Geht der FC Bayern leer aus? VfB verfolgt Masterplan mit Woltemade
VonAdrian Kühnel
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Der FC Bayern drängt auf Nick Woltemades Transfer, doch Stuttgart bleibt knallhart. Der VfB verfolgt eine klare Langzeitstrategie. Geht sie auf?
München/Stuttgart – Der Transferpoker um Nick Woltemade schlägt hohe Wellen! „Marktfremde 75 Millionen Euro für einen Spieler, der ablösefrei gekommen ist“ – mit diesen Worten attackiert Woltemades Berater Danny Bachmann den VfB Stuttgart scharf. Doch hinter der Haltung der Schwaben verbirgt sich vielmehr eine durchdachte Langzeitstrategie denn bloße Sturheit.
Der Zeitpunkt von Bachmanns Wutausbruch ist indes kein Zufall. Nur wenige Tage vor dem Supercup zwischen Stuttgart und dem FC Bayern am Samstag (20.30 Uhr, alle TV-Infos) erhöht der Spielervermittler den Druck massiv. „Bis spätestens zum Anpfiff sollte alles geklärt sein“, hatte VfB-Boss Alexander Wehrle als Deadline gesetzt. Eine Frist, die Bayern offenbar nicht einhalten will – oder kann.
VfB Stuttgart fordert 75 Millionen Euro für Nick Woltemade
Dabei zeigt sich in Stuttgart ein neues Selbstbewusstsein, das weit über den aktuellen Transferpoker hinausgeht. „Unser übergeordnetes Ziel ist es, eine erfolgreiche Saison zu spielen. Da ist Nick ein ganz wichtiger Spieler – und er hat noch drei Jahre Vertrag“, stellte Wehrle bereits im Merkur-Interview klar. Der entscheidende Satz folgte direkt: „Bayern München möchte Jamal Musiala ja auch nicht verkaufen.“
Dieser Vergleich ist mehr als nur eine rhetorische Floskel. Er offenbart die neue Denkweise in Stuttgart: Warum sollte sich der VfB unter Wert verkaufen, wenn andere Top-Vereine ihre Juwelen ebenfalls hüten? Die 75-Millionen-Forderung ist daher weniger Verhandlungstaktik als vielmehr eine klare Botschaft: Wer Woltemade will, muss den VfB-Preis zahlen.
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DAZN-Kommentator Robby Hunke brachte die VfB-Strategie bei Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports, unlängst auf den Punkt: „Ich glaube, er wird noch ein Jahr beim VfB Stuttgart bleiben. Der VfB hat nicht wirklich die Not, ihn zu verkaufen.“ Hunkes gewagte Woltemade-Prognose: „Der VfB kann mit ihm sogar die Europa League gewinnen.“
Genau hier liegt der Schlüssel zur VfB-Taktik. Ein Europa-League-Triumph oder auch nur eine starke internationale Saison würde Woltemades Marktwert weiter in die Höhe treiben. Die Rechnung der Stuttgarter wirkt simpel, aber brillant: Statt jetzt 60 Millionen Euro (Bayerns letztes Angebot) zu kassieren, setzen sie auf Wertsteigerung durch sportlichen Erfolg.
Nachteil für FC Bayern: Warum Stuttgart bei Woltemade als Sieger hervorgehen könnte
Setzt Woltemade seine starke Entwicklung fort, profitiert der VfB nicht nur sportlich, sondern auch finanziell. Mit Blick auf die Marktwertexplosionen der letzten Jahre ist durchaus denkbar, dass die Schwaben für Woltemade im kommenden Jahr sogar mehr als die aktuell geforderten 75 Millionen Euro ausrufen können.
Zumal 2026 auch die Weltmeisterschaft stattfindet, Woltemade sich im DFB-Dress auf der größtmöglichen Bühne bei noch mehr Top-Klubs in den Fokus spielen könnte. Die mögliche Folge: Ein Wettbieten um Woltemade – für den VfB wäre dies von Vorteil, für Interessenten wie den FC Bayern von Nachteil. Außer die Münchner geben doch noch nach und erfüllen vor dem Ende der laufenden Transferperiode die Stuttgarter Forderungen.
Die Schwaben haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Zu oft verkauften sie ihre besten Spieler unter Wert, um kurzfristige Liquidität zu schaffen. Mit Woltemade fahren sie eine andere Strategie: Geduld, Vertrauen in die eigene Stärke und den Mut, auch Bayern München die Stirn zu bieten.
Sollte der VfB seine Strategie durchziehen und Woltemade tatsächlich ein weiteres Jahr halten, könnte sich das als Meisterstück erweisen. Ein Europa-League-Erfolg, eine Champions-League-Qualifikation oder auch nur eine starke Entwicklung des Stürmers könnte die Ablösesumme noch weiter in die Höhe treiben.