Viele Fragezeichen im Eintracht-Poker – auch Burkardt in der Schwebe
VonIngo Durstewitz
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Transfers von Jonny Burkardt und Ritsu Doan in der Schwebe. Bleibt Hugo Ekitiké vielleicht doch?
Frankfurt – Von allen möglichen und unmöglichen Transferexperten ist der angedachte Wechsel von Jonathan Burkardt von Mainz 05 zu Eintracht Frankfurt als quasi vollzogen deklariert worden. Schon gestern, nicht erst heute. Doch die Wahrheit ist: Ist nicht so. Was stimmt: Der bald 25 Jahre alte Stürmer und der hessische Champions-League-Teilnehmer haben sich grundsätzlich über einen Transfer verständigt, der in Darmstadt geborene Jonny Burkardt hat seine Zusage gegeben.
Seinen Wunsch hat er auch bei der Sportlichen Leitung der Nullfünfer hinterlegt. Die aber ist nicht gewillt, den Stürmer für die gebotene Summe von rund 18 Millionen Euro ziehen zu lassen. FSV-Vorstand Christian Heidel und Eintracht-Sportboss Markus Krösche liegen weit auseinander, der Mainzer Manager fordert einen Betrag deutlich jenseits der 30-Millionen-Grenze. Viel zu viel, findet Markus Krösche. Zumal Burkardt inzwischen zwar drei Länderspieleinsätze vorzuweisen hat, international sonst aber noch nicht in Erscheinung getreten ist.
Mainz und Frankfurt uneinig bei Ablöse für Burkhardt
Eine schnelle Einigung ist demnach zwar nicht ausgeschlossen, aber auch nicht besonders wahrscheinlich. Der Pluspunkt für die Frankfurter ist das klare Bekenntnis des Spielers. Das erzeugt Druck auf den abgebenden Verein – die Eintracht kann von diesen Konstellationen ein Lied singen. Zumeist ist der vom Spieler forcierte Wechsel dann irgendwie zustande gekommen. Auch beim anderen Frankfurter Wunschspieler ruht der See. Ritsu Doan weilt derzeit in seiner japanischen Heimat und macht sich dort Gedanken über seine Zukunft. Die Eintracht ist mit dem Spieler recht weit, doch auch die Bayern haben ein Auge auf den Freiburger Flügelspieler geworfen. Das ist finanziell eine andere Hausnummer. Bei den Münchnern wäre der am Montag 27 Jahre alt werdende Akteur keine A-Lösung, sondern eher als Ergänzung zu sehen.
XXL-Blockfahne, Heimatverbundenheit und „ewiger Oka“: Diese Eintracht-Choreos gehen unter die Haut
Schließlich hat der Außenbahnspieler zwar seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis gestellt, aber keine große internationale Erfahrung auf höchster Klubebene, sprich in der Königsklasse. Und die Konkurrenz bei den Bayern wäre ungleich größer. In München würde Doan vielleicht in den „kleinen“ Spielen zum Zug kommen, in Frankfurt hätte er einen anderen Status, die Aussicht auf deutlich mehr Spielzeit – auch in der Champions League. Trainer Dino Toppmöller ist ein großer Fan des Japaners.
Viele Interessenten für Eintracht-Stürmer Ekitiké
Die Frage wird also sein, ob er den großen Schritt mit riskanter sportlicher Aussicht wagt oder den vernünftigeren Weg ein Level darunter geht? Und dann muss sich die Eintracht ja auch noch mit dem SC Freiburg über die Ablöse einigen, die bei 20 Millionen Euro liegen soll. Vielleicht kommt es da zu einem Verrechnungsmodell mit Eintracht-Mittelstürmer Igor Matanovic, an dem die Breisgauer Interesse haben und für den die Frankfurter rund zehn Millionen Euro erlösen wollen. Vieles in der Kaderplanung wird bei der Eintracht natürlich davon abhängen, wie das Tauziehen um Starstürmer Hugo Ekitiké ausgeht.
Interessenten gibt es weiterhin genügend, der FC Liverpool, FC Arsenal, sogar Manchester United, das allerdings nicht nur krisengebeutelt ist, sondern nicht mal europäisch vertreten sein wird. Die Spur zum FC Chelsea ist hingegen etwas erkaltet; wie aus Spielerkreisen zu vernehmen ist, soll der 22-Jährige verärgert sein, weil die Chelsea-Oberen ihn im Glauben ließen, den Deal einzutüten, er sogar von der U-21-EM abreiste, die Engländer aber bis heute nicht mal ein Angebot an die Eintracht geschickt haben. In Frankfurt sehen sie die (ausbleibende) Entwicklung relativ entspannt. Die Aussage von Sportvorstand Krösche, wonach Ekitiké bleiben werde, „wenn der Preis nicht stimmt, weil wir ihn nicht verkaufen müssen“, ist zunächst als Taktik eingestuft worden.
Wenn Tuta geht, kommt Ikatura
Doch mittlerweile ist definitiv nicht mehr ausgeschlossen, dass der Franzose noch ein Jahr in Frankfurt bleibt und dann verkauft wird. Der Spieler selbst könnte sich das gut vorstellen. Von den 100 Millionen als erster Forderung wird Markus Krösche jedenfalls aktuell nicht abrücken. Und auch in der hinteren Reihe könnte es zu einer Veränderung kommen, nämlich dann, wenn der Brasilianer Tuta seinen bis 2026 laufenden Vertrag nicht verlängert – wonach es momentan aussieht. Betis Sevilla, Crystal Palace mit Ex-Eintracht-Coach Oliver Glasner sowie Fenerbahce sind interessiert. Der Innenverteidiger würde zehn, zwölf Millionen Euro bringen.
Die Summe würden die Frankfurter reinvestieren, und zwar in den 28 Jahre alten Ko Itakura von Borussia Mönchengladbach. Der Japaner würde aber noch ein bisschen mehr kosten, zwischen 15 und 17 Millionen Euro. Mit Itakura sind die Frankfurter relativ weit. Und auch bei Victor Froholdt vom FC Kopenhagen sind die Frankfurter aktiv. Der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler ist nicht abgeneigt, doch einem Wechsel stehen einige Hürden im Weg: Die Dänen fordern rund 20 Millionen Euro, und auch andere hochkarätige Klubs sind interessiert. Auch dies könnte spannend werden.