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Eintracht Frankfurt: Krösche legt die Latte hoch

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Hat allen Grund zur guten Laune: Markus Krösche.
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Der Sportvorstand ist verantwortlich für eine starke Transferbilanz im Winter. Er legt das Fundament für sportlichen Erfolg - Trainer Toppmöller muss jetzt liefern. Ein Kommentar.

An dieser Stelle vorneweg eine Randnotiz, die in der öffentlichen Betrachtung des Gesamtkonstrukts Eintracht Frankfurt nur eine untergeordnete Rolle spielt, wenn überhaupt: Hrvoje Smolcic, Innenverteidiger mit Bankplatzgarantie, wird dem hessischen Bundesligisten auch in der bereits begonnenen Rückrunde zur Verfügung stehen.

Das ist, zugegeben, nur bei näherer Betrachtung eine Erwähnung wert. Denn der 23 Jahre alte Kroate hätte sich in diesem Winter gerne verändert, seine Perspektive in Frankfurt ist begrenzt. Er will häufiger spielen. Verständlich. Doch Smolcic muss bleiben, denn die Eintracht hat es nicht geschafft, das Schweizer Abwehrtalent Aurele Amenda sofort unter Vertrag zu nehmen.

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Neuzugang Bahoya bei der Eintracht auf flinken Füßen

Der 20-Jährige bleibt zunächst bei den Young Boys, weil die Berner es wiederum nicht packten, auf die Schnelle Ersatz für ihren Hünen zu finden. Dass Amenda aber nach Frankfurt wechseln wird, ist klar, das ist wasserdicht, nur eben nicht jetzt, sondern im Sommer. Daher kein Smolcic-Wechsel. Für den Verein okay, für den Spieler eher weniger. Aber so ist das nun mal in diesem Geschäft.

Eintracht Frankfurt: Krösche lässt die Nörgler verstummen

Und doch muss man konstatieren, um ins große Bild zu kommen: Amenda nicht sofort loseisen zu können aus Bern, ist das Einzige, was dem Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche in der winterlichen Transferperiode nicht gelungen ist. Ansonsten hat der Manager geliefert, fraglos sehr gute Arbeit geleistet und die notorischen Nörgler verstummen lassen; er hat genau das umgesetzt, was ihm vorschwebte und sinnvoll erscheint, er hat alle Baustellen geschlossen und die Mannschaft, zumindest auf dem Papier, sinnvoll verstärkt. Prima Job.

Zudem: Er hat den Kader um die Spieler verschlankt, die die Erwartungen nicht erfüllt haben: Jens Petter Hauge, Jessic Ngankam und Paxten Aaronson. Alle drei sind verliehen worden. Im besten Falle kommen sie, also zumindest Ngankam und Aaronson, als bessere Spieler zurück.

Krösche: Deal mit Hugo Ekitiké steht

Für sie schickt der Sportchef andere ins Rennen. Im Mittelfeld den routinierten Donny van de Beek, als Perspektivspieler am Flügel Jean-Matteo Bahoya, einen schnellen, spannenden Dribbler, dessen Stellenprofil so noch nicht vergeben war. Zudem Sasa Kalajdzic im Sturm, einen erprobten Riesen mit Format und Erfahrung, verletzungsanfällig, klar, aber erst einmal für ein halbes Jahr – eine sinnvolle Sache. Und er hat am Donnerstag nach wochenlangem Tauziehen den Deal mit Hugo Ekitiké unter Dach und Fach gebracht. Den teuersten Transfer der Vereinsgeschichte. Ein Husarenstück.

Krösche ist dabei nicht von seinen Prinzipien und der Leitlinie des Vereins abgegangen, Mondpreise werden nicht bezahlt, Verrücktes wird gemieden, auf das Gefüge des Gehalts und die Struktur der Mannschaft wird geachtet. Richtig so. Dass die Eintracht mittlerweile in tieferen Gewässern fischt, Spieler aus der Premier League holt und von PSG, das hat die Entwicklung der letzten fünf, sechs Jahre mit sich gebracht. Der Verein hat sich – nicht nur, aber auch wegen der furiosen Auftritte in der Europa League – zu einer der spannendsten Plattformen in Deutschland und Europa gemausert, interessant für junge Spieler aus dem Ausland, die vor Jahren noch einen Bogen um die Eintracht gemacht hätten. Sie wollen nun unbedingt in den erlauchten Kreis aufgenommen werden, Teil des Projekts sein, weil sie sehen, was möglich ist an diesem Standort, für den Verein und für sie persönlich. Die Eintracht ist ein treffliches Sprungbrett geworden.

Durch die jüngsten Transferaktivitäten steigen aber auch die Erwartungen, völlig zu Recht. Alles andere als ein internationaler Startplatz wäre zwar kein Beinbruch, aber bei der Ausgangslage und mit diesem Kader eine herbe Enttäuschung. Und so wächst nun der Druck auf Trainer Dino Toppmöller, der durch den Wegkauf von Himmelsstürmer Randal Kolo Muani eine Schonzeit für sich in Anspruch hätte nehmen können, sie aber nie reklamierte. Löblich. Auch Toppmöller hat seine Sache bis jetzt gut gemacht, nun wird er zuweilen als Pädagoge gefragt sein, Härtefälle abmoderieren müssen. Mit Fingerspitzengefühl, aber auch klaren Ansagen.

Und er steht in der Pflicht, die spielerische Entwicklung voranzutreiben, sie stagnierte zuletzt auf niederem Niveau. Das sollte sich ändern. Das Fundament dafür steht.

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