Ex-Bayern-Star Helmer reagiert auf brisante Hoeneß-Aussagen im Doppelpass
VonAdrian Kühnel
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Die brisanten Äußerungen von Uli Hoeneß wurden rund um den FC Bayern in den letzten Tagen viel besprochen. Nun äußert sich Thomas Helmer dazu.
München – Mit Spannung wurde der Auftritt von Uli Hoeneß im Doppelpass erwartet. Und der Ehrenpräsident des FC Bayern hat mal wieder geliefert! Hoeneß tätigte brisante Aussagen über Max Eberl, Markus Babbel und Neuzugang Nicolas Jackson.
Im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, meldet sich nun Thomas Helmer zu Wort – und spricht auch über einen möglichen Wechsel von Eintracht Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche zum deutschen Rekordmeister.
Thomas, Sie waren am vergangenen Sonntag beim Doppelpass zu Gast, als Uli Hoeneß seine denkwürdigen Aussagen tätigte. Wie haben Sie die Atmosphäre im Studio wahrgenommen? War das ein kalkulierter Auftritt oder ein emotionaler Ausbruch?
Die Atmosphäre war sehr gut, weil wir 30 Jahre Doppelpass gefeiert haben. Ich habe mich gefreut, Uli nach langer Zeit mal wieder zu sehen. Ich glaube nicht, dass es kalkuliert war – das war definitiv nicht geplant. Er hatte schon andere Auftritte, die geplanter wirkten. Er hat klar seine Meinung vertreten, das wird dem ein oder anderen nicht schmecken, und deutlich gemacht, wer im Verein noch großen Anteil an den Entscheidungen hat: nämlich er.
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Was ist der eine Moment, der Ihnen aus all den Jahren Doppelpass besonders im Kopf bleibt?
Es gibt verschiedene Momente. Diese spontanen Telefonate von Uli Hoeneß, wenn er sich einfach in die Sendung schalten lässt. Aber auch emotionale Momente wie Udo Latteks Verabschiedung oder die von Jörg Wontorra. Manchmal wurde auch die Sendung „gecrasht“ – Leute kamen rein und haben Geldscheine geschmissen. Viele spontane, unvorbereitete Dinge. Aber vor allem das Team, das jeden Sonntag da war: Kameraleute, Redakteure, alle, die dafür gesorgt haben, dass es funktioniert.
Sie haben Hoeneß‘ Aussagen über Markus Babbel live miterlebt. „Der hat gar keinen Einfluss. Seine Meinung ist so unwichtig, wie wenn in China ein Fahrrad umfällt.“ Wie haben Sie diese persönliche Schärfe empfunden?
Ich habe zu Markus ein sehr enges Verhältnis. Wir machen viele Dinge zusammen, er ist mein Trainer beim Hobbyfußball. Ich kenne aber auch Uli. Er hat das, glaube ich, nicht so gemeint. Er hat auch gesagt, Markus war ein sehr guter Fußballer. Man muss die Meinung von Markus aber durchaus respektieren und analysieren. Dass sie keinen interessiert, würde ich nicht sagen. Aber natürlich wäre jeder von uns auch beleidigt. Deshalb war es eine typische Reaktion von Uli.
Die Frage ist: Wie sehr kann Uli loslassen? Wie sehr lässt er zu, dass die Leute, die jetzt in der Verantwortung sind, diesen Verein führen? Markus wollte nur sagen: Da wird eine Entscheidung im Vorstand getroffen, und plötzlich sagt Uli Hoeneß etwas anderes oder ist nicht einverstanden. Das behindert die Arbeit der gesamten Führung des FC Bayern.
Babbel erzählte zuletzt von einer Beinahe-Schlägerei mit Hoeneß. Sie haben ähnliches erlebt. Was ist genau vorgefallen?
Das war ein Champions-League-Spiel gegen Kiew, gefühlte 17 Grad, 12.000 Zuschauer im fast leeren Olympiastadion. Wir haben zwar geführt, aber Kiew ist mehrmals allein auf unser Tor zugelaufen. Uli hat unsere Spielweise kritisiert und gesagt: „Millionen Publikum zu Hause, ihr müsst mehr Leistung bringen.“ Als ich an ihm vorbeiging, sagte er: „Du läufst rum wie mein Großvater.“ Da habe ich einen Becher mit Mineraldrink genommen und wollte ihn nach ihm werfen – habe aber verfehlt. Das Gute war: Am nächsten Tag gab es immer ein Gespräch. Uli war nie nachtragend. Wir haben uns ausgesprochen, das war immer sehr fair.
Das ist natürlich nicht förderlich. Bei Hasan Salihamidžić hatte man das Gefühl, dass Uli bedingungslos hinter ihm stand. Für Max ist es nicht hilfreich. Teamarbeit ist gefordert – bei Max Eberl, bei Christoph Freund, bei Jan-Christian Dreesen. Das haben sie bisher nicht so gut hinbekommen. Es wirkt immer wieder so: Der eine sagt das, der andere das. Eine gemeinsame Außendarstellung wäre besser.
Mario Basler brachte das Gerücht auf, Eintracht-Manager Markus Krösche könnte Max Eberl beim FC Bayern ablösen. Wie wahrscheinlich ist das?
Ich schätze Markus sehr. Berechtigterweise wird er so hoch bewertet, weil er fantastische Arbeit leistet. Bei dem, was er in Frankfurt auf die Beine gestellt hat, ist es logisch, dass er als Nachfolger gehandelt wird. Wenn ich mir die Bundesliga anschaue, sehe ich ihn ganz weit vorne, wenn nicht sogar als Nummer 1.
Aber Markus ist schlau genug zu sehen, wie es mit Oliver Kahn und Hasan Salihamidžić lief. Er würde sicherlich Bedingungen stellen wollen. Ich weiß nicht, ob er das beim FC Bayern so einwandfrei sieht.
Er hat flapsig gesagt: „Der macht sowieso keine 40 Spiele.“ Aber welcher Spieler bei Bayern macht schon 40 Spiele? Außer Manuel Neuer vielleicht. Das war aus der guten Laune heraus gesagt, nicht nach dem Motto, er hätte nicht die Qualität. Ich glaube nicht, dass er Max damit kritisieren wollte.
Sehen Sie beim FC Bayern derzeit Parallelen zur „FC Hollywood“-Zeit der 90er Jahre, die Sie als Spieler selbst miterlebt haben?
Nein, gar nicht. Damals war es die Mannschaft, heute macht die Mannschaft gar nichts. Die sind so brav wie viele Mannschaften heutzutage. Das kann man überhaupt nicht vergleichen. Bei uns waren Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß die drei Schwergewichte. Wir Spieler haben eine untergeordnete Rolle gespielt, hatten aber auch viele Alphatiere in der Mannschaft.
Sie haben neben dem FC Bayern auch für Borussia Dortmund gespielt. Was ist der grundlegende Unterschied zwischen beiden Klubs?
Zu meiner Zeit war Dortmund noch nicht so weit wie jetzt. Es war sehr familiär, die Erwartungshaltung nicht so groß. Der Unterschied ist: Bei Bayern ist die Erwartungshaltung von innen und außen sehr groß. Es wird davon ausgegangen, dass du Meister wirst, den Pokal holst und in der Champions League weit kommst.
Was ist aktuell die größte Baustelle beim FC Bayern? Eine Schwachstelle im Kader oder doch die Unruhe, die von der Führungsebene ausgeht?
Diese Diskussion um Max herrscht schon länger vor, das ist nicht gut. Nach außen wäre eine Einheit besser. Sportlich ist die Frage, wie der dünnere Kader die Belastungen wegsteckt. Lassen sie die jüngeren Spieler ran? Wenn die drei Verletzten zurückkommen, sind das wichtige Spieler. Das muss sich noch einpendeln nach dieser wilden Transferperiode.
Zum Abschluss: Wie viele Titel holt der FC Bayern in dieser Saison?
Ich würde auf zwei tippen. Die Champions League wird wahnsinnig schwer – wenn sie das schaffen, dann Chapeau. Die englischen Mannschaften werden sich diesmal nicht so schlecht schlagen wie letztes Jahr, dann haben wir noch Paris und die Spanier. Da wird es ganz eng. Meisterschaft und Pokal sind sicherlich machbar.
Interview: Adrian Kühnel
Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, hat in Kooperation mit besteonlinecasinonederland.com mit Thomas Helmer gesprochen
Thomas Helmer spielte unter anderem für Borussia Dortmund und den FC Bayern München. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 1996 Europameister. Heute arbeitet er als Sportmoderator.