Ballbesitzfußball

Dino Toppmöller ärgert sich: „Das ist ja völliger Quatsch“

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Eintracht-Trainer Toppmöller räumt vor dem Spiel beim FC Bayern mit ein paar Behauptungen auf und äußert Verständnis für Kritik von Axel Hellmann.

Frankfurt – Dino Toppmöller ist ein umgänglicher Mann, ein Mensch mit Manieren. Aus der Reserve lässt sich der Eintracht-Trainer selten locken. Einmal, nach dem 1:1 gegen den VfL Bochum Anfang des Jahres und Pfiffen von den Rängen, ließ er einen Reporter unterkühlt abblitzen, als dieser wissen wollte, wo die Mannschaft nach nur fünf Punkten gegen Darmstadt, Mainz, Köln und Bochum „gefühlt“ stehe. „Gefühlt stehen wir auf Platz sechs.“ Ende der Durchsage, nächste Frage.

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Dino Toppmöller ärgert sich

Am Donnerstag wurde es ihm während der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim FC Bayern auch irgendwann zu bunt, als er zum wiederholten Male seine Einschätzung zum erlösenden 3:1-Erfolg gegen den FC Augsburg geben und erklären sollte, weshalb seine Mannschaft es nicht über 90 Minuten schafft, auf einem konstant hohen Energielevel zu performen. „Ich will nicht mehr etliche Fragen zum Freitag beantworten, wir sind alle froh, dass wir da gewonnen haben, haben aber am Samstag ein wichtiges Spiel. Wir sollten es damit jetzt gut sein lassen.“

Auch da blieb der 43-Jährige höflich, aber es ist sehr wohl zu spüren, dass ihn ein paar Deutungen schon nerven. Die Geschichte etwa, wonach er sein Team unter allen Umständen zu einer Ballbesitzmannschaft erziehen wolle. „Dass wir permanent darüber reden, dass wir nach totalem Ballbesitz streben, ist ja völliger Quatsch“, bedeutete er in ruhigem Ton, aber sehr bestimmt. Klar habe jeder Spieler lieber die Kugel am Fuß, statt ihr hinterherjagen zu müssen. Aber es gehe eher um die Balance.

„Wir haben auch eine gute Zielstrebigkeit nach vorne“, sagt Toppmöller. „Im offensiven Umschalten sind wir eine der besten Mannschaften der Liga.“ Die Statistik sagt sogar: „Die drittbeste nach Torerzielung nach Ballgewinn.“ Auch gegen Augsburg seien zwei Treffer nach Umschaltaktionen gefallen. Wäre das geklärt. Aber auch ein für allemal?

Lässt sich nicht jede Kritik gefallen: Dino Toppmöller.

Eintracht-Vorstandssprecher Hellmann mit deutlichen Worten

In jedem Fall, und das räumte Urgestein Timothy Chandler unter der Woche ein, störten sich nicht wenige Fans an der Art und Weise des Fußballs. Weshalb es auch gegen Augsburg in und nach der ersten Hälfte Pfiffe gab, was manche verstehen konnten (Chandler), andere nicht (Torwart Kevin Trapp).

Vorstandssprecher Axel Hellmann hat dieser seltsam matte erste Abschnitt und die signifikante Steigerung nach dem Pausenpfiff dazu bewogen, ein paar Botschaften loszuwerden. „Es ist bei uns nicht so schwer, das Stadion aus dem Sattel zu heben.“ Eine klare Forderung an den Trainer und seine Spieler.

Es ist bei uns nicht so schwer, das Stadion aus dem Sattel zu heben.

Axel Hellmann

Toppmöller: „überhaupt kein Problem“ mit Hellmanns Wortwahl

Coach Toppmöller moderiert das Thema souverän ab. Hellmann sei eine „absolute Führungsfigur“, er habe „das Recht, sich zu jeder Zeit zu sportlichen Themen zu äußern.“ Er, Toppmöller, habe damit „überhaupt kein Problem“, und er sah Hellmanns Worte nicht als „Angriff auf mich oder die Mannschaft“. Vielmehr habe der Vorstand nur ausdrücken wollen, was viele denken und schwer zu erklären ist: Weshalb es diese Mannschaft quasi zweimal gibt. Toppmöller gefällt das auch nicht. „Es ist ja nicht so, dass wir sagen: Erste Halbzeit machen wir mal locker, zweite geben wir dann Gas.“ Auffällig ist es aber schon.

Genauso wie das veränderte Auftreten der Führungsspieler, die gerade jetzt im Endspurt vorangehen. Das ist zwar nicht explizit von der Sportlichen Leitung so ausgedeutet worden, aber „wir haben schon in diese Richtung gedacht“, befindet Toppmöller. „Es ist eine spezielle Situation, es ist mehr Druck drauf. Da ist es wichtig, auf Erfahrung zu setzen und diese Spieler mehr einzubinden. Denn sie haben solche Situationen schon oft erlebt.“ Im Gegensatz zu den der jüngeren Profis, die „an solchen Drucksituationen mehr zu knabbern haben, weil vielleicht auch die erste Unbekümmertheit weg ist“.

Kolo Muani, Marmoush – und jetzt Ekitiké: Die teuersten Transfer-Abgänge von Eintracht Frankfurt

Randal Kolo Muani erzwang seinen Wechsel zu Paris Saint-Germain im Sommer 2023. Die Fans waren wütend, die SGE erhielt 95 Millionen Euro. Damit ist Kolo Muani noch immer der aktuelle Rekord-Abgang.
Randal Kolo Muani erzwang seinen Wechsel zu Paris Saint-Germain im Sommer 2023. Die Fans waren wütend, die SGE erhielt 95 Millionen Euro. Damit ist Kolo Muani noch immer der aktuelle Rekord-Abgang. © IMAGO/Ulrich Hufnagel
Stürmte erst an der Seite von Omar Marmoush, dann noch ein halbes Jahr als dessen Nachfolger. Im Sommer 2025 legte dann der FC Liverpool 95 Millionen für Hugo Ekitiké auf den Tisch.
Stürmte erst an der Seite von Omar Marmoush, dann noch ein halbes Jahr als dessen Nachfolger. Im Sommer 2025 legte dann der FC Liverpool 95 Millionen für Hugo Ekitiké auf den Tisch. © IMAGO/ActionPictures
Omar Marmoush hatte bei Eintracht Frankfurt viel Grund zur Freude
Schon im Januar 2025 zog es Omar Marmoush in die Premier League. Ebenso wie bei Etikité lief auch sein Abgang deutlich harmonischer ab als bei Kolo Muani. Manchester City überwies 75 Millionen Euro nach Frankfurt. © IMAGO/Joaquim Ferreira
Luka Jovic verließ die Eintracht 2019 für die Ablöse von 63 Millionen Euro Richtung Real Madrid.
Luka Jovic verließ die Eintracht 2019 für die Ablöse von 63 Millionen Euro Richtung Real Madrid. © Roland Krivec/imago
Sébastien Haller war Teil der Büffelherde. 2019 ging er für 50 Millionen Euro zu West Ham United.
Sébastien Haller war Teil der Büffelherde. 2019 ging er für 50 Millionen Euro zu West Ham United. © DeFodi/imago
Wechselte im Sommer 2024 für 40 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain: Defensivspezialist Willian Pacho.
Wechselte im Sommer 2024 für 40 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain: Defensivspezialist Willian Pacho. © IMAGO/Jürgen Kessler
Jesper Lindström sorgte mit seinen Leistungen für die Eintracht für Aufsehen und so ging es im Sommer 2023 für 30 Millionen Euro zur SSC Neapel nach Italien.
Jesper Lindström sorgte mit seinen Leistungen für die Eintracht für Aufsehen und so ging es im Sommer 2023 für 30 Millionen Euro zur SSC Neapel nach Italien. © IMAGO/Jürgen Kessler
André Silva verließ die Eintracht 2021 und ging für 23 Millionen Euro zu RB Leipzig.
André Silva verließ die Eintracht 2021 und ging für 23 Millionen Euro zu RB Leipzig. © Jan Huebner/imago
Innenverteidiger Tuta etablierte sich erst nach einer Leihe in der Frankfurter Innenverteidigung. Im Sommer 2025 wechselte er für 15 Millionen Euro zu Al-Duhail SC nach Katar.
Innenverteidiger Tuta etablierte sich erst nach einer Leihe in der Frankfurter Innenverteidigung. Im Sommer 2025 wechselte er für 15 Millionen Euro zu Al-Duhail SC nach Katar. © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Filip Kostic entpuppte sich für Eintracht Frankfurt als Glücksgriff. Im Sommer 2022 verabschiedete er sich für 14,7 Millionen Euro zur Alten Dame nach Turin.
Filip Kostic entpuppte sich für Eintracht Frankfurt als Glücksgriff. Im Sommer 2022 verabschiedete er sich für 14,7 Millionen Euro zur Alten Dame nach Turin. © IMAGO/Joaquim Ferreira
Der Abgang von Djibril Sow ging lautlos vonstatten. Im Sommer 2023 zahlte der FC Sevilla 10 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler.
Der Abgang von Djibril Sow ging lautlos vonstatten. Im Sommer 2023 zahlte der FC Sevilla 10 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler. © IMAGO/TEAM2sportphoto
Kevin Trapp ging 2015 für 9,5 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain, bevor er drei Jahre später zurückkehrte.
Kevin Trapp ging 2015 für 9,5 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain, bevor er drei Jahre später zurückkehrte. © Rene Traut/Sven Simon/imago
Für Carlos Salcedo bekam die Eintracht 8,8 Millionen Euro. Er wechselte 2019 nach Mexiko zu Tigres UANL.
Für Carlos Salcedo bekam die Eintracht 8,8 Millionen Euro. Er wechselte 2019 nach Mexiko zu Tigres UANL. © Peter Schatz/imago
Für die damalige Wahnsinns-Summe von 8,7 Millionen Euro wechselte der Ungar Lajos Détári 1988 zu Olympiakos Piräus. Zum Abschied gewann er mit der SGE den DFB-Pokal.
Für die damalige Wahnsinns-Summe von 8,7 Millionen Euro wechselte der Ungar Lajos Détári 1988 zu Olympiakos Piräus. Zum Abschied gewann er mit der SGE den DFB-Pokal. © IMAGO/HJS
Trotz mehrmaliger Leihen konnte sich Paxten Aaronson in Frankfurt nie final durchsetzen. Um sich die Chance auf die Heim-WM 2026 zu erhalten, wechselt der offensive Mittelfeldspieler im Sommer 2025 für 7 Millionen Euro zu den Colorado Rapids.
Trotz mehrmaliger Leihen konnte sich Paxten Aaronson in Frankfurt nie final durchsetzen. Um sich die Chance auf die Heim-WM 2026 zu erhalten, wechselt der offensive Mittelfeldspieler im Sommer 2025 für 7 Millionen Euro zu den Colorado Rapids. © IMAGO/HMB Media/Claus
Als Teil der ursprünglichen Büffelherde schrieb Ante Rebic in Frankfurt Geschichte. Nach einer einjährigen Leihe wechselte er 2020 final zur AC Mailand. 6,7 Millionen Euro nahm die SGE mit dem Verkauf ein.
Als Teil der ursprünglichen Büffelherde schrieb Ante Rebic in Frankfurt Geschichte. Nach einer einjährigen Leihe wechselte er 2020 final zur AC Mailand. 6,7 Millionen Euro nahm die SGE mit dem Verkauf ein. © IMAGO/osnapix
Trotz seines Talents konnte sich Igor Matanovic nie so richtig in Frankfurt durchsetzen. Im Sommer 2025 wechselte er für 6,7 Millionen Euro zum SC Freiburg.
Trotz seines Talents konnte sich Igor Matanovic nie so richtig in Frankfurt durchsetzen. Im Sommer 2025 wechselte er für 6,7 Millionen Euro zum SC Freiburg. © IMAGO/Jürgen Kessler
Nach viel hin und her und einer abgebrochenen Leihe zu Werder Bremen wechselte Rafael Borré schlussendlich im März 2024 für 6,5 Millionen zu Internacional nach Brasilien.
Nach viel hin und her und einer abgebrochenen Leihe zu Werder Bremen wechselte Rafael Borré schlussendlich im März 2024 für 6,5 Millionen zu Internacional nach Brasilien. © IMAGO/Malte Ossowski/Sven Simon
Marius Wolf gewann mit der SGE 2018 den DFB-Pokal. Im selben Sommer wechselte er für 5 Millionen Euro zu Borussia Dortmund.
Marius Wolf gewann mit der SGE 2018 den DFB-Pokal. Im selben Sommer wechselte er für 5 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. © Uwe Kraft
Kristijan Jakic verließ die SGE im Sommer 2024 in Richtung FC Augsburg. Zuvor war er bereits ein halbes Jahr an die Schwaben ausgeliehen. Der Eintracht brachte der Verkauf 5 Millionen Euro.
Kristijan Jakic verließ die SGE im Sommer 2024 in Richtung FC Augsburg. Zuvor war er bereits ein halbes Jahr an die Schwaben ausgeliehen. Der Eintracht brachte der Verkauf 5 Millionen Euro. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Axel Kohring
In Frankfurt war für Diant Ramaj kein Vorbeikommen an Kevin Trapp. Und so wechselte er im Sommer 2023 für 5 Millionen Euro zu Ajax Amsterdam.
In Frankfurt war für Diant Ramaj kein Vorbeikommen an Kevin Trapp. Und so wechselte er im Sommer 2023 für 5 Millionen Euro zu Ajax Amsterdam. © IMAGO/Oliver Vogler
Als Bastian Oczipka 2017 für 4,5 Millionen Euro zu Schalke 04 wechselte, herrschten im deutschen Fußball noch andere Kräfteverhältnisse.
Als Bastian Oczipka 2017 für 4,5 Millionen Euro zu Schalke 04 wechselte, herrschten im deutschen Fußball noch andere Kräfteverhältnisse. © imago sportfotodienst
Omar Mascarell kam von Real Madrid zur Eintracht, gewann 2018 den DFB-Pokal und wurde von den Königlichen via Rückkaufoption für 4 Millionen Euro zurückgeholt.
Omar Mascarell kam von Real Madrid zur Eintracht, gewann 2018 den DFB-Pokal und wurde von den Königlichen via Rückkaufoption für 4 Millionen Euro zurückgeholt. © Jan Huebner
Bas Dost konnte keine tiefgreifenden Fußspuren bei der SGE hinterlassen und so wechselte er im Januar 2021 für 4 Millionen Euro zum Club Brügge.
Bas Dost konnte keine tiefgreifenden Fußspuren bei der SGE hinterlassen und so wechselte er im Januar 2021 für 4 Millionen Euro zum Club Brügge. © IMAGO/Eibner
Carlos Zambrano war sich nie für eine Diskussion mit seinen Gegenspielern zu schade. Im Sommer 2016 wechselte er für 3,5 Millionen Euro zu Rubin Kazan.
Carlos Zambrano war sich nie für eine Diskussion mit seinen Gegenspielern zu schade. Im Sommer 2016 wechselte er für 3,5 Millionen Euro zu Rubin Kazan. © imago sportfotodienst
Und auch der legendäre Jay-Jay Okocha findet in dieser Aufzählung noch seinen Platz. Im Sommer 1996 wechselte er von der Eintracht für 3,5 Millionen Euro zu Fenerbahce Istanbul.
Und auch der legendäre Jay-Jay Okocha findet in dieser Aufzählung noch seinen Platz. Im Sommer 1996 wechselte er von der Eintracht für 3,5 Millionen Euro zu Fenerbahce Istanbul. © Uwe Kraft
So wirklich konnte sich der hochveranlagte Dejan Joveljic bei der Eintrach nie durchsetzen. Im August 2021 ging es dann für 3,5 Millionen Euro zu LA Galaxy.
So wirklich konnte sich der hochveranlagte Dejan Joveljic bei der Eintrach nie durchsetzen. Im August 2021 ging es dann für 3,5 Millionen Euro zu LA Galaxy. © IMAGO/Revierfoto
Jens Petter Hauge wechselte im Anschluss an eine einjährige Leihe im Januar 2025 für 3,5 Millionen Euro fest zu Bodo/Glimt.
Jens Petter Hauge wechselte im Anschluss an eine einjährige Leihe im Januar 2025 für 3,5 Millionen Euro fest zu Bodo/Glimt. © IMAGO/Jürgen Kessler

Eintracht-Trainer: „Vorgaben kommen von uns“

Und daher ist es für den Fußballlehrer selbstverständlich, die Routiniers mitzunehmen, „wir sind in ständigem Austausch, es ist wichtig, dass sich die Mannschaft in unsere Ideen wohlfühlt“. Der Dialog und die Demokratie haben aber Grenzen. Die Spieler werden nicht in den Matchplan eingebunden, „die Vorgaben kommen von uns“, sagt Toppmöller, der das verständlicherweise normal findet: „Als Trainer beschäftigst du dich 24/7 mit Fußball und damit, wie man den Gegner knacken kann.“ Als Spieler eher nicht.

Der nächste Gegner hat es ins sich, in München bei den Bayern ist es traditionell schwer. Trotzdem will der Coach an alter Wirkungsstätte nicht in Ehrfurcht erstarren. „Wir werden nicht den Bus hinten reinstellen, das passt nicht zu uns und nicht zu mir. Wir wollen mutig sein.“ Verzichten muss er dabei wohl auf den erkrankten Fares Chaibi, dafür kehrt der zuletzt gesperrte Tuta zurück. Und vielleicht hilft das Erlebnis gegen Augsburg: „Die Stimmung ist deutlich positiver und gelöster.“ Nicht nur, aber auch wegen dieses Mijat-Gacinovic-Gedächtnistores zum 3:1. „Das war ein Energiebooster für alle“, sagt Toppmöller, aber mahnt gleichzeitig: „Wir müssen scharf bleiben.“

Rubriklistenbild: © AFP

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