VonIngo Durstewitzschließen
Eintracht Frankfurt bangt ein bisschen um das Tandem im zentralen Mittelfeld und will sich dort unbedingt verstärken.
Frankfurt - Die Frankfurter Eintracht bangt, mal wieder, um ihre Zentrale im defensiven Mittelfeld. Nun gut, das hört sich dramatischer an, als es in Wirklichkeit ist. Bis zum nächsten Pflichtspiel streicht noch ein bisschen Zeit ins Land, erst am Samstag in einer Woche wird die durch zwei Länderspiele unterbrochene Bundesliga wieder ihre Pforten öffnen, dann erwartet der hessische Klub Union Berlin im heimischen Waldstadion. Und bis dahin könnten Hugo Larsson und Ellyes Skhiri wieder fit sein, der eine (Larsson, Schweden) hat aber aktuell seine Reise zur Nationalmannschaft abgebrochen, der andere (Skhiri, Tunesien) gar nicht erst angetreten. Beide trainieren zurzeit individuell, ob es für einen Einsatz am Ostersamstag reicht, ist Stand jetzt offen. Kann sein, muss aber nicht.
Skhiri ist angeschlagen, nichts Gravierendes, der Rücken zwickt mal wieder. Das macht er schon seit einiger Zeit, das Ärzteteam und die Physios arbeiten mit Hochdruck daran, die Probleme in den Griff zu bekommen und abzustellen. Ein Trip zur tunesischen Länderauswahl hätte jedenfalls keinen Sinn gemacht.
Mit dem Tritt von Emre Can aus dem Dortmund-Spiel, der mit offener Sohle in den Knöchel des 28-Jährigen rauschte, daraufhin erst Rot und im VAR-Nachgang nur Gelb sah und damit gut bedient war, hat die Unpässlichkeit im Übrigen gar nichts zu tun. Skhiri hat in dieser Szene zweifelsfrei Glück gehabt, einer schweren Verletzung entgangen zu sein. Dass Schiedsrichter Tobias Stieler seine ursprüngliche Entscheidung revidierte, konnte nicht jeder verstehen. „Ein gestrecktes Bein, wenn der Fuß stehen bleibt, fällt Ellyes sechs Monate aus“, argumentierte Ex-Nationalspieler Mario Götze. Emre Can sah das ein klein wenig anders. Liegt in der Natur der Sache.
Bei Hugo Larsson haben Oberschenkelprobleme einen Einsatz bei der schwedischen Nationalmannschaft verhindert. Der 19-Jährige war schon mit Beschwerden angereist, wollte sich aber unbedingt dem neuen Nationaltrainer Jon Dahl Tomasson vorstellen und sich zeigen. Der frühere Bundesligaprofi, der von 2005 und 2007 für den VfB Stuttgart stürmte, war erst vor wenigen Wochen als Nachfolger von Janne Andersson präsentiert worden.
Götze bringt Eintracht Frankfurt wieder in Schwung
Larsson wird nun in Frankfurt noch einmal eingehend untersucht, nach jetzigem Stand ist die Blessur eher auf eine durch Überstrapazierung entstandene Reizung und Verspannung der Muskulatur zurückzuführen. Das Mittelfeld-Juwel fiel erst im Februar wegen einer Sehnenverletzung im Oberschenkel für mehrere Wochen aus.
Die Frankfurter Schaltzentrale war schon Anfang des Jahres gesprengt, erst war Skhiri beim Afrika-Cup, dann Larsson verletzt. In der Not sprang Kreativkopf Mario Götze ein, der dort schon in der Hinrunde gegen die Bayern ein überragendes Spiel gemacht und auch zum Start des neuen Jahres in Leipzig auf der „Sechs“ überzeugt hatte. Doch im Laufe der Zeit überholte sich das Experiment quasi von selbst, der Ex-Nationalspieler rückte wieder auf seine angestammte Position nach vorne – und glänzte dort in den zurückliegenden beiden Spielen, war an den letzten drei Eintracht-Toren beteiligt, zwei machte er gleich selbst.
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Eintracht: Rode-Aus schmerzt
Die kurzzeitige Götze-Rückversetzung zeigt aber das Problem der Eintracht sehr deutlich, denn gerade die Stabilität im defensiven Mittelfeld ist der Schlüssel zum Erfolg – und wenn das angestammte Tandem Skhiri/Larsson ausfällt, wackelt das gesamte Konstrukt. Das ist nahezu logisch, Trainer Dino Toppmöller fehlen auf dieser Position schlichtweg die Alternativen.
Das liegt auch daran, dass Sebastian Rode nach seiner Knieoperation bis Saisonende ausfällt. Sein Fehlen, und das gerät so ein bisschen in Vergessenheit auch bei der Bewertung der bisherigen Saison, ist für die Eintracht ein Schlag ins Kontor. Der 33-Jährige ist nicht nur Kapitän des Teams und ein akzeptierter Anführer, sondern auch ein absoluter Leistungsträger. Ein Sebastian Rode in Topform hebt die Mannschaft auf ein ganz anderes Niveau.
Eintracht-Neuzugang? Pascal Groß wird schon 33
Das ist von Neuzugang Donny van de Beek nicht zu behaupten, der von Manchester United ausgeliehene Mittelfeldmann ist bislang eine einzige Enttäuschung, saß in sechs der letzten sieben Spielen auf der Bank, viermal wurde er davon nicht mal mehr eingewechselt. Selbst Abwehrspieler Tuta und Außenbahnspieler Eric Dina Ebimbe wurden dem Niederländer in Heidenheim vorgezogen. Die Winterverpflichtung ist ein riesiges Missverständnis.
Und weil zwei hochklassige Akteure auf der wichtigen Position im Ballungsraum des Spielfelds nun nicht gerade eine opulente Auswahl darstellen, sucht Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche mit Nachdruck einen gestandenen Mittelfeldspieler, einen Leithammel, der nicht nur seine Leistung verlässlich bringt, sondern die Kollegen auch führen kann, wenn es eng wird oder ein Spiel zu kippen droht. Es ist kein Zufall, dass die aktuelle Mannschaft sich schon häufiger während eines Matches irgendwann den Schneid abkaufen ließ und sich dann, vor allem auswärts, aus der Umklammerung des Kontrahenten nicht mehr befreien konnte. Das hat viel mit Widerstandskraft, Robustheit und Belastungsfähigkeit zu tun. Die Krux an der Geschichte: So einen Spieler sucht nicht nur die halbe, sondern die gesamte Bundesliga.
In etwa einen wie Pascal Groß, mit dem sich die Sportführung zumindest mal befasst hat. Der deutsche Nationalspieler ist bei Brighton & Hove Albion unumstrittene Stammkraft (vier Tore, zehn Vorlagen), hat einen Vertrag bis 2025 – wird im Sommer aber schon 33. Das spricht nicht unbedingt für einen Transfer.
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