VonLars Pollmannschließen
Borussia Dortmund misst sich bei der FIFA Klub-WM mit den Mamelodi Sundowns. Der südafrikanische Verein ist alles andere als Laufkundschaft.
Cincinnati – Borussia Dortmund trifft im zweiten Gruppenspiel der FIFA Klub-WM am Samstag (12 Uhr Ortszeit, 18 Uhr deutscher Zeit, alle TV-Infos) auf die Mamelodi Sundowns aus Südafrika.
Nach dem torlosen Remis zum Auftakt gegen Fluminense sollten die Sinne beim BVB geschärft sein. Die Sundowns haben ihre erste Partie in den USA gegen Ulsan HD gewonnen. Beim Spiel in der deutschen Auswanderer-Hochburg Cincinnati wäre Dortmund gut beraten, seinen afrikanischen Gegner nicht zu unterschätzen.
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Experte sieht afrikanischen Fußball vor der Klub-WM im Aufwind
„Der Fußball in Afrika macht eine spannende Entwicklung durch. Ich glaube, die Welt wird vom afrikanischen Fußball überrascht sein, die Teams werden besser abschneiden, als das viele erwarten“, erklärt Maher Mezahi, Afrikanischer Fußballreporter und Macher des „African Five-a-side podcast“, im Gespräch mit Absolut Fussball, dem Fußball-Portal von Home of Sports.
Aus Sicht des Experten wären der ägyptische Vertreter al Ahly und die Sundowns „in der UEFA Champions League nicht komplett fehl am Platz“. Entscheidend dafür ist gerade in Bezug auf den Klub aus Südafrika – wie im Prinzip überall auf der Welt – das schnöde Geld.
„Die Sundowns werden von der Motsepe-Familie geführt. Patrice Motsepe ist Präsident des afrikanischen Fußballverbandes und Vizepräsident der FIFA, er gehört zu den fünf reichsten Männern in Südafrika“, erläutert Mezahi. „Seit seinem Engagement hatte der Klub immer viel Geld, ein hohes Gehaltsbudget und konnte sich viele sehr gute Spieler leisten.“
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BVB-Gegner Mamelodi Sundowns ist Abo-Meister in Südafrika
In der südafrikanischen Liga dominiert der Klub aus der Verwaltungshauptstadt Pretoria so schon länger nach Belieben: Seit der Saison 2017/18 sind die Sundowns Abo-Meister in der 16 Klubs umfassenden Betway Premiership. Und auch auf kontinentaler Ebene gehört der Verein zum besten, was Afrika bieten kann. In der CAF Champions League, dem Pendant zur Königsklasse in Europa, ist das Team ständig in der K.o.-Phase vertreten.
Zuletzt scheiterte der BVB-Gegner in den Endspielen um die afrikanische Champions League knapp am Pyramids FC aus Ägypten. Die Sundowns werden wohl eine härtere Nuss darstellen, als es sich die meisten Fans vorstellen mögen.
Sie können sich also auf ein interessantes Spiel einstellen, wie Experte Mezahi andeutet: „Der Spitzname der Sundowns ist ‚The Brazilians‘. Nicht nur wegen ihres Spielstils, der sehr attraktiv ist, sondern auch wegen ihrer Vereinsfarben. Ihre Trikots sind Gelb-Blau und Weiß-Blau.“
Die Sundowns selbst sprechen indes von einer ganz eigenen Identität. „Ihr Stil ähnelt dem von Manchester City. Sie nennen das ‚Shoe Shine Style‘“, sagt Muzi Hlatshwayo vom sozialpädagogischen Fußballprojekt Borussia Commondale. Gemeint ist damit, dass die Sundowns so viele kurze Pässe spielen, dass die Schuhe der Spieler dadurch gereinigt werden.
Auch der vielleicht stärkste Profi der Sundowns passt zu den Spitznamen: Der Brasilianer Lucas Ribeiro könnte die Bühne bei der Klub-WM 2025 dafür nutzen, sich für einen Transfer nach Europa interessant zu machen.
„Er war diese Saison der beste Spieler in Südafrika. Er ist ein sehr starker Dribbler, hat ein gutes Tempo, und einen echten Torriecher. Es wäre keine Überraschung, wenn er nach der Klub-WM wechselt, weil er in Südafrika alles erreicht hat“, schätzt Mezahi ein. Ribeiro konnte sich bei einem ersten Anlauf in Europa bei verschiedenen Klubs in Belgien nicht durchsetzen. Beim Sieg gegen Ulsan HD lieferte der Brasilianer die Vorlage zum goldenen 1:0 durch Iqraam Rayners.
Ein Ex-BVB-Talent spielt bei den Sundowns
Neben dem 26-Jährigen nennt der Experte vor allem Torhüter Ronwen Williams und Mittelfeld-Stratege Teboho Mokoena als Schlüsselspieler des BVB-Gegners. Williams sorgte beim Afrika-Cup 2024 in der Elfenbeinküste für Schlagzeilen, als er im Elfmeterschießen des Viertelfinales gegen die Kapverden vier Versuche des Gegners parieren konnte und im Spiel um Platz drei zwei weitere gehaltene Elfmeter folgen ließ.
„Er ist ein sehr guter Schlussmann, aber auch ein guter Kommunikator. Was ihn besonders auszeichnet, ist die Spieleröffnung. Er bietet ein wirklich starkes Gesamtpaket“, sagt Mezahi. Mokoena sei derweil „so etwas wie das Metronom der Mannschaft“, die in der afrikanischen Champions League auf die höchsten Ballbesitzanteile kommt. Für den Experten steht fest: Ribeiro, Williams und Mokoena könnten „locker auch in einer Top-Liga in Europa spielen“.
Übrigens steht auch ein ehemaliger Dortmunder bei den Sundowns unter Vertrag: Tashreeq Matthews machte 2018 einige Spiele im Nachwuchsbereich des BVB.
Afrika freut sich auf die FIFA Klub-WM
Während bei Matthews also gewissermaßen das Klischee vom „besonderen Spiel“ greift, gilt das für die Fans der Sundowns wohl nur bedingt. „Der BVB ist auf jeden Fall ein Verein, der in Afrika respektiert wird. Aber die in Afrika populärsten Klubs kommen alle aus der Premier League, vor allem in den englischsprachigen Ländern südlich der Sahara. Arsenal, Chelsea, Manchester United und Liverpool sind die beliebtesten Vereine. Sie sind wahrscheinlich sogar beliebter als die Vereine vor Ort“, betont Mezahi.
Nun sind von den genannten Engländern nur die Blues von Chelsea bei der Klub-WM dabei. Trotzdem ist die Vorfreude auf dem afrikanischen Kontinent zu greifen, meint Mezahi. „Für die Klubs ist es eine große Chance, gegen die besten Teams der Welt zu spielen. Und es ist auch eine Chance für den Kontinent, sich auf dieser Bühne zu präsentieren. Das Turnier ist total akzeptiert und wird gefeiert“, sagt der Experte.
„Das einzige Problem könnte sein, dass die teilnehmenden Vereine einen sehr großen Vorteil haben werden, weil sie um die zehn Millionen Dollar Startgeld kassieren werden. Das ist eine riesige Summe, die das Budget von Casablanca und Tunis mal eben verdoppeln könnte.“
Die Dominanz der Sundowns in Südafrika wird wohl ebenfalls noch weiter zementiert. Trotzdem sind auch die Anhänger anderer Vereine stolz auf den Vertreter ihres Landes: „Wir sind gespannt auf die Erfolge eines unserer Klubs“, sagt Hlatshwayo, der neben seiner Liebe zum BVB eigentlich Fan der Kaizer Chiefs aus Johannesburg ist.
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