Christian Neureuther kann neumodischen Trend kaum fassen und fordert: „Weg vom Nonplusultra“
VonAlexander Kaindl
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Die Jagd nach dem perfekten Instagram-Foto ist Christian Neureuther ein Dorn im Auge. Die Ski-Legende positioniert sich deutlich – samt Forderung an die Gesellschaft.
München – Der Wintersport befindet sich aktuell mitten in der Saison. Diskussionen rund um die verschiedensten Schnee-Highlights gibt es aber das ganze Jahr über – erst recht in Zeiten des Klimawandels. Einer, der sich in den Bergen bestens auskennt, ist Christian Neureuther. Schließlich hat er den Wandel von Vergangenheit zu Moderne in den letzten Jahrzehnten hautnah mitbekommen – und es sind die Trends der Gesellschaft, die ihn aktuell schwer beschäftigen.
Familie Neureuther
Eltern:
Christian Neureuther, Rosi Mittermaier (†)
Kinder:
Ameli Neureuther, Felix Neureuther
Enkelkinder:
Oskar, Matilda, Leo, Lotta
Felix und Christian Neureuther sprechen über Klimawandel – und die Massen in den Bergen
Neureuther war zusammen mit seinem Sohn Felix jüngst Gast im BR-Format „nachtlinie“. Dabei sprachen die beiden zusammen mit Moderator Andreas Bönte über die Themen der Zeit. Felix Neureuther, wie sein Papa ein früherer Skiprofi, äußert sich immer wieder öffentlichkeitswirksam zum Klimawandel und den damit verbundenen Folgen für den Wintersport. Neureuther senior legte in der Sendung dann noch einen drauf – und äußerte sein Unverständnis über einen neumodischen Trend.
Der inzwischen 74-Jährige echauffierte sich dabei vor allem über die Social-Media-Gemeinde. Auf Plattformen wie Facebook, Instagram oder TikTok stellen die Nutzer – meist ist es die jüngere Generation – gerne atemberaubende Bilder aus der Natur online. Neureuther beschrieb dazu Szenen aus seiner Heimat Garmisch-Partenkirchen. Denn dort beobachtet er regelmäßig, dass „der Run in die Berge immer schlimmer wird“. An den Wochenenden sei es überfüllt. Was möglicherweise auch am „Nonplusultra-Foto“ liege, wie er es nennt.
Christian Neureuther mit deutlicher Kritik an der Instagram-Generation
Denn: Die Instagrammer von heute sehen irgendwo in den sozialen Netzwerken ein beeindruckendes Bild von einem tollen Aussichtspunkt – und wollen dann natürlich ebenfalls an diesen wunderschönen Ort und ihren Followern zeigen, dass auch ihr Leben ganz besonders aufregend ist.
Auf früher ungemähten Wiesen seien inzwischen Trampelspuren, die Menschen strömen in Massen auf die Gipfel, wie Neureuther erklärt. „Jeden Abend sind da Fotografen und fotografieren diesen einen Moment. Nur, um zu sagen: ‚Ei, da war ich auch‘.“ Und hinterher wird das perfekte Bild natürlich hochgeladen.
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Christian Neureuther fordert Umdenken: „Das muss man den Kindern sagen“
Der Vater von zwei Kindern und Großvater von vier Enkelkindern schickt direkt eine Warnung hinterher – und liefert auch noch Denkanstöße für die Erziehung.
„Da müssen wir Obacht geben. Ist es nicht auch Aufgabe der Lehrer, und von uns, zu sagen: ‚Du musst nicht unbedingt auf der Zugspitze gewesen sein. Geh mal um dich herum in einen Wald und schau‘ mal, was du dort zurückbekommen kannst.‘ Aber das muss man den Kindern sagen.“
Christian Neureuther kann neumodischen Trend kaum fassen und fordert: „Weg vom Nonplusultra“
Sein Vater Christian beendete den flammenden Appell in „nachtlinie“ schließlich mit einer simplen Aussage, die viele Menschen zum Nachdenken anregen könnte – vielleicht nicht nur in Sachen Jagd nach dem perfekten Foto für das Instagram-Profil: „Wir müssen wegkommen von dem Nonplusultra und sehen, dass das Normale eigentlich auch verdammt schön ist.“ (akl)
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