VonFrank Hellmannschließen
Die deutschen Fußballerinnen haben den Anschluss an die Weltspitze verloren. Wieder wird Schweden zum Schreckgespenst - das ist kein Zufall. Ein Kommentar.
Frankfurt/Zürich – Es ist ja nicht so, dass es das deutsche Versagen in einem Klassiker des Frauenfußballs noch nicht gab. Natürlich hilft es Bundestrainer Christian Wück nicht, dass vor fast genau sechs Jahren ein noch wichtigeres Turnierspiel gegen Schweden nach ähnlichem Muster ablief. Das WM-Viertelfinale 2019 gegen den früheren Lieblingsgegner startete genauso furios wie jetzt das krachend verlorene EM-Gruppenspiel. Eine Woche lang hatte die damalige Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg über dem Matchplan getüftelt, nur um dann vieles über den Haufen zu werfen. Lina Magull schoss früh ein Tor – und dann kam in der Gluthitze von Rennes nicht mehr viel.
Die Arenen der Frauen-EM 2025 – Hier rollt der Ball bei der Women‘s EURO




Frauen-EM: DFB-Team nach Schweden-Pleite – Versagen mit Ansage
Die gleich zum WM-Start mit einem Zehenbruch ausgefallene Edeltechnikerin Dzsenifer Marozsan sollte in einem Spezialschuh noch helfen, dabei waren die Skandinavierinnen schon damals cleverer, robuster und konsequenter. Das überflüssige WM-Aus war damals ein schwerer Rückschlag, weil mit dem Reinfall auch die Olympia-Qualifikation flöten ging. Im Grunde hatte der Abstieg schon zwei Jahre zuvor unter der als Fußballlehrerin überforderten Steffi Jones angefangen, die bei der EM 2017 im Regen von Rotterdam gegen Dänemark (1:2) ebenfalls im Viertelfinale baden ging. Auch da nach gutem Beginn mit einem trügerischen Vorsprung.
Wenn sich solche Niederlagen als roter Faden durch die Geschichte einer stolzen Fußballnation ziehen, stimmt etwas nicht. Es kommt vieles zusammen, aber hinterfragt werden müssen Ausbildung, Haltung – und vielleicht auch die Unterbringung. Das Luxusquartier hoch oben über Zürich ist zwar toll anzusehen, vermittelt aber von außen ein falsches Bild.
DFB-Frauen: Noch ist nichts verloren - aber der Abstand zur Spitze wird größer
Die DFB-Frauen sind, darüber darf auch die mit ordentlich Glück und einer überragenden Torhüterin Ann-Katrin Berger erkämpfte Bronzemedaille in Paris nicht hinwegtäuschen, nicht mehr Weltspitze. Der Rückstand gerade auf die Weltmeisterinnen aus Spanien ist gewachsen, obwohl bei der EM 2022 die damalige Bundestrainerin Voss-Tecklenburg sich erst gegen Spanien, dann Frankreich perfekte Pläne zurechtlegte, um individuell besser besetzte Kontrahenten in England in die Knie zu zwingen.
Das Erfolgsrezept: Räume verdichten, Passwege zustellen, Zweikämpfe gewinnen. Wück darf sich diese leidenschaftlichen Auftritte vor dem EM-Viertelfinale 2025 ruhig noch mal ansehen. Noch ist nicht alles verloren. Aber ein erneutes Versagen unter seiner Regie darf es nicht mehr geben, sonst müsste eine ergebnisoffene Aufarbeitung dieses Turniers auf allen Ebenen folgen.
Rubriklistenbild: © peter-juelich.com/Sebastian Christoph Gollnow/dpa

