Während Medien und Fans die Dimensionen der Vertragsverlängerung von Dayot Upamecano teils scharf kritisieren, zeigt man sich beim FC Bayern äußerst zufrieden. Der Sport-Boss erklärt warum.
Im Interview mit SPORT1-Reporter Stefan Kumberger spricht FCB-Sportvorstand Max Eberl über sein Verhältnis zu den Spielerberatern, die Auswüchse auf dem Transfermarkt, seine persönliche Zukunft, die Kaderplanung beim Rekordmeister und dabei speziell über die große Bedeutung der Vertragsverlängerung von Dayot Upamecano. Diese wurde vom Rekordmeister Ende letzter Woche verkündet. Laut übereinstimmenden Medieninformationen erhält der 27-Jährige künftig ein Jahresgehalt von 20 Millionen Euro, 15 bis 20 Millionen Euro an Bonuszahlungen und es wurde ihm ab 2027 eine Ausstiegsklausel für 65 Millionen Euro zugestanden.
Eberl bestätigt nun im SPORT1-Interview, dass die Verhandlungen zur Kontraktverlängerung bis 2030 „definitiv nicht einfach“ waren und ergänzt: „Das sind sie aber grundsätzlich nur selten. Es gibt immer Themen, Wünsche und Vorstellungen auf beiden Seiten, die man zusammenbringen muss. Dass Dayot verlängern wollte, war von Anfang an spürbar – dann ging es eben darum, Lösungen zu finden. Das haben wir geschafft.“
Die wichtigen „internen Transfers“ des Rekordmeisters
Der 52-Jährige erklärt im Gespräch mit Stefan Kumberger auch, warum man solche Deals an der Säbener Straße „internen Transfers“ nennt: „Bei auslaufenden Verträgen ist klar, dass der Spieler in einem oder einem halben Jahr ablösefrei gehen kann. Damit befindet man sich automatisch in einer Marktsituation, in Konkurrenz zu anderen Klubs. Das beeinflusst die gesamte Sache enorm, schließlich hat sich der Markt deutlich verändert. Aber dem stellen wir uns.“
Die Verlängerung des französischen Vizeweltmeisters bedeutet für den Rekordmeister zum einen, „dass die Kaderplanung in der Innenverteidigung für die neue Saison vorerst abgeschlossen ist. Und es ist auch ein Zeichen, wie groß die internationale Strahlkraft des FC Bayern ist“, so der stolze Sport-Boss.
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Nachdem der mächtige FCB-Aufsichtsrat vor zwei Jahren einen „Sparkurs“ für die Spielergehälter ausgerufen hatte, kam es dennoch noch zu einigen Vertragsverlängerungen mit dem teilweise erheblichen Gehaltserhöhungen. Eberl erklärt: „Natürlich haben die Verlängerungen Geld gekostet. Aber es kostet noch mehr, wenn ich Spieler von der Qualität eines Joshua Kimmich, Jamal Musiala, Alphonso Davies oder Dayot Upamecano kaufen muss – wenn man solche überhaupt findet.“
Der 52-Jährige nennt dazu ein „Beispiel: Jérémy Jacquet (Innenverteidiger) von Stade Rennes wäre für uns beispielsweise ein toller Spieler gewesen. Aber wenn wir sehen, dass er mit 19 Jahren für kolportierte 70 Millionen Euro nach Liverpool geht, müssen wir überlegen, was für Bayern München das Beste ist. Und unsere Antwort war eben, die Verlängerung mit Dayot anzugehen. Er kennt den Klub, ist im besten Alter und gehört zu den besten Innenverteidigern der Welt. Sportlich und finanziell ist es daher die richtige Entscheidung. Deswegen spreche ich von einem internen Transfer“.
Auf die SPORT1-Frage, wie man sich gegen „all die Nebengeräusche“ rund um solche Verhandlungen wehrt, bedauert Eberl, dass hier „die Auswüchse gerade in den vergangenen Jahren massiv zugenommen“ haben, und gesteht sogar deren regelmäßigen Einfluss auf das Geschehen ein. „Aber in der Regel können wir uns davon freimachen. Die Menschen am Verhandlungstisch wissen, was der Stand der Dinge ist und was besprochen wurde. Die von Ihnen angesprochenen Nebengeräusche muss man genauso managen wie die Inhalte von Verhandlungen“, so der Münchner Sportvorstand.
Nebengeräusche und Handgelder bei Gehaltsverhandlungen
Auch die Bedeutung von Handgeldern bei solchen Verhandlungen wird von Eberl ausführlich erläutert: „Die Summen haben sich durchaus verändert und in Zeiten des Transferjournalismus wird auch mehr darüber diskutiert, aber Boni haben in solchen Verhandlungen schon immer eine Rolle gespielt.“
Der 52-Jährige über ein bedeutendes Ereignis im Profi-Fußball, welches diese Entwicklung maßgeblich beeinflusst hat: „Vor allem seit dem Bosman-Urteil 1995 sind die Handgelder immer wichtiger geworden und alle Beteiligten spielen hier ihre Möglichkeiten aus. Vor vielen Jahren war ein Spieler meist nur dann ablösefrei, wenn er vom Verein aussortiert wurde. Mittlerweile gehen viele Spieler einfach das Risiko ein, ins letzte Vertragsjahr zu gehen und schauen dann, was passiert. Das gibt den Handgeldern eine besondere Bedeutung.“
Keine einfache Situation für die Profi-Vereine. Auch in Anbetracht dieser Umstände ist es aber durchaus nachvollziehbar, dass man beim FC Bayern die Upamecano-Verlängerung als Erfolg und als Zeichen der „internationalen Strahlkraft“ des Vereins sieht, konnte man sich doch gegen Fußball-Giganten wie Real Madrid und Paris Saint-Germain durchsetzen.