Denn der FC Bayern bildet sehr wohl junge Spieler aus, die zu Profis werden und auch in der Bundesliga Stammspieler sind. Man nehme als Beispiel Marco Friedl, Kapitän von Werder Bremen. Allerdings schafften es in den vergangenen 15 Jahren nur selten Jugendspieler des FC Bayern, sich auch in der Profimannschaft der Münchner zu etablieren.
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Die Ursachen sind vielfältig. Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, nennt die wesentlichen Gründe:
1. Die Trainer
Vincent Kompany ist der aktuelle Trainer des FC Bayern. Wie viele seiner Vorgänger muss er darauf achten, Titel einzufahren. Wenn der Coach auf die Stars und etablierten Spieler setzt, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich größer, wieder Erfolg zu haben. So gehört es zur Strategie des jungen Belgiers, nahezu immer die besten Profis auf den Platz zu schicken und keine Experimente zu wagen. Zumindest die Rückeroberung der Meisterschale bestätigt Kompany in seiner Strategie. Denn Erfolg hat beim deutschen Rekordmeister Priorität.
2. Die Stars
Talente haben meist dann eine größere Chance, sich in einer Mannschaft zu integrieren, wenn ein Team in einer Krise steckt. Denn dann können Trainer, Manager und Funktionäre sinngemäß argumentieren: Es läuft nicht wie gewünscht, wir müssen etwas ändern und geben Talenten eine Chance. Wenn dagegen eine Mannschaft (fast) immer Erfolg hat und mit die besten Einzelspieler in der Bundesliga (und in Europa) besitzt, ist es für den Trainer schwer zu begründen, einem Talent den Vorzug zu geben. Schließlich hat Qualität in einem Leistungssport Vorrang.
In diesem Zusammenhang spielt auch Geld eine Rolle. Ein Star, der 100 Millionen Euro Ablöse gekostet hat oder 20 Millionen Euro pro Jahr an Gehalt verdient, kann nicht einfach für Talentförderung auf die Ersatzbank gesetzt werden. Das wäre absolute Geldverschwendung und würde schnell alle Beteiligten unter Rechtfertigungsdruck setzen.
4. Der Teufelskreis für Talente beim FC Bayern
Für die Talente des FC Bayern entsteht ein Teufelskreis. Die 2. Mannschaft spielt in der Regionalliga, nicht in der 3. Liga. Das Leistungsniveau ist ein ganz anderes als bei den Profis. In der Folge lautet die Verlegenheitslösung oftmals, die Talente zu verleihen. Doch bei anderen Klubs, die in der 2. Liga spielen oder in der 1. Liga im Abstiegskampf stecken, herrscht eine andere Struktur und Mentalität vor. Die Talente der Münchner entfernen sich meist dadurch noch mehr vom FC Bayern und verlieren den Anschluss.
Dieser Teufelskreis spricht sich bei den Talenten im Bundesgebiet und ihren Beratern natürlich herum, weshalb die besten Jugendspieler oftmals zu anderen Klubs wie der TSG 1899 Hoffenheim wechseln. Bei den Sinsheimern ist der Weg zu einem Stammplatz bei einem etablierten Bundesligaklub einfacher.
Der FC Bayern wiederum muss dann auf dem ausländischen Markt zugreifen und holt sich noch ungeduldigere Talente, die sich mit dem Klub und der Region wenig identifizieren und schnell mit einem Abgang drohen, wenn es nicht schnell nach oben geht.
Generell sind damit die Grundzüge in der mit vielen Problemen behafteten Talentförderung des FC Bayern beschrieben. Ausnahmen bestätigen die Regel etwa mit Josip Stanisic und Aleksandar Pavlovic, die mittlerweile Nationalspieler von Kroatien beziehungsweise Deutschland sind und zum Stammkader des FC Bayern zählen.