Die Transfer-Achse zwischen Borussia Dortmund und dem FC Chelsea glüht. Fast scheint es, als wäre eine offizielle Kooperation nur noch eine Formsache.
Dortmund/London – Bei der FIFA Klub-WM in den USA stehen Borussia Dortmund und der FC Chelsea im Viertelfinale. Weil die Teams in unterschiedlichen Turnierbäumen sind, könnte es sogar zum Aufeinandertreffen im Endspiel kommen. Die Verquickung der beiden Vereine auf dem Transfermarkt ist schon längst gegeben.
Man muss sich die Szene nur einmal vorstellen: BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl und sein Londoner Pendant sitzen bei einem Kaffee zusammen und gehen ihre Kader durch.
Wer geht? Wer bleibt? – Die Vertragslaufzeiten der Stars von Borussia Dortmund
„Wir hätten da noch einen talentierten Flügelspieler, der in zwei Jahren reif für euch wäre“, könnte Kehl sagen. „Prima“, würde der Chelsea-Boss antworten, „braucht ihr im Gegenzug vielleicht einen Linksverteidiger für die Rückrunde?“
Was wie eine Satire klingt, ist im Sommer 2025 näher an der Realität als je zuvor. Die schiere Menge an Transfers, Leihen und Gerüchten zwischen Borussia Dortmund und dem FC Chelsea lässt eigentlich nur einen Schluss zu: Es wird Zeit, diese besondere Beziehung auf ein offizielles Fundament zu stellen.
BVB und Chelsea: Die Transfer-Pipeline für Talente wie Gittens
Die jüngsten Entwicklungen sind der beste Beweis. Der Wechsel von Jamie Gittens, der in diesen Tagen für rund 65 Millionen Euro über die Bühne gehen soll, ist der vorläufige Höhepunkt einer Ereigniskette. Der BVB entwickelt einen Rohdiamanten zu einem der begehrtesten Spieler Europas, und Chelsea greift zu – ein bekanntes Muster.
Schon Christian Pulisic reifte in Dortmund zum Star, bevor er für viel Geld an die Stamford Bridge wechselte. Dortmund fungiert hier als eine Art Luxus-Ausbildungszentrum für die kaufkräftigen Engländer. Man veredelt Spieler auf höchstem Niveau und lässt sich diesen Service anschließend fürstlich entlohnen. Eine Win-win-Situation, die fast schon geschäftsmäßigen Charakter hat.
Zudem ist beim BVB das Interesse wieder gewachsen, Chukwuemeka auch für die kommende Saison unter Vertrag zu nehmen. Bei einer Leihe mit einer realistischen Kaufoption, schreiben etwa die Ruhr Nachrichten, würde Dortmund gerne zuschlagen. Noch, allerdings, will Chelsea wohl lieber einen endgültigen Verkauf von Chukwuemeka.
Leih-Deals wie bei Maatsen: Wenn Chelsea dem BVB aushilft
Sein Beispiel zeigt: Die Kooperation beschränkt sich nicht nur auf den Kauf fertiger Sterne. Wenn in Dortmund Not am Mann ist, scheint ein Anruf in London zu genügen. Bestes Beispiel: Ian Maatsen.
Im Winter 2024 benötigte der BVB dringend einen Linksverteidiger und bekam von Chelsea eine Soforthilfe, die maßgeblich zum Erreichen des Champions-League-Finals beitrug. Chelsea parkt seine besten Talente nicht mehr nur bei Vitesse Arnheim oder Racing Straßburg, sondern eben auch mal für ein halbes Jahr im Westfalenstadion. Maatsen wurde anschließend teuer an Aston Villa verkauft.
Diese Art der unbürokratischen Hilfe ist Gold wert und schafft Vertrauen für weitere Geschäfte. Man kennt und schätzt sich. Und wenn der BVB im Winter 2025 starkes Interesse am Defensivallrounder Renato Veiga zeigte, der letztlich bei Juventus landete, beweist auch das, wie ähnlich die sportlichen Vorstellungen sind. Man fischt im selben Teich – oder teilt sich die Fische gleich auf.
Coulibaly nach Straßburg: Wird der BVB Teil des Chelsea-Netzwerks?
Die neueste Volte in dieser Transfer-Saga treibt die (nicht ganz ernstgemeinte) Idee einer Partnerschaft auf die Spitze. Chelsea will BVB-Verteidiger Soumaïla Coulibaly verpflichten, allerdings nicht selbst: Der Innenverteidiger soll beim französischen Partnerklub Straßburg unterschreiben. Das wäre sozusagen eine neue Eskalationsstufe der Zusammenarbeit.
Der BVB würde damit quasi indirekt zu einem Zulieferer für das globale Klub-Netzwerk der „Blues“. Man verkauft nicht mehr nur an Chelsea direkt, sondern hilft dabei, deren Farmteams zu bestücken. Spitz formuliert könnte man sagen: Dortmund wird zur externen Personalbeschaffungs-Abteilung für das gesamte Chelsea-Imperium.
Wenn man all diese Punkte – die Ausbildung von Toptalenten für Chelsea, die praktischen Leihgeschäfte in die andere Richtung und nun sogar die Mithilfe beim Ausbau eines Klub-Netzwerks – zusammennimmt, wirkt die Abwesenheit eines offiziellen Kooperationspapiers fast schon fahrlässig.
Man könnte Synergien nutzen, Scouting-Kosten teilen und Transferverhandlungen mit einem simplen Anruf abschließen. Also, worauf warten die Verantwortlichen noch? Der Briefkopf für die Pressemitteilung dürfte schnell designt sein.