Keine Nachwuchsstars beim FC Bayern

Rekordmeister FC Bayern: Fünf Ursachen für den anhaltenden Talent-Stau

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Der FC Bayern kämpft mit erheblichen Problemen bei der Nachwuchsförderung. Absolut Fussball zeigt die vielschichtigen Ursachen auf.

München – Letztens bekam Ewald Lienen in seinem Podcast einen Wutanfall und vernichtete die Jugendarbeit des FC Bayern. Allerdings war „Zettel-Ewald“ über das Ziel hinausgeschossen.

Denn der FC Bayern bildet sehr wohl junge Spieler aus, die zu Profis werden und auch in der Bundesliga Stammspieler sind. Man nehme als Beispiel Marco Friedl, Kapitän von Werder Bremen. Allerdings schafften es in den vergangenen 15 Jahren nur selten Jugendspieler des FC Bayern, sich auch in der Profimannschaft der Münchner zu etablieren.

Musiala-Drama in Bildern: Katastrophen-Verletzung ist der nächste Rückschlag für den Bayern-Star

Willian Pacho will Jamal Musialas bei der Klub-WM vom Ball abdrängen, Gianluigi Donnarumma klemmt das Bein des FCB-Stars ein.
Der tragische Moment: Als Jamal Musiala im Strafraum mit aller Macht den Ball erreichen will, wirft sich Gianluigi Donnarumma ins Getümmel und begräbt dabei den linken Unterschenkel des Bayern-Stars unter sich. © Peter Zay/IMAGO
Jamal Musiala verletzt sich beim Klub-WM-Viertelfinale zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern schwer.
Schmerzverzerrtes Gesicht: Jamal Musiala spürt noch in der Bewegung, dass seinem Bein etwas Schlimmeres zugestoßen ist. © Rich von Biberstein/Icon Sportswire/IMAGO
Jamal Musiala nach dem Zweikampf mit Gianluigi Donnarumma beim Klub-WM-Viertelfinale gegen Paris.
Man mag kaum hinschauen: Jamal Musialas linker Fuß steht deutlich nach links ab. Der Bayern-Star schreit auf. © Rich von Biberstein/Icon Sportswire/IMAGO
Jamal Musiala beim Klub-WM-Viertelfinale zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern München.
Jamal Musiala hält seinen linken Unterschenkel unter großen Schmerzen fest. © Rich von Biberstein/Icon Sportswire/IMAGO
Jamal Musiala liegt beim Klub-WM-Viertelfinale zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern München am Boden.
Paris-Verteidiger und Ex-Frankfurter Willian Pacho, der an der Szene mit Musiala und Donnarumma indirekt beteiligt war, kümmert sich um den Bayern-Star. © Malachi Gabriel/IMAGO
Sportvorstand Max Eberl beim Auswärtsspiel des FC Bayern in der Bundesliga bei RB Leipzig.
Sportvorstand Max Eberl ist der Meinung, dass Donnarumma hätte vorsichtiger vorgehen können: „Wenn ich mit 100 Kilo und einem Sprint auf den Unterschenkel draufspringe, ist die Gefahr groß, dass etwas passiert. Das ist kein Vorwurf, ich möchte das jetzt nicht als Vorwurf verstanden haben.“ © Frank Hoermann/SVEN SIMON/IMAGO
Jamal Musiala und Alphonso Davies bei den Meisterfeierlichkeiten des FC Bayern.
Der ebenfalls verletzte Bayern-Linksverteidiger Alphonso Davies reagierte während des Klub-WM-Viertelfinales in seinem Twitch-Livestream völlig geschockt auf die Verletzung seines Mannschaftskollegen und Freundes Jamal Musiala. „Oh mein Gott, nein! Nein, nein, nein!“, schrie der Kanadier vor seinem Rechner. © Markus Ulmer/IMAGO
Jamal Musiala verletzt sich beim Klub-WM-Viertelfinale zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern.
Jamal Musiala beißt vor Schmerz förmlich in den Rasen des Mercedes-Bank Stadium. © Latin Sport Images/IMAGO
Gianluigi Donnarumma nach dem Zweikampf mit Jamal Musiala beim Klub-WM-Viertelfinale zwischen Paris und Bayern.
Gianluigi Donnarumma weiß im Spiel nicht so recht mit der Situation umzugehen. Im Nachlauf des Klub-WM-Viertelfinales entschuldigte sich der italienische Nationaltorhüter bei Jamal Musiala mit den Worten: „Alle meine Gebete und guten Wünsche sind bei dir, Jamal Musiala.“ © Latin Sport Images/IMAGO
Manuel Neuer beim Klub-WM-Viertelfinale zwischen Paris und Bayern.
Manuel Neuer übte nach dem verlorenen Klub-WM-Viertelfinale deutliche Kritik an Donnarumma: „Das ist schon risikofreudig. Da nimmt man die Verletzung des Gegenspielers – das kann auch ein Mitspieler sein – in Kauf. Ich bin dann zu ihm hingegangen und habe gefragt: ‚Willst du nicht mal eben hingehen? Der Jamal liegt da.‘ Da gehört es sich aus Respekt, dahinzugehen, ihm alles Gute zu wünschen und ein kleines Sorry dazulassen. Daraufhin ist er dann auch zu Jamal gegangen.“ © Brett Davis/IMAGO
Joshua Kimmich und Kingsley Coman schauen sich die schlimme Verletzung von Jamal Musiala an.
Können es nicht fassen: Musialas Teamkollegen Joshua Kimmich und Kingsley Coman schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. © Rich von Biberstein/Icon Sportswire/IMAGO
Jamal Musiala wird nach seiner schweren Verletzung gegen Paris von der medizinischen Abteilung betreut.
Während Jamal Musiala langsam auf eine Trage gelegt wird, checkt Bayern-Teamarzt Dr. Jochen Hahne das linke Sprunggelenk des Offensivspielers. © Peter Zay/IMAGO
Vincent Kompany und Michael Olise beim Klub-WM-Viertelfinale gegen Paris Saint-Germain.
Vincent Kompany und Michael Olise blicken schockiert auf die Verletzung von Jamal Musiala. Nach dem Spiel zeigte sich Bayerns Cheftrainer sauer, dass ausgerechnet Musiala, der sich gerade erst aus einer Verletzung zurückgekämpft hatte, so ein Pech hat: „Es gibt viele Dinge im Leben, die wichtiger sind. Aber Jamal lebt für den Fußball, er kämpft sich zurück - und dann passiert sowas. Man fühlt sich machtlos. Es macht mich wütend, dass es jemandem wie ihm passiert ist.“ © Latin Sport Images/IMAGO
Jamal Musiala liegt beim Klub-WM-Viertelfinale gegen PSG auf einer Trage.
Der Schock ist aus Musialas Gesicht zu lesen. © Peter Zay/IMAGO
Joshua Kimmich nach der Verletzung von Jamal Musiala beim Klub-WM-Viertelfinale zwischen Paris und Bayern.
Joshua Kimmich hält sich die Hände vor sein Gesicht. Der Führungsspieler der Münchener ahnte offenbar, wie lange Schlüsselspieler Musiala fehlen würde. © BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg/IMAGO
Jamal Musiala wird beim Klub-WM-Viertelfinale zwischen Paris und Bayern vom Rasen gebracht.
Jamal Musiala wird vom Platz getragen. Bayerns Teamarzt ist natürlich an der Seite des Nationalspielers. © BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg/IMAGO
Der schwer verletzte Jamal Musiala wird von Sanitätern auf einer Liege abtransportiert.
Jamal Musiala versteckt sich unter seinem Trikot und wird von den Sanitätern auf eine Art Golfcart überführt. © Latin Sport Images/IMAGO
Jamal Musiala in den Katakomben beim Klub-WM-Viertelfinale zwischen Paris und Bayern.
Teamarzt Dr. Jochen Hähne begleitet den schwer verletzten und auf einem Golfcart liegenden Jamal Musiala in die Katakomben des Mercedes-Bank Stadium. © Latin Sport Images/IMAGO
Thomas Müller beim Klub-WM-Viertelfinale gegen Paris.
„Der Junge hat die letzten Monate wirklich einen harten Weg hinter sich. (...) Wir haben ja auch alle ein persönliches Verhältnis zu ihm. Wir leben nicht wie Roboter nebeneinander. Das war schon ein harter Moment in der Halbzeit“, sagte Thomas Müller nach Abpfiff über den Verletzungsschock. © Scott W. Coleman/IMAGO
Vincent Kompany und Jamal Musiala beim Auswärtsspiel des FC Bayern in Augsburg.
Auch für den Cheftrainer nicht einfach: Vincent Kompany muss nicht zum ersten Mal im Jahr 2025 auf Jamal Musiala verzichten. © Bernd Feil/M.i.S./IMAGO
Jamal Musiala wird von den Mannschaftsarzten beim Bundesliga-Spiel in Augsburg gestützt.
Jamal Musialas „Leidensweg“, wie Thomas Müller sagt, beinhaltete unter anderem einen Muskelbündelriss im April 2025 beim Bundesliga-Spiel in Augsburg. Der Dribbelkünstler fehlte den Bayern rund 70 Tage. © imageBROKER/Michael Weber/IMAGO
Jamal Musiala sitzt verletzt auf dem Rasen der WWK Arena in Augsburg.
Jamal Musiala mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Rasen sitzend in Augsburg. © JOERAN STEINSIEK/IMAGO
Jamal Musiala verletzt sich beim Bundesliga-Spiel des FC Bayern in Augsburg.
Wenn der Oberschenkel zumacht: Jamal Musiala verletzt sich beim Bundesliga-Spiel gegen den FC Augsburg. © Ulrich Wagner/IMAGO
Jamal Musiala bei einem individuellen Training am Trainingszentrum an der Säbener Straße.
Da musste Jamal Musiala schon einige Male durch: ein individuelles Training an der Säbener Straße im Mai 2025. © Mladen Lackovic/IMAGO
Jamal Musiala bei einer individuellen Einheit auf dem Trainingsgelände des FC Bayern.
Wie lange wird Musiala dieses Mal nach seiner Horror-Verletzung gegen PSG in der Klub-WM ausfallen? Die Münchener gehen nach der erfolgreichen Operation, die am Montag, 7. Juli, erfolgte, von mehreren Monaten Pause aus. Musiala soll jedoch bereits am 8. Juli mit der Reha beginnen. © Mladen Lackovic/IMAGO

Die Ursachen sind vielfältig. Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, nennt die wesentlichen Gründe:

1. Die Trainer

Vincent Kompany ist der aktuelle Trainer des FC Bayern. Wie viele seiner Vorgänger muss er darauf achten, Titel einzufahren. Wenn der Coach auf die Stars und etablierten Spieler setzt, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich größer, wieder Erfolg zu haben. So gehört es zur Strategie des jungen Belgiers, nahezu immer die besten Profis auf den Platz zu schicken und keine Experimente zu wagen. Zumindest die Rückeroberung der Meisterschale bestätigt Kompany in seiner Strategie. Denn Erfolg hat beim deutschen Rekordmeister Priorität.

2. Die Stars

Talente haben meist dann eine größere Chance, sich in einer Mannschaft zu integrieren, wenn ein Team in einer Krise steckt. Denn dann können Trainer, Manager und Funktionäre sinngemäß argumentieren: Es läuft nicht wie gewünscht, wir müssen etwas ändern und geben Talenten eine Chance. Wenn dagegen eine Mannschaft (fast) immer Erfolg hat und mit die besten Einzelspieler in der Bundesliga (und in Europa) besitzt, ist es für den Trainer schwer zu begründen, einem Talent den Vorzug zu geben. Schließlich hat Qualität in einem Leistungssport Vorrang.

Adam Aznou im Duell mit Joshua Kimmich. Aznou will den FC Bayern verlassen, wenn er nicht mehr Einsatzzeit erhält.

3. Das Geld

In diesem Zusammenhang spielt auch Geld eine Rolle. Ein Star, der 100 Millionen Euro Ablöse gekostet hat oder 20 Millionen Euro pro Jahr an Gehalt verdient, kann nicht einfach für Talentförderung auf die Ersatzbank gesetzt werden. Das wäre absolute Geldverschwendung und würde schnell alle Beteiligten unter Rechtfertigungsdruck setzen.

4. Der Teufelskreis für Talente beim FC Bayern

Für die Talente des FC Bayern entsteht ein Teufelskreis. Die 2. Mannschaft spielt in der Regionalliga, nicht in der 3. Liga. Das Leistungsniveau ist ein ganz anderes als bei den Profis. In der Folge lautet die Verlegenheitslösung oftmals, die Talente zu verleihen. Doch bei anderen Klubs, die in der 2. Liga spielen oder in der 1. Liga im Abstiegskampf stecken, herrscht eine andere Struktur und Mentalität vor. Die Talente der Münchner entfernen sich meist dadurch noch mehr vom FC Bayern und verlieren den Anschluss.

Talent Paul Wanner wurde auch mehrfach vom FC Bayern verliehen.

5. Die Konkurrenz

Dieser Teufelskreis spricht sich bei den Talenten im Bundesgebiet und ihren Beratern natürlich herum, weshalb die besten Jugendspieler oftmals zu anderen Klubs wie der TSG 1899 Hoffenheim wechseln. Bei den Sinsheimern ist der Weg zu einem Stammplatz bei einem etablierten Bundesligaklub einfacher.

Der FC Bayern wiederum muss dann auf dem ausländischen Markt zugreifen und holt sich noch ungeduldigere Talente, die sich mit dem Klub und der Region wenig identifizieren und schnell mit einem Abgang drohen, wenn es nicht schnell nach oben geht.

Generell sind damit die Grundzüge in der mit vielen Problemen behafteten Talentförderung des FC Bayern beschrieben. Ausnahmen bestätigen die Regel etwa mit Josip Stanisic und Aleksandar Pavlovic, die mittlerweile Nationalspieler von Kroatien beziehungsweise Deutschland sind und zum Stammkader des FC Bayern zählen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mladen Lackovic

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