„Natürlich nicht förderlich“

Ex-Bayern-Star Helmer reagiert auf brisante Hoeneß-Aussagen im Doppelpass

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Die brisanten Äußerungen von Uli Hoeneß wurden rund um den FC Bayern in den letzten Tagen viel besprochen. Nun äußert sich Thomas Helmer dazu.

München – Mit Spannung wurde der Auftritt von Uli Hoeneß im Doppelpass erwartet. Und der Ehrenpräsident des FC Bayern hat mal wieder geliefert! Hoeneß tätigte brisante Aussagen über Max Eberl, Markus Babbel und Neuzugang Nicolas Jackson.

Thomas Helmer war einst Profi beim FC Bayern und ist heute Sportmoderator.

Im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, meldet sich nun Thomas Helmer zu Wort – und spricht auch über einen möglichen Wechsel von Eintracht Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche zum deutschen Rekordmeister.

Thomas, Sie waren am vergangenen Sonntag beim Doppelpass zu Gast, als Uli Hoeneß seine denkwürdigen Aussagen tätigte. Wie haben Sie die Atmosphäre im Studio wahrgenommen? War das ein kalkulierter Auftritt oder ein emotionaler Ausbruch?
Die Atmosphäre war sehr gut, weil wir 30 Jahre Doppelpass gefeiert haben. Ich habe mich gefreut, Uli nach langer Zeit mal wieder zu sehen. Ich glaube nicht, dass es kalkuliert war – das war definitiv nicht geplant. Er hatte schon andere Auftritte, die geplanter wirkten. Er hat klar seine Meinung vertreten, das wird dem ein oder anderen nicht schmecken, und deutlich gemacht, wer im Verein noch großen Anteil an den Entscheidungen hat: nämlich er.

Matthäus nur der Letzte: Fehden von Uli Hoeneß haben beim FC Bayern lange Tradition

Uli Hoeneß leitet seit Jahrzehnten die Geschicke des FC Bayern München. In dieser Zeit hat der Bayern-Patron schon häufig mit seinen Äußerungen für Ärger gesorgt.
Uli Hoeneß leitet seit Jahrzehnten die Geschicke des FC Bayern München. In dieser Zeit hat der Bayern-Patron schon häufig mit seinen Äußerungen für Ärger gesorgt.  © IMAGO/DeFodi Images/MIS
Jüngstes Beispiel ist die Fehde mit TV-Experte und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Die Wurzeln des Streits liegen im Bayern-Transferpoker um Nick Woltemade.
Seinen jüngsten Streit erlebt der Bayern-Patron mit TV-Experte und Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Die Wurzeln des Streits liegen im Bayern-Transferpoker um Nick Woltemade. © IMAGO/HMB-Media/Ulrich Wagner
Matthäus hatte dem ehemaligen VfB-Stürmer einen Marktwert von 80 bis 100 Millionen Euro attestiert. Hoeneß reagierte daraufhin mit der Beleidigung, Matthäus habe „nicht alle Tassen im Schrank“. Kurze Zeit später legte er nach: „Wir haben uns wenig zu sagen, weil ich festgestellt habe, dass er noch keine neue Tasse gefunden hat“.
Matthäus hatte dem ehemaligen VfB-Stürmer einen Marktwert von 80 bis 100 Millionen Euro attestiert. Hoeneß reagierte daraufhin mit der Beleidigung, Matthäus habe „nicht alle Tassen im Schrank“. Kurze Zeit später legte er nach: „Wir haben uns wenig zu sagen, weil ich festgestellt habe, dass er noch keine neue Tasse gefunden hat“. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Das konnte Matthäus wiederum nicht auf sich sitzen lassen. In seiner Sky-Kolumne erwiderte er:  „Das meiste von dem, was Uli gesagt hat, habe ich als peinlich empfunden.“
Das konnte Matthäus wiederum nicht auf sich sitzen lassen. In seiner Sky-Kolumne erwiderte er: „Das meiste von dem, was Uli gesagt hat, habe ich als peinlich empfunden.“  © IMAGO/Sebastian Bach
Einen legendären Schlagabtausch lieferte sich Uli Hoeneß 1989 auch schon mit Christoph Daum. Daum hatte zuvor über den damaligen Bayern-Trainer Jupp Heynckes gelästert.
Einen legendären Schlagabtausch lieferte sich Uli Hoeneß 1989 auch schon mit Christoph Daum. Daum hatte zuvor über den damaligen Bayern-Trainer Jupp Heynckes gelästert. © SVEN SIMON via www.imago-images.de
Im ZDF-Sportstudio trafen Daum und Hoeneß (hier mit Jupp Heynckes) wenig später aufeinander und lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch. Das kuriose Streit-Interview sollte noch lange und sehr intensiv nachwirken.
Im ZDF-Sportstudio trafen Daum und Hoeneß (hier mit Jupp Heynckes) wenig später aufeinander und lieferten sich einen verbalen Schlagabtausch. Das kuriose Streit-Interview sollte noch lange und sehr intensiv nachwirken. © IMAGO / Ferdi Hartung
Nach Daums Tod im August 2024 sagte Hoeneß: „Christoph Daum ist sein ganzes Leben keinem Disput aus dem Weg gegangen, aber wir beide haben vor langer Zeit unseren Frieden gemacht, und die Nachricht von seinem Tod macht auch mich sehr betroffen.“
Nach Daums Tod im August 2024 sagte Hoeneß: „Christoph Daum ist sein ganzes Leben keinem Disput aus dem Weg gegangen, aber wir beide haben vor langer Zeit unseren Frieden gemacht, und die Nachricht von seinem Tod macht auch mich sehr betroffen.“ © IMAGO / Revierfoto
Zoff hatte Hoeneß auch mit seinem ehemaligen Mitspieler und langjährigem Freund Paul Breitner. Breitner hatte Hoeneß und die FCB-Führung nach der legendären Wut-PK 2018 kritisiert.
Zoff hatte Hoeneß auch mit seinem ehemaligen Mitspieler und langjährigem Freund Paul Breitner. Breitner hatte Hoeneß und die FCB-Führung nach dessen Wut-PK 2018 kritisiert. © IMAGO/Lackovic/Jan Huebner
Breitner wurde daraufhin als Ehrenspielführer von der Ehrentribüne des FCB verbannt. „Ich habe mit Paul Breitner gebrochen, als ich aus dem Gefängnis kam - und das war‘s für mich“, gab Hoeneß zu Protokoll.
Breitner wurde daraufhin als Ehrenspielführer von der Ehrentribüne des FCB verbannt. „Ich habe mit Paul Breitner gebrochen, als ich aus dem Gefängnis kam - und das war‘s für mich“, gab Hoeneß zu Protokoll. © IMAGO/Sportfoto Zink / Wolfgang Zink
Zur Erleichterung vieler Bayern-Fans haben sich die beiden Streithähne mittlerweile aber wieder vertragen. „Wir haben uns ausgesprochen vor einiger Zeit und das Kriegsbeil ist total begraben“, sagte Uli Hoeneß 2023.
Zur Erleichterung vieler Bayern-Fans haben sich die beiden Streithähne mittlerweile aber wieder vertragen. „Wir haben uns ausgesprochen vor einiger Zeit und das Kriegsbeil ist total begraben“, sagte Uli Hoeneß 2023. © IMAGO/Dave Bedrosian
Die Wut-PK, die der Auslöser für die Breitner-Verbannung war, sollte übrigens auch für mächtig Furore sorgen. Die Bayern-Führung rund um Hoeneß, Rummenigge und Salihamidžić legte einen denkwürdigen Auftritt hin.
Die Wut-PK, die der Auslöser für die Breitner-Verbannung war, sollte übrigens auch für mächtig Furore sorgen. Die Bayern-Führung rund um Hoeneß, Rummenigge und Salihamidžić legte einen denkwürdigen Auftritt hin. © Frank Hoermann/SVEN SIMON
Dort gingen die Bayern-Bosse hart mit den Medien ins Gericht – Rummenigge zitierte dabei sogar das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für Kopfschütteln sorgte allerdings Hoeneß, als er sich Ex-Spieler Juan Bernat vorknöpfte und die Auftritte des Spaniers im Bayern-Trikot heftig, teils unter der Gürtellinie, kritisierte.
Dort gingen die Bayern-Bosse hart mit den Medien ins Gericht – Rummenigge zitierte dabei sogar das Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Für Kopfschütteln sorgte allerdings Hoeneß, als er sich Ex-Spieler Juan Bernat vorknöpfte und die Auftritte des Spaniers im Bayern-Trikot heftig, teils unter der Gürtellinie, kritisierte. © IMAGO / Sven Simon
„Die würde ich heute nicht mehr so machen. Da haben wir eindeutig Fehler gemacht – auch im Verhältnis zu den einen oder anderen Journalisten“, gab Hoeneß angesprochen auf die PK mittlerweile zu. Der Auftritt sei als „Appell an die Mannschaft“ geplant gewesen, letztlich aber nach hinten losgegangen.
„Die würde ich heute nicht mehr so machen. Da haben wir eindeutig Fehler gemacht – auch im Verhältnis zu den einen oder anderen Journalisten“, gab Hoeneß mittlerweile zu. Der Auftritt sei als „Appell an die Mannschaft“ geplant gewesen, letztlich aber nach hinten losgegangen. © IMAGO/Jan Huebner
Auch die Trennung vom damaligen Bayern-Sportdirektor Oliver Kahn verlief nicht ganz ohne Nebengeräusche. „Die Berufung von Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender war ein großer Fehler“, sagte Hoeneß: „Und als ich erkannt habe, dass er das nicht kann, habe ich mit Karl-Heinz Rummenigge gesprochen und das geändert.“
Auch die Trennung vom damaligen Bayern-Sportdirektor Oliver Kahn verlief nicht ganz ohne Nebengeräusche. „Die Berufung von Oliver Kahn als Vorstandsvorsitzender war ein großer Fehler“, sagte Hoeneß: „Und als ich erkannt habe, dass er das nicht kann, habe ich mit Karl-Heinz Rummenigge gesprochen und das geändert.“ © IMAGO / Michael Weber
Dabei konnte sich Hoeneß auch eine Spitze gegen die Arbeitseinstellung Kahns nicht verkneifen. „Oliver Kahn hat kürzlich in einem Interview gesagt: ‚Ein CEO muss nicht 24 Stunden am Tag arbeiten.‘ Da habe ich drauf geantwortet: ‚Zwölf Stunden sollten es aber schon sein.‘“
Dabei konnte sich Hoeneß auch eine Spitze gegen die Arbeitseinstellung Kahns nicht verkneifen. „Oliver Kahn hat kürzlich in einem Interview gesagt: ‚Ein CEO muss nicht 24 Stunden am Tag arbeiten.‘ Da habe ich drauf geantwortet: ‚Zwölf Stunden sollten es aber schon sein.‘“ © IMAGO / Future Image
Oliver Kahn wurde von dem Hoeneß-Nachtreten offenbar überrascht. „Ehrlich gesagt, bin ich verwundert darüber“, meldete er sich zu Wort. „Der FC Bayern und ich hatten im Sommer vereinbart, dass wir dieses Kapitel freundschaftlich schließen wollen und ich auch in Zukunft gerne Teil der Bayern-Familie bleibe.“
Oliver Kahn wurde von dem Hoeneß-Nachtreten offenbar überrascht. „Ehrlich gesagt, bin ich verwundert darüber“, meldete er sich zu Wort. „Der FC Bayern und ich hatten im Sommer vereinbart, dass wir dieses Kapitel freundschaftlich schließen wollen und ich auch in Zukunft gerne Teil der Bayern-Familie bleibe.“ © IMAGO/osnapix / Michael Titgemeyer
Dass Uli Hoeneß sich mit Kritik nicht zurückhält, musste auch Thomas Tuchel schmerzlich erfahren. Kurz vor dem Champions-League-Halbfinale gegen real Madrid erklärte Hoeneß, dass Tuchel bei Misserfolgen lieber neue Spieler fordere, als die eigenen zu verbessern.
Dass Uli Hoeneß sich mit Kritik nicht zurückhält, musste auch Thomas Tuchel schmerzlich erfahren. Kurz vor dem Champions-League-Halbfinale gegen real Madrid erklärte Hoeneß, dass Tuchel bei Misserfolgen lieber neue Spieler fordere, als die eigenen zu verbessern. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.
Trotz großer Kritik hielt der Bayern-Patron an seiner Aussage fest. Tuchel reagierte verständlicherweise verärgert auf die Vorfürfe. Diese seine „absolut haltlos.“ Er fügte an: „Ich fühle mich in meiner Trainerehre verletzt.“
Trotz großer Kritik hielt der Bayern-Patron an seiner Aussage fest. Tuchel reagierte verständlicherweise verärgert auf die Vorfürfe. Diese seine „absolut haltlos.“ Er fügte an: „Ich fühle mich in meiner Trainerehre verletzt.“ © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON
Ob Die Toten Hosen damit gerechnet haben? 1999 attackierte Hoeneß die Düsseldorfer Band, nachdem sie ihren Song „Ich würde nie zum FC Bayern München gehen“ veröffentlicht hatten.
Ob Die Toten Hosen damit gerechnet haben? 1999 attackierte Hoeneß die Düsseldorfer Band, nachdem sie ihren Song „Ich würde nie zum FC Bayern München gehen“ veröffentlicht hatten. © IMAGO/Christoph Hardt
Uli Hoeneß fand das Lied natürlich gar nicht toll. Er sagte zu dem erfolgreichen Song: „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird.“
Uli Hoeneß fand das Lied natürlich gar nicht toll. Er sagte zu dem erfolgreichen Song: „Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird.“ © Roland Krivec/DeFodi.de
Und sogar die Bayern-Fans bekamen einst ihr Fett weg. Bei der Jahreshauptversammlung im November 2007 wütete Hoeneß mit hochrotem Kopf gegen die schlechte Stimmung im Stadion: „Dafür seid ihr doch dafür verantwortlich und nicht wir. Das ist doch unglaublich.“
Und sogar die Bayern-Fans bekamen einst ihr Fett weg. Bei der Jahreshauptversammlung im November 2007 wütete Hoeneß mit hochrotem Kopf gegen die schlechte Stimmung im Stadion: „Dafür seid ihr doch dafür verantwortlich und nicht wir. Das ist doch unglaublich.“ © IMAGO / Frinke
Zur Kritik an den hohen Ticketpreisen in der Allianz Arena sagte er: „Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Dafür dass wir uns hier seit Jahren den Arsch aufreissen. Dass wir dieses Stadion hingestellt haben. Aber das hat 340 Millionen Euro gekostet. Und das ist nun mal mit sieben Euro in der Südkurve nicht zu finanzieren.
Zur Kritik an den hohen Ticketpreisen in der Allianz Arena sagte er: „Was glaubt ihr eigentlich, wer ihr seid? Dafür dass wir uns hier seit Jahren den Arsch aufreissen. Dass wir dieses Stadion hingestellt haben. Aber das hat 340 Millionen Euro gekostet. Und das ist nun mal mit sieben Euro in der Südkurve nicht zu finanzieren. © IMAGO / MIS
Am Tag nach seinem Ausraster sieht er sich zu einem öffentlichen Brief gezwungen. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, bei mir sind die Sicherungen durchgebrannt.“ Dennoch stellt er klar: „Natürlich stehe ich zu meinen Aussagen. Ich bin der Meinung, dass wir diese Vorwürfe nicht verdient haben.“
Am Tag nach seinem Ausraster sieht er sich zu einem öffentlichen Brief gezwungen. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, bei mir sind die Sicherungen durchgebrannt.“ Dennoch stellt er klar: „Natürlich stehe ich zu meinen Aussagen. Ich bin der Meinung, dass wir diese Vorwürfe nicht verdient haben.“ © IMAGO / MIS
Die Rivalität mit dem damaligen Werder-Manager Willi Lemke galt jahrelang als eine der größten Feindschaften im deutschen Fußball. Während Hoeneß seinen Bremer Kontrahenten als „Volksverhetzer“ titulierte, nannte Lemke Hoeneß den „Totengräber des Fußballs“.
Die Rivalität mit dem damaligen Werder-Manager Willi Lemke galt jahrelang als eine der größten Feindschaften im deutschen Fußball. Immer wieder lieferten sich die beiden hitzige Verbal-Duelle. © IMAGO/Kicker/Liedel/teutopress
Nach vielen Jahren versöhnten sich Hoeneß und der mittlerweile verstorbene Lemke aber. Hoeneß habe dabei den ersten Schritt getan.
Nach vielen Jahren versöhnten sich Hoeneß und der mittlerweile verstorbene Lemke aber. Hoeneß habe dabei den ersten Schritt getan. © IMAGO/Malte Ossowski/SVEN SIMON
Was ist der eine Moment, der Ihnen aus all den Jahren Doppelpass besonders im Kopf bleibt?
Es gibt verschiedene Momente. Diese spontanen Telefonate von Uli Hoeneß, wenn er sich einfach in die Sendung schalten lässt. Aber auch emotionale Momente wie Udo Latteks Verabschiedung oder die von Jörg Wontorra. Manchmal wurde auch die Sendung „gecrasht“ – Leute kamen rein und haben Geldscheine geschmissen. Viele spontane, unvorbereitete Dinge. Aber vor allem das Team, das jeden Sonntag da war: Kameraleute, Redakteure, alle, die dafür gesorgt haben, dass es funktioniert.
Sie haben Hoeneß‘ Aussagen über Markus Babbel live miterlebt. „Der hat gar keinen Einfluss. Seine Meinung ist so unwichtig, wie wenn in China ein Fahrrad umfällt.“ Wie haben Sie diese persönliche Schärfe empfunden?
Ich habe zu Markus ein sehr enges Verhältnis. Wir machen viele Dinge zusammen, er ist mein Trainer beim Hobbyfußball. Ich kenne aber auch Uli. Er hat das, glaube ich, nicht so gemeint. Er hat auch gesagt, Markus war ein sehr guter Fußballer. Man muss die Meinung von Markus aber durchaus respektieren und analysieren. Dass sie keinen interessiert, würde ich nicht sagen. Aber natürlich wäre jeder von uns auch beleidigt. Deshalb war es eine typische Reaktion von Uli.
Markus Babbel hat im Interview mit uns gesagt, Hoeneß sei „das größte Problem des FC Bayern“. Von den Fans erhielt Babbel durchaus Zuspruch. Ist es nachvollziehbar, dass man auf Babbels Seite ist?
Die Frage ist: Wie sehr kann Uli loslassen? Wie sehr lässt er zu, dass die Leute, die jetzt in der Verantwortung sind, diesen Verein führen? Markus wollte nur sagen: Da wird eine Entscheidung im Vorstand getroffen, und plötzlich sagt Uli Hoeneß etwas anderes oder ist nicht einverstanden. Das behindert die Arbeit der gesamten Führung des FC Bayern.
Babbel erzählte zuletzt von einer Beinahe-Schlägerei mit Hoeneß. Sie haben ähnliches erlebt. Was ist genau vorgefallen?
Das war ein Champions-League-Spiel gegen Kiew, gefühlte 17 Grad, 12.000 Zuschauer im fast leeren Olympiastadion. Wir haben zwar geführt, aber Kiew ist mehrmals allein auf unser Tor zugelaufen. Uli hat unsere Spielweise kritisiert und gesagt: „Millionen Publikum zu Hause, ihr müsst mehr Leistung bringen.“ Als ich an ihm vorbeiging, sagte er: „Du läufst rum wie mein Großvater.“ Da habe ich einen Becher mit Mineraldrink genommen und wollte ihn nach ihm werfen – habe aber verfehlt. Das Gute war: Am nächsten Tag gab es immer ein Gespräch. Uli war nie nachtragend. Wir haben uns ausgesprochen, das war immer sehr fair.
Uli Hoeneß erteilte im Doppelpass auch Max Eberl öffentliche Ratschläge. Wie wirkt sich das auf die Autorität eines Sportvorstands aus?
Das ist natürlich nicht förderlich. Bei Hasan Salihamidžić hatte man das Gefühl, dass Uli bedingungslos hinter ihm stand. Für Max ist es nicht hilfreich. Teamarbeit ist gefordert – bei Max Eberl, bei Christoph Freund, bei Jan-Christian Dreesen. Das haben sie bisher nicht so gut hinbekommen. Es wirkt immer wieder so: Der eine sagt das, der andere das. Eine gemeinsame Außendarstellung wäre besser.
Mario Basler brachte das Gerücht auf, Eintracht-Manager Markus Krösche könnte Max Eberl beim FC Bayern ablösen. Wie wahrscheinlich ist das?
Ich schätze Markus sehr. Berechtigterweise wird er so hoch bewertet, weil er fantastische Arbeit leistet. Bei dem, was er in Frankfurt auf die Beine gestellt hat, ist es logisch, dass er als Nachfolger gehandelt wird. Wenn ich mir die Bundesliga anschaue, sehe ich ihn ganz weit vorne, wenn nicht sogar als Nummer 1.
Aber Markus ist schlau genug zu sehen, wie es mit Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić lief. Er würde sicherlich Bedingungen stellen wollen. Ich weiß nicht, ob er das beim FC Bayern so einwandfrei sieht.
Wie haben Sie Hoeneß‘ Aussagen über den Transfer von Nicolas Jackson aufgefasst?
Er hat flapsig gesagt: „Der macht sowieso keine 40 Spiele.“ Aber welcher Spieler bei Bayern macht schon 40 Spiele? Außer Manuel Neuer vielleicht. Das war aus der guten Laune heraus gesagt, nicht nach dem Motto, er hätte nicht die Qualität. Ich glaube nicht, dass er Max damit kritisieren wollte.
Sehen Sie beim FC Bayern derzeit Parallelen zur „FC Hollywood“-Zeit der 90er Jahre, die Sie als Spieler selbst miterlebt haben?
Nein, gar nicht. Damals war es die Mannschaft, heute macht die Mannschaft gar nichts. Die sind so brav wie viele Mannschaften heutzutage. Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Bei uns waren Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß die drei Schwergewichte. Wir Spieler haben eine untergeordnete Rolle gespielt, hatten aber auch viele Alphatiere in der Mannschaft.
Sie haben neben dem FC Bayern auch für Borussia Dortmund gespielt. Was ist der grundlegende Unterschied zwischen beiden Klubs?
Zu meiner Zeit war Dortmund noch nicht so weit wie jetzt. Es war sehr familiär, die Erwartungshaltung nicht so groß. Der Unterschied ist: Bei Bayern ist die Erwartungshaltung von innen und außen sehr groß. Es wird davon ausgegangen, dass du Meister wirst, den Pokal holst und in der Champions League weit kommst.
Was ist aktuell die größte Baustelle beim FC Bayern? Eine Schwachstelle im Kader oder doch die Unruhe, die von der Führungsebene ausgeht?
Diese Diskussion um Max herrscht schon länger vor, das ist nicht gut. Nach außen wäre eine Einheit besser. Sportlich ist die Frage, wie der dünnere Kader die Belastungen wegsteckt. Lassen sie die jüngeren Spieler ran? Wenn die drei Verletzten zurückkommen, sind das wichtige Spieler. Das muss sich noch einpendeln nach dieser wilden Transferperiode.
Zum Abschluss: Wie viele Titel holt der FC Bayern in dieser Saison?
Ich würde auf zwei tippen. Die Champions League wird wahnsinnig schwer – wenn sie das schaffen, dann Chapeau. Die englischen Mannschaften werden sich diesmal nicht so schlecht schlagen wie letztes Jahr, dann haben wir noch Paris und die Spanier. Da wird es ganz eng. Meisterschaft und Pokal sind sicherlich machbar.

Interview: Adrian Kühnel

Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, hat in Kooperation mit besteonlinecasinonederland.com mit Thomas Helmer gesprochen

Das Interview mit Thomas Helmer fand in Kooperation mit besteonlinecasinonederland.com statt.

Thomas Helmer spielte unter anderem für Borussia Dortmund und den FC Bayern München. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 1996 Europameister. Heute arbeitet er als Sportmoderator.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Revierfoto

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