VonIngo Durstewitzschließen
Die Frankfurter Eintreacht schafft es auch gegen Leverkusen nicht, das Stadion anzuzünden und ist von den eigenen Tölpeleien genervt. Auffällig ist zudem der Formverfall einiger Spieler. Eine Analyse.
An alter Wirkungsstätte taugte Lukas Hradecky, die lustige Spinnen-Finne, sogar als Spielverderber für Eintracht-Stürmer Nacho Ferri. Der Nachwuchsmann, 19 Jahre jung, war in der Nachspielzeit der längst entschiedenen Begegnung zwischen dem Frankfurter Bundesligisten und dem Leverkusener Meister doch noch mal in aussichtsreicher Position zum Abschluss gekommen, ziemlich frei, acht Meter vor dem Tor, doch seinen kräftigen Rechtsschuss kratzte der frühere Eintracht-Torwart Hradecky reaktionsschnell von der Linie. Eine klasse Tat. Später stellte der inzwischen auch schon 34-Jährige trocken fest: „War vielleicht ein bisschen hoch das Ergebnis.“
Doch noch einen reinlassen, nein, das wollte der Charakterkopf nicht, er, der erstmals bei seinem Ex-Klub gewinnen konnte und sich im Waldstadion einen persönlichen Rekord geschnappt hat. Mit 292 Einsätzen ist er der ausländische Keeper, der am häufigsten in der Bundesliga unter der Latte stand. Yann Sommer hat er eingeholt. Mit seiner Parade verbaute der Keeper dem Frankfurter Angreifer Nacho sein zweites Saisontor, für den Ausgang des Spiels hätte der Treffer gleichwohl keine Bedeutung mehr gehabt, er wäre nur Kosmetik gewesen, das 2:5.
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Und doch war die Szene für Eintracht-Trainer Dino Toppmöller symptomatisch, „bezeichnend“, wie der 43-Jährige sagte. „Wir machen diese Dinger nicht, der Gegner macht sie sicher rein. In den entscheidenden Momenten waren wir nicht effektiv genug, uns hat der letzte Punch gefehlt.“ Richtig ist allemal, dass die Bayer-Elf eine außergewöhnliche Effizienz an den Tag legte. Und bestimmt keine vier Tore besser war. Aber genauso richtig ist, dass die stärkere und erwachsenere Mannschaft gewonnen hat – und zwar völlig verdient. Die Eintracht war beileibe nicht so gut, wie es die Verantwortlichen glauben machen wollten. Und da diese insgesamt blassen Auftritte ja eher die Regel und nicht die Ausnahme sind, kann man das generelle Leistungsniveau auch nicht höher verorten, als es tatsächlich ist. Diese Mannschaft ist in dieser Konstellation offenkundig nicht in der Lage, mehr zu leisten.
Eintracht Frankfurt: Nur Ekitiké sticht heraus
Nun ist es beileibe nicht so, dass alles schlecht war. Die zweite Hälfte war in Phasen in Ordnung, aber alles in allem nicht zwingend und scharf genug. Auch nach dem Ausgleich von Hugo Ekitiké im ersten Abschnitt hatte das Team zehn, zwölf manierliche Minuten. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass das Spiel über einige Strecken hinweg wieder einschläfernd war, diese Mannschaft schafft es viel zu selten, das Stadion wirklich anzuzünden, es zum Beben zu bringen. Ihr fehlt der Wumms. Auch das ist kein Zufall.
Bayer Leverkusen kam selbst im Verwaltungsmodus nie in Verlegenheit – außer bei der Großchance von Omar Marmoush, den man aber halt auch mal reinschießen muss, wenn man etwas holen und den Kontrahenten verwunden will. Interessant dabei: Marmoush nähert sich so langsam seiner Wolfsburg-Form. Also ganz okay, aber nicht so wirklich prickelnd, und auch vor dem Tor mit gehöriger Abschlussschwäche. Im Vergleich zu Sturmpartner Ekitiké fällt der Ägypter mittlerweile deutlich ab. Vor Wochen war das nicht nur andersherum, sondern sogar kaum vorstellbar. Ekitiké ist momentan der einzige Frankfurter, der durch seine individuelle Qualität den Unterschied machen kann. Also im positiven Sinne.
Im Umkehrschluss tun sich in Frankfurt oft genug Spieler hervor, die dem Gegner mit Unachtsamkeiten oder Tölpeleien die Tore quasi schenken. Das kann mal passieren, passiert es aber in dieser Häufigkeit, ist das auch hier eher kein Zufall, sondern eine Frage der Qualität. Bei einem Spieler wie Niels Nkounkous sollte die Sportliche Leitung ernsthaft darüber nachdenken, ihn nach einer Saison wieder in den Markt zu geben. Dino Toppmöller handelt korrekt, indem er seine Fußballer schützt und nicht, wie er es nennt, „über sie herzieht“. Doch klar ist der Fußballlehrer auch bedient, die kapitalen Böcke „nerven brutal, sie machen einen verrückt“.
Die Eintracht wird sich, wie Toppmöller sagte, jetzt schütteln und den Fokus auf den Endspurt in Mönchengladbach und bei RB Leipzig richten. Das ist nachvollziehbar, mehr bleibt sowieso nicht. Die Spieler sollten sich zusammenreißen, diese Saison kann nur irgendwie gerettet werden.
Götze wieder am Mosern
Auffällig ist dennoch, dass viele Akteure in der Rückrunde ihr Niveau nicht halten konnten, sondern abgefallen sind. Nicht nur Marmoush oder Fares Chaibi, der mit seiner laxen Körpersprache und seinem Einheitstempo auch nicht gerade für den Fußball steht, den man in Frankfurt gewohnt war. Auch Willian Pacho wackelt bedenklich, vielleicht auch eine Folge dessen, dass der FC Liverpool wohl tatsächlich konkretes Interesse hat.
Und man darf auch mal fragen, weshalb die Doppelsechs zwingend Ellyes Skhiri und Mario Götze bekleiden müssen und Hugo Larsson seit drei Spielen draußen sitzt. Skhiri ist ein Schatten seiner Kölner Zeit und in der Verfassung einfach keine Hilfe. Und für Götze, dessen Meckerei mit dem Schiedsrichter wieder deutlich zunimmt, ist es einfach die falsche Position, zumal er dann dazu neigt, sich hinten die Bälle abzuholen und sie zum Nebenmann weiterzuschieben. Aggressivität und Gegnerdruck bekommt man mit diesem Duo in der Zentrale nicht ins Spiel. Wahr ist aber auch, dass bis auf Larsson die Alternativen rar gesät sind.
