0:4 bei Hansi Flick und Barça

BVB-Trainer Kovač vercoacht sich gegen seinen Ex-Assistenten

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Für den BVB steht in der Champions League nur noch ein ehrenvoller Abschied auf dem Plan. Auch Coach Niko Kovač liegt gegen den FC Barcelona daneben.

Barcelona – Die Befürchtungen der Fans von Borussia Dortmund sind eingetreten:  Der FC Barcelona war für den BVB im Hinspiel des Champions-League-Viertelfinales am Mittwochabend mindestens eine Nummer zu groß! 

Nur in den rund 20 Minuten zwischen dem 0:1 durch einen Abstauber von Raphinha und der Halbzeitpause zeigten die Schwarzgelben das durch zwei Siege in der Bundesliga gefundene Selbstbewusstsein. Wer weiß, wie das Spiel verlaufen wäre, hätte Stürmer Serhou Guirassy eine seiner drei Ausgleichschancen in dieser Phase verwerten können.

Das Startelf-Comeback des am Mittwoch verhinderten BVB-Torjägers war in Barcelona nur eine von vielen Änderungen, die BVB-Trainer Niko Kovač vornahm. Richtig lag der Kroate mit kaum einer Entscheidung.

Das Duell gegen seinen ehemaligen Co-Trainer beim FC Bayern, Hansi Flick, und dessen entfesselte Offensive hätte Dortmund womöglich so oder so verloren. Dennoch hat sich Niko Kovač in wesentlichen Punkten schlichtweg vercoacht.

1. BVB-Abkehr vom neuen Abwehr-Wohlfühlsystem

Die größte Überraschung in der Aufstellung des BVB stellte die Abkehr vom neuen Wohlfühlsystem dar. Zur zweiten Hälfte des Bundesligaspiels bei RB Leipzig (0:2) und bei den Siegen über den FSV Mainz 05 sowie den SC Freiburg hatte Dortmund in der Dreierkette an defensiver Stabilität gewonnen.

Im Aufbau gab es klare Strukturen, auf den Außenbahnen konnten die Flügelverteidiger den äußeren Zentralverteidigern immer wieder helfen. Zudem entfalteten Karim Adeyemi und Maximilian Beier im Angriff als Doppelspitze ihr Potenzial deutlich stärker, als es zuvor auf den Flügeln zur Geltung gekommen war.

Kovač erklärte seine Entscheidung für eine Viererkette nicht etwa mit dem Fehlen des langzeitverletzten Nico Schlotterbeck (der ohnehin schon in Freiburg gesperrt war), sondern damit, er wolle sein Team gegen das dominante Barça nicht zu tief anordnen, um für Entlastung zu sorgen. Das gelang allerdings kaum, geordnete Ballbesitzphasen waren für die Gäste absolute Mangelware. Und obendrein kassierte der BVB in der zweiten Halbzeit Gegentore nach Kontern, bei denen Barça das Spielfeld schnell überbrückte und auf die entblößte Dortmunder Defensive zurollte.

2. Die BVB-Flügel fallen ab

Ramy Bensebaini konnte einem am Mittwochabend leidtun: Der Algerier musste als Linksverteidiger immer wieder ins Privatduell mit Jungstar Lamine Yamal, der ihm die Beine regelrecht verknotete. Die Folge: Note sechs in der Einzelkritik von Absolut Fußball, dem Fußballportal von Home of Sports. Aber auch Julian Ryerson hatte auf der rechten Seite mit Raphinha erhebliche Probleme.

Auf die Hilfe der Vorderleute konnten sich weder Bensebaini noch der Norweger verlassen. Kovač lag mit der Besetzung auf den Flügeln komplett falsch. Adeyemi wandelte nach einer diskutablen Gelben Karte unmittelbar vor dem 0:1 und einem weiteren Foul am Platzverweis, wirkte deutlich gehemmt. Das Startelf-Comeback von Jamie Gittens verlief indes fast vollständig im Sande.

Welche Idee Kovač verfolgte, indem er Adeyemi von rechts nach links zog und Gittens auf den ungeliebten rechten Flügel stellte, erschloss sich nicht. Beide sind am stärksten, wenn sie von der Außenbahn nach innen auf den starken Fuß gehen und den Abschluss suchen können. Das deutete Gittens unmittelbar nach dem Seitenwechsel wenigstens einmal an, Adeyemi war da schon ausgewechselt.

„Man muss außen Zwei-gegen-zwei verteidigen. Das ist nicht ganz einfach für die Außenstürmer immer mitzugehen, aber du musst auf dem Niveau mit nach hinten arbeiten. Wenn du das nicht machst, bestrafen dich die Zwei-gegen-eins-Situationen, die du hinten verteidigen musst“, analysierte Kovač nach der Partie bei DAZN. Das Kind hatte er aber selbst in den Brunnen fallen lassen.

BVB-Trainer Niko Kovač hat das Duell mit seinem Ex-Assistenten Hansi Flick beim FC Barcelona klar verloren.

3. Spielstärke in Dortmunds Mittelfeld verpufft

Um die Besetzung des Mittelfelds ohne den gelbgesperrten Pascal Groß hatte Kovač vor dem Spiel ein großes Geheimnis gemacht. Letztlich fiel die Wahl durchaus überraschend auf Felix Nmecha, der seit seiner Knieverletzung aus dem Spiel gegen Werder Bremen im Januar lediglich 20 Minuten als Einwechselspieler gegen Freiburg in den Beinen hatte.

Zusammen mit Carney Chukwuemeka und Julian Brandt sollte Nmecha im Mittelfeld für Ballbesitzphasen sorgen, seine Dynamik und Athletik ausspielen. Tatsächlich jedoch war dem Nationalspieler seine lange Pause anzumerken, er kam oft gar nicht in die Zweikämpfe gegen das wuselige Mittelfeld von Barcelona.

Chukwuemeka machte ein ordentliches Spiel, war an den meisten Entlastungsangriffen beteiligt. Bei Brandt wechselten sich mal wieder lichte und ganz schwache Momente ab. Insgesamt ging der Plan, dem dominanten Auftreten von Barça mit Spielstärke entgegenzutreten, nicht auf.

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4. Die BVB-„Lebensversicherung“ versagt

Wie bereits ausgeführt, war die Rückkehr von Guirassy in die Startelf gemeinhin erwartet worden. Der Guineer hat seine Adduktorenbeschwerden auskuriert, kam ausgeruht und mit einem Jokertor gegen Freiburg im Gepäck nach Spanien. Dass der BVB im schwersten Auswärtsspiel der Saison nicht auf seinen torgefährlichsten Stürmer verzichten würde, lag auf der Hand.

Jedoch veränderte die Hereinnahme von Guirassy bei gleichzeitiger Umstellung auf ein 4-2-3-1 (bzw. ein 4-3-3 im Ballbesitz) das Spiel zuungunsten des BVB. Wo zuletzt Adeyemi und Beier mit ihren Tiefenläufen für Gefahr sorgen konnten, suchte Dortmund Guirassy als Anspielstation mit dem Rücken zum Tor. In dieser Rolle rieb sich der Sommer-Einkauf auf.

Schlimmer natürlich, dass die „Lebensversicherung“ des BVB – so nennt Kovač Guirassy gerne – in ihrer Kernkompetenz vor dem gegnerischen Tor mit zwei Luftlöchern aus aussichtsreicher Einschussposition versagte und bei ihrer besten Szene nur das Außennetz traf.

Ob Dortmund gefährlicher geworden wäre, wenn Kovač Guirassy eine zweite Spitze an die Seite gestellt hätte? Zumindest wäre sich der Trainer im Bestreben treu geblieben, seine Profis auf ihrer besten Position einzusetzen. Das war jedenfalls zuletzt ein Schlüssel für den zarten Aufwärtstrend, der nun wieder auf wackligen Beinen daherkommt – insbesondere, falls sich der BVB am Samstagabend beim FC Bayern die fast schon alljährliche Pleite abholt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Jose Breton

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