Transferpoker um „Wunderkind“: Der FC Bayern muss jetzt handeln!
VonDaniel Michel
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Der FC Bayern hat wohl Interesse an einem Transfer von Said El Mala. Michels Meinung: Der Deal mit dem „Wunderkind“ muss schnell über die Bühne gehen.
München – TV-Kommentator Christian Straßburger ist womöglich bald der größte Fußball-Prophet in Deutschland. Im Sommer sagte er im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports: „Ich glaube, Said El Mala kann in dieser Bundesliga-Saison auf sich aufmerksam machen und das sogar so sehr – das ist mein Hot-Take –, dass er bei der WM 2026 im deutschen Kader stehen wird.“
Wohlgemerkt hatte Said El Mala da noch keine Minute in der Bundesliga gespielt. Allerdings konnte Straßburger, der die Bundesliga bei Sky kommentiert, sich schon länger ein Bild von El Mala machen. Denn vergangene Saison war Straßburger auch für Magenta TV in der 3. Liga im Einsatz. Dort sah er mehrfach, wie El Mala für Viktoria Köln nahezu alles in Grund und Boden dribbelte.
El Mala mit 18 Scorer-Punkten in der 3. Liga
Und auch die Scorer-Bilanz war nicht von schlechten Eltern: 13 Tore und fünf Vorlagen in 32 Partien. In der Saison davor waren es in zehn Einsätzen zwei Scorer. Nun hat El Mala die ersten Bundesliga-Partien beim 1. FC Köln hinter sich gebracht – und zuletzt mit einem Traumsolo über 40 Meter Fußball-Deutschland in Ekstase versetzt.
Der Linksaußen paart enorme Stärke im Dribbling mit einem effizienten Tor-Abschluss – und für den 19-Jährigen stellt der schnelle Sprung um zwei Profi-Ligen nach oben offenbar überhaupt kein Problem dar. Auch in der Bundesliga tanzt El Mala regelmäßig zwei bis drei Gegenspieler aus – und hätte er noch bessere Mitspieler, würde er wahrscheinlich schon um die Spitze der Scorer-Wertung kämpfen.
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„Bessere Mitspieler“ lautet auch das Stichwort. Schon im Sommer wollte der englische Erstligist Brighton & Hove Albion für bis zu 20 Millionen Euro El Mala verpflichten. Verrückt sind diese Engländer, möchte man meinen. Doch man muss wissen, dass der Mitbesitzer von Brighton ein Profi-Poker-Spieler war, der auch im Fußball wenig dem Zufall überlässt, sondern auf intensive Datenanalyse setzt.
Allerdings lehnte der 1. FC Köln das Angebot für El Mala ab und verlängerte den Vertrag mit dem gebürtigen Krefelder bis 2030. Das Ziel des Bundesliga-Aufsteigers dürfte klar sein: El Mala so lange wie möglich im Klub halten, dann mit ihm mindestens die vereinsinterne Rekord-Ablöse (Modeste) von rund 35 Millionen Euro knacken.
Die vergangenen Tage haben sich die Transfergerüchte um El Mala überschlagen. Sky berichtete, der FC Bayern habe sein Interesse an El Mala schon bekundet. Bild widersprach teilweise, Interesse sei zwar vorhanden, aber noch nicht in Köln hinterlegt worden. Auch Borussia Dortmund soll bereits einen Blick auf El Mala geworfen haben.
Und regionale Reporter spekulieren bereits: Ist El Mala überhaupt im Winter noch zu halten? Wer sich nun fragt, ob das nicht alles zu viel für den Jungen ist, der stellt eine berechtigte Frage. Doch die Biografie zeigt, dass El Mala mental schon sehr robust sein muss. Er wurde mit 14 Jahren aus dem Nachwuchsleistungszentrum von Borussia Mönchengladbach aussortiert. Er bewarb sich bei 13 weiteren Klubs, die ihn alle ablehnten.
Sein Bruder Malek, der nun selbst in der Jugend des 1. FC Köln spielt, motivierte ihn damals, nicht aufzugeben. Die Brüder kickten dann gemeinsam in der Jugend des Fünftligisten TSV Meerbusch, bis Viktoria Köln ihnen 2021 eine neue Chance eröffnete. El Mala darf mental als stabil genug gelten, um eine große Karriere einzuschlagen.
Man kann ihn in die Kategorie „deutsches Wunderkind“ einordnen, denn ein linker Flügelstürmer mit diesen Qualitäten ist weit und breit in diesem Fußball-Land nicht zu finden. Der Transfer-Wahnsinn um El Mala ist bereits ausgebrochen und hat seine Berechtigung.
Welche Rolle muss der FC Bayern in diesem Transferpoker einnehmen? Die Münchner haben den Anspruch, die besten deutschen Spieler in ihren Reihen zu haben. Zuletzt scheiterte das Vorhaben zweimal, nämlich bei Florian Wirtz (Leverkusen/Liverpool) und Nick Woltemade (VfB Stuttgart/Newcastle United). Beide Male erhielt ein englischer Klub mit viel Geld den Zuschlag.
Um diesem Szenario zu entgehen, muss sich der FC Bayern ranhalten und schnell reagieren. Für El Mala reicht ein kurzer Verhandlungsprozess und wohl 40 Millionen Euro an Ablöse aus, um die nationale Konkurrenz auszustechen, während Englands Top-Klubs sich womöglich noch in einem Überlegungsprozess befinden.
Aus Köln gibt es das Gerücht, dass ein Abgang auch im Winter möglich sei. Die Bild schreibt bereits: „So gut wie sicher: Auch im Winter werden Top-Angebote für El Mala aus der Liga und dem Ausland reinflattern.“ Bayern-Ehrenvorsitzender Uli Hoeneß hatte zuletzt öffentlich versprochen, im Winter die Mannschaft zu verstärken, wenn es Aussichten auf große Titel gibt. Nach dem Rekord-Start ist dies der Fall.
El Mala wäre für die bayerische Offensive eine echte Verstärkung – und ein Transfer im Winter könnte an einen cleveren Schachzug von Paris Saint-Germain erinnern. Die Franzosen hatte vergangene Saison eine mittelmäßige Hinrunde gespielt, sie verloren unter anderem in der Champions League in München mit 0:1.
PSG glückte Top-Transfer im Winter
Im Winter verpflichtete PSG dann Khvicha Kvaratskhelia. Der Georgier, ebenfalls ein Linksaußen, veränderte das Offensivspiel von PSG enorm – und letztendlich gilt Kvaratskhelia als wesentlicher Faktor für den am Ende souveränen Triumph von PSG in der Champions League.
Michels Meinung lautet deshalb: Der FC Bayern macht nur noch selten überraschende und mutige Dinge auf dem Transfermarkt. Mit einem schnellen El-Mala-Deal im Winter würde der deutsche Rekordmeister seine Position auf dem deutschen Transfermarkt zurechtrücken, wieder mehr Einfluss in der deutschen Nationalmannschaft gewinnen (derzeit nur fünf von 23 Kader-Spielern) und auch seine Ambition unterstreichen, die Champions League gewinnen zu wollen.