Eintracht Frankfurt: Can Uzun steckt in der Zwickmühle
VonIngo Durstewitz
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Beim Frankfurter Toptalent wächst so langsam die Ungeduld, doch zurzeit ist er als Einwechselspieler einfach zu wertvoll.
Es gibt nicht wenige Menschen in Frankfurt, die die Frage, ob Michy Batshuayi oder Elye Wahi an der Seite von Hugo Ekitiké stürmen sollte, mit Can Uzun beantworten würden. Diese Entscheidung trifft allerdings nicht irgendein Vollexperte auf der Tribüne, sondern der dafür zuständige Cheftrainer von Eintracht Frankfurt. Und Dino Toppmöller hat offenbar andere Pläne.
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Zumindest im Auswärtsspiel in Mönchengladbach beorderte er den von Galatasaray gekommenen Belgier Batshuayi ins Sturmzentrum – nur sechs Tage nach seiner Verpflichtung und nach nur zwei Trainingseinheiten. Das war eine mutige, aber trotzdem nachvollziehbare Entscheidung. Zum einen wollte der Trainer dem neuen Mann ein Zeichen des Vertrauens senden und zum anderen gerne zwei richtige Stürmer auf dem Platz haben. Der Plan ging zwar nicht so wirklich auf, weil die Leistung des 31-Jährigen arg überschaubar war. Aber des Trainers Intention war erkennbar und verständlich.
Trotzdem war es Can Uzun, der nach seiner Einwechslung (für Batshuayi nach 57 Minuten) mächtig am Schwungrad drehte und bleibenden Eindruck hinterließ. Der 19-Jährige feuerte, mal überspitzt formuliert, aus allen Rohren, kam zu drei Abschlüssen und einer guten Chance, die der Gladbacher Keeper Moritz Nicolas mit einer klasse Rettungstat entschärfte. Uzun war es auch, der die letzte Großchance von Hugo Ekitiké mit einem Freistoß vorbereitete.
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„Er hat uns viel gegeben mit seiner Ballsicherheit, auch mit seinem Mut, Bälle zu fordern, Eins-gegen-Eins-Situationen zu lösen und den Abschluss zu suchen“, lobte Dino Toppmöller. Der Deutsch-Türke zeigte eine derart schwungvolle Performance, das selbst überregional berichtende Reporter, die den Klub nicht permanent begleiten, nach dem Spiel mal beim Trainer nachfragten, was ihm denn fehle, um näher an einen Startplatz heranzurücken. „Der Konkurrenzkampf bei uns ist extrem groß“, antwortete Toppmöller. „Can hat aber schon viele Minuten gesammelt und wird noch genügend bekommen.“
Zur Wahrheit gehört auch: Es war zu diesem Zeitpunkt genau das Spiel, das für Can Uzun wie gemacht war. Die Eintracht war höchst dominant, oft in Ballbesitz, was dem Instinktfußballer entgegenkommt. Da kann er seine formidable Technik, seine Passstärke und seine Kombinationsfähigkeit voll ausspielen, auch sein Gespür für Situationen und Räume kommt zum Tragen. Andere Partien, in denen es ums Attackieren, Pressen mit hoher Intensität und defensive Disziplin geht, liegen dem türkischen Nationalspieler nicht so. Und genau das ist der Grund, weshalb er in der Bundesliga erst zweimal in der Anfangsformation stand. In der Arbeit gegen den Ball hat er sich zwar verbessert, ist aber immer noch nicht am Limit angekommen.
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Coach Toppmöller muss daher sehr genau abwägen, wann und wie viel Spielzeit er dem Toptalent gibt. Dass der Fußballlehrer den Ex-Nürnberger oft nur als Einwechselspieler bringt, liegt auf der Hand, auch wenn es für den Spieler bitter ist und er mal wieder eine Chance verdient hätte. Doch zum einen braucht Uzun als Joker nicht viel Anlaufzeit und hat schon drei Tore, davon zwei enorm wichtige, vorzuweisen. Das ist kein Zufall, sondern zeugt von Qualität, Nervenstärke und einer schnellen Adaptionsfähigkeit.
Zum anderen hat der Offensivspieler selten überzeugen können, wenn er zur Startelf zählte – weder in Leipzig noch in Hoffenheim und auch nicht gegen Riga FS oder Slavia Prag. Nur gegen die Ungarn von Ferencvaros Budapest hatte er großen Impact aufs Spiel, ebnete mit seinem Kracher zum 1:0 den Weg zum Sieg.
Bei Uzun wächst so langsam die Ungeduld, schon nach seinem Tor gegen Wolfsburg hatte er sich zu einer provozierenden Geste hinreißen lassen und im Anschluss klar artikuliert: „Ich will einfach mehr spielen.“
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Der Trainer und die Sportführung wissen um das sensible Thema und moderieren es lässig ab. Konfliktpotenzial oder gar Zündstoff sehen sie nicht. „Wir sind bei Eintracht Frankfurt, wir haben einen breiten Kader mit sehr viel Qualität“, sagt Sportvorstand Markus Krösche. „Da kann es immer mal sein, dass jemand nicht von Beginn an spielt oder gar keine Minuten bekommt.“ Damit müsse ein Fußballprofi nun mal leben, „jeder ist für sich selbst verantwortlich“.
Uzun zieht sich nicht ins Schneckenhaus zurück, er liefert, wenn er gebraucht wird. Das ist wichtig. Zumal er sehr wohl so ein bisschen in der Zwickmühle steckt, seine Position im Eintracht-Ensemble sucht. Trainer Toppmöller verortet ihn eher im offensiven Mittelfeld, wo die Plätze aber rar sind. Genauso wie im Sturm, in dem auf Sicht neben Ekitiké Neuzugang Elye Wahi spielen soll. Der 22-Jährige kommt ins Rollen, im internen Testspiel gegen die U21 schoss er beim 3:0-Sieg der Profis zwei Tore. Die Konkurrenz für Can Uzun wird also nicht kleiner. Der Hochbegabte wird widerstandsfähig und positiv bleiben – und auf seine nächste Chance lauern müssen. Vielleicht kommt sie schon am Sonntag gegen Holstein Kiel.