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Andreas Jung wird seinen am 30. Juni 2024 auslaufenden Vertrag beim FC Bayern München nicht verlängern. Ein Platz im Vorstand wird frei.
München – Natürlich konnte der Name Max Eberl nicht ausgespart werden, als sich der Aufsichtsrat des FC Bayern am Montagabend zur turnusmäßigen Sitzung traf, wie auch? Aber als die hohen Herren den Besprechungsraum verlassen hatten, kursierte erstmal ein anderer: Was tz bereits zuvor berichtete, ist nun offiziell: Marketing-Vorstand Andy Jung den Verein nach 27 Jahren nach Auslaufen seines Vertrages auf eigenen Wunsch und in beidseitigem Einvernehmen im kommenden Sommer verlassen. Oder anders gesagt: Da wären es bald nur noch zwei im Vorstand des FC Bayern.
| Andreas Jung | |
|---|---|
| Funktion: | Vorstand Marketing |
| Alter: | 61 |
| Beim FC Bayern seit: | 1996 |
Marketing-Vorstand Andreas Jung verlässt den FC Bayern München
Noch am Sonntag saß Jung auf der Mitgliederversammlung im BMW Park in der ersten Reihe, neben Karl Hopfner, zwei Plätze neben Uli Hoeneß – man sah dem Mann, der nicht zwingend im Vordergrund stehen muss, das, was am Tag danach folgen sollte, nicht an.
Der Vertrag des 61-Jährigen, der seit 1996 im Unternehmen ist, läuft noch bis Sommer 2024. Nach Oliver Kahn – der ersetzt wurde –, Jörg Wacker und Hasan Salihamidzic ist Jung der vierte Vorstand, der seit 2021 ausscheidet. Womit die Verantwortungsbereiche des studierten Sportwissenschaftlers – Corporate Partnerships und Marketing, Auslandsbüros und Allianz Arena – zu vergeben sind.
Veränderungen beim FC Bayern München: Weg frei für Max Eberl?
Ohnehin wäre der Vorstand mit den verbliebenen Mitgliedern Jan-Christian Dreesen (Vorstandsvorsitzender) und Michael Diederich (Finanzen/stellv. Vorstandsvorsitzender) dann so dünn besetzt wie seit Jahrzehnten nicht. Und lässt man die Worte, die Dreesen am Samstag im tz-Interview äußerte, in der neuen Informationslage noch einmal wirken, ist nur logisch, dass das nicht so bleiben wird. „Wenn man einen Fußballclub in unserer Größenordnung nimmt, sind drei Vorstände eigentlich passend“, sagte der 56-Jährige, der das Gremium „weder als dünn noch als üppig aufgestellt“ bezeichnen wollte. Er fügte an: „Jeder hat seine Aufgabe.“ Die allerdings stehen aktuell auf dem Prüfstand.
Wie die tz erfuhr, soll Jung nämlich zunächst nicht ersetzt werden, sondern die von ihm verantworteten Direktionen unter den verbliebenen Vorständen aufgeteilt werden. Auch das wurde am Montag besprochen, es geht „um eine Optimierung der Struktur“, so ist zu hören. Dreesen war schon dabei, als der Vorstand stetig wuchs, Diederich hingegen beäugt den Club seit seinem Amtsantritt im Frühjahr bis ins kleinste Detail. Vakanzen sehen alle – auch der Aufsichtsrat. Allerdings liegt die Priorität klar auf dem sportlichen Bereich. Wobei man schnell wieder beim Namen Eberl landet.
Hainer über Eberl: „Mit seiner Freistellung bei RB Leipzig hatte Bayern nichts zu tun“
„Der Vorsitzende des Vorstands wird üblicherweise bei solchen Sachen involviert. Das ist bisher nicht passiert, also glaube ich auch nicht, dass es morgen dazu eine Entscheidung geben wird“, hatte Dreesen im Rahmen der Jahreshauptversammlung über den 50-Jährigen gesagt. Eine Tendenz aber ist dennoch klar. Ein starker Mann, der gemeinsam mit Sportdirektor Christoph Freund die Kaderplanung vorantreibt, wird intern als „fehlend“ bezeichnet. Zu diesem Eindruck ist man nicht nur aufgrund der verkorksten letzten Tage der zurückliegenden Transferperiode gekommen.
Nicht ohne Grund betonte Präsident Herbert Hainer am Sonntag: „Mit seiner Freistellung bei RB Leipzig hatte Bayern nichts zu tun.“ Übrigens: Die nächste Aufsichtsratssitzung, Stand jetzt, im Dezember. Hanna Raif, Philipp Kessler
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