Nach tristem Wolfsburg-Remis

Eintracht Frankfurt selbstkritisch – jedoch nicht hysterisch

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Eintracht Frankfurt steckt in einer schwierigen Phase. Teile der Fans attackieren Trainer Dino Toppmöller massiv. Die Hessen zeigen sich unaufgeregt.

Frankfurt – Kommentare in den sozialen Netzwerken sind teilweise mit großer Vorsicht zu genießen. Doch es wäre falsch, alle Beobachtungen zu ignorieren. Bei Eintracht Frankfurt steht Trainer Dino Toppmöller bei Teilen der Fans schon längere Zeit in der Kritik. Vor allem die Themen Aufstellung, Herangehensweise und In-Game-Coaching stehen im Fokus.

Trainer Dino Toppmöller und Sportvorstand Markus Krösche bleiben in dieser Phase bei sich

Die Hessen selbst gehen nach Informationen von Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, selbstkritisch mit der aktuellen Situation um. Die Entscheidung des Trainerteams, die Partie gegen den VfL Wolfsburg ohne echten Mittelstürmer zu bestreiten, hat auch intern für Verwunderung gesorgt. Ansgar Knauff prallte gegen die sperrige Abwehr der Niedersachsen ab.

Bei der Eintracht dreht niemand am Rad

Prinzipiell brauchen die Frankfurter in ihrem Spiel noch mehr Klarheit, phasenweise wirkt das Team überfrachtet. Viel zu einfache Gegentore sind oftmals die Folge davon. Nach eigenen Fehlern kommt der Kontrahent sofort zu großen Möglichkeiten. Toppmöller kriegt die Abwehr so nicht dicht. Gegen Wolfsburg klingelte es bereits zum 38. Mal in einem Pflichtspiel. Das sind alarmierende Zahlen!

Und doch werden die Verantwortlichen rund um Sportvorstand Markus Krösche nicht hysterisch. Eine Trainer-Debatte wird nicht geführt. Allen Bossen war klar, wie schwierig die Saison mit der Teilnahme an der Champions League werden kann. Der gute Saisonstart hat im Umfeld plötzlich Träume reifen lassen, die so nicht zu erfüllen waren. Umso härter fühlt sich der Aufprall in diesen kalten Wintertagen an.

Ein Grund, der dem Anhang auf den Magen schlägt: Toppmöller hat das Diva-Syndrom zwar nicht komplett vertreiben können. Im Normalfall erledigt das Team seit rund zwei Jahren seine Aufgaben gegen die Kellerkinder oder Aufsteiger zumeist sehr souverän. Eine 3:4-Pleite gegen Union Berlin ist die Ausnahme und nicht mehr die Regel.

Das war in der Vergangenheit häufig das große Problem. In Heidenheim oder gegen Wolfsburg gab es in dieser Saison zwar Punktverluste. Ansonsten aber ist die Eintracht in diesen Duellen sehr konstant und zieht die Partien auf seine Seite. Was hingegen beinahe vollständig fehlt, sind die Glanzpunkte. Wenn Frankfurt gegen die großen Teams wie Bayern München, Atlético Madrid oder Liverpool gar nichts holt, dann sorgt das für großen Frust im weiten Rund.

Die glorreichen Nächte in Europa League und DFB-Pokal sind weiterhin äußerst präsent. Toppmöller konnte sich trotz des Erreichens der Königsklasse über die Bundesliga bei den Fans nicht den Status erarbeiten, den sein beliebter Vorgänger Oliver Glasner hatte. Der heroische Sieg im Glutofen von Sevilla hat 2022 für globale Bewunderung gesorgt. Das macht automatisch etwas mit allen Beteiligten.

Diese Erfolge haben dazu geführt, dass die Fans triste Auftritte gegen Fürth, Freiburg, Mainz oder Augsburg stets verziehen haben. Die Abende am Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag wurden zum regelmäßigen Fest. Genau nach diesen Momenten lechzen die Fans. Ein 1:5 gegen Liverpool oder ein 0:3 gegen Bayern München und Bergamo? Nein, so etwas schmeckt dem stolzen Anhänger der Eintracht überhaupt nicht.

Vorstandssprecher Axel Hellmann erklärte schon häufiger, dass der Zusammenhalt im Klub eine enorme „Wucht“ entfalten könne. Andererseits gab es in der Vergangenheit auch schon genügend Beispiele, was bei Misserfolgen passiert. Erinnert sei an den Abstieg 2011, als es am Ende einen Platzsturm oder das provokante Plakat „Randalemeister“ gab.

Die schwierige Gemengelage bei der Eintracht

Die Fans können also einerseits Antreiber sein, sie können andererseits aber auch lähmen! Ohne Highlight-Siege wird der Eintracht-Anhänger ganz schnell mürrisch. Dreier gegen Pauli, Köln oder Bremen sind schön und gut. Doch erst dann, wenn der FC Bayern wieder düpiert oder ein europäischer Gigant ernsthaft geärgert wird, kommt es zu der „magischen Nacht“ im Waldstadion. Pflichtsiege schmecken eben nicht so süß wie große Coups.

Krösche bewahrt in dieser Gemengelage kühlen Kopf. „Die Situation mit der Champions League ist neu für Dino. Es sind intensive Wochen für alle. Er macht es souverän und bereitet die Mannschaft immer gut vor. Dino ist nicht anders als der Vergangenheit“, sagte der Sportvorstand nach dem Remis gegen Wolfsburg.

Die Eintracht befindet sich tabellarisch in der Lauerstellung, die erneute Champions-League-Qualifikation ist weiterhin möglich. Am Samstagabend (18.30 Uhr) geht die Reise der Hessen nach Leipzig. Es ist eine Partie, die im Umfeld durchaus für eine deutliche Steigerung der Laune führen kann. Genau in einem solchen Duell haben Trainerteam und Mannschaft die Möglichkeit für die nötige Ruhe im Umfeld sorgen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Michael Taeger

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