VonIngo Durstewitzschließen
Der Sportvorstand Markus Krösche ist unter Druck, einen Klasse-Stürmer zu verpflichten - und tut gut daran, sich vom Markt nicht treiben zu lassen. Ein Kommentar.
Bei Eintracht Frankfurt ist mächtig Bewegung auf dem Stürmerkarussell. Lucas Alario, den Ex-Knipser von trauriger Gestalt, zieht es nach Brasilien. Rafael Borré, ohnehin schon ausgeliehen an Werder Bremen, würde sich dem Kollegen Alario gerne anschließen und ebenfalls ab sofort für Porto Alegre stürmen. Die Eintracht wäre fein mit beiden Personalien, könnte sogar eine Stange Geld rausschlagen. Sie überlegt darüber hinaus, Jessic Ngankam auf Leihbasis andernorts zu parken, damit der Glücklos-Stürmer Spielpraxis sammeln und ins Rollen kommen kann.
Alle Stürmer also gefühlt auf dem Absprung. Aber wo bleiben die Zugänge, die dringend benötigt werden? Gerade im Angriff?
Mit dem 21-jährigen Rafiu Durosinmi schien ja alles klar, doch der Junge von Viktoria Pilsen sollte fast zehn Millionen kosten, ist körperlich aber offenbar nur bedingt tauglich für den Hochleistungssport. Hätte man vielleicht auch vorher feststellen können. Der Transfer liegt auf Eis.
Alle Augen auf Sasa Kalajdzic
Also alle Augen auf Sasa Kalajdzic, den Ex-Stuttgart-Riesen von den Wolverhampton Wanderers. Der 26-Jährige wäre eine gute Option, damit könnte man leben in Frankfurt. Aber klappt der Deal mit den Wolves? Oder zaubert Krösche noch einen anderen Hochkaräter aus dem Hut?
Fakt ist: Die Zeit drängt. Der Handlungsdruck ist hoch. Jeder Tag, der ohne einen gutklassigen Angreifer verstreicht, ist ein verlorener, zumal Omar Marmoush beim Afrika-Cup weilt. Trainer Dino Toppmöller muss den Neuen integrieren und mit seinen Ideen vertraut machen. Da ist jede Trainingseinheit hilfreich. Markus Krösche muss liefern, möglichst schnell, auf jeden Fall bis zum Spiel in Leipzig. Das steigt in nicht mal zehn Tagen.
Es grummelt ein wenig bei Eintracht Frankfurt
Denn es ist ja so: Der Sportchef hat nach dem Abgang von Randal Kolo Muani ganze vier Monate Zeit gehabt, um einen Nachfolger auszusuchen – im Grunde sogar noch länger. Nachdem Kolo im Februar 2023 seinen Berater ausgetauscht und den berüchtigten Moussa Sissoko engagiert hat, deutete alles auf einen Wechsel hin.
Entsprechend ist aktuell ein Grummeln und Rumoren im Umfeld der Eintracht zu vernehmen, weil eben noch immer kein Kolo-Ersatz da ist. Nervosität macht sich breit. Und auch Unverständnis.
Doch Krösches Job, das sollten die Bedenkenträger nicht außer Acht lassen, ist diffizil. Er hat das Problem, dass alle Vereine wissen, dass auf die Eintracht 95 Kolo-Millionen geregnet sind – die Monstersumme hatte sie ja sogar selbst veröffentlicht. Insofern werden nun ganz schöne Mondpreise aufgerufen, die Krösche nicht willens zu bezahlen ist. Gut so. Niemals sollte man sich raffgierigen Beratern oder Managern ausliefern. Die Branche ist schon schäbig genug.
Und er muss das Gehaltsgefüge im Auge behalten, das darf nicht aus dem Ruder laufen. Das ist schädlich und brandgefährlich, Neid und Missgunst können eine Kabine sprengen – und einen Verein in die Bredouille bringen, nämlich dann, wenn die Kosten exorbitant steigen und nicht mehr bedient werden können, weil der Erfolg ausbleibt. Viele Klubs sind auf diese Weise böse abgeschmiert und zahlen die Zeche heute noch – nicht selten in der zweiten Liga. Insofern ist Krösches Ansatz, sich nicht treiben und die unmoralischen Angebote sausen zu lassen, absolut richtig. Der kaufmännische Aspekt ist wichtig.
Klar ist trotzdem: Die Mannschaft braucht eine Qualitätssteigerung im Sturm. Besser heute als morgen. Daran wird sich Markus Krösche messen lassen müssen.
