Brazzos 100-Millionen-Verkäufe im Check: Beinbruch, Degradierung und Goalgetter
VonAntonio José Riether
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Der FC Bayern trennte sich diesen Sommer von 15 Spielern. Einige spielten große Summen ein, einige wurden verliehen. So läuft es bei den Ex-FCB-Akteuren.
München - Am 1. September um 18 Uhr wird Hasan Salihamidzic wohl erst einmal richtig durchatmen. An diesem Stichtag schließt das Sommer-Transferfenster der Bundesliga, der Sportvorstand des FC Bayern hatte in dieser Wechselperiode alle Hände voll zu tun. Fünf neue Stars holte der deutsche Rekordmeister, auf der anderen Seite verließen insgesamt 15 Spieler den Verein, drei davon per Leihe. tz.de gibt einen Überblick zu den Saisonstarts der Bayern-Abgänge.
FC-Bayern-Transfersommer: Drei Youngster wurden ausgeliehen
Malik Tillman ist hingegen schon seit dem 15. Juli bei seiner Leihstation Glasgow Rangers, er lief bisher je viermal in der Liga sowie in der Champions-League-Qualifikation für den Europa-League-Finalisten auf und steuerte zwei Treffer und eine Vorlage bei. Den Assist gab der gebürtige Nürnberger beim wichtigen 1:0-Sieg über die PSV Eindhoven, der das Tor zur Königsklasse aufstieß. Der US-Nationalspieler scheint sich in Schottland gut eingefunden zu haben und bekommt die für ihn so wichtige Spielpraxis.
FCB-Transfersommer: Drei Profis gingen ablösefrei - einer blüht bei seinem Ex-Klub auf
Niklas Süle war in dieser Transferperiode der prominenteste Gratis-Abgang der Bayern, bei seinem neuen Klub Borussia Dortmund wurde er nach überstandener Muskelverletzung bislang dreimal eingewechselt, die BVB-Verantwortlichen planen fest mit dem Nationalspieler.
Für Corentin Tolisso ging es nach fünf glücklosen Jahren mit schwankenden Leistungen zurück zu seinem Heimatverein Olympique Lyon, wo er in drei Ligue-1-Spielen einmal ein- und zweimal ausgewechselt wurde. Der verletzungsgeplagte Mittelfeldmann scheint auf dem richtigen Weg zu sein, noch verlor sein Team kein Spiel.
Ende August ließen die Bayern mit Adrian Fein ein Eigengewächs ziehen, das in den letzten Jahren keine gute Entwicklung genommen hatte. Ablösefrei ging es zu Excelsior Rotterdam in die niederländische Eredivisie, am vergangenen Sonntag debütierte er, als er bei der 1:6-Pleite gegen seinen Ex-Klub PSV Eindhoven für 27 Minuten eingewechselt wurde.
Drei ehemalige Reserve-Spieler bringen „Kleingeld“ ein - Keeper bereits degradiert
Der 22-jährige Christian Früchtl war lange Zeit das große Torwarttalent, nach glücklosen Leihen schaffte er den Sprung in die erste österreichische Liga. Bei Austria Wien ist er zwar neuer Stammkeeper, erwischte jedoch mit 18 Gegentoren in seinen ersten neun Pflichtspielen keinen guten Start. Nur im Pokal-Erstrundenspiel gegen den Viertligisten Wels blieb er ohne Gegentreffer. Immerhin: die Bayern nahmen 500.000 Euro für ihn ein.
Sein ehemaliger Konkurrent, der 23-jährige Ron-Thorben Hoffmann, wurde ebenfalls verkauft. Für 300.000 Euro wechselte der Keeper zum Zweitligisten Eintracht Braunschweig, wo er jedoch nach zwei Partien und 0:5 Toren zum Ersatztorwart degradiert wurde. Viel brachte dies nicht, die Niedersachsen holten seitdem in vier Spielen nur einen Punkt und stehen auf dem letzten Tabellenplatz.
Mit Innenverteidiger Lars-Lukas Mai, der zwei Spiele für die Profis des FCB bestritt, wurde ein weiterer ehemaliger Akteur der Bayern-Reserve abgegeben. Für 1,5 Millionen Euro wechselte er ins Schweizer Oberhaus zum FC Lugano, wo er bereits siebenmal zum Einsatz kam. Allerdings verlor er nach vier Ligaspielen zumindest vorerst seinen Stammplatz.
FCB-Transferfenster: Zwei Sorgenkinder wechselten in die Premier League
Marc Roca sah in seinen zwei Jahren in München kein Land, nur 24 mal wirkte der Spanier mit, und das meist nur kurz. Für zwölf Millionen Euro wechselte er zu Leeds United in die Premier League und stand seitdem in jedem Ligaspiel von Beginn an auf dem Platz, unter anderem beim 3:0-Sieg über Chelsea. Dem 25-Jährigen tut der Wechsel sichtlich gut.
Ebenfalls zwölf Millionen Euro investierte Ligakonkurrent Crystal Palace für die Dienste des Innenverteidigers Chris Richards. Der 22-jährige US-Nationalspieler war beim FC Bayern nur Reservist und sah besonders nach dem Transfer von Matthijs de Ligt keine Einsatzchancen. Nun wurde er bereits dreimal in der Premier League eingewechselt, zweimal sah er jedoch von der Bank zu. Bei den Südlondonern spielt er vermutlich mehr, als er es in München getan hätte.
FCB-Abgänge: Abwehr-Wundertüte und Sturm-Talent gingen für satte Summen
Der Poker um Stürmer Joshua Zirkzee bestimmte die vergangenen Wochen, nun entschied sich der 21-Jährige für einen Wechsel in die Serie A zum FC Bologna. Der Niederländer, der 2017 für 150.000 Euro an den FCB-Campus gewechselt war, brachte mit seinem Wechsel 8,5 Millionen Euro ein. Zudem sicherten sich die Bayern eine Rückkauf-Klausel für den Angreifer, der 17 mal für den Rekordmeister auflief.
Der wohl beste Deal des Sommers war der Verkauf von Reserve-Abwehrmann Omar Richards. Die Bayern hatten den 24-Jährigen ablösefrei aus der 2. englischen Liga geholt und gaben ihn nach einer Saison für 8,5 Millionen an den Premier-League-Aufsteiger Nottingham Forest ab. Dann folgte jedoch die Hiobsbotschaft für den Linksfuß: er brach sich in der Vorbereitung das Bein und muss nun lange auf sein Comeback warten.
Alle festen Abgänge des FC Bayern im Überblick
Spieler (Ziel)
Ablöse
Robert Lewandowski (FC Barcelona)
45 Millionen Euro
Tanguy Nianzou (FC Sevilla)
16 Millionen Euro
Chris Richards (Crystal Palace)
12 Millionen Euro
Marc Roca (Leeds United)
12 Millionen Euro
Joshua Zirkzee (FC Bologna)
8,5 Millionen Euro
Omar Richards (Nottingham Forest)
8,5 Millionen Euro
Lars-Lukas Mai (FC Lugano)
1,5 Millionen Euro
Christian Früchtl (Austria Wien)
500.000 Euro
Ron-Thorben Hoffmann (Eintracht Braunschweig)
300.000 Euro
Niklas Süle (Borussia Dortmund)
ablösefrei
Corentin Tolisso (Olympique Lyon)
ablösefrei
Adrian Fein (Excelsior Rotterdam)
ablösefrei
FCB-Verkaufssommer: Die beiden Spanien-Abgänge spielen sofort tragende Rollen
Dass Robert Lewandowski auch in einem anderen Trikot für Tore sorgen würde, war abzusehen. Dass sich der neue Angreifer des FC Barcelona nach dem 0:0 gegen Rayo Vallecano am ersten Spieltag mit zwei Doppelpacks und einer Vorlage in den nächsten Partien zurückmeldete, kam wenig überraschend. Der 45-Millionen-Abgang knüpft also scheinbar nahtlos an seine Quote aus Münchner Zeiten an, in drei Pflichtspielen erzielte er vier Tore und bereitete ein weiteres vor.
Auch Tanguy Nianzou, der bei den Bayern nie über die Reservistenrolle hinauskam, ist offenbar bei seinem neuen Klub angekommen. Zwei Tage nach seinem Transfer gab der französische U20-Nationalspieler schon seinen LaLiga-Einstand über 90 Minuten, auch am darauffolgenden Spieltag verpasste er keine Sekunde. Die Andaulsier zahlten den Bayern 16 Millionen Euro für den Abwehrmann, die Münchner verfügen jedoch noch über eine Rückkauf-Option. Nianzou müsste jedoch noch zahlreiche überzeugende Auftritte absolvieren, damit die Münchner die Aktivierung der Klausel in Erwägung ziehen. (ajr)