Viertelfinal-Sensation gegen Frankreich

DFB-Heldin Berger zeigte die spektakulärste Szene der Frauen-EM

  • schließen

Viel Kritik erntete DFB-Keeperin Ann-Kathrin Berger während der EM. Im Viertelfinale gegen Frankreich zeigte sie dann aber ein Meisterwerk.

Basel – Was wurde bei diesem Turnier nicht schon alles über Ann-Kathrin Berger debattiert? Ihr Spiel als Torhüterin sei zu riskant und bringe ihre Mitspielerinnen zu oft in Bedrängnis. Die 34-Jährige habe womöglich ihren Zenit längst überschritten. Sogar Bundestrainer Christian Wück scheute nicht davor zurück, Berger während des Turniers öffentlich zu kritisieren. Und warum fängt die Keeperin eigentlich während der Nationalhymne an zu lachen?

Doch im dramatischen Viertelfinal-Krimi gegen Frankreich zeigte Berger ihren ganzen Wert für diese aufopferungsvolle deutsche Mannschaft, die sich trotz Unterzahl ab der 13. Minute (nachdem Kathrin Hendrich ihrer Gegenspielerin im Strafraum an den Haaren gezogen hatte) in die Verlängerung zitterte. Mit zahlreichen starken Paraden hielt sie die DFB-Frauen über die gesamten 120 Minuten im Spiel und hievte Deutschland schlussendlich sensationell ins EM-Halbfinale. Und in der 103. Minute der Nachspielzeit sorgte sie wohl für die spektakulärste Szene des gesamten Turniers.

Fußball-Europameisterschaft der Frauen - alle Titelträger im Überblick

1984 Schweden: Bei der Turnier-Premiere 1984 setzten sich die Schwedinnen im Elfmeterschießen mit 4:3 gegen England durch
1984 Schweden: Bei der Turnier-Premiere 1984 setzten sich die Schwedinnen im Elfmeterschießen mit 4:3 gegen England durch. © IMAGO/Lars Jansson/EXP/TT
1987 Norwegen: Drei Jahre später unterliegt der amtierende Europameister Schweden dem Gastgeber Norwegen. Das Finale im skandinavischen Duell endet mit 2:1.
1987 Norwegen: Drei Jahre später unterliegt der amtierende Europameister Schweden dem Gastgeber Norwegen. Das Finale im skandinavischen Duell endet mit 2:1. © IMAGO/Hanssen, Eystein
1989 BR Deutschland: Beim Heimturnier 1989 legen die DFB-Damen den Grundstein für eine große Ära. Im Finale gelingt ein 4:1 gegen Titelverteidiger Norwegen.
1989 BR Deutschland: Beim Heimturnier 1989 legen die DFB-Damen den Grundstein für eine große Ära. Im Finale gelingt ein 4:1 gegen Titelverteidiger Norwegen. © IMAGO/HORSTMUELLER GmbH
Beim Turnier in Dänemark trifft die deutsche Mannschaft abermals im Finale auf Norwegen. Dank eines 3:1 nach Verlängerung kann der Titel verteidigt werden.
1991 Deutschland: Beim Turnier in Dänemark trifft die deutsche Mannschaft abermals im Finale auf Norwegen. Dank eines 3:1 nach Verlängerung kann der Titel verteidigt werden. © IMAGO/Brun, Agnete
1993 Norwegen: Bei der vierten Finalteilnahme in Folge kehrt Norwegen zurück auf Europas Fußballthron. Im Finale schlägt die Mannschaft Gastgeber Italien mit 1:0.
1993 Norwegen: Bei der vierten Finalteilnahme in Folge kehrt Norwegen zurück auf Europas Fußballthron. Im Finale schlägt die Mannschaft Gastgeber Italien mit 1:0. © IMAGO/Lise Åserud
1995 Deutschland: Deutschland zum Dritten! Auf dem Betzenberg schlägt die DFB-Elf Schweden mit 3:2.
1995 Deutschland: Deutschland zum Dritten! Auf dem Betzenberg schlägt die DFB-Elf Schweden mit 3:2. © imago sportfotodienst
1997 Deutschland: Für den 2:0-Sieg gegen Italien erhält die deutsche Mannschaft politische Ehren. Es ist der vierte Frauen-EM-Titel in der Verbandsgeschichte.
1997 Deutschland: Für den 2:0-Sieg gegen Italien erhält die deutsche Mannschaft politische Ehren. Es ist der vierte Frauen-EM-Titel in der Verbandsgeschichte. © imago sportfotodienst
Mit dem 1:0-Erfolg über Schweden gelingt beim Heimturnier 2001 der Titel-Hattrick
2001 Deutschland: Mit dem 1:0-Erfolg über Schweden gelingt beim Heimturnier 2001 der Titel-Hattrick. © imago sportfotodienst
2005 Deutschland: Immer wieder Deutschland! Auch beim Turnier in England ist die Mannschaft nicht zu stoppen und besiegt Norwegen im Endspiel mit 3:1.
2005 Deutschland: Immer wieder Deutschland! Auch beim Turnier in England ist die Mannschaft nicht zu stoppen und besiegt Norwegen im Endspiel mit 3:1. ©  via www.imago-images.de
Feier mit Symbolkraft: Nach dem abermaligen Triumph bei der EM in Finnland wird die Mannschaft nach dem 6:2-Erfolg gegen England am Frankfurter Römer empfangen.
2009 Deutschland: Feier mit Symbolkraft. Nach dem abermaligen Triumph bei der EM in Finnland wird die Mannschaft nach dem 6:2-Erfolg gegen England am Frankfurter Römer empfangen. © imago sportfotodienst
2013 Deutschland: 2013 gelingt beim Turnier in Schweden der sechste Titel in Serie. Ein 1:0 gegen Norwegen bedeutet den bislang letzten deutschen EM-Sieg.
2013 Deutschland: 2013 gelingt beim Turnier in Schweden der sechste Titel in Serie. Ein 1:0 gegen Norwegen bedeutet den bislang letzten deutschen EM-Titel. © IMAGO/Pontus Orre/Aftonbladet/TT
2017 Niederlande: Das vorläufige Ende der DFB-Dominanz. Beim Turnier in den Niederlanden können sich die Gastgeberinnen zum ersten Mal zur Europameisterin krönen. Im Finale schlagen sie Dänemark mit 4:2.
2017 Niederlande: Das vorläufige Ende der DFB-Dominanz. Beim Turnier in den Niederlanden können sich die Gastgeberinnen zum ersten Mal zur Europameisterin krönen. Im Finale schlagen sie Dänemark mit 4:2. © Matt West/BPI/Shutterstock
2022 England: Und wieder siegen die Gastgeberinnen. Gegen England muss die DFB-Elf ein bitteres 1:2 nach Verlängerung hinnehmen. Für England ist es der erste EM-Titel.
2022 England: Und wieder siegen die Gastgeberinnen. Gegen England muss die DFB-Elf ein bitteres 2:1 nach Verlängerung hinnehmen. Für England ist es der erste EM-Titel. © IMAGO/Jonathan Brady

Sensations-Parade in der Verlängerung: DFB-Heldin Berger liefert die beste Szene der Frauen-EM

Die Szene entwickelte sich aus einer scheinbar harmlosen Situation: Ein französischer Angriff führte zu einem Kopfball von Janina Minge, die eigentlich klären wollte. Doch der Ball von der deutschen Verteidigerin ging mittig im eigenen Strafraum in Richtung des eigenen Tores – ein vermeintliches Eigentor schien unvermeidlich.

In diesem Moment zeigte Berger, warum sie noch immer zu den besten Torhüterinnen der Welt gehört. Mit einer blitzschnellen Reaktion hechtete Berger zurück Richtung Torlinie und brachte ihre linke Hand gerade noch rechtzeitig heraus, um den Ball direkt auf der Torlinie zu klären. Eine Aktion, die alle Anwesenden im Stadion zum Staunen brachte und die wohl als beste Szene des gesamten Turniers in die Geschichte eingehen wird.

Mit einer sensationellen Parade hielt DFB-Heldin Ann-Kathrin Berger Deutschland im EM-Viertelfinale gegen Frankreich im Spiel und sorgte für die beste Szene des Turniers.

DFB-Star Berger auch im Elfmeterschießen gegen Frankreich der entscheidende Faktor

Doch damit nicht genug. Nachdem sich Deutschland nach rund 110 Minuten mit einer Frau weniger ins Elfmeterschießen gerettet hatte, war Berger wieder zur Stelle und rundete ihr Meisterwerk mit zwei gehaltenen Strafstößen und einem selbst verwandelten Elfer ab. Die Sensation war geschafft! Deutschland steht im EM-Halbfinale und trifft dort auf die hochfavorisierten Spanierinnen.

Auch nach Abpfiff zeigte Berger, die mit einer englischen Nationalspielerin verlobt ist, Größe und lenkte das Scheinwerferlicht demütig von sich auf die deutsche Mannschaft. „Auf mich bin ich nicht so stolz. Ich bin unglaublich stolz auf die Mannschaft. Über 100 Minuten zu zehnt auf dem Platz zu stehen, ist eine krasse Leistung. Ich habe einen Heidenrespekt vor meiner Mannschaft“, erklärte sie im ZDF-Interview. Bis Mittwoch, wenn dann der Halbfinal-Showdown gegen Spanien steigt, heißt es jetzt erstmal Durchatmen. Doch eins kann Berger niemand mehr nehmen: Mit der besten Szene des Turniers hielt sie die deutsche Nationalmannschaft im Turnier und ließ damit auch ihre Kritiker verstummen. (kus)

Rubriklistenbild: © IMAGO/elyxandro cegarra

Kommentare