Bundestrainer Wück reagiert auf Kritik: Aussprache nach Sprachlosigkeit
VonFrank Hellmann
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Einige Spielerinnen haben kritisiert, dass der Bundestrainer schwach kommuniziert. Christian Wück spricht deshalb in Bremen ein Machtwort.
Bremen – Vier Kleinspielfelder in einer Turnhalle, fünf Nationalspielerinnen, die sich nach besten Kräften als jederzeit am Spielfeldrand als anspielbereite Coaches betätigten: Es hat am Montag nicht viel gebraucht, um an der Grundschule an der Nordstraße im Bremer Stadtteil Walle einige kickende Mädchen glücklich zu machen.
Sara Däbritz, Sjoeke Nüsken, Sarai Linder, Selina Cerci und Sophia Kleinherne bildeten die Abordnung, die vor den Nations-League-Duellen gegen die Niederlande in Bremen (Freitag 20.30 Uhr/ZDF) und dann vier Tage später gegen Österreich in Wien (20.30 Uhr/ARD) die Vorfreude schürte. Danach wird Bundestrainer Christian Wück am 12. Juni seinen endgültigen Kader für die EM in der Schweiz (2. bis 27. Juli) berufen.
Rückkehrerin Lena Oberdorf in Plauderlaune
Gleichwohl hat es zuletzt erstaunlich viel Kritik am 51-Jährigen gegeben. Die Kardinalfrage steht im Raum, ob der Quereinsteiger aus dem männlichen Nachwuchsbereich ausreichend mit den DFB-Frauen kommuniziert. So hat Wück zwar erfolgreich darum gekämpft, dass Lena Oberdorf nach ihrer langen Leidenszeit wieder nominiert werden kann, doch zu offensiv formuliert, dass auf die 23-Jährige bei der Nations-League-Phase „keine Rücksicht“ mehr genommen werden müsse.
Daraufhin plauderte „Obi“ in ihrem Podcast „Popcorn und Panenka“ aus, sie könne gar nicht eingesetzt werden. Wörtlich: „Ich darf nicht spielen.“ Von einem solchen Verbot durch ihren Arbeitgeber FC Bayern wusste bis dato niemand.
Zuerst hatte überraschend Nicole Anyomi aufgemuckt: Die gerade bei der DFB-Auswahl ziemlich unstete Stürmerin von Eintracht Frankfurt beklagte, dass „kein konkreter und direkter Austausch“ stattgefunden habe. Und nach der Nominierung des 25-köpfigen Kaders murrte Felicitas Rauch via Instagram: „Mich nicht einzuladen, ist das eine. Mich nicht zu informieren und mir aber nicht mal einen Grund zu nennen, verstehe ich einfach nicht.“ Die Linksverteidigerin von North Carolina Courage schrieb auf Instagram: „Hier wünschte ich mir eine viel transparentere Kommunikation.“
Die beste deutsche Frauen-Nationalmannschaft aller Zeiten – laut KI
Der Bundestrainer hatte zuvor in einer digitalen Medienrunde erläutert: „Meine Aufgabe ist es, ein gut funktionierendes Team zusammenzustellen.“ Auf der Position links hinten sehe er nun einmal Linder und Talent Franziska Kett vorne. Diese Begründung wäre besser auch direkt an die 50-fache Nationalspielerin übermittelt worden, die bei der EM 2022 in England zum Stammpersonal gehörte und lange zur mächtigen Fraktion des VfL Wolfsburg zählte. Deshalb bekam Rauchs Wück-Rüffel selbst von Ex-Kapitänin Alexandra Popp einen Like.
Nur zur Erinnerung: Mit Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hatte es nach der vermasselten WM 2023 in Australien im Binnenverhältnis nicht mehr gepasst. Danach schaffte es Horst Hrubesch, die Spielerinnen hinter einem gemeinsamen Ziel zu vereinen, weshalb sich das Team unter dem Interimscoach zu Olympia-Bronze 2024 kämpfte.
Dessen Nachfolger hat eine offene Flanke geboten, die der gebürtige Unterfranke gleich nach dem Eintreffen im Parkhotel am Bremer Bürgerpark zu schließen versuchte. „Wir haben das in einer Sitzung angesprochen. Damit ist es auch gegessen. Das darf uns nicht aus dem Konzept bringen“, sagte Sophia Kleinherne der FR. Für die Verteidigerin von Eintracht Frankfurt ist das Thema damit erledigt. Eine Aussprache, um der Sprachlosigkeit zu begegnen.
Fragt sich nur, ob kleine Spannungen oder feine Risse das Gefüge in Zukunft gefährden. Beim Training am späten Montagnachmittag gab Wück die meiste Zeit den Beobachter, aber er war derjenige, der lautstark die Einheit immer wieder unterbrach. Einmal rief der Bundestrainer laut über die Baustelle von Platz 11: „Okay, was Trinken bitte. Pause!“
Reibung kann grundsätzlich nicht schaden; erst recht nicht bei den deutschen Fußballerinnen, die über Social Media gerne auf „heile Welt“ machen. Immerhin die Einheit mit den bemühten Schülerinnen endete in Harmonie, als es neben einem Erinnerungsfoto auch noch 25 Eintrittskarten für das Nachbarschaftsduell gegen die Niederländerinnen im Weserstadion gab, wo mehr als 30 000 Zuschauende erwartet werden. „Das war ein Highlight für unsere Mädchen: Das vergisst man nicht“, sagte Ali Erdal, Klassenlehrer und Leiter der Schulfußball AG. „Jetzt wünschen wir uns am Freitag noch einen Sieg.“ Würde auch Christian Wück eine gewisse Befreiung verschaffen.