Richtig! Beide Top-Teams kassierten unter der Woche in der Champions League bittere Niederlagen. Während die Münchner in der heimischen Allianz-Arena Inter Mailand mit 1:2 unterlagen, kassierte der BVB beim FC Barcelona auf deren Hausberg eine herbe 4:0-Schlappe.
Hat da wer Bock auf den Klassiker am Samstagabend? Rein sportlich geht‘s für die Elf von Trainer Vincent Kompany natürlich um viel, allen voran der Kampf um die Meisterschaft. Sechs Punkte vor Bayer Leverkusen sind nicht viel, zumal die Werkself am Wochenende Union Berlin zu Gast hat.
FC Bayern gegen Borussia Dortmund: Ist das noch ein Topspiel?
Bei den Dortmundern sieht der Siegesdruck ähnlich aus, müssen die Schwarz-Gelben doch eigentlich die restlichen sechs Partien gewinnen, um noch Chancen auf die Königsklasse zu haben.
Dennoch hat man das Gefühl, für beide Mannschaften kommt das vermeintliche Topspiel zur absoluten Unzeit – irgendwo zwischen CL-Hoffnung und Königsklassen-Frust. „German Clasico“? Das war einmal!
Ähnlich empfinden auch Florian Schimak (Bayern-Reporter) und Lars Pollmann (BVB-Reporter) von Absolut Fußball, dem Fußballportal von Home of Sports.
„BVB hat sich zur Resterampe der Bayern gemausert“
Bayern-Reporter Florian Schimak meint:
Bayern gegen BVB? Da hat man früher die Tage gezählt, bis es so weit war! Bayern gegen BVB? Da hat man den Jahreskalender danach ausgerichtet, um bei dem Spiel dabei sein zu können. Das sagte selbst Vincent Kompany am Freitag.
Und jetzt? Ganz ehrlich, selbst Thomas Müller musste in der Mixed Zone am Dienstagnacht darauf hingewiesen werden, dass es am Samstag (18.30 Uhr, Live bei Sky) gegen Dortmund geht. Der Klassiker hat in den vergangenen Jahren an Brisanz verloren, was leider auch größtenteils am BVB liegt.
Der angesprochene Müller und vielleicht Manuel Neuer haben diese Rivalität in sich, die Anfang der 2010er Jahre mit der BVB-Doppel-Meisterschaft ihren Anfang nahm. Ein Jamal Musiala oder Alphonso Davies sehen in Schwarz-Gelb vermutlich kein rotes Tuch mehr.
BVB von Bayer Leverkusen überholt
Da hat Bayer Leverkusen durch die letzten Jahre inzwischen einen höheren „Stellenwert“ erlangt. Nicht umsonst würde Uli Hoeneß für einen Leverkusener wie Florian Wirtz sogar den Kreditrahmen des FC Bayern sprengen. Und nicht ohne Grund war Xabi Alonso bis zur Absage an der Säbener Straße der klare Trainer-Favorit im Sommer.
Für die Münchner ist der BVB einfach nicht mehr sexy genug. Mit Niklas Süle, Marcel Sabitzer und Niko Kovac hat sich Dortmund eher zur Resterampe der Bayern gemausert. Schade.
Man muss Sky-Experte Lothar Matthäus am Ende recht geben, wenn er sagt: „Für mich ist der BVB nicht mehr unter den Top 3 in der Bundesliga anzusiedeln.“ Diese Zeiten sind vorbei!
„BVB-Fans lassen das Auswärtsspiel bei Bayern nur noch über sich ergehen“
BVB-Reporter Lars Pollmann meint:
„It's always der Klassiker“, titelt die DFL in ihrem englischsprachigen Bundesliga-Newsletter diese Woche. Den Verantwortlichen in Frankfurt geht wohl der Stift, schließlich war das Duell zwischen dem FC Bayern und dem BVB über die letzten 20 Jahre das große Zugpferd der Bundesliga-Vermarktung.
Dass jetzt der, mit Verlaub, international eher unbedeutende Werksklub die Rolle des „zweiten Leuchtturms im deutschen Fußball“ (die Lieblings-Formulierung von Aki Watzke) übernommen hat, kann der Bundesliga nicht wirklich schmecken – und dem BVB natürlich noch weniger.
Mit der sportlichen Rivalität des echten Clasico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid in Spanien konnte es die deutsche Version dabei sowieso nur kurze Zeit aufnehmen. Der BVB ist sozusagen Opfer des eigenen Erfolgs geworden!
FC Bayern gegen BVB: Punkteausbeute seit 2012 spricht Bände
Mit den zwei Meistertiteln 2011 und 2012, vor allem aber mit der Demütigung der Bayern im Pokalfinale 2012, hat ausgerechnet Dortmund bei den Münchnern die erfolgreichste Ära aller Zeiten eingeläutet. Über 200 Punkte mehr haben die Bayern seit dem letzten Meistertitel des BVB in der Bundesliga geholt!
Nur einen Bruchteil davon, logisch, in den direkten Duellen. Die waren aber gerade in München oftmals eine Einladung zum Muskelspiel für den Rekordmeister, während sich Dortmund immer wieder eine Packung abholte.
Genau die erwarten die meisten BVB-Fans auch am Samstag. Die Niederlage in München war sozusagen eingepreist, als sich die Anhänger von Dortmund das mörderische Restprogramm nach der Länderspielpause angeschaut haben. Daran ändert auch der 2:0-Sieg in der vergangenen Saison nichts.
Dass Dortmund den Bayern-Fluch gebrochen hat, glaubt niemand. Und so wird es von Jahr zu Jahr schwerer, sich für das vermeintliche Highlight zu motivieren. Viele Fans des BVB lassen das Auswärtsspiel in München nur noch über sich ergehen!