Hat er sich verwechselt?

Ex-Dortmund-Star erlebt in England eine herbe Enttäuschung

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Ein wechselwilliger Star wurde von Borussia Dortmund in der Winterpause verabschiedet. Sein Start in England ist jedoch enttäuschend.

Birmingham/Dortmund – Die 24 Mannschaften, die nach der Ligaphase der reformierten Champions League weiter im Wettbewerb sind, konnten dieser Tage einmalig Veränderungen an ihren Aufgeboten vornehmen. In Artikel 32 des Reglements der Königsklasse ist festgelegt, dass „ein Verein höchstens drei neue spielberechtigte Spieler für die im laufenden Wettbewerb verbleibenden Spiele nachmelden“ darf.

Borussia Dortmund hat dieses Kontingent vor den Spielen in der K.-o.-Runde gegen Sporting erwartungsgemäß ausgeschöpft. Die Neuzugänge Carney Chukwuemeka und Daniel Svensson sowie Leih-Rückkehrer Salih Özcan, dessen Aufenthalt beim VfL Wolfsburg vorzeitig abgebrochen wurde, sind ab sofort auch im Europapokal für den BVB spielberechtigt.

Donyell Malen hat den BVB im Januar verlassen

Auf der 25 Spieler umfassenden A-Liste machte Julien Duranville Platz, der nach Angaben der UEFA nun auf der B-Liste geführt wird, auf der Klubs beliebig viele junge Spieler melden dürfen, sofern sie lange genug beim jeweiligen Verein ausgebildet wurden. Einen Einfluss auf die Spielberechtigung von Duranville hat dies nicht. Zudem war im Sommer ein Platz auf der A-Liste frei geblieben. Die dritte Veränderung betrifft den Verkauf von Donyell Malen an Aston Villa im Winter-Transferfenster.

Der Niederländer wechselte Mitte Januar für eine kolportierte Ablöse von bis zu 30 Millionen Euro nach England. Bemerkenswert ist nun: In den Champions-League-Kader von Aston Villa hat es der teure Einkauf nicht geschafft. Der Klub aus Birmingham, der es als Tabellenachter der Ligaphase direkt ins Achtelfinale der Königsklasse geschafft hat, nutzte zwar auch alle drei Slots für Nachmeldungen, Malen muss jedoch zuschauen.

Aston Villa zieht Malen drei Leihspieler vor

Stattdessen fiel die Entscheidung auf Verteidiger Axel Disasi sowie die Offensivspieler Marco Asensio und Marcus Rashford. Durchaus kurios ist dabei, dass alle drei lediglich als Leihspieler bei Aston Villa aktiv sind. Hingegen wurde neben Malen auch der spanische Außenverteidiger Andrés García für immerhin kolportierte 7 Millionen Euro verpflichtet, muss aber wie der Ex-BVB-Star an Champions-League-Abenden den Fernseher einschalten.

Eine Reihe von Ex-Dortmundern spielt diese Saison in der englischen Premier League.

„Wir haben im Transferfenster mehr Wechsel vorgenommen, als wir ursprünglich wollten. Wir haben fünf neue Spieler und können nur drei registrieren“, sagte Trainer Unai Emery in einer Pressekonferenz von Aston Villa, das in der Ligaphase unter anderem den FC Bayern und RB Leipzig besiegt hatte. „Das ist natürlich keine leichte Entscheidung, die man treffen muss. Ich habe mit Andrés und Donyell gesprochen und ihnen das erklärt“, so Emery weiter.

Warum Ex-BVB-Star Malen nicht im Kader von Aston Villa steht

Wie fussball.news/absolutfussball, das Fußball-Portal von IPPEN.MEDIA, aus England erfahren hat, hat die Entscheidung weniger mit den diskreten Leistungen zu tun, die Malen bei seinen ersten Einsätzen für Aston Villa gezeigt hat. Der Angreifer kam beim 1:1 gegen West Ham United und der 0:2-Niederlage gegen die Wolverhampton Wanderers jeweils von der Bank.

Vielmehr ist der 26-Jährige sozusagen das Opfer einer politischen Entscheidung geworden: Asensio, der mit Real Madrid dreimal die Champions League gewonnen hat und von Paris Saint-Germain geliehen wurde, und Rashford, der 60-fache englische Nationalspieler von Manchester United, wären wohl kaum nach Birmingham gewechselt, wenn der Klub ihnen nicht in Aussicht gestellt hätte, dass sie sich auf der großen Europapokalbühne präsentieren dürfen.

Malen hat trotz seines Status als Festverpflichtung gegenüber diesen großen Namen nicht die Lobby. Der dritte Kaderplatz ging indes an Disasi, weil Villa in dieser Saison viel Verletzungspech in der Defensive hat. Die Leihgabe vom FC Chelsea taugt als Soforthilfe.

Aus Dortmund wurde Kritik an Malen laut

Die Gedankengänge von Aston Villa und Trainer Emery sind in allen Fällen nachvollziehbar, weniger enttäuschend macht es die Sache für Malen allerdings nicht. Der Oranje-Internationale ist noch keinen Monat bei seinem neuen Klub, hat aber schon große Konkurrenz vor die Nase gesetzt bekommen und wird bereits von Fans und Medien kritisch beäugt, weil er nicht sofort einen Knallstart hingelegt hat, während beim Team die Ergebnisse zu wünschen übrig lassen.

Zuletzt hatte es auch noch vom Ex-Klub einen Gruß an Malen gegeben. „Der Spieler war nicht mehr wirklich mit dem Kopf bei Borussia Dortmund, wir wissen alle, dass es am Ende nicht zu Leistungen führt“, erklärte Sportdirektor Sebastian Kehl unter der Woche zu Malen. „In der Verfassung, in der der Spieler sich am Ende präsentiert hat ... – das muss man sagen: Donyell ist in dieser Saison nicht dorthin gekommen, wo er mal war. Wir haben eine gute Lösung gefunden.“

Allerdings verpasste es der BVB, einen Ersatz für Malen zu verpflichten, weshalb es auch Kritik an Kehl gibt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Anke Waelischmiller/Sven Simon

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