gehörten, sei „wohlfeil“. Bei der Debatte über einen Investoreneinstieg habe sie „keine Grundlage“. Und Minden wird aller Voraussicht nach Ende des Monats zum Vorsitzenden der Fan- und Förderabteilung gewählt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jan Huebner

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