Eintracht Frankfurt braucht den „stille Anführer“ im Mittelfeld
VonChristopher Michel
schließen
Eintracht Frankfurts Defensive zeigt Schwächen. Besonders das Zentrum erscheint instabil. Könnte ein routinierter Spieler die Lösung sein?
Frankfurt – Es gibt Spieler, deren Wert für eine Mannschaft man erst dann erkennt, wenn sie nicht da sind. Ellyes Skhiri ist bei Eintracht Frankfurt ein Profi dieser Kategorie. Der 30-Jährige zählt zu den Führungsspielern, wenngleich er ein „stiller Anführer“ und kein Lautsprecher ist. Doch gerade im Duell gegen Union Berlin (3:4) wurde sichtbar, was mit ihm fehlt.
Doch der Reihe nach! Die Berliner konnten das teilweise sehr chaotische und ungeordnete Mittelfeld der Hessen mühelos überspielen. Trainer Dino Toppmöller befindet sich aktuell auf der Suche nach Balance und Stabilität. Die Zentrale mit Hugo Larsson und Farès Chaibi ist eine sehr offensiv orientierte, auf die Viererkette kommt daher viel zu häufig schwere Arbeit zu.
Ein Stabilisator wie Skhiri fehlt der Eintracht
Skhiri konnte bislang noch nicht helfen. Der Tunesier verpasste nahezu die komplette Vorbereitung wegen Knieproblemen. Bei der Champions-League-Gala gegen Galatasaray Istanbul (5:1) feierte er mit einem Kurzeinsatz sein Comeback. Die Partie gegen Union schrie schon zur Pause förmlich nach einem Stabilisator wie Skhiri. Vor allem Larsson erwischte einen ganz schlimmen Nachmittag.
Noch wichtiger: Frankfurt kassierte pro Partie nur 1,3 Gegentore, erzielte aber zwei Treffer. Der dritte Platz hing daher auch ganz eng mit diesem Duo zusammen. Bei der Suche nach der richtigen Balance wird Toppmöller zukünftig auch wieder Skhiri einbauen müssen. Er kann mit der nötigen Spielpraxis zügig wieder zu einem Anker für das Team werden.
Als Absolut Fussball, das Fußballportal von Home of Sports, Toppmöller im vergangenen Januar auf Skhiri ansprach, sagte dieser: „Ellyes gibt uns vor allem im Spiel gegen den Ball Stabilität. Er ist sehr fleißig, was das Aufsammeln von zweiten Bällen betrifft. Ellyes hat eine gute Positionierung, er läuft Räume zu, die für den Gegner interessant werden können.“
Der Coach hob zudem ein „gutes Gespür“ und die Laufstärke hervor. Skhiri lief durchschnittlich 12,62 Kilometer pro Begegnung. Natürlich agierte er nicht fehlerfrei, häufig meidet er das Risiko im Spiel nach vorne. Skhiri war dennoch ein kaum zu ersetzender Teil der Achse. Larsson und er ergänzten sich hervorragend. Der junge Schwede konnte sich frei bewegen, Skhiri hielt ihm den Rücken frei.
Ohne Frage hat sich Chaibi in der Schaltzentrale positiv entwickelt. Möglicherweise könnte auch der Algerier neben Skhiri agieren, Larsson dafür nach zwei schwachen und fehlerbehafteten Auftritten eine Pause bekommen. Toppmöller ist gefordert, Lösungen zu finden. Neun Gegentore in vier Bundesligapartien sind eindeutig zu viel. Dies ist auch auf die Ausfälle von Rasmus Kristensen (Muskelverletzung) und Skhiri zurückzuführen.
Nach den Abgängen der Ausnahmekönner Hugo Ekitiké und Omar Marmoush hat Toppmöller Anpassungen an der Spielweise vorgenommen. Die Eintracht läuft höher und damit deutlich riskanter an. Ist die erste Linie einmal überspielt, gibt es im 4-2-3-1-System der Hessen viel Raum für die Gegner. Ein diszipliniert denkender defensiver Mittelfeldmann kann die nötige Balance herstellen.
Eintracht-Boss Krösche hat auf die Verpflichtung eines Sechser verzichtet
Die Personalie Skhiri ist daher nicht zu unterschätzen. Sportvorstand Markus Krösche hat im Sommer auf die Verpflichtung eines neuen Sechsers verzichtet. Das hat auch mit Skhiri zu tun, der zu den Topverdienern gehört und im vergangenen Halbjahr Schlüsselspieler war. Die junge Mannschaft braucht in dieser Phase genau diese Reife, die ein Skhiri mitbringt.
Die Partie am kommenden Samstag (18.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach ist daher sehr wichtig. Ob Skhiri dann so weit ist, um helfen zu können? Auch der Nationalspieler wird nach langer Pause wieder etwas Zeit brauchen, bis er seine beste Verfassung erreicht. Dafür aber benötigt Skhiri Spielpraxis. Eine weitere volle Trainingswoche sollte reichen, um ihn endgültig fit für die erste Elf zu bekommen.