VonLars Pollmannschließen
Die Verletzung von Nico Schlotterbeck ist für den BVB ein echter Schock. Der DFB-Star fällt mehrere Monate aus und hinterlässt eine riesige Lücke.
Update vom 08. April, 15.58 Uhr: Vor dem Abflug nach Barcelona äußerte sich BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl gegenüber den Ruhr Nachrichten zu Schlotterbeck. Der Verteidiger ist bereits operiert worden und wird voraussichtlich auch den Start der kommenden Saison verpassen. „Er wird uns mehrere Monate fehlen. Circa ein halbes Jahr, das ist die aktuelle Prognose“, erklärte Kehl.
Morgen auch für Nico Schlotterbeck! 🖤💛 pic.twitter.com/kqS6auM3zX
— Borussia Dortmund (@BVB) April 8, 2025
Erstmeldung vom 08. April: Dortmund – Borussia Dortmund steht vor den härtesten Aufgaben der Saison: Am Mittwochabend ist der BVB beim FC Barcelona in der Champions League gefordert (21 Uhr, alle TV-Infos), am Samstagabend geht es in der Bundesliga zum FC Bayern, kommende Woche steigt das Rückspiel im Viertelfinale gegen Barça.
Das Momentum, das die Schwarzgelben durch die souveränen Siege gegen Mainz und Freiburg nach der Länderspielpause gewonnen hatten, entwich am Montag wie die Luft aus einem platzenden Ballon: Der BVB machte einen Meniskusriss bei Nico Schlotterbeck öffentlich, dem Team von Niko Kovač fehlt damit sein bester Spieler der Saison.
Nico Schlotterbeck fehlt auch dem DFB-Team
Der Nationalspieler „wird dem BVB in der aktuellen Saison in keinem Wettbewerb mehr zur Verfügung stehen“, heißt es im Statement des Klubs. Schlotterbeck verpasst also nicht nur den Endspurt in Bundesliga und die übrigen K.-o.-Runden der Champions League, sondern fehlt auch im Sommer bei der FIFA Klub-WM.
Auch das DFB-Team wird im Final Four der Nations League gegen Portugal (Halbfinale) und Frankreich oder Spanien (Finale bzw. Spiel um Platz drei) ohne den Linksfuß auskommen müssen. „Nicos Ausfall tut extrem weh. Er ist sowohl im Klub als auch für uns in der Nationalmannschaft enorm wertvoll – auf und neben dem Platz“, schickte Bundestrainer Julian Nagelsmann Genesungswünsche an den BVB-Star.
BVB wird seinen konstantesten Spieler vermissen
Schlotterbeck selbst meldete sich am Dienstag bei Instagram zu Wort. „Ich muss euch leider mitteilen, dass die Reha nach meiner Knieverletzung mehrere Monate in Anspruch nehmen wird. Es wird eine lange und herausfordernde Reise, aber ich bin fest entschlossen, alles zu tun, um wieder topfit zu werden“, so der Verteidiger. Schlotterbeck kündigte an, sich „aus der Öffentlichkeit und den sozialen Medien zurückziehen, um mich voll und ganz auf meine Genesung zu konzentrieren“.
Einen guten Zeitpunkt für eine derartige Verletzung des konstantesten Spielers des BVB in dieser Saison kann es nicht geben. Sehr wohl aber einen besonders schlechten: In den Kracher-Wochen und bei der Aufholjagd auf die Europapokal-Ränge schmerzt der Ausfall von Schlotterbeck den BVB ganz besonders.
Ramy Bensebaini hat die Nase vor Niklas Süle
Es ist ein schwacher Trost, dass der 4:1-Auswärtssieg beim SC Freiburg die Probe aufs Exempel bedeutete, weil Schlotterbeck gegen seinen Ex-Klub gelbgesperrt fehlte. Dennoch zeigte die Partie, wie Chefcoach Kovač den Ausfall kompensieren könnte: mit Ramy Bensebaini als linkem Glied der Dreierkette, die Dortmund zuletzt deutliche Stabilität verliehen hat.
Diese Position kennt der Algerier von Borussia Mönchengladbach und aus dem Nationalteam, in Freiburg fuchste sich Bensebaini nach etwas wackligem Start in die Aufgabe hinein. Der 29-Jährige hat mutmaßlich die Nase vor Niklas Süle, der grundsätzlich die etwas positionsgetreuere Alternative darstellt. Schlotterbecks Aufgaben im Dreieraufbau kann Bensebaini als Linksfuß besser übernehmen, er kann die gleichen diagonalen Passwinkel nutzen, die Schlotterbeck bei seinen gefürchteten langen Bällen helfen.
BVB muss womöglich von der Dreierkette abrücken
Kurzfristig besteht bei diesen Überlegungen jedoch ein gewaltiges Problem: Bensebaini und Süle sind selbst derzeit angeschlagen. Der Algerier wurde in Freiburg wegen Problemen an der Hüfte ausgewechselt, der Ex-DFB-Star trat die Reise wegen einer Prellung am Beckenkamm gar nicht erst an. Ob das Duo in Barcelona zur Verfügung steht, war mit Stand am Dienstagvormittag unklar.
Nicht auszuschließen ist so, dass der BVB kurzfristig von seiner gerade erst gefundenen Dreierkette abrücken muss. Dann würden Waldemar Anton und Emre Can das neue Innenverteidiger-Duo bilden. Can hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten an der Seite von Schlotterbeck in der neuen Abwehr-Rolle gefangen – ob der Kapitän auch ohne seinen Nebenmann konstant stabile Leistungen auf gutem Niveau zeigen kann, bleibt abzuwarten.
Dortmund kämpft um den Einzug nach Europa
Ebenso offen ist die Frage, ob Dortmund beim schweren Restprogramm in der Bundesliga ohne Schlotterbeck doch noch den Einzug in den Europapokal schaffen kann. Eigentlich lautet die Maßgabe beim BVB: Champions League oder nix! Nach den Turbulenzen dieser Saison wäre aber auch die Qualifikation für die Europa League als versöhnlicher Saisonabschluss zu bewerten. Ob das auch für die drittklassige Conference League gilt, sei dahingestellt.
Dass die Wahrscheinlichkeit eines Happyends in der Bundesliga ohne Schlotterbeck deutlich gesunken ist, liegt auf der Hand. Die Folgen des Verletzungsschocks könnten den BVB deshalb noch lange beschäftigen: Wenn Dortmund kommende Saison ohne Europapokal dastehen sollte, fehlen wichtige Einnahmen und leidet das Prestige des Klubs, der einige wichtige Spieler wohl verkaufen würde, um finanzielle Lücken zu schließen.
Wie lange wird Schlotterbeck dem BVB fehlen?
Mancher BVB-Fan war zuletzt in Sorge, dass auch Schlotterbeck zu den Kandidaten auf einen Verkauf zählen könnte. In der Gerüchteküche wurden Paris Saint-Germain und der FC Liverpool gehandelt. Der Publikumsliebling nahm den Fans die Sorge, in dem er ein Bekenntnis zu Dortmund abgab – wenn auch nicht ganz explizit. Spätestens durch die schwere Knieverletzung dürfte das Thema eines Transfers von Schlotterbeck vom Tisch sein.
Schließlich ist derzeit nicht realistisch abzusehen, wann der Verteidiger wieder fit sein wird. Gegenüber Absolut Fußball, dem Fußballportal von Home of Sports, schätzt ein Sportmediziner die Ausfallzeit im günstigsten Fall auf drei Monate ein.
Selbstredend ist aus der Ferne nicht seriös einzuschätzen, ob dieser Fall bei Schlotterbeck eintritt. Grundsätzlich sei bei einem Meniskusriss auch eine teils deutlich längere Ausfallzeit möglich. Beim BVB könnte man sich demzufolge also kaum sicher sein, dass Schlotterbeck zum Start der kommenden Pflichtspielsaison dabei sein wird. Mitte August steht die erste Hauptrunde im DFB-Pokal auf dem Plan.
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