VonLars Pollmannschließen
Die Transferpläne des BVB sind abhängig vom Ausgang der Bundesliga-Saison. Spielen jetzt auch die Entwicklungen beim FC Bayern eine Rolle?
Dortmund/München – Borussia Dortmund ist vielleicht gerade noch rechtzeitig auf den Erfolgspfad zurückgekehrt!
Der BVB ist die formstärkste Mannschaft der Bundesliga seit der Länderspielpause im März, macht sich wieder berechtigte Hoffnungen auf die Qualifikation zur Champions League der kommenden Saison.
Das wäre nicht nur gut fürs Prestige, sondern auch für den Geldbeutel: Im wichtigsten Klubwettbewerb der Welt verdienen die Teilnehmer deutlich mehr als in der Europa League oder gar der Conference League, auf die der BVB vermutlich so gar keine Lust hat.
Gittens soll in der BVB-Kabine Abschied verkündet haben
Trainer Niko Kovač hat es geschafft, den Krisenmodus abzulegen. Fast alle Profis von Dortmund haben zuletzt eine positive Entwicklung genommen.
Jamie Gittens stellt eher eine Ausnahme dar. Der Engländer bekam zwar bei den Siegen gegen 1899 Hoffenheim und den VfL Wolfsburg das Vertrauen in der Startelf, konnte sich aber nur sehr vereinzelt empfehlen. War der Flügelflitzer in der ersten Saisonhälfte noch Lichtblick und immer wieder Unterschiedsspieler, ist er derzeit das vielleicht größte Sorgenkind beim BVB.
Dabei geht es nicht alleine um die sportliche Komponente. Spekulationen um die Zukunft von Gittens gibt es schon länger, neueste Meldungen haben für größere Unruhe gesorgt. Der Juniorennationalspieler habe seinen BVB-Abschied in der Kabine angekündigt, schrieben die Ruhr Nachrichten, dabei sollen Sätze „Ich bin eh bald weg“und „Nächstes Jahr spiele ich auf keinen Fall mehr hier“ gefallen sein.
BVB-Juwel Gittens hat sich wohl etwas den Kopf verdrehen lassen
Der Aufruhr unter den BVB-Fans ist groß, immerhin scheint sich hier ein junger Spieler, der noch viele Entwicklungsschritte machen muss, über den Erfolg der Mannschaft zu stellen. Wie realistisch es ist, dass ein Disziplin-Fanatiker wie Kovač einen Spieler nach solchen Äußerungen mit Startelf-Mandaten bedenken würde, sei an dieser Stelle offengelassen.
Dass Gittens mit seinem reduzierten Einfluss seit dem Jahreswechsel hadert, zumal ihm in der ersten Saisonphase der endgültige Durchbruch gelungen zu sein schien, ist durchaus anzunehmen. In dieser Zeit begannen auch die Gerüchte um seine Zukunft zuzunehmen. Bisweilen wurde medial über eine Ablöse im neunstelligen Bereich fantasiert, die nach Informationen von Absolut Fußball, dem Fußballportal von Home of Sports, beim BVB nie als realistisch eingestuft wurden.
Der These, dass sich Gittens von den vielen Spekulationen aus dem Konzept hat bringen lassen, würden manche in Dortmund durchaus zustimmen. Der Konzentration auf seine weitere Entwicklung hat das viele Gerede sicherlich eher geschadet denn geholfen.
Beraterwechsel von Sané sorgt für mächtig Wirbel beim FC Bayern
Trotzdem handelt es sich hier um ein Top-Talent, bei dem der viel zitierte nächste Schritt im Sommer nicht überraschend käme. Pikant ist nun aber, dass sich auf einmal eine Verbindung mit einer heißen Personalie beim FC Bayern aufdrängt.
Dort hat der plötzliche Beraterwechsel von Leroy Sané für mächtig Wirbel gesorgt. Die bereits sicher geglaubte Verlängerung mit dem Nationalspieler ist ins Wanken geraten, der Ausgang weniger als zwei Monate vor Vertragsende ungewiss.
Gerüchteweise soll für Sané im Falle eines Abschieds aus München eine Rückkehr nach England das Ziel sein. Dort spielte er einst für Manchester City, heuer sollen Klubs aus London das Interesse wecken. Der TV-Sender Sky bringt den FC Arsenal und FC Chelsea ins Gespräch. Just die Vereine, die bei Gittens als erste Anwärter im Falle eines Abschieds aus Dortmund genannt werden.
Anders als BVB-Jungstar Gittens kostet Sané keine Ablöse
Mit beiden Vereinen unterhält der BVB robuste Geschäftsbeziehungen, bei Chelsea könnte sogar eine anteilige Verrechnung der Leih-Personalie Carney Chukwuemeka eine Idee sein.
Was aber, wenn Sané als ablösefreie Alternative auf den Markt kommt? Zwar würde für den DFB-Star ein Handgeld und ein hohes Gehalt fällig, ob das Paket aber die Ablöse bei Gittens übersteigen würde, sei dahingestellt. Zudem ist Sané in seiner Entwicklung natürlich wesentlich weiter als Gittens.
Wenn Arsenal oder Chelsea in Sané einen wichtigen Puzzlestein sehen, um in der kommenden Saison nicht nur im Europapokal, sondern auch der heiß umkämpften Premier League für Furore zu sorgen, könnte dies Gittens zur zweiten Wahl degradieren.
Ersetzt Gittens am Ende Sané bei den Bayern?
Spannend ist indes auch die Kehrseite: Wenn Sané den FC Bayern verlässt, könnte das Interesse der Münchner an Gittens wieder zum Thema werden. Dass der Rekordmeister den BVB-Jungstar spannend findet, ist kein Geheimnis. Die schwächere Rückrunde von Gittens hat die medialen Preisvorstellungen zudem in einen Korridor gerückt, der eine Verpflichtung nicht völlig unrealistisch erscheinen lässt.
Noch handelt es sich selbstredend um kaum mehr als ein Gedankenspiel, das auf diversen Annahmen basiert, die erst mal zusammenkommen müssen. Nicht zuletzt stellt sich auch die Frage danach, was der Spieler wirklich will.
„Gittens identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem Verein. Ich habe das Gefühl, dass oft gesagt wird, dass er auf dem Sprung ist und das ist definitiv nicht so“, erklärte am Sonntag BVB-Sportchef Lars Ricken bei Sky.
Wie hoch ist der Verkaufsdruck beim BVB?
Ob der Klub selbst auf einen Transfer drängt, hängt sicher maßgeblich davon ab, welche Platzierung nach den beiden letzten Bundesliga-Spieltagen herausspringt. Der Verkaufsdruck wäre bei einer Teilnahme an der Conference League wesentlich höher als bei einem Happyend des BVB auf Platz vier.
„Dann macht der BVB ein oder zwei Transfers und alles ist wieder im Lot. Ganz einfach“, beugte Klubchef Hans-Joachim Watzke im Februar einer möglichen kommenden Saison ohne Champions-League-Einnahmen vor.
Dass bei solchen Worten schnell der Gedanke zu Gittens geht, liegt auf der Hand.
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