Defensive wackelt

Eintracht Frankfurt braucht den „stille Anführer“ im Mittelfeld

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Eintracht Frankfurts Defensive zeigt Schwächen. Besonders das Zentrum erscheint instabil. Könnte ein routinierter Spieler die Lösung sein?

Frankfurt – Es gibt Spieler, deren Wert für eine Mannschaft man erst dann erkennt, wenn sie nicht da sind. Ellyes Skhiri ist bei Eintracht Frankfurt ein Profi dieser Kategorie. Der 30-Jährige zählt zu den Führungsspielern, wenngleich er ein „stiller Anführer“ und kein Lautsprecher ist. Doch gerade im Duell gegen Union Berlin (3:4) wurde sichtbar, was mit ihm fehlt.

Ellyes Skhiri und Rasmus Kristensen fehlen der Eintracht

Doch der Reihe nach! Die Berliner konnten das teilweise sehr chaotische und ungeordnete Mittelfeld der Hessen mühelos überspielen. Trainer Dino Toppmöller befindet sich aktuell auf der Suche nach Balance und Stabilität. Die Zentrale mit Hugo Larsson und Farès Chaibi ist eine sehr offensiv orientierte, auf die Viererkette kommt daher viel zu häufig schwere Arbeit zu.

Ein Stabilisator wie Skhiri fehlt der Eintracht

Skhiri konnte bislang noch nicht helfen. Der Tunesier verpasste nahezu die komplette Vorbereitung wegen Knieproblemen. Bei der Champions-League-Gala gegen Galatasaray Istanbul (5:1) feierte er mit einem Kurzeinsatz sein Comeback. Die Partie gegen Union schrie schon zur Pause förmlich nach einem Stabilisator wie Skhiri. Vor allem Larsson erwischte einen ganz schlimmen Nachmittag.

Der defensive Mittelfeldspieler kam 2023 mit großen Erwartungen vom 1. FC Köln zur Eintracht. Auch wenn das Spektakel aus Zeiten bei den Rheinländern fehlte, wurde er vor allem im vergangenen Halbjahr auf dem Weg zur Qualifikation für die Champions League immer wichtiger. In den 30 Partien mit Skhiri und Larsson sammelte man Königsklassen-reife 1,9 Punkte im Schnitt.

Europapokal in Frankfurt: Galatasaray-Fans sorgen für prickelnde Atmosphäre – die Fotos des Tages

Am Donnerstagabend startet Eintracht Frankfurt gegen Galatasaray Istanbul in die Champions-League-Saison. Tausende Fans des türkischen Spitzenklubs werden erwartet.
Am Donnerstagabend startet Eintracht Frankfurt im Waldstadion gegen Galatasaray Istanbul in die Champions-League-Saison. Tausende Fans des türkischen Spitzenklubs werden erwartet. © IMAGO/ingo kutsche
Helmut (links) und Erhan fiebern dem Spiel schon entgegen.
Helmut (links) fiebert der Partie an der Konstablerwache schon am Vormittag entgegen. Erhan empfängt am Flughafen Frankfurt befreundete Gala-Fans. © Fritz Landenberger/Felix Fehre
Bernd Rück (links) und Uwe Mägerle am Stand von Bauer Rück‘s „Wetterauer Kartoffel GbR“.
Bernd Rück (links) und Uwe Mägerle am Stand von Bauer Rück‘s „Wetterauer Kartoffel GbR“. Die Paprika in Galatasaray-Farben sind „Zufall“. © Fritz Landenberger
In der ganzen Stadt ist die Vorfreude vor dem Aufeinandertreffen der Eintracht mit dem türkischen Spitzenklub zu spüren.
In der ganzen Stadt ist die Vorfreude vor dem Aufeinandertreffen der Eintracht mit dem türkischen Spitzenklub zu spüren. © Fritz Landenberger
Nicht wenige Fanherzen der türkischen Community im Rhein-Main-Gebiet schlagen für beide Vereine.
Nicht wenige Fanherzen der türkischen Community im Rhein-Main-Gebiet schlagen für beide Vereine. Verkäuferin Laura ist aus Kaiserslautern angereist. © Fritz Landenberger
Vahit (links) ist aus Stuttgart angereist.
Vahit (links) ist aus Stuttgart angereist. © Fritz Landenberger
Sonniger Blick nach Frankfurt
Ganz nebenbei ist der Spätsommer mit voller Kraft in Frankfurt angekommen. Bis zum Anstoß herrscht bestes Wetter. Hier der Blick von Oberursel aus auf Frankfurt am Donnerstagvormittag. © Imago/Jan Eifert
Bereits am Nachmittag duellieren sich die U19-Teams von der Eintracht und Galatasaray in der Youth League im Sportpark Dreieich.
Bereits am Nachmittag duellieren sich die U19-Teams von der Eintracht und Galatasaray in der Youth League im Sportpark Dreieich.  © Imago/Joaquim Ferreira
Mehmet, Hadem, Mehmet und Emre (von links nach rechts) haben sich gerade erst auf dem Römerberg kennengelernt.
Mehmet, Hadem, Mehmet und Emre (von links nach rechts) haben sich gerade erst auf dem Römerberg kennengelernt. © Fritz Landenberger
Fan Azat bemalt die Gesichter der Gästefans in den Vereinsfarben.
Fan Azat bemalt die Gesichter der Gästefans in den Vereinsfarben. © Fritz Landenberger
Fans aus Höxter (Nordrhein-Westfalen), der Türkei und Rumänien stimmen sich auf das Spiel ein.
Fans aus Höxter (Nordrhein-Westfalen), der Türkei und Rumänien stimmen sich auf das Spiel ein. © Fritz Landenberger
Trommler Burak heizt am Römer ein. Er lebt seit zwei Jahren in Dortmund, stammt aus Izmir. Karten für das Spiel hat er diesmal nicht ergattert, trotzdem ist die Vorfreude groß.
Trommler Burak heizt am Römer ein. Er lebt seit zwei Jahren in Dortmund, stammt aus Izmir. Karten für das Spiel hat er diesmal nicht ergattert, trotzdem ist die Vorfreude groß. © Fritz Landenberger
Los geht‘s: Der Fanmarsch setzt sich in Bewegung. Vom Römerberg geht es zum Hauptbahnhof. Dann per Bahn weiter ins Stadion.
Los geht‘s: Der Fanmarsch setzt sich in Bewegung. Vom Römerberg geht es zum Hauptbahnhof. Dann per Bahn weiter ins Stadion.  © Fritz Landenberger
Rund 1.000 Fans sind auf dem Weg Richtung Hauptbahnhof.
Rund 1.000 Fans sind auf dem Weg Richtung Hauptbahnhof. © Fritz Landenberger
Mit Fangesängen stimmen sich die Anhänger von Galatasaray auf das Spiel ein.
Mit Fangesängen stimmen sich die Anhänger von Galatasaray auf das Spiel ein. © Boris Roessler/dpa
Gefährliche Situation: Immer wieder zünden Fans Böller und Pyros in der Menge.
Gefährliche Situation: Immer wieder zünden Fans Böller und Pyros in der Menge. © Boris Roessler/dpa
Erinnerungsfoto vom Fanmarsch.
Erinnerungsfoto vom Fanmarsch.  © Michael Brandt/dpa
Das Medieninteresse ist groß: Mehrere Journalisten begleiten den Fanzug.
Das Medieninteresse ist groß: Mehrere Journalisten begleiten den Fanzug. © Fritz Landenberger
Immer wieder stockt der Fanzug. Diesmal wurde der Marsch unterbrochen, weil Fans wohl Raketen zündeten.
Immer wieder stockt der Fanzug. Diesmal wurde der Marsch unterbrochen, weil Fans wohl Raketen zündeten. © Fritz Landenberger
Die Galatasaray-Anhänger füllen die Gutleutstraße – mit lautstarken Fangesängen marschieren sie gemeinsam zum Hauptbahnhof.
Die Galatasaray-Anhänger füllen die Gutleutstraße – mit lautstarken Fangesängen marschieren sie zum Hauptbahnhof.  © Fritz Landenberger
Der Fanmarsch wird von zahlreichen Einsatzkräften der Polizei begleitet.
Der Fanmarsch wird von zahlreichen Einsatzkräften der Polizei begleitet. © Boris Roessler/dpa
Vorneweg der Wasserwerfer der Polizei.
Vorneweg: Der Wasserwerfer der Polizei. © Fritz Landenberger
Das Spezialfahrzeug mit großen Wassertanks.
Das Spezialfahrzeug mit großen Wassertanks. © Boris Roessler/dpa
Ein weiteres Mal stoppt die Polizei den Fanmarsch wegen gezündeter Pyrotechnik.
Ein weiteres Mal stoppt die Polizei den Fanmarsch wegen gezündeter Pyrotechnik.  © Fritz Landenberger
Die Vorfreude auf das Spiel scheint riesig zu sein.
Die Vorfreude auf das Spiel scheint riesig zu sein. © Boris Roessler/dpa
Fans zünden Pyros auf dem Weg zum Hauptbahnhof.
Fans zünden Pyros auf dem Weg zum Hauptbahnhof. © Michael Brandt/dpa
Die Galatasaray-Fans sind am Hauptbahnhof angekommen. Nun werden am Südeingang die Spieltickets kontrolliert. Nur mit diesen kommen sie mit den Sonderzügen zum Stadion.
Die Galatasaray-Fans sind am Hauptbahnhof angekommen. Nun werden am Südeingang die Spieltickets kontrolliert. Nur mit diesen kommen sie mit den Sonderzügen zum Stadion. © Fritz Landenberger
Viel los am Hauptbahnhof: Mit Polizeibegleitung geht es mit S-Bahnen zum Stadion.
Viel los am Hauptbahnhof: Mit Polizeibegleitung geht es mit S-Bahnen zum Stadion. © Boris Roessler/dpa
Diese S8 ist mit Fans und Polizisten ordentlich gefüllt. Sie bringt die Fußballanhänger nun zum Stadion.
Diese S8 ist mit Fans und Polizisten ordentlich gefüllt. Sie bringt die Fußballanhänger nun zum Stadion. © Fritz Landenberger
Die Fans von Galatasaray Istanbul begrüßen ihre Mannschaft im Waldstadion.
Die Fans von Galatasaray Istanbul begrüßen ihre Mannschaft im Waldstadion. © Uwe Anspach/dpa
Emotionaler Moment vor Spielbeginn: Kevin Trapp verabschiedet sich von den SGE-Fans.
Emotionaler Moment vor Spielbeginn: Kevin Trapp verabschiedet sich von den SGE-Fans. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik
Konfetti und Choreo der Frankfurter Fans.
Konfetti und Choreo der Frankfurt-Fans. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Gawlik
Die SGE führt zur Halbzeitpause 3:1 – das gefällt den Fans.
Die SGE führt zur Halbzeitpause 3:1 – das gefällt den Fans. © Uwe Anspach/dpa

Noch wichtiger: Frankfurt kassierte pro Partie nur 1,3 Gegentore, erzielte aber zwei Treffer. Der dritte Platz hing daher auch ganz eng mit diesem Duo zusammen. Bei der Suche nach der richtigen Balance wird Toppmöller zukünftig auch wieder Skhiri einbauen müssen. Er kann mit der nötigen Spielpraxis zügig wieder zu einem Anker für das Team werden.

Als Absolut Fussball, das Fußballportal von Home of Sports, Toppmöller im vergangenen Januar auf Skhiri ansprach, sagte dieser: „Ellyes gibt uns vor allem im Spiel gegen den Ball Stabilität. Er ist sehr fleißig, was das Aufsammeln von zweiten Bällen betrifft. Ellyes hat eine gute Positionierung, er läuft Räume zu, die für den Gegner interessant werden können.“

Der Coach hob zudem ein „gutes Gespür“ und die Laufstärke hervor. Skhiri lief durchschnittlich 12,62 Kilometer pro Begegnung. Natürlich agierte er nicht fehlerfrei, häufig meidet er das Risiko im Spiel nach vorne. Skhiri war dennoch ein kaum zu ersetzender Teil der Achse. Larsson und er ergänzten sich hervorragend. Der junge Schwede konnte sich frei bewegen, Skhiri hielt ihm den Rücken frei.

Ohne Frage hat sich Chaibi in der Schaltzentrale positiv entwickelt. Möglicherweise könnte auch der Algerier neben Skhiri agieren, Larsson dafür nach zwei schwachen und fehlerbehafteten Auftritten eine Pause bekommen. Toppmöller ist gefordert, Lösungen zu finden. Neun Gegentore in vier Bundesligapartien sind eindeutig zu viel. Dies ist auch auf die Ausfälle von Rasmus Kristensen (Muskelverletzung) und Skhiri zurückzuführen.

Nach den Abgängen der Ausnahmekönner Hugo Ekitiké und Omar Marmoush hat Toppmöller Anpassungen an der Spielweise vorgenommen. Die Eintracht läuft höher und damit deutlich riskanter an. Ist die erste Linie einmal überspielt, gibt es im 4-2-3-1-System der Hessen viel Raum für die Gegner. Ein diszipliniert denkender defensiver Mittelfeldmann kann die nötige Balance herstellen.

Eintracht-Boss Krösche hat auf die Verpflichtung eines Sechser verzichtet

Die Personalie Skhiri ist daher nicht zu unterschätzen. Sportvorstand Markus Krösche hat im Sommer auf die Verpflichtung eines neuen Sechsers verzichtet. Das hat auch mit Skhiri zu tun, der zu den Topverdienern gehört und im vergangenen Halbjahr Schlüsselspieler war. Die junge Mannschaft braucht in dieser Phase genau diese Reife, die ein Skhiri mitbringt.

Die Partie am kommenden Samstag (18.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach ist daher sehr wichtig. Ob Skhiri dann so weit ist, um helfen zu können? Auch der Nationalspieler wird nach langer Pause wieder etwas Zeit brauchen, bis er seine beste Verfassung erreicht. Dafür aber benötigt Skhiri Spielpraxis. Eine weitere volle Trainingswoche sollte reichen, um ihn endgültig fit für die erste Elf zu bekommen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/wolfstone-photo

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