Kein Last-Minute-Deal

Eintracht Frankfurt priorisiert Entwicklung statt Aktualität

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Eintracht Frankfurt bleibt seinem Transfermarkt-Kurs treu. Das sorgt für gemischte Reaktionen. Reporter Christopher Michel kann das nachvollziehen.

Frankfurt – Der Deadline Day war bei Eintracht Frankfurt in der Vergangenheit oftmals eine wilde Angelegenheit. Der 1. September 2025 hingegen geht nicht in die Geschichtsbücher des Traditionsvereins ein. Junior Dina Ebimbe wechselt zurück in die Heimat (Stade Brest), Niels Nkounkou läuft ab sofort in Italien (FC Turin) auf.

Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche hat den Kader frühzeitig zusammengestellt

Und sonst? Ob Sergi Altimira (Real Betis), Raphael Onyedika (FC Brügge) oder am Ende Stürmer William Osula (Newcastle United): So richtig heiß ist es nicht mehr geworden. Am konkretesten war noch die Personalie Osula. Das Paket ließ sich final aus diversen Gründen nicht schnüren. Newcastle selbst braucht den Mittelstürmer, die finanziellen Modalitäten haben zudem nicht ganz gepasst.

Eintracht erwirtschaftet Transferüberschuss

Die Eintracht bewegt sich auf dem Transfermarkt auf einem schmalen Grat. Die Hessen haben Hugo Ekitiké, Tuta und Co. für weit über 100 Millionen Euro verkauft und einen Transferüberschuss von knapp 70 Millionen Euro erwirtschaftet. Natürlich gibt es noch Beraterhonorare oder Beteiligungen anderer Vereine. Dennoch hat Sportvorstand Markus Krösche trotz der millionenschweren Einkäufe Jonathan Burkardt, Ritsu Doan und Michael Zetterer wieder für ein deutliches Plus gesorgt.

Frankfurt setzt dabei weiterhin auf Entwicklung statt Aktualität. Das klingt auf den ersten Blick unsexy, ist allerdings der Weg, der den Klub zum zweiten Mal nach 2022 in die Champions League gebracht hat. Krösche muss bei der Suche nach Neuzugängen stets genauestens abwägen. Ein neuer „Super-Sechser“ hätte die Einsatzzeiten von Farès Chaibi oder Hugo Larsson möglicherweise deutlich reduziert.

Ein Verein durchbricht Schallmauer – die Dauerkarten-Preise der Bundesligisten

Die TSG Hoffenheim ruft für ihre 17 Heimspiele für Sitzplätze zwischen 262 und 584 € auf. Den günstigsten Stehplatz gibt es für 150 €.
Die TSG Hoffenheim ruft für ihre 17 Heimspiele für Sitzplätze zwischen 262 und 584 € auf. Den günstigsten Stehplatz gibt es für 150 €. © IMAGO/Oliver Zimmermann
Damit bieten die Kraichgauer den günstigsten aller verfügbaren Bundesliga-Stehplätze über eine gesamte Spielzeit an.
Damit bieten die Kraichgauer den günstigsten aller verfügbaren Bundesliga-Stehplätze über eine gesamte Spielzeit an. © IMAGO/Alfio Marino
Auch beim VfL Wolfsburg gibt es Saisontickets zu moderaten Preisen zu erstehen. Zwischen 250 und 490 € kostet ein Sitzplatz, stehen kann man im günstigsten Fall für 160 €.
Auch beim VfL Wolfsburg gibt es Saisontickets zu moderaten Preisen zu erstehen. Zwischen 250 und 490 € kostet ein Sitzplatz, stehen kann man im günstigsten Fall für 160 €. © IMAGO/Sebastian Priebe
Bei Stehplätzen – sofern frei verfügbar – reihen sich die Bayern unter den Top 3 mit 175 € ein.
Bei Stehplätzen – sofern frei verfügbar – reihen sich die Bayern unter den Top 3 mit 175 € ein. © IMAGO/Markus Ulmer
Die restlichen Plätze in der Arena gehen für zwischen 410 und 890 € an den Fan
Die restlichen Plätze in der Arena gehen für zwischen 410 und 890 € an den Fan © IMAGO/Ulrich Wagner
Auch im dritten Bundesliga-Jahr will der 1. FC Heidenheim seine Fans im Rücken wissen. Auf der Ostalb gibt es für zwischen 395 und 510 € erstklassigen Fußball im Sitzen. Stehplatz-Dauerkarten kosten mindestens 180 €.
Auch im dritten Bundesliga-Jahr will der 1. FC Heidenheim seine Fans im Rücken wissen. Auf der Ostalb gibt es für zwischen 395 und 510 € erstklassigen Fußball im Sitzen. Stehplatz-Dauerkarten kosten mindestens 180 €. © IMAGO/Ralf Brueck
Im Frankfurter Waldstadion reichen die Dauerkartenpreise für Sitzplätze zwischen 455 und 780 €. Ein Steher ist mit Glück schon für 190 € zu haben.
Im Frankfurter Waldstadion reichen die Dauerkartenpreise für Sitzplätze zwischen 455 und 780 €. Ein Steher ist mit Glück schon für 190 € zu haben. © IMAGO/Gabor Baumgarten
Damit können Fans vom Champions-League-Teilnehmer aus der Bankenmetropole noch für unter 200 € die Bundesliga-Saison mitnehmen
Damit können Fans vom Champions-League-Teilnehmer aus der Bankenmetropole noch für unter 200 € die Bundesliga-Saison mitnehmen. © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Nur ein paar Kilometer weiter in Mainz bleibt das Preisniveau vergleichbar. Die Sitzplätze variieren je Kategorie zwischen 389 und 729 €. Für einen dauerhaften Stehplatz werden mindestens 194 € fällig.
Nur ein paar Kilometer weiter in Mainz bleibt das Preisniveau vergleichbar. Die Sitzplätze variieren je Kategorie zwischen 389 und 729 €. Für einen dauerhaften Stehplatz werden mindestens 194 € fällig. © IMAGO/Vitali Kliuiev
Bei der Werkself steht ein großer Umbruch an. Wer diesen dauerhaft im Stadion begleiten will, zahlt für Sitzplätze zwischen 365 und 550 €. Der Stehplatz in der Kurve kostet mindestens 210 €.
Bei der Werkself steht ein großer Umbruch an. Wer diesen dauerhaft im Stadion begleiten will, zahlt für Sitzplätze zwischen 365 und 550 €. Der Stehplatz in der Kurve kostet mindestens 210 €. © IMAGO/Moritz Mueller
Damit reißt Bayer Leverkusen als erster Klub die Grenze von 200 € für einen Stehplatz.
Damit reißt Bayer Leverkusen als erster Klub die Grenze von 200 € für einen Stehplatz. © IMAGO/Matthias Koch
Seit jeher gut ausgelastet sind die Heimspiele des FC St. Pauli am Millerntor. Für die Sitzplatz-Dauerkarten gelten dabei Preise zwischen 456 und 724 €, wohingegen der günstigste Preis für die zahlreich vorhandenen Stehplätze bei 213 € liegt.
Seit jeher gut ausgelastet sind die Heimspiele des FC St. Pauli am Millerntor. Für die Sitzplatz-Dauerkarten gelten dabei Preise zwischen 456 und 724 €, wohingegen der günstigste Preis für die zahlreich vorhandenen Stehplätze bei 213 € liegt. © IMAGO/Oliver Ruhnke
Seit 2011 ist der FCA wieder Bundesligist und damit beliebter Pilgerort für Fußballfans in der Stadt. 399 bis 679 € kosten die Sitzplatz-Jahreskarten. Stehplätze mindestens 219 €.
Seit 2011 ist der FCA Bundesligist und damit beliebter Pilgerort für Fußballfans in der Stadt. 399 bis 679 € kosten die Sitzplatz-Jahreskarten. Stehplätze mindestens 219 €. © IMAGO/kolbert-press/Christian Kolbert
Im Weserstadion wird für zwischen 260 und 825 € gesessen. In der Ostkurve stehen Fans im günstigsten Fall für 222 €.
Im Weserstadion wird für zwischen 260 und 825 € gesessen. In der Ostkurve stehen Fans im günstigsten Fall für 222 €. © IMAGO/Bahho Kara
Surft der SC Freiburg weiter auf seiner Erfolgswelle, dürften ihm Dauerkartenverkäufe sichere und lukrative Einnahmen bescheren. Gestanden wird für 230 €, die Sitzplätze liegen bei 459 bis 839 €.
Surft der SC Freiburg weiter auf seiner Erfolgswelle, dürften ihm Dauerkartenverkäufe sichere und lukrative Einnahmen bescheren. Gestanden wird für 230 €, die Sitzplätze liegen bei 459 bis 839 €. © IMAGO/Pressefoto Rudel/Robin Rudel
Auf eine bessere Saison mit Europapokal-Qualifikation hofft man in Mönchengladbach. Die Heimspiele der Borussia können über die ganze Spielzeit für Preise zwischen 440 und 820 € (Sitzplatz) sowie mindestens 230 € für einen Stehplatz besucht werden.
Auf eine bessere Saison mit Europapokal-Qualifikation hofft man in Mönchengladbach. Die Heimspiele der Borussia können über die ganze Spielzeit für Preise zwischen 440 und 820 € (Sitzplatz) sowie mindestens 230 € für einen Stehplatz besucht werden. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl
Der Dino ist zurück im Oberhaus. Wer dabei sein will, muss mit Sitzplatzpreisen zwischen 340 und 880 € kalkulieren. Steher gehen in Hamburg im günstigsten Fall für 238 € über den Tresen.
Der Dino ist zurück im Oberhaus. Wer dabei sein will, muss mit Sitzplatzpreisen zwischen 340 und 880 € kalkulieren. Steher gehen in Hamburg im günstigsten Fall für 238 € über den Tresen. © IMAGO/Oliver Ruhnke
Fans von Pokalsieger Stuttgart erwartet neben der Bundesliga zudem Europapokal-Abende in der Europa League. Für das Ligaprogramm zahlen Sitzplatz-Dauerkarteninhaber zwischen 395 und 885 €. Die günstigsten Stehplätze liegen bei 240 €.
Fans von Pokalsieger Stuttgart erwartet neben der Bundesliga zudem Europapokal-Abende in der Europa League. Für das Ligaprogramm zahlen Sitzplatz-Dauerkarteninhaber zwischen 395 und 885 €. Die günstigsten Stehplätze liegen bei 240 €. © IMAGO/Pressefoto Rudel/Robin Rudel
Sitzplatz-Jahreskarten im Zentralstadion erstrecken sich zwischen 350 und 945 €. Steher gibt es ab 245 €.
Sitzplatz-Jahreskarten im Zentralstadion erstrecken sich zwischen 350 und 945 €. Steher gibt es ab 245 €. © IMAGO/Roger Petzsche
Der Aufsteiger greift preislich die Spitzenplätze an. Während Stehplatz-Dauerkarten ab 252 € beginnen…
Der Aufsteiger aus Köln greift preislich die Spitzenplätze an. Während Stehplatz-Dauerkarten ab 252 € beginnen … © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Justin Deronde
… reichen Sitzplatz-Dauerkarten beim FC bis zu 1.071 € und damit als einziger Erstligist in den vierstelligen Bereich
… reichen Sitzplatz-Dauerkarten beim FC bis zu 1.071 € und ist damit als einziger Erstligist in den vierstelligen Bereich. © MIKA VOLKMANN via www.imago-images.de
Bei Union kosten Sitzplätze zwischen 561 und 905 €. Der günstigste Steher an der Alten Försterei kostet 255 €.
Bei Union kosten Sitzplätze zwischen 561 und 905 €. Der günstigste Steher an der Alten Försterei kostet 255 €. © IMAGO/nordphoto GmbH / Engler
Damit belegen die Köpenicker den vorletzten Platz in der Kategorie der günstigsten Stehplatz-Dauerkarten.
Damit belegen die Köpenicker den vorletzten Platz in der Kategorie der günstigsten Stehplatz-Dauerkarten. © IMAGO/Matthias Koch
Das größte Stadion Deutschlands: Über 80.000 Zuschauer bietet das Westfalenstadion Platz, über 55.000 Dauerkarten setzt der BVB jährlich ab und hat damit enorme Umsatzmöglichkeiten, die anderen Bundesligisten in dieser Dimension verwehrt bleiben.
Das größte Stadion Deutschlands: Über 80.000 Zuschauer bietet das Westfalenstadion Platz, über 55.000 Dauerkarten setzt der BVB jährlich ab und hat damit enorme Umsatzmöglichkeiten, die anderen Bundesligisten in dieser Dimension verwehrt bleiben. © IMAGO/osnapix / Hirnschal
Die Sitzplätze kosten dabei zwischen 485 und 905 €. Auf der berühmten Südtribüne kostet der günstigste Stehplatz 260 €.
Die Sitzplätze kosten dabei zwischen 485 und 905 €. Auf der berühmten Südtribüne kostet der günstigste Stehplatz 260 €. © IMAGO/Madeleine Fantini

Aurèle Amenda abgeben? Das ergibt nur Sinn, wenn die Eintracht eine bessere Option findet. Nkounkou ersatzlos verleihen? Genau das ist nötig, um den Kader zu verschlanken. Das Geschäftsmodell sieht vor, Werte von Talenten zu steigern. Auf der Bank oder Tribüne kann das nicht gelingen. Entwicklung statt Aktualität lautet daher das Motto von Sportvorstand Markus Krösche.

Doch was bedeutet diese Formel? Sofortverstärkungen wie Jonathan Burkardt oder Ritsu Doan sind kostspielig. Krösche setzt das Stilmittel „Aktualität“ daher nur dosiert ein. Der für Januar 2026 verpflichtete Love Arrhov hingegen geht dann wieder voll auf die Schiene Entwicklung. Krösche bleibt konsequent, auch wenn die Rufe nach großen Namen im Umfeld immer lauter werden.

Die Qualifikation für die Königsklasse hat natürlich auf vielen Ebenen Begehrlichkeiten geweckt. Manager anderer Teams setzen das Preisschild inzwischen etwas höher an, wenn die Eintracht anklopft. Der Transfermarkt ist in der aktuellen Phase völlig überhitzt, die Premier League alleine hat aberwitzige 3,5 Milliarden (!) Euro für 344 Spieler ausgegeben.

Während die Eintracht bei einem 20-Millionen-Euro-Transfers genauestens abwägen muss, können Newcastle, Liverpool und Co. auch 90-Millionen-Euro-Preisschilder mühelos bedienen. Und dann sind da noch die Mannschaften aus Saudi-Arabien, die auch für Talente wie Jean-Matteo Bahoya oder Larsson unmoralische Summen bieten.

In diesem Dickicht bewegen sich die Hessen. Genau deshalb ist das öffentliche Murren teilweise auch unfair und sehr hart. Denn Krösche ist es nebenbei gelungen, den Vertrag von Kapitän Robin Koch zu verlängern und Bahoya und Larsson trotz riesiger Offerten zu halten. Das ist nicht selbstverständlich und ein wichtiger Schritt für die Eintracht.

Alles in allem hat der Sportvorstand sein Ziel, den Kader zielgerichtet und frühzeitig zu verstärken, erreicht. Wohin der Weg der Eintracht führt, hängt auch von der Steigerung der vielen talentierten Akteure ab. Können Bahoya, Chaibi, Larsson und Can Uzun auch Champions League? Das gilt es in den kommenden Monaten zu beweisen.

Rubriklistenbild: © Imago/Kessler-Sportfotografie

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