VonIngo Durstewitzschließen
Eintracht Frankfurt kann aus dem wilden 3:3 beim SC Freiburg wichtige Erkenntnisse ziehen. Der hessische Bundesligist nimmt „viel Positives“ mit, sagt Trainer Dino Toppmöller.
Der letzte Mann schien ein ganz klein wenig angesäuert. Also bedeutete Kevin Trapp nach dem wilden 3:3 seiner Eintracht in Freiburg sinngemäß, wer ein Haar in der Suppe suchen möchte, bitte schön, nur zu, sehr gerne. „Aber jetzt wieder so schlecht über uns zu reden, darauf habe ich keine Lust.“ Trotzig klang er, der Trappo, der Unterton war fast schon ein bisschen beleidigt.
Eintracht Frankfurt spielt „gefühlt keine gute Saison“
Die Kritik der vergangenen Wochen, räumte der Schlussmann ein, sei sehr vernehmlich gewesen, „wir haben viel einstecken müssen, auf die Mütze bekommen“, zu Recht, wie er noch anmerkte. Er klang aber so, als meine er das Gegenteil. Das wird nicht so sein, der 33-Jährige ist ein kluger Kopf, reflektiert und sensibel, er weiß schon sehr genau, was gut und schlecht ist. Und er ertappt sich ja selbst bei dem Gedanken, „dass es gefühlt keine gute Saison ist“.
Neue Spieler und Trainer brauchen ihre Eingewöhungszeit
Aber irgendwann müsse es mal gut sein mit dem Genörgel. Denn: „Wir stehen immer noch auf Platz sechs.“ Und dass es nun gegen den Mittelständler aus Freiburg nur einen Punkt gab und zuvor gegen die Leichtgewichte aus Darmstadt, Mainz, Köln und Bochum insgesamt nur fünf Zähler – na und? „In der Vergangenheit waren wir gegen dieselben Teams genauso schlecht.“
Und dann zählte der Nationalkeeper noch einmal ein paar plausible Gründe auf, weshalb in dieser Saison doch vieles klemmt, was schon mal flutschte. „Wir haben im Sommer 18 neue Spieler bekommen und ein neues Trainerteam“, führte er aus. „Ich weiß nicht, wann es so etwas bei der Eintracht mal gegeben hat?“ Und auch jetzt im Winter kamen noch mal vier Akteure dazu, die zuvor „lange nicht gespielt haben“. Da solle niemand erwarten, dass alles auf Knopfdruck funktioniere. „Das ist nicht immer so einfach.“ Zumal ja, so ganz allgemein, „die Erwartungen gestiegen sind“.
Eintracht Frankfurt verspielt in Freiburg drei Führungen
Irgendwann war die Grundsatzanalyse des routinierten Profis vor laufender Fernsehkamera vorüber, und natürlich war es kein Zufall, dass Trapp ausgerechnet nach diesem Spiel so ein bisschen offensiver wurde. Denn die Leistung beim 3:3 im Breisgau war nun nicht überragend, aber über weite Strecke sehr okay. Zwar hat die Eintracht eine dreimalige Führung nicht nach Hause gebracht, natürlich kassiert sie zu billige Gegentore, „die wir uns selbst reinlegen“, wie Trapp findet.
Aber: Die Frankfurter haben eine gute Haltung zum Spiel bewahrt, sind nicht eingeknickt und hatten keine massiven Schwankungen. „Wir hatten einen tollen Spirit im Team“, lobte Coach Dino Toppmöller. „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir das Spiel aus der Hand geben.“ Das war der Eintracht zuvor einige Male passiert, sehr frappierend in Darmstadt Mitte Januar und auch in der letzten Woche im Auswärtsspiel bei Royale Union Saint-Gilloise. Beide Male 2:2 nach 2:0.
Toppmöller tauscht die Außenverteidiger
Der Trainer selbst hat dazu beigetragen, mehr Stabilität und Festigkeit ins Spiel zu bekommen. Mit kleinen personellen Rochaden. So bot er auf den Außen Philipp Max und Aurelio Buta auf. Beide sind nicht so wuchtig und talentiert wie ihre Konkurrenten auf der Position, aber Max ist eben verlässlicher und seriöser als Niels Nkounkou, gleiches gilt für Buta im Vergleich zu Eric Dina Ebimbe.
Und die umkämpfte Partie kann auch für den einen oder anderen Spieler als Mutmacher dienen. Ansgar Knauff, zuvor in einem kleinen Formtief und auch erst mal auf der Bank, schnürte den ersten Doppelpack seiner Bundesligakarriere, steht nun schon bei erstaunlichen sieben Treffern; zuvor sind ihm in Deutschlands Eliteklasse drei Tore gelungen – insgesamt.
Eintracht Frankfurt: Tuta wird gefeiert
Und auch für den zuletzt viel und zu Recht gescholtenen Tuta könnte gerade das Ende des Spiels ein Hallo-Wach-Erlebnis gewesen sein, für seine spektakuläre Rettungstat nach fast 100 Spielminuten, als er schon auf dem Hosenboden saß, sich aufrappelte und den Ball irgendwie wegschoss, wurde er nach dem Abpfiff von den Kollegen und dem Staff frenetisch abgefeiert. Das sind Kleinigkeiten, die Wirkung aufs große Ganze haben können.
„Wir können viel Positives mitnehmen“, findet Toppmöller. Etwa die Erkenntnis, dass Omar Marmoush nichts von seiner bestechenden Form eingebüßt hat. Und dass Hugo Ekitiké nur wenige Minuten braucht, um sein großes Potenzial anzudeuten. Der junge Franzose hat vieles von Vorgänger Randal Kolo Muani, vielleicht nicht die Wucht, aber dafür mehr Eleganz und Technik. Spannend zu sehen, wie er erst performt, wenn er in Vollbesitz seiner Kräfte ist. Das könnte was werden. Die Eintracht hat Freiburg durch das Remis auf Distanz gehalten, sie liegt vier Punkte vor den Breisgauern und dem neuen Tabellensiebten Werder Bremen, der aber selbst nicht so recht weiß, wie er dahin gekommen ist.
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Eintracht-Spieler Götze zu weit hinten
So lautet nun das klare Ziel: Platz sechs verteidigen. Mehr ist nicht mehr drin. „Wer die Tabelle lesen kann und sieht, wer vor uns steht, kann sich die Antwort selbst geben“, sagt Toppmöller. Vor der Eintracht stehen alle Großen und der längst enteilte und furiose VfB Stuttgart, Leipzig auf Rang fünf ist schon sieben Punkte weg.
Sorgenfrei ist die Eintracht aber nicht aus dem Spiel gekommen. Gerade die schwere Verletzung von Sasa Kalajdzic, der sich einen Kreuzbandriss zuzog und ergo für die Eintracht kein Spiel mehr bestreiten wird, drückt aufs Gemüt. Und auch die Form einiger Spieler könnte besser sein. Das fängt bei Keeper Trapp an, der vielleicht wegen der immer wiederkehrenden Rückenproblematik nicht im Rhythmus ist. Ihn nervt das selbst am meisten. Und: Auch in der Zentrale sollte eine Leistungssteigerung her. Ellyes Skhiri fremdelt nach seiner Rückkehr, ist kein Faktor im Spiel. Und Nebenmann Götze verschleppt das Spiel zu häufig, ist generell zu defensiv und kommt kaum mehr dazu, seine blitzgescheiten Pässe einzustreuen. Vielleicht brauchten auch sie mal so ein Erweckungserlebnis à la Tuta. (Ingo Durstewitz)
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