Niederlage gegen Köln

Das große Rätsel Eintracht Frankfurt

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Frust auf ganzer Linie: Die Eintracht-Profis in Köln vor der Fankurve.
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Frankfurter Bundesligist verliert in Köln, enttäuscht auf ganzer Linie und schafft es nicht, den eigenen Erwartungen gerecht zu werden.

Der Frankfurter Ballfänger Kevin Trapp meinte eigentlich das Richtige, drückte es aber irgendwie missverständlich aus. Nach der indiskutablen Darbietung beim 0:2 (0:0) der Eintracht in Köln-Müngersdorf urteilte der Torwart kurz und knapp: „Unsere Auftritte sind schon sehr schwankend momentan, so ehrlich müssen wir sein.“ Dabei, und so ehrlich muss man auch hier sein, schwanken die Vorstellungen der Hessen eigentlich gar nicht: Seit ziemlich genau zweieinhalb Spielen sind die Leistungen des Ensembles von Trainer Dino Toppmöller arg überschaubar. Wohlwollend formuliert. Man könnte auch sagen: beängstigend schwach.

Die völlig verdiente Niederlage beim angeschlagenen 1.FC Köln am Samstagabend hat zumindest eines bewirkt: Sand braucht sich niemand mehr in die Augen zu streuen, die Verantwortlichen und die Spieler sollten nun endgültig aufgewacht und in der Realität angekommen sein. Denn mit dieser Art des Fußballs wird es schwer, Punkte einzufahren, um sich weiter in der Nähe der Top fünf aufzuhalten. Trainer Toppmöllers Hinweis, wonach man noch „keine Spitzenmannschaft“ sei, hätte es da gar nicht bedurft. Das ist auf dem Platz sichtbar.

Eintracht Frankfurt: Unter dem eigenen Anspruch

Schon in den vergangenen Wochen war die Punktausbeute eigentlich das Einzige, was positiv stimmen konnte. Doch selbst die stimmt jetzt nicht mehr. Die Eintracht hat in der Rückrunde in toto vier Punkte gegen die drei schlechtesten Mannschaften der Liga geholt: einen Zähler gegen Darmstadt 98 (2:2 nach 2:0-Führung), drei gegen Mainz (1:0, glücklich), null gegen Köln (0:2, verdient) – vier von neun, gegen die kleinste Lichter der Liga. Und somit war selbst die Ausbeute zu Saisonbeginn gegen diese Kontrahenten besser, damals gab es immerhin fünf Zähler (1:0 gegen die Lilien, jeweils 1:1 gegen Mainz und Köln).

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Das ist nicht der Anspruch der Eintracht, die nun, im Februar des neuen Jahres, eigentlich viel weiter sein sollte als im August des alten. Aber: Sie ist es nicht. Im Kern sind die jüngsten Auftritte genauso trübe, eintönig und einschläfernd wie zu Saisonbeginn. Das kann es eigentlich nicht sein. Die Eintracht gibt Rätsel auf.

Coach Toppmöller beschönigt zumindest nichts. Die erste Halbzeit sei „fußballerisch sehr, sehr dünn“ gewesen, befand er und erinnerte an die schaurige Darbietung gegen Mainz. „Schon da war es teilweise katastrophal.“ Aber an ihm liegt es, Abhilfe zu schaffen und Dinge wieder einfacher zu gestalten, die Mannschaft nicht zu überfrachten. Denn in Summe wirkt das Team überladen und überfordert, denkt zu viel und handelt zu wenig (siehe Analyse auf Seite S2).

Sportvorstand Markus Krösche ist ob der Gesamtsituation nicht mehr amüsiert, er verschärft den Ton, und verwunderlich wäre es auch nicht, wenn der Manager nochmals, wie nach dem Pokal-Aus in Saarbrücken, vor die Mannschaft treten würde, um die Herren an Arbeitsethos und Haltung zum Spiel zu erinnern. Sein Fazit, ehrlich wie zutreffend: „So können wir nicht auftreten.“

Eintracht Frankfurt: Problem bei der Einstellung

Unübersehbar: Die Mannschaft hat neben den fußballerischen Themen, die zu bearbeiten und lösen sind, auch ein Einstellungsproblem. Nicht immer, aber immer öfter. Und gerade gegen Teams, die im Klassement eigentlich nicht auf Augenhöhe sind. Gegen die Bayern, Dortmund und auch in Leipzig lieferte sie ab, zeigte ihre besten Saisonspiele. Gegen die Kleineren aber schafft es die Mannschaft nicht, eine entsprechende Mentalität zu entfachen. Als Paradebeispiel könnte man Eric Dina Ebimbe heranziehen, der großen Schwankungen ausgesetzt ist, nach einem guten Spiel gleich einige schwächere folgen lässt. Er fällt mit Theatralik und Unkonzentriertheiten auf. Am Samstag etwa ließ er sich von dem 19 Jahre alten Kölner Max Finkgräfe nach allen Regeln der Kunst abkochen und entnerven.

„Von der ersten Minute haben wir die Leidenschaft nicht angenommen, die Mentalität nicht an den Tag gelegt“, monierte Sportchef Krösche. „Wir haben versucht, ein bisschen Fußball zu spielen. Pass links, Pass rechts. Aber wir hatten keine Zielstrebigkeit in unserem Spiel, das war in den letzten Wochen auch so, obwohl die Ergebnisse gestimmt haben.“ Der 43-Jährige moniert eine zu laxe Haltung. „Potenzial ist das eine, aber es geht darum, das Potenzial auf den Platz zu bringen.“

Dino Toppmöller glaubt an ein mentales Problem: „Vielleicht war im Unterbewusstsein drin: ,Okay, wir haben renommierte Spieler mit einem guten Namen geholt, auf dem Papier sieht es gut aus’“, sagt er. „Aber das ist ein Trugschluss.“

Massenschlägerei

Nach der Bundesligapartie zwischen Köln und der Eintracht sind mehrere Personen bei einer körperlichen Auseinandersetzung im Kölner Stadtteil Bickendorf verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, hatten Passanten am Samstagabend den Notruf gewählt und von einer Schlägerei mit bis zu 100 Beteiligten berichtet. Als erste Beamte vor Ort eintrafen, seien die mutmaßlichen Straftäter davongerannt. Die Polizei konnte die Identitäten von mehr als 30 Personen feststellen, anschließend wurden sie auf freien Fuß gesetzt. sid

Manager Krösche stört sich am Offensivspiel seiner Mannschaft, das quasi nicht existent ist. „Wir haben viel Ballbesitz, aber in Räumen, die uns nicht viel bringen“, sagt er. So sieht es auch Kapitän Sebastian Rode, der sich mehr Zug nach vorne wünscht. „Unser Manko ist, dass wir im eigenen Drittel guten Spielfluss haben, aber im folgenden Drittel zu wenig zum Zug kommen. Wir haben zu wenig Tiefe, das muss sich schleunigst ändern.“ Sehr richtig.

Genauso wie die Undiszipliniertheiten. In Köln beschleunigten zwei Gelb-Rote Karten die Niederlage. Erst stellte sich Niels Nkounkou „leider dämlich“ (Toppmöller) an und dann holte sich Verteidiger Tuta mal wieder einen Platzverweis ab, seinen vierten bereits. Krösche ist die Häufung an Hinausstellungen (bereits viermal Gelb-Rot, so viele Ampelkarten wie kein anderes Team), ein Dorn im Auge. „Das ist zu viel.“

Hoffnung konnten am Samstag auch die neuen Spieler nicht machen. Sasa Kalajdzic wirkte wie ein Fremdkörper und dürfte sich erst mal aus der Startelf verabschiedet haben. Hugo Ekitiké und Jean-Matteo Bahoya wurden erst spät eingetauscht – und der von Manchester United gekommene Donny van de Beek schmorte 90 Minuten auf der Bank. Und muss gleich die nächste Enttäuschung wegstecken: Für die Conference League ist der Neuzugang nicht nominiert. Das ist eine faustdicke Überraschung. Gemeldet sind dafür Ekitiké, Kalajdzic – und Philipp Max. Auch das nicht unbedingt zu erwarten.

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