Hoeneß und der FC Bayern zögern, dabei kommt die Preis-Explosion bei Woltemade noch
VonDaniel Michel
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Der VfB Stuttgart hebt den Preis für Nick Woltemade an. Der FC Bayern taktiert. Ein Trick von Uli Hoeneß wird missglücken. Michels Meinung.
München – Uli Hoeneß griff Lothar Matthäus („Nicht alle Tassen im Schrank“) für die Behauptung an, der FC Bayern solle eher 100 Millionen Euro für Stuttgart-Star Nick Woltemade bezahlen. Matthäus stellte bei Sky aber klar: „Ich habe nicht gesagt, Nick Woltemade kostet 100 Millionen Ablöse und ich habe auch nicht gesagt, er kostet 80 Millionen. Bevor ich etwas von kolportierten 60 Millionen gelesen hatte, habe ich gesagt, dass es mich nicht gewundert hätte, wenn dort 80 bis 100 Millionen gestanden hätten.“
Zur Orientierung: Der Marktwert von Woltemade beträgt 30 Millionen Euro. Der VfB Stuttgart soll im Frühjahr bei anderen Bundesliga-Klubs noch eine Ablösesumme von 40 Millionen Euro für Woltemade aufgerufen haben. Gegenüber dem FC Bayern haben die Stuttgarter aber jetzt offenbar den Preis erhöht. Die Rede ist von einer Basissumme von 65 Millionen Euro.
Preise für junge Stars wie Woltemade steigen
Die Preiserhöhung lässt sich auch damit begründen, dass viele junge Spieler mit Langzeitverträgen auf dem Transfermarkt deutlich über Tarif verkauft werden. Woltemade passt in dieses Schema. Er ist 23 Jahre alt und besitzt noch einen Vertrag bis 2028 in Stuttgart. Hinzu kommt, dass Woltemade mit dem VfB DFB-Pokal-Sieger und mit der deutschen U21-Nationalmannschaft Vize-Europameister wurde.
Der FC Bayern will den Forderungen des VfB Stuttgart aber offenbar noch nicht nachgeben. Stattdessen feuerte Uli Hoeneß eine Spitze in Richtung der Schwaben. Der Ehrenvorsitzende des FC Bayern sagte kürzlich über Woltemade: „Ich halte ihn für einen sehr, sehr guten Spieler, der prima zu uns passen würde. (...) Und ich würde es sehr begrüßen, wenn das dieses Jahr klappt. Und wenn nicht, dann nächstes Jahr.“
Die Spielerfrauen der Bayern-Stars – von der Jugendliebe bis zur Profisportlerin
Was meinte Hoeneß mit dieser Botschaft? Zunächst mal, dass der FC Bayern Nick Woltemade unbedingt verpflichten will. Wenn es sein muss, dann eben erst zur Saison 2026/27. Subtil verbirgt sich aber wohl auch die Botschaft dahinter, dass Woltemade kommende Saison ein Vertragsjahr weniger in Stuttgart besitzt und damit die Ablösesumme womöglich sinkt. Spielt die Zeit für den FC Bayern?
Bei Robert Lewandowski glückte diese Strategie einst ausgezeichnet. Borussia Dortmund hatte sich 2013 noch geweigert, Lewandowski zu einem aus Münchner Sicht passenden Preis zu verkaufen. So ging der polnische Stürmer 2014 ablösefrei zum deutschen Rekordmeister und stieg zu einem der besten Torjäger der Welt auf.
Doch Woltemade hat beim VfB Stuttgart einen Vertrag bis 2028 unterzeichnet. Selbst 2026 würde deshalb beim VfB kein finanzieller Handlungsdruck bestehen, den Angreifer abzugeben. Immer vorausgesetzt, die Schwaben qualifizieren sich für den Europacup. Für Hoeneß und den FC Bayern könnte es aber noch schlimmer kommen. In Sachen Ablösepoker geht es um ein „Worst-Case-Szenario“ für die Münchner:
Man stelle sich vor, Woltemade trumpft bei der Weltmeisterschaft 2026 auf. Womöglich erzielt er sogar das Siegtor für Deutschland im Endspiel. Die Ablösesumme für Woltemade würde sich dann eher auf die 150 Millionen Euro zubewegen. Selbst bei einem WM-Aus im Viertelfinale mit ein paar Turnier-Toren von Woltemade dürfte die Ablösesumme in Richtung 100 Millionen Euro steigen.
Es kann für den FC Bayern noch teurer werden
So lautet Michels Meinung: Uli Hoeneß hätte sich die Drohung im Ablösepoker um Nick Woltemade sparen können. Der FC-Bayern-Patron hat offenbar die WM 2026 als Marktwert-Treiber nicht im Blick. Die Hoeneß-Taktik verkommt deshalb zu einem Eigentor. Sofern Woltemade seine Form hält und sich nicht verletzt, wird er im kommenden Jahr der Ablöse nach deutlich teurer sein. Womöglich sogar doppelt so teuer als die jetzt kolportierten 65 Millionen Euro Ablöse.