VonAdrian Kühnelschließen
Kevin Trapp verabschiedet sich von Eintracht Frankfurt Richtung Paris FC. Den Wechsel treibt mehr als nur die sportliche Perspektive an.
Frankfurt/Paris – Mit 35 Jahren wagt Kevin Trapp nochmal ein Abenteuer im Ausland! Die Legende von Eintracht Frankfurt steht nach 383 Pflichtspielen für die Hessen vor einem Wechsel zum Paris FC. Für Trapp geht es damit nicht etwa zu einem anderen europäischen Top-Klub, der wie die SGE in der Champions League vertreten ist, sondern zu einem Aufsteiger.
Der Wechsel von der Main-Metropole in die französische Hauptstadt mag auf den ersten Blick rätselhaft anmuten, könnte sich aber bei genauerer Betrachtung als strategischer Meisterzug aller Beteiligten entpuppen. Für das DFB-Pokal-Spiel gegen den FV Engers (5:0) stand Trapp schon nicht mehr im Kader der Eintracht, die kurz zuvor bereits bestätigt hatte, dass Robin Koch fortan die Kapitänsbinde tragen wird.
Kevin Trapp winkt beim Paris FC ein Drei-Jahres-Vertrag
Trapp hat die Eintracht-Verantwortlichen über seinen Wunsch informiert, ein langfristiges Angebot des Paris FC bis 2028 anzunehmen. Für lediglich eine Million Euro Ablöse soll Frankfurt den Routinier ziehen lassen – ein symbolischer Betrag für eine Vereinsikone, der man keine Steine in den Weg legen möchte.
Zumal mit Kauã Santos eine neue Nummer eins bereits gefunden ist, mit Michael Zetterer von Werder Bremen ein adäquater Herausforderer kommen soll. Dem Vernehmen nach wurde sich in Frankfurt bereits frühzeitig darauf verständigt, dass Santos nach seiner vollständigen Genesung infolge eines Kreuzbandrisses als Stammkeeper vorgesehen ist.
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Mit dem Trapp-Transfer nach Paris umgeht man am Main eine unangenehme Degradierung und ermöglicht dem jahrelangen Leistungsträger und Fan-Liebling einen würdevollen Abgang. Außerdem spart die Eintracht dabei Trapps hohes Gehalt von kolportierten 3,5 Millionen Euro ein.
Doch warum Paris FC? Die Antwort liegt in einer perfekten Symbiose aus sportlichen, privaten und beruflichen Faktoren. Paris ist für Trapp kein fremdes Terrain – zwischen 2015 und 2018 stand er bei PSG unter Vertrag, kennt die Stadt bestens und spricht fließend Französisch.
Findet Trapp in Paris genau das, was er bereits vor Monaten andeutete?
Noch wichtiger: Seine Verlobte, das brasilianische Topmodel Izabel Goulart, ist aufgrund ihres Berufs oft in Paris, Trapp und Goulart sollen zudem dort eine gemeinsame Wohnung besitzen. Der Wechsel würde die Situation einer jahrelangen Fernbeziehung bessern, das Paar hätte künftig noch mehr Zeit füreinander.
Ein spannender Aspekt des Transfers liegt indes jenseits des Spielfelds: Der modebewusste Trapp könnte als Model und Werbegesicht für Louis Vuitton fungieren. „Ich kann mir unheimlich gut vorstellen, etwas zu machen, womit niemand rechnet“, sagte Trapp bereits im Januar im Podcast TOMorrow – Business. Stars. Lifestyle. „Ich liebe es, Dinge auszuprobieren, auch Dinge zu machen, über die ich früher gar nicht so nachgedacht habe, die man mir auch gar nicht zutraut, die ich mir selbst gar nicht so zutrauen würde.“
Es werde sich „in den nächsten Jahren zeigen, wo der Weg hingehen wird, welche Möglichkeiten ich im Endeffekt noch bekommen werde“, sagte Trapp damals. Der Zeitpunkt, um einen neuen Weg einzuschlagen, könnte jetzt gekommen sein.
Diese einzigartige Perspektive wäre kein Zufall, sondern das Ergebnis der revolutionären Eigentümerstruktur des Paris FC. Die Familie Arnault, Besitzer des Luxuskonzerns LVMH, der Luxusmarken wie Louis Vuitton und Hennessy umfasst, kontrolliert seit Ende 2024 über ihre Beteiligungsgesellschaft Agache Sport 52,4 Prozent des Vereins. Diese Konstellation ermöglicht ein Karrierepaket, das kein anderer Klub der Welt bieten könnte.
Um die Tragweite zu verstehen, muss man die Geschichte des Paris FC kennen. 1969 gegründet, fusionierte der Klub ein Jahr später mit Stade Saint-Germain zu PSG. Doch bereits 1972 kam es zur Trennung – mit einem historischen Twist: Der Paris FC behielt den Profi-Status und die besten Spieler, während PSG in die dritte Liga zwangsversetzt wurde.
Für einen kurzen Moment war der Paris FC der unangefochtene Platzhirsch in der Hauptstadt. Doch während für PSG danach der Aufstieg und die Entwicklung zur dominierenden Kraft in Frankreich und Europa begann, startete für den Paris FC ein langer und schmerzhafter Abstieg.
Der Verein stürzte in die Niederungen des französischen Fußballs ab und spielte jahrzehntelang in den unteren Ligen, teilweise sogar im Amateurbereich. Erst 2015 gelang die Rückkehr in den Profifußball der Ligue 2. Der Aufstieg in die Ligue 1 markiert das Ende einer 46-jährigen Durststrecke und die Rückkehr in die höchste Spielklasse des Landes.
Zur Saison 2025/26 bezieht der Paris FC eine neue sportliche Heimat: das Stade Jean-Bouin mit einer Kapazität von 20.000 Zuschauern. Die Wahl des Stadions birgt eine bemerkenswerte geografische und symbolische Brisanz. Es liegt im 16. Arrondissement von Paris, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Heimstätte von PSG, dem Parc des Princes.
Die beiden Arenen werden lediglich durch eine einzige Straße, die Rue Claude Farrère, getrennt. Diese räumliche Nähe schafft die Grundlage für eines der lokalsten und geschichtsträchtigsten Derbys im europäischen Spitzenfußball.
Während PSG – seit 2011 im Besitz der katarischen Investmentgruppe QSI – in den letzten Jahren zum französischen Rekordmeister avanciert ist und in der Vorsaison erstmals die Champions League gewonnen hat, geht es für den Paris FC vorerst darum, sich in der Ligue 1 zu etablieren. Trapp soll dabei eine wichtige Rolle spielen.
Auch ein Ex-Bayern-Manager und Jürgen Klopp mischen in Paris mit
Laut der französischen Sportzeitung L‘Équipe fungierte Marco Neppe, von 2021 bis 2024 Technischer Direktor beim FC Bayern, beim Paris FC zuletzt bereits als Berater. Künftig soll Neppe dort in selbiger Funktion arbeiten, wie er es einst drei Jahre an der Säbener Straße tat. Doch nicht nur auf Neppes Expertise wird gesetzt.
Hinter dem Projekt steht nämlich eine mächtige Allianz: Neben der Familie Arnault – Patron Bernard Arnault besitzt ein geschätztes Vermögen von 120 Milliarden Euro –, die nicht nur Luxus-Kapitel mitbringt, sondern Zugang zu einer elitären Welt, setzt man auf die Erfahrung von Red Bull im Sport.
Mit 10,6 Prozent Anteilen bringt Red Bull sein bewährtes globales Netzwerk ein: Revolutionäre Datentools, weltweites Scouting und eine energiegeladene Fußballphilosophie, die bereits in Leipzig, Salzburg und New York funktioniert. Als „Global Head of Soccer“ bei Red Bull überwacht Jürgen Klopp seit Januar 2025 die sportliche Entwicklung – auch beim Paris FC. Klopp soll das Projekt mit seinem Know-how vorantreiben, er ist das menschliche Qualitätssiegel, das Spieler, Sponsoren und Fans überzeugt.
Faktoren, die Trapp bei seiner Wechselentscheidung bestärken: Hier entsteht kein Luftschloss, sondern ein durchdachtes, langfristiges Sportprojekt.
Für Trapp ist es der mutmaßlich perfekte Karriereschritt: Er bleibt Stammkeeper, kehrt in die vertraute Stadt zurück zu seiner Partnerin und sichert sich womöglich eine zweite Karriere in der Modewelt. Für Paris FC wäre es ein wichtiger symbolischer Transfer – ein Signal an andere Spieler, dass hier ein seriöses, ambitioniertes Projekt entsteht. Für Eintracht Frankfurt ist es eine pragmatische Lösung, die allen Beteiligten das Gesicht wahrt.
Mit Trapp als erfahrenem Anführer, den Arnaults als geduldigen Investoren, Neppe als Branchenkenner und Klopp als visionärem Berater könnte in Paris eine neue Ära beginnen. Trapp steht nicht nur vor einem Vereinswechsel – er könnte Pionier einer Vision werden, die weit über den Sport hinausreicht.
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