Der große Schicksalsschlag von Eintracht-Verpflichtung Elye Wahi
VonChristoph Wutz
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Elye Wahi verbrachte seine Kindheit ohne Vater. Nach Fehltritten als Jugendlicher zeigt sich der Adlerträger heute gereift.
Frankfurt am Main – Wird er der nächste Stern am Frankfurter Himmel? Elye Wahi soll bei Eintracht Frankfurt den abgewanderten Omar Marmoush vergessen machen. Trotz seiner erst 22 Jahre hat er bereits viel Erfahrung in Frankreichs Ligue 1 sammeln können – und privat eine bewegte Vergangenheit. Wahis Vater starb, als dieser erst zwei Jahre alt war.
Der große Schicksalsschlag von Eintracht-Neuzugang Elye Wahi
Vor zwei Jahren sprach Wahi in einem Interview mit der französischen L‘Équipe über seine Wurzeln, die sich in der Elfenbeinküste finden. „Ich stamme beidseitig aus einer ivorischen Familie, habe aber meinen Vater verloren, als ich zwei Jahre alt war“, schilderte der Eintracht-Neuzugang einen großen Schicksalsschlag.
Der Tod seines Vaters habe unmittelbar zwar „keinen Einfluss“ auf ihn gehabt. „Aber manchmal denkst du stark an dieses Fehlen. Vor allem als ich klein war, in der Schule“, berichtete der Stürmer bereits 2021 dem französischen Fußballmagazin Onze Mondial. „Wenn die Väter kamen, um meine Mitschüler abzuholen, oder am Vatertag: Das hat mich verwirrt, ich war etwas berührt.“
„Meine Mutter ist alles für mich“: SGE-Stürmer Wahi wuchs ohne Vater auf
Er lernte seinen Vater also nie kennen. Wahis Mutter Olga zog Elye und dessen jüngere Schwester in Suresnes vor den Toren von Paris alleine groß. „Meine Mutter ist alles für mich“, sagte Wahi Onze Mondial.
Über seine Gefühle wegen seines abstinenten Vaters habe er nie mit ihr gesprochen. „Ich wollte mich nicht öffnen“, so der heute 22-Jährige, dem die Frankfurter Zeit geben wollen, weiter. Schließlich habe sie Mutter- wie Vaterrolle ausgefüllt und „alles für mich getan“.
Wie N‘Golo Kanté: Frankfurts „Ronaldinho“ lernte in Suresnes das Kicken
In Suresnes, wo auch Frankreichs Weltmeister N‘Golo Kanté das Fußballspielen lernte, wohnte die dreiköpfige Familie in einem der vielen Hochhäuser der Stadt. Ein wenig konzentrierter Schüler sei er gewesen, beschrieb sich Wahi selbst. Doch auf dem Fußballplatz fühlte sich der ivorischstämmige Stürmer, dessen Vorbil Didier Drogba aus der Heimat seiner Eltern ist, wohl.
Früh habe er dort von seinen Mitspielern den Spitznamen „Ronaldinho“ bekommen, aber nur bedingt aufgrund seiner Fähigkeiten: „Sie sagten, ich sehe mit meinen Zähnen so aus wie er“, schilderte Wahi gegenüber dem Magazin. Inzwischen verlieh ihm sein ehemaliger Mitspieler Junior Sambia den Kosenamen „Apouchou“ – wohl eine Anlehnung an den Begriff „Apoutchou“, der in einigen frankophonen Ländern Afrikas für korpulente Personen gebraucht wird.
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„Darauf bin ich nicht stolz“: Neu-Frankfurter Wahi flog von der Schule
Im Alter von 13 Jahren wechselte er 2016 zu SM Caen an die Atlantikküste. Dort habe er in der Akademie des Profivereins gewohnt. Sportlich lief es außergewöhnlich gut, doch er habe sich „zum Idioten gemacht“, erzählte Wahi, der immer für „bêtises“, also Dummheiten, gut war. 2018 wurde er der Schule und des Klubs verwiesen, nachdem er laut dem Portal sofoot.com einige Mitschüler zu sexuellen Handlungen genötigt hatte.
„Darauf bin ich heute nicht stolz. Aber es ist, wie es ist. Das gehört der Vergangenheit an“, zeigte sich Wahi 2021 bei Onze Mondial deutlich gereift. Medienberichten zufolge wollte er seine vermeintlichen Kameraden für deren Drangsalierungen wegen seines verstorbenen Vaters bloßstellen – indem er sie unter Androhung physischer Gewalt zwang, sich auf einer Toilette auszuziehen. Francis De Taddeo förderte Wahi entscheidend als Leiter der Nachwuchsabteilung in Caen. Er ist überzeugt, dass sein früherer Schützling „kein Perverser, kein Böser“ ist.
Eintracht-Angreifer Wahi reifte in Montpellier zum Profi
Nach einigen Monaten der Vereinslosigkeit – der nach Paris zurückgekehrte Wahi trainierte indes in Montfermeil fit – ging er 2019 mit 16 Jahren zum HSC Montpellier in den Süden des Landes. Dort, wo De Taddeo inzwischen arbeitete, unterschrieb der Angreifer nach einigen Probemonaten einen Profivertrag. Seine Familie zog mit nach Okzitanien.
Nach seinem Ligue-1-Debüt im Dezember 2020 gelang dem begabten Dribbler der Durchbruch, insbesondere in der Saison 2022/23 (19 Tore und sechs Vorlagen in der Liga). 2023 zog es ihn zurück in den Norden nach Lens. Nach einer soliden Saison wechselte Wahi im vergangenen Sommer zum großen Olympique Marseille, doch dort lief es mit nur drei Toren in 13 Ligue-1-Einsätzen nicht vollends rund. Nun folgte also der Transfer nach Frankfurt.
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