Von Peter Grad
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Die angespannte finanzielle Situation beim FC Bayern hätte 1971 fast als Konsequenz gehabt, dass der größte Stürmer der Vereinsgeschichte seine DFB-Karriere sehr frühzeitig beendet.
Lima / München - Heutzutage ist es üblich, dass Bundesligavereine, wenn die Winterpause nicht – wie in dieser Saison – zu kurz ausfällt, in südlichen Gefilden ein Trainingslager für eine perfekte Vorbereitung auf die Rückrunde abhalten. Zu Franz Beckenbauers und Gerd Müllers Zeiten musste der FC Bayern zum Jahreswechsel dagegen zahlreiche Freundschaftsspiele bestreiten , um die damals leeren Kassen aufzufüllen.
Gerd Müller setzte 1971 seine Nationalmannschafts-Karriere fort. Hier im EM-Quali-Spiel gegen Polen.
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Die Südamerika-Tour 1970/71 stellte diesbezüglich einen besonderen Höhepunkt dar, welcher beinahe fatale Folgen für ganz Fußball-Deutschland gehabt hätte. Vom 30. Dezember 1970 bis zum 14. Januar 1971 absolvierte der damals im Vergleich zu heute wesentlich kleinere Profikader des FC Bayern insgesamt sechs Freundschaftsspiele in Argentinien (gegen die dortige Nationalmannschaft), Peru, Kolumbien und Mexiko.
FC-Bayern-Legende Gerd Müller hätte beinahe früh DFB-Karriere beendet In jener Zeit uferten solche Partien in südlichen Ländern, auch in Europa, nicht selten zu heiß umkämpften Prestigeduellen aus. Es ging regelmäßig temperamentvoll und hitzig zu – auf den Zuschauerrängen, aber auch auf dem Fußballplatz. Dabei hatte das zweite Spiel der damaligen Südamerikareise am 5. Januar 1971 in Lima gegen Universitario zusätzlich noch besondere Vorzeichen, an welche sich die älteren Fußballfans möglicherweise noch erinnern.
Bei der WM 1970 in Mexiko besiegte Deutschland im Spiel um den Gruppensieg Peru mit 3:1 – Gerd Müller schoss dabei die Südamerikaner mit einem lupenreinen Hattrick in der 1. Halbzeit quasi im Alleingang ab. Ob diese Niederlage den aus Peru stammenden Schiedsrichter Arturo Yamasaki dazu bewegt hatte, die deutsche Elf eine Woche später im Jahrhundertspiel gegen Italien im WM-Halbfinale (3:4 n.V.) derart zu verpfeifen, wie es selten in einem wichtigen Spiel der Fußballgeschichte vorgekommen ist, bleibt offen.
Kane nicht mal in der Top 10? Die besten Torjäger der Champions-League-Historie Gerd Müller – der Bomber der Nation. 570 Tore schoss der 2021 verstorbene Müller während seiner Profi-Laufbahn, davon 34 im Europapokal der Landesmeister. Dafür benötigte er nur 35 Spiele. © imago sportfotodienst Edinson Cavani ist einer der erfolgreichsten Torjäger Uruguays. Er erzielte 35 Treffer in seiner CL-Laufbahn für Vereine wie die SSC Neapel, PSG und Manchester United. © imago sportfotodienst 36 Tore im damaligen Europapokal der Landesmeister erzielte die ungarische Legende Ferenc Puskás. Bei Real Madrid ging der Ungar sehr erfolgreich auf Torejagd, gewann mit den Madrilenen dreimal den Europa-Pott. © IMAGO Sergio „Kun“ Agüero lief in der Champions League für Manchester City, Atletico Madrid und ein einziges Mal für Barcelona auf, erzielte dabei in 79 Spielen 41 Tore. © imago sportfotodienst Alessandro Del Piero – eine italienische Torjägerlegende bei Juventus Turin. Er schoss in der Königsklasse insgesamt 42 Tore für die alte Dame. Alessandro Del Piero – eine italienische Torjägerlegende bei Juventus Turin. Er schoss in der Königsklasse insgesamt 42 Tore für die alte Dame. © imago sportfotodienst Der französische Offensivspieler Antoine Griezmann glänzt vor allem mit guter Technik und Tor-Gefährlichkeit und erzielte bis dato 43 CL-Treffer. Aktiv war er schon für den FC Barcelona, Real Sociedad und spielt derzeit bei Atlético Madrid. Der französische Offensivspieler Antoine Griezmann glänzt vor allem mit guter Technik und Tor-Gefährlichkeit und erzielte bis dato 43 CL-Treffer. Aktiv war er schon für den FC Barcelona, Real Sociedad und spielt derzeit bei Atlético Madrid. © Acero Neymar Jr., das ehemalige brasilianische Top-Talent, kam vor seinem Wechsel in die Saudi Pro League 2023 auf 43 Königsklasse-Treffer im Dress von Barcelona & PSG. Er konnte den Hype um seine Person sportlich nie voll und ganz erfüllen. Neymar Jr., das ehemalige brasilianische Top-Talent, kam vor seinem Wechsel in die Saudi Pro League 2023 auf 43 Königsklasse-Treffer im Dress von Barcelona & PSG. Er konnte den Hype um seine Person sportlich nie voll und ganz erfüllen. © Anthony BIBARD 44 CL-Treffer erzielte der ivorische Stürmer Didier Drogba, vor allem im Dress des FC Chelsea. 2012 wurde er zum Bayern-Schreck, als er im „Finale Dahoam“ in München kurz vor Schluss zum Ausgleich köpfte und anschließend den letzten Treffer im Elfmeterschießen beisteuerte. 44 CL-Treffer erzielte der ivorische Stürmer Didier Drogba, vor allem im Dress des FC Chelsea. 2012 wurde er zum Bayern-Schreck, als er im „Finale Dahoam“ in München kurz vor Schluss zum Ausgleich köpfte und anschließend den letzten Treffer im Elfmeterschießen beisteuerte. © imago sportfotodienst Bayern-München-Stürmer Harry Kane ist auf dem besten Weg, seine bisherigen 45 CL-Tore noch deutlich in die Höhe zu treiben. Stand jetzt ist der extrem torgefährliche Engländer allerdings „nur“ auf Rang 17 der All-Time-Scorer. Bayern-München-Stürmer Harry Kane ist auf dem besten Weg, seine bisherigen 45 CL-Tore noch deutlich in die Höhe zu treiben. Stand jetzt ist der extrem torgefährliche Engländer allerdings „nur“ auf Rang 17 der All-Time-Scorer. © IMAGO/Ulmer Der Italienischer Knipser schoss 46 CL-Tore in seiner Laufbahn, für die AC Milan und Juventus Turin. Er glänzte oft mit seiner überragenden Effektivität vor dem Tor. Der italienische Knipser schoss 46 CL-Tore in seiner Laufbahn für die AC Milan und Juventus Turin. Er glänzte oft mit seiner überragenden Effektivität vor dem Tor. © IMAGO / Buzzi Eusébio ging in seiner gesamten Landespokalmeister-Laufbahn nur für Benfica Lissabon auf Torejagd und erzielte 46 Tore. Unter anderem auch deswegen gilt der „Schwarze Panther“ auch noch nach seinem Tod (2014) als portugiesische Legende. Eusébio ging in seiner gesamten Landespokalmeister-Laufbahn nur für Benfica Lissabon auf Torejagd und erzielte 46 Tore. Unter anderem auch deswegen gilt der „Schwarze Panther“ auch noch nach seinem Tod (2014) als portugiesische Legende. © IMAGO/BILDBYRÅN Andriy Shevchenko war mit seinen 48 Toren unter anderem für Dynamo Kyiv, AC Milan & Chelsea erfolgreich. Der Stil des Ukrainers war technisch stark und torgefährlich. Andriy Shevchenko war mit seinen 48 Toren unter anderem für Dynamo Kyiv, AC Milan & Chelsea erfolgreich. Der Stil des Ukrainers war technisch stark und torgefährlich. ©
IMAGO / Ulmer Ebenfalls 48 Tore (bisher) schoss der ägyptische Superstar vom FC Liverpool: Mohamed Salah. Der Flügelspieler ist bekannt für Tempo, Technik und große Tore in der Champions League. Ebenfalls 48 Tore (bisher) schoss der ägyptische Superstar vom FC Liverpool: Mohamed Salah. Der Flügelspieler ist bekannt für Tempo, Technik und große Tore in der Champions League. © David Blunsden Zlatan Ibrahimović schoss 48 Tore in der Königsklasse. Der torgefährliche Schwede war unter anderem bei Ajax Amsterdam, Juventus Turin, Inter Mailand, FC Barcelona, PSG, Manchester United und der AC Milan aktiv. Zlatan Ibrahimović schoss 48 Tore in der Königsklasse. Der torgefährliche Schwede war unter anderem bei Ajax Amsterdam, Juventus Turin, Inter Mailand, FC Barcelona, PSG, Manchester United und der AC Milan aktiv. © imago sportfotodienst Die Ikone von Real Madrid schlechthin – Alfredo Di Stefano. Er war 49 Mal als Torschütze erfolgreich. Damals noch im „Europapokal der Landesmeister“. Die Ikone von Real Madrid schlechthin – Alfredo Di Stefano. Er war 49 Mal als Torschütze erfolgreich. Damals noch im „Europapokal der Landesmeister“. © imago stock&people 50 CL-Treffer gehen auf das Konto von Thierry Henry. Die französische Legende spielte beim FC Arsenal, später für den FC Barcelona. Er kombinierte Tempo, Technik und Abschluss-Power. 50 CL-Treffer gehen auf das Konto von Thierry Henry. Die französische Legende spielte beim FC Arsenal, später für den FC Barcelona. Er kombinierte Tempo, Technik und Abschluss-Power. © imago sportfotodienst Erling Braut Haaland hat eine irre Statistik: 54 Tore in 52 Champions-League-Spielen (Stand: November 2025). Trotz seines jungen Alters spielte er schon für drei Vereine in der Königsklasse – für RB Salzburg, Borussia Dortmund und Manchester City. Erling Braut Haaland hat eine irre Statistik: 54 Tore in 52 Champions-League-Spielen (Stand: November 2025). Trotz seines jungen Alters spielte er schon für drei Vereine in der Königsklasse – für RB Salzburg, Borussia Dortmund und Manchester City. © IMAGO/Conor Molloy 56 Tore schoss der holländische Top-Stürmer Ruud van Nistelrooy für die PSV Eindhoven, Manchester United und Real Madrid. Später spielte „Van the Man“ auch in der Bundesliga – für den Hamburger SV. 56 Tore schoss der holländische Top-Stürmer Ruud van Nistelrooy für die PSV Eindhoven, Manchester United und Real Madrid. Später spielte „Van the Man“ auch in der Bundesliga – für den Hamburger SV. ©
IMAGO / Claus Bergmann Mit 57 Toren in der Königsklasse ist Thomas Müller der erfolgreichste deutsche Torschütze des Wettbewerbs. Der vielseitige Offensivakteur spielte, vor seinem Wechsel in die MLS, ausschließlich für Bayern München und ist bekannt für seine cleveren Raum-Bewegungen. Mit 57 Toren in der Königsklasse ist Thomas Müller der erfolgreichste deutsche Torschütze des Wettbewerbs. Der vielseitige Offensivakteur spielte, vor seinem Wechsel in die MLS, ausschließlich für Bayern München und ist bekannt für seine cleveren Raum-Bewegungen. © IMAGO/Heuler Andrey Kylian Mbappé, das Jahrhundertalent aus Frankreich. Der 26-Jährige erzielte bis dato 60 Treffer in der Champions League. Er hat noch viele Jahre Karriere vor sich und könnte die CL-Spitze noch herauszufordern. Kylian Mbappé, das Jahrhunderttalent aus Frankreich. Der 26-Jährige erzielte bis dato 60 Treffer in der Champions League für die AS Monaco, PSG und Real Madrid. Er hat noch viele Jahre seiner Karriere vor sich und könnte die CL-Spitze noch herauszufordern. © IMAGO/Ruben Albarran Raúl gilt als einer der größten Angreifer, die je für Real Madrid gespielt haben. Der Spanier erzielte 71 CL-Tore für die Los Blancos. Er absolvierte 142 Spiele im Wettbewerb, neben Real Madrid auch für Schalke 04. Dort wurde er vor allem „Señor“ genannt. Raúl gilt als einer der größten Angreifer, die je für Real Madrid gespielt haben. Der Spanier erzielte 71 CL-Tore für die Los Blancos. Er absolvierte 142 Spiele im Wettbewerb, neben Real Madrid auch für Schalke 04. Dort wurde er vor allem „Señor“ genannt. © imago sportfotodienst Mit 90 Toren zählt Karim Benzema zu den wenigen, die überhaupt 90er-Marke in der Königsklasse erreichten. Fünfmal durfte er den Henkelpott in den Himmel heben, jedes Mal mit Real Madrid. Außerdem lief er in der Champions League noch für Olympique Lyon auf. Mit 90 Toren zählt Karim Benzema zu den wenigen, die überhaupt die 90er-Marke in der Königsklasse erreichten. Fünfmal durfte er den Henkelpott in den Himmel heben, jedes Mal mit Real Madrid. Außerdem lief er in der Champions League noch für Olympique Lyon auf. © IMAGO/Lefevre Sylvain/ABACA Polens erfolgreichstem Torjäger gelangen insgesamt 105 Tore in der Königsklasse. Dort lief er für Borussia Dortmund, Bayern München und den FC Barcelona auf und feierte mit den Bayern 2020 seinen einzigen CL-Titel. Polens erfolgreichstem Torjäger gelangen insgesamt 105 Tore in der Königsklasse. Dort lief er für Borussia Dortmund, Bayern München und den FC Barcelona auf und feierte mit den Bayern 2020 seinen einzigen CL-Titel. © imago sportfotodienst Auf Platz 2 steht der Zweite im Bunde der GOAT-Debatte. Lionel Messi erzielte 129 Tore in insgesamt 163 CL-Spielen für den FC Barcelona und später Paris Saint-Germain. Er gewann viermal den Henkelpott. Auf Platz 2 der Torjägerliste steht Lionel Messi. Der Argentinier erzielte 129 Tore in insgesamt 163 CL-Spielen für den FC Barcelona und später für Paris Saint-Germain. Er gewann viermal den Henkelpott und ist einer der erfolgreichsten CL-Spieler aller Zeiten. © ALTERPHOTOS via www.imago-images.de CR7 steht mit 140 Toren unangefochten auf Platz 1. Er prägte die Champions League über Jahre hinweg, schoss Tore für Manchester United, Real Madrid und Juventus Turin. Seine langlebige Konstanz und seine Finalerfolge (fünfmal Champions League Sieger) machten ihn zur lebenden Legende. CR7 steht mit 140 Toren unangefochten auf Platz 1. Er prägte die Champions League über Jahre hinweg, schoss Tore für Manchester United, Real Madrid und Juventus Turin. Seine langlebige Konstanz und seine Finalerfolge (fünfmal Champions League Sieger) machen ihn zur lebenden Legende. © imago sportfotodienst Die Kritik aus Deutschland an Yamasaki war jedenfalls gewaltig. Was ein halbes Jahr später bei jenem Spiel Universitario Lima gegen Bayern am 5. Januar 1971 tatsächlich ganz genau auf dem Feld passierte, bleibt das Geheimnis der Beteiligten und Augenzeugen. Aber natürlich hatte schon damals in Fußball-Deutschland jeder seine eigene Perspektive bzw. auch Vereinsbrille zu den Geschehnissen.
Höchstwahrscheinlich dürfte der peruanische Schiedsrichter Lubo bei einem extrem hitzigen Spiel Gerd Müller und Charly Mrosko auf Seiten des FC Bayern vom Platz gestellt haben, was von den Verantwortlichen des FCB jedoch beharrlich bestritten wurde. Hintergrund der Posse: Der DFB konnte damals auch Sperren für Pflichtspiele nach Feldverweisen in Freundschaftsspielen aussprechen. Feste Regeln gab es hierzu offensichtlich nicht, die DFB-Handhabung erschien willkürlich.
Gerd Müller wurde in Lima wegen einer angeblichen Tätlichkeit des Feldes verwiesen. Sämtliche Berichte erwähnen, dass er bei seiner Aktion einen Ellbogencheck eines Universitario-Spielers gegen Rainer Zobel gerächt haben soll – bei der zu sanktionierenden Aktion Müllers gingen die Meinungen allerdings weit auseinander: „Schubser “ oder „Schlag “. Auffallend war die extreme Polemik und Parteilichkeit der damals berichtenden deutschen Presse, der heutige Rekordmeister polarisierte schon damals.
Müller mit Rücktritts-Androhung erfolgreich: Segen für Fußball-Deutschland Dabei war keiner der zum Teil scharf kritisierenden Journalisten selbst in Lima anwesend. Es folgte eine über viermonatige Posse von Januar bis Mai 1971, die sich vor allem um Señor Lubo drehte. Dieser wurde vom DFB mehrmals zu Verhandlungsterminen in der Angelegenheit eingeladen, verspürte aber offensichtlich nicht die geringste Lust, diesen Einladungen nach Deutschland zu folgen.
Wie die DFB-Gerichtsbarkeit letztendlich zum harten Urteil von acht Wochen Sperre für Gerd Müller und drei Wochen für Mrosko kam, bleibt in allen Berichten unerwähnt. Der Zeitpunkt war auf alle Fälle brutal: Es war der 24. Mai 1971 – die letzten beiden entscheidenden Meisterschaftsspiele und das Pokalendspiel am 19. Juni standen noch aus.
Die Deutsche Meisterschaft verlor der FC Bayern folglich – ohne den Bomber der Nation – am letzten Spieltag mit einem 0:2 beim MSV Duisburg, nachdem man noch mit einem Tor Vorsprung auf den Titel-Konkurrenten Borussia Mönchengladbach in dieses finale Spiel gegangen war.
Für das Pokalendspiel gegen den 1. FC Köln wollten die Bayern aber unbedingt noch die Spielberechtigung für Gerd Müller erwirken und legten ein Gnadengesuch ein. Müller selbst fuhr dabei harte Geschütze auf und drohte mit einem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft, für welche seine Tore immer wichtiger wurden.
Graf, Nowitzki und Schumacher: Die größten deutschen Sportlegenden Den Anfang bei den größten deutschen Sportlegenden macht „der Kaiser“: Wie kaum ein anderer prägte die 2024 verstorbene „Lichtgestalt“ dank seiner Eleganz die Fußball-Geschichte über die Grenzen von Deutschland hinaus – und das auch über seine aktive Spielerkarriere hinaus. Als eine von nur drei Personen wurde Franz Beckenbauer als Spieler (1974) und als Trainer (1990) Weltmeister. © Ulmer/IMAGO Der Tennis-Boom in Deutschland trägt seinen Namen: Als jüngster Spieler der Geschichte gewann Boris Becker 1985 im Alter von nur 17 Jahren das altehrwürdige Wimbledon-Turnier – der erste Grand-Slam-Titel eines deutschen Spielers. Es folgten für den einzigen deutschen Weltranglisten-Ersten fünf weitere Triumphe bei den bedeutendsten Turnieren der Welt und eine olympische Goldmedaille im Doppel. Auch der ein oder andere private Fauxpas kann nicht am Vermächtnis des Blondschopfes rütteln. © IMAGO Der wohl berühmteste Schnauzer der deutschen Handball-Geschichte gehört Heiner Brand. Wie der Kaiser wurde der mitunter knurrig wirkende Oberberger als Spieler und als Trainer Weltmeister – dies ist in der Historie des Handballs bislang noch keinem zweiten gelungen. Für seine illustre Karriere, in der er insgesamt 27 hochkarätige Titel gewinnen sollte, wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande (2007) ausgezeichnet. © Camera 4/JIM/IMAGO Eine echte Ikone seines Sports ist Waldemar Cierpinski. Der Marathon-Läufer prägte die späten 70er- und frühen 80er-Jahre seiner Disziplin. Als nur einer von drei Sportlern konnte der DDR-Langstreckenläufer zwei olympische Goldmedaillen (1976 & 1980) gewinnen. Nach der Wende tauchte sein Name jedoch in Akten zur Aufarbeitung des staatlichen Zwangsdopings in der DDR auf. © WEREK/IMAGO Heike Drechsler (Weitsprung) Bis heute gilt Heike Drechsler als eine der erfolgreichsten Weitspringerin der Geschichte. In ihrer aktiven Karriere gewann die in Gera geborene Leichtathletin 27 internationale Medaillen und stellte einen damaligen Weltrekord mit 7,48 Metern auf. Ihre größten Erfolge feierte Drechsler bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona und 2000 in Sydney, als sie jeweils die Goldmedaille in ihrer Disziplin gewann. © Sven Simon/IMAGO Birgit Fischer (Kanu) Die Königin des Kajaks: Birgit Fischer. Über 24 Jahre dominierte die Kanutin in ihrer Sportart. Bei ihren sechs olympischen Teilnahmen von 1980 bis 2004 sammelte die Brandenburgerin acht Gold- und vier Silbermedaillen und wurde darüber hinaus unglaubliche 27-mal Weltmeisterin. Bis 2024 war die erfolgreichste Kanurennsportlerin aller Zeiten auch die erfolgreichste Olympionikin Deutschlands. © Camera 4/IMAGO Steffi Graf (Tennis) Geschichte schrieb Steffi Graf im Jahre 1988: Als erste – und einzige – Tennis-Spielerin gewann die Mannheimerin den Golden Slam, bestehend aus Triumphen in den vier Grand-Slam-Turnieren und dem Finale bei den Olympischen Spielen. Bereits im Alter von 14 Jahren hatte sie erklärt, die Nummer eins werden zu wollen. Ein Traum, den sich die 22-malige Grand-Slam-Siegerin wie keine andere je erfüllte. Ganze 377 Wochen (über sieben Jahre) führte sie die Weltrangliste an – bis heute Rekord. Ihre unvergleichliche Karriere beendete die Tennis-Legende 1999 im Alter von 30. © Sven Simon/IMAGO Sven Hannawald (Skispringen) Geschichte schrieb auch Sven Hannawald in seinem Sport. Wie einige andere Deutsche in ihrer Disziplin durfte der Skispringer einen bis dato nie dagewesenen Erfolg bejubeln. Bei der Vierschanzentournee im Winter 2001/02 gewann der heutige TV-Experte alle vier Springen und sicherte sich den sogenannten „Grand Slam“. Hannawald, der während seiner aktiven Zeit an Burnout erkrankte, engagiert sich seit seinem Karriereende 2004 gesellschaftlich und versucht durch seine Erfahrungen anderen Menschen zu helfen. © Ulmer/IMAGO Armin Hary (100 Meter Sprint) Ein Deutscher als König der Sprinter: Trotz einer kurzen sportlichen Laufbahn avancierte Armin Hary zu einem der bedeutendsten Sprinter der 60er-Jahre. Auf einer Aschebahn (!) stellte der gebürtige Saarbrückener einen neuen Weltrekord auf: Als erster Sprinter brauchte Hary 1960 über 100 Meter nur 10,0 Sekunden. Wenig später folgten zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in Rom, ehe er 1961 im Alter von 24 Jahren aufgrund einer Knie-Verletzung sowie eines Streits mit einem Funktionär seine Karriere beendete. © imago sportfotodienst Bernhard Kempa (Handball) Bernhard Kempa ist ein Pioneer des Handballs. Der „Monsieur Handball“ – oder „Kaiser“ des Handballs – war seinerzeit als bester und vielseitigster Spieler der Welt bekannt, insbesondere sein Spielwitz machten den zweimaligen Weltmeister (1952 & 1955) zum Aushängeschild. Sein Vermächtnis dürfen die Fans bis heute noch in den Hallen der Welt bewundern. Die 2017 im Alter von 96 Jahren verstorbene Legende ist Begründer des nach ihm benannten „Kempa-Trick“, bei dem der Werfer einen Pass im Sprung fängt und noch in der Luft abschließt. © imago sportfotodienst Bernhard Langer (Golf) Sein Leben hat Bernhard Langer dem Golf gewidmet. Bereits 1976 feierte der zweifache Major-Sieger sein Debüt auf der Pro Tour – und denkt auch fünf Jahrzehnte später nicht ans Aufhören. Durch seinen Erfolg 2023 bei den Senior Majors, für Teilnehmer über 50 Jahre, ist „Mister Consistency“ der erfolgreichste Spieler auf der Champions Tour. Darüber hinaus etablierte Langer als Teil der sogenannten „Big Five“ Europa als würdigen Kontrahenten im Ryder Cup. © Kolvenbach/IMAGO Lothar Matthäus (Fußball) Mit 150 Einsätzen ist Lothar Matthäus der Rekordspieler der deutschen Nationalmannschaft und schrieb als Kapitän sowie Regisseur im Mittelfeld der Weltmeister-Mannschaft von 1990 Geschichte. Der Mittelfranke, der schon in seiner sportlichen Laufbahn kein Blatt vor den Mund genommen hat, wurde 1990 als „Weltsportler des Jahres“ und ein Jahr später als „FIFA-Weltfußballer des Jahres“ ausgezeichnet. Im Jahre 2018 wurde Matthäus als einer der ersten in die Hall of Fame des deutschen Fußballs aufgenommen. © imago sportfotodienst Ulrike Meyfarth (Hochsprung) Bis heute ist Ulrike Meyfarth noch immer die jüngste Olympiasiegerin in einer Leichtathletik-Einzeldisziplin. Im Alter von 16 Jahren gewann die Hochspringerin 1972 bei den Olympischen Spielen in München die Gold-Medaille. Ihren sensationellen Triumph wiederholte die Frankfurterin, die in ihrer Karriere mehrere Weltrekorde aufgestellt hatte, zwölf Jahre später in Los Angeles und gewann erneut Gold. © imago sportfotodienst Rosi Mittermaier (Ski Alpin) Die Ski beherrschte Rosi Mittermaier wie kaum eine andere. Die stets bodenständige und herzliche „Gold Rosi“ verzückte die deutschen Sportfans in den 70er Jahren. Bei den Olympischen Winterspielen 1976 in Innsbruck feierte die Hotelgehilfin ihre Sternstunde: Eine halbe Sekunde schneller als die Konkurrenz raste die damals 26-Jährige die Abfahrt hinunter. Es folgten die „Rosi Games“, wie ein englisches Medium danach titelt, im Slalom gewann Mittermaier die zweite Gold-Medaille und sicherte sich Silber im Riesenslalom. Insbesondere ihr gesellschaftliches Engagement zeichnet die Sportikone nach ihrer aktiven Karriere aus. © Sven Simon/IMAGO Gerd Müller (Fußball) 365 Tore in 427 Bundesliga-Spielen – oder kurz: der Bomber der Nation. Sein wichtiges Tor wird der im Jahre 2021 verstorbene Gerd Müller jedoch im WM-Finale 1974 geschossen haben, durch das Deutschland 20 Jahre nach dem Wunder von Bern zum zweiten Mal Weltmeister wurde. Sein scheinbar uneinholbare Rekord mit 40 Toren in einer Bundesliga-Saison wurde zwar von Robert Lewandowski gebrochen, doch auch ohne diesen wird der viermalige Deutsche Meister für immer als Legende in die Annalen des deutschen Fußballs eingehen. Und für immer mit dem Sprichwort „Tore aus allen Lagen“ verknüpft sein. © imago sportfotodienst Magdalena Neuner (Biathlon) Mit ihren Erfolgen machte Magdalena Neuner den Biathlon zu einem Volkssport – und das, obwohl die Biathletin bereits im Alter von 25 Jahren ihre sportliche Karriere beendete. In nur sechs Jahren im Weltcup sammelte sie zwei olympische Gold-Medaillen, zwölf Weltmeister-Titel (Rekord) und gewann dreimal den Gesamt-Weltcupsieg. Neben einem Platz in der Hall of Fame des deutschen Sports ist Neuner auch als deutsche Biathlon-Königin bekannt. © imago sportfotodienst Dirk Nowitzki (Basketball) Pioneer-Arbeit leistete auch Dirk Nowitzki: Als erster deutscher Spieler wechselte die Basketball-Legende aus Europa in die NBA. 21 Saisons absolvierte „Dirkules“ in der besten Basketball-Liga der Welt und verhalf dem Basketball in Deutschland zu größerer Popularität. Als Big-Man mit Stretching-Ability revolutionierte der gebürtige Würzburger das Spiel in der NBA. Insbesondere sein Signature Move, der Fade-Away, bei dem er sein Knie anzog und sich im Wurf nach hinten fallen ließ, machten den MVP der Saison 2007 zu einem der gefürchteten Gegenspieler. Seine Stellung als einer der besten Basketballspieler aller Zeiten verfestigte Nowitzki auch dank des NBA-Titels, zu dem Nowitzki die Mavericks 2011 führte. © imago sportfotodienst Kirstin Otto (Schwimmen) Historische Olympische Spiele erlebte Kirstin Otto 1988 in Seoul: Die Schwimmerin gewann im Becken gleich sechs Goldmedaillen – zuvor hatte dies noch nie eine Athletin vollbracht. Besonders imponierend hierbei war, dass sie ihre Triumphe in drei verschiedenen Disziplinen (Freistil, Rücken und Schmetterling) erzielte. Nach ihrem Karriereende ist die erfolgreichste deutsche Schwimmerin der Sportwelt erhalten geblieben. Als Moderatorin und Redakteurin begleitet sie immer noch Sportgroßereignisse. © imago sportfotodienst Claudia Pechstein (Eisschnelllauf) Als deutsche Rekord-Olympionikin ist Claudia Pechstein bei ihrem Karriereende im Alter von 53 Jahren in die Annalen eingegangen: 30 Jahre nach ihrem Debüt in Albertville folgte für die Eisschnellläuferin bei ihrer achten Teilnahme 2022 in Pyeongchang der Abschied von der olympischen Bühne. In dieser Zeit durfte die Berlinerin neun Olympia- sowie 42 WM-Medaillen bejubeln. Dennoch wurde ihre lange Karriere nicht von Kontroversen verschont. 2009 wurde Pechstein wegen angeblichen Dopings für zwei Jahre gesperrt, erst 16 Jahre später (2025) konnte der Streit beigelegt werden. © Ding Xu/IMAGO Birgit Prinz (Fußball) Eine der bedeutendsten Figuren des deutschen Frauenfußballs ist Birgit Prinz: Als Kapitänin und Gesicht der deutschen Nationalmannschaft prägte die Stürmerin die erfolgreichste Zeit des DFB maßgeblich mit. Deutschlands Rekord-Spielerin und -Torjägerin (128 Tore in 214 Spielen) führte die DFB-Auswahl zu zwei Weltmeister- und fünf Europameisterschaftstiteln. In den Jahren 2003 bis 2005 wurde sie zudem dreimal hintereinander zur Weltfußballerin gewählt und wurde mittlerweile zur Ehrenspielführerin ernannt. © Ulmer/IMAGO Max Schmeling (Boxen) Mehr als nur ein Boxer war Max Schmeling (li.). Der einzige deutsche Boxweltmeister aller Klassen, von 1930 bis 1932 war Schmeling Weltmeister im Schwergewicht, absolvierte 70 Kämpfe (56 Siege). Insbesondere seine Duelle mit Joe Louis (re.) sollten eine entscheidende Rolle einnehmen. Den haushoch favorisierten Louis verpasste Schmeling 1936 die erste – von insgesamt nur drei – Niederlagen. Ein Triumph, der auch sein Leben verändern sollte. Fortan ein Idol, benutzte das NS-Regime den Boxer für Propaganda, doch Schmeling bewahrte die Distanz. Wie erst im Jahre 1989 bekannt wurde, versteckte der Boxer zu Zeiten der Novemberpogrome zwei jüdische Jugendliche und ermöglichte ihnen die Flucht. Auch nach der Kriegszeit war der Boxweltmeister ein Aushängeschild für gesellschaftliche Werte: Der Einsatz für bedürftige Menschen und Fairplay waren bis zu seinem Tod 2005 ein großer Teil seines Lebens. © Sven Simon/IMAGO Michael Schumacher (Formel 1) Nicht nur eine der bekanntesten Sportpersönlichkeiten Deutschlands, sondern der Welt, ist Michael Schumacher. Mit seinen Erfolgen machte der Rennfahrer in seinem roten Ferrari die Bundesrepublik zur Formel-1-Nation. Sieben Weltmeistertitel – geteilter Rekord mit Lewis Hamilton – feierte die Ikone zwischen 1994 und 2004. Seit seinem schweren Skiunfall 2013 lebt „Schumi“ zurückgezogen. © HochZwei/IMAGO Kristina Vogel (Bahnrad) Resilienz, Einsatz und vor allem Zuversicht machen die Bahnradfahrerin Kristina Vogel aus: Am Höhepunkt ihrer sportlichen Laufbahn wird die zweimalige Olympiasiegerin jäh gestoppt. Nur kurze Zeit nach ihren Weltmeistertiteln zehn und elf – geteilter Rekord mit der Australierin Anna Meares – erlitt Vogel bei einem Trainingsunfall eine schwere Wirbelsäulenverletzung; nach wochenlangem Überlebenskampf ist die ehemalige Weltklasse-Athletin aufgrund einer Querschnittslähmung auf einen Rollstuhl angewiesen. Doch davon lässt sie sich nicht ausbremsen. Sie engagiert sich als Trainerin, TV-Expertin und sogar Kommunalpolitikerin im Stadtrat Erfurts und ist für alle Menschen ein Vorbild – egal, ob mit oder ohne Handicap. © Foto Olimpik/Imago Isabell Werth (Dressurreiten) Seit den Sommerspielen von Paris ist Isabell Werth die erfolgreichste deutsche Olympionikin. In der französischen Hauptstadt sicherte sich die Reiterin ihre achte olympische Gold- und sechste Silber-Medaille, womit sie Birgit Fischer ablöste. Die studierte Juristin blickt zudem auf neun Weltmeister- und 21 Europameister-Titel. Damit ist sie zudem die erfolgreichste Dressurreiterin weltweit. © imago sportfotodienst Katarina Witt (Eiskunstlauf) Ihr Charme machte Eiskunstläuferin Katarina Witt zu einem Weltstar. Die Olympiasiegerin von Sarajevo (1984) und Calgary (1988) bezauberte vor allem durch ihre B-Note und ihrer künstlerischen Freiheiten. Zudem ließ sie sich bereits zu DDR-Zeiten nicht sagen, was sie zu tun hatte. So gewann die in der Nähe von Berlin geborene Witt unter anderem als Schauspielerin im Film „Carmen on Ice“ einen Emmy. © imago sportfotodienst Dieses Druckmittel kochte den vorher so harten DFB offensichtlich weich: Müllers Sperre endete einen Tag vor dem DFB-Pokalfinale gegen den 1. FC Köln in Stuttgart, welches die Bayern letztendlich auch ohne ein Müller-Tor mit 2:1 n.V. gewannen. Die FCB-Torschützen hießen damals Franz Beckenbauer und Edgar Schneider.
Dass Gerd Müller bei einer fortbestehenden Sperre tatsächlich seine sagenhafte Länderspielkarriere (68 Tore in 62 Spielen) bereits 1971 beendet hätte, bleibt zu bezweifeln. Ganz auszuschließen ist es jedoch nicht: Denn nach dem WM-Triumph 1974 beendete er 28-jährig seine Nationalmannschaftskarriere, entnervt vom antiquierten Deutschen Fußballverband, abrupt.
Ob Fußball-Deutschland ohne seinen größten Torjäger aller Zeiten den Gewinn der Europameisterschaft 1972 und den der Weltmeisterschaft 1974 hätte bejubeln können, muss jedenfalls sehr stark bezweifelt werden. In einem Pflichtspiel wurde der eigentlich als ruhig und besonnen geltende Gerd Müller übrigens nur ein einziges Mal vom Platz gestellt: Am 7. Dezember 1968.
Und zwar nach einer Tätlichkeit an einer späteren FCB-Legende, die damals noch bei Hannover 96 kickte: Jupp Heynckes. Auch dafür war der Bomber für satte acht Wochen gesperrt worden, die in der Meisterschaft souverän führenden Bayern kamen daraufhin stark ins Straucheln, feierten am Saisonende jedoch trotzdem die erste Bundesliga-Meisterschaft und das erste Double der Vereinsgeschichte – und Gerd Müller wurde trotz langer Sperre mit 30 Toren Torschützenkönig.
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