Hat Plettenberg Recht?

Sind die massiven Sorgen um den FC Bayern München gerechtfertigt?

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Der FC Bayern ist deutscher Meister, doch es läuft an vielen Stellen nicht rund. Ist ein Abwärtstrend bei Deutschlands Nummer eins zu erkennen?

München – Transfer-Guru Florian Plettenberg war zuletzt sehr besorgt um die Lage beim FC Bayern. Der Top-Journalist wünschte den Münchnern, „wieder auf den richtigen Pfad“ zurückzukommen.

Die Frage, die sich viele Beobachter rund um den FC Bayern stellen: Können die Münchner in Europa nicht mehr mithalten und droht auch ihre Stellung im deutschen Fußball zu schwinden?

Die großen Probleme des FC Bayern

Denn die Probleme des deutschen Rekordmeisters wirken riesig. Eine Auswahl:

Trainer Vincent Kompany ist jung und unerfahren. Der Belgier versucht mit zwei Kniffen, seinen Job abzusichern: Immer die besten Spieler aufstellen – und physisch seine Stars bis zum Umfallen (oder einer Verletzung) laufen zu lassen.

Doch geht das auf Dauer gut?

Jamal Musialas Weg zur 10: Die entscheidenden Momente seiner Karriere

 Der entscheidende Transfer
Mit nur 16 Jahren wagte Musiala den mutigen Schritt von Chelsea zum FC Bayern München für 200.000 Euro Ablöse. Eine strategische Familienentscheidung, die den Grundstein für seinen kometenhaften Aufstieg legte. © imago images/Eibner
Profidebüt & erste Rekorde
Am 20. Juni 2020 wurde Musiala mit 17 Jahren und 115 Tagen zum jüngsten Bundesliga-Spieler der Bayern-Geschichte. Sein Debüt gegen Freiburg war der offizielle Eintritt in die Geschichtsbücher des Vereins. © imago images/kolbert-press
Das erste Tor, der erste Rekord
Beim 8:0-Kantersieg gegen Schalke erzielte Musiala sein erstes Bundesligator und pulverisierte mit 17 Jahren und 205 Tagen den 20 Jahre alten Rekord von Roque Santa Cruz. Der Beweis, dass aus dem Talent eine sofortige Bedrohung für jeden Gegner geworden war. © imago images/MIS
Der erste Start in der Champions League
Am 1. Dezember 2020 vertraute Hansi Flick dem 17-jährigen Musiala einen Startelfeinsatz gegen Atlético Madrid an. Ein gewaltiger Vertrauensbeweis in einem der schwierigsten Auswärtsspiele Europas. © imago images/Agencia EFE
Die Weggabelung einer Karriere
Am 24. Februar 2021 entschied sich Musiala nach intensivem Werben für die deutsche Nationalmannschaft statt England. Eine Bauchgefühl-Entscheidung, die sein internationales Vermächtnis definierte, bevor es richtig begonnen hatte. © IMAGO/Kessler-Sportfotografie
Ein europäischer Meilenstein
Mit seinem Tor gegen Lazio Rom wurde Musiala mit 17 Jahren und 363 Tagen zum jüngsten Champions-League-Torschützen der Bayern-Geschichte. Seine Ankunft auf der Weltbühne vor globalem Publikum. © imago images/LaPresse
Debüt bei einem großen Turnier
Bei der EURO 2020 wurde Musiala mit 18 Jahren und 117 Tagen zum jüngsten deutschen Spieler bei einem großen Turnier. Sein entscheidendes Dribbling gegen Ungarn rettete Deutschland ins Achtelfinale. © imago images/Eibner
Das erste Länderspieltor
Am 11. Oktober 2021 erzielte Musiala sein erstes Tor für Deutschland gegen Nordmazedonien. Mit 18 Jahren und 227 Tagen wurde er zum zweitjüngsten Torschützen der DFB-Geschichte. © imago images/Matthias Koch
Das entscheidende Tor im Klassiker
Musialas Treffer zum 3:1 gegen Borussia Dortmund am 23. April 2022 war mehr als nur ein Tor - es war der Moment, der die historische zehnte Meisterschaft in Folge sicherte. In dem Spiel traf ausgerechnet das Gesicht der nächsten Generation. © IMAGO/RHR-Foto
Die Krönung zur 10. Meisterschaft
Nach dem entscheidenden Sieg gegen Dortmund feierte Musiala mit seinen Teamkollegen die historische zehnte deutsche Meisterschaft in Folge. Ein symbolischer Akt der Staffelübergabe, der zeigte, dass die Zukunft des Vereins in ebenso fähigen Händen lag. © IMAGO/Sven Simon
Eine herausragende WM-Leistung
Bei der WM 2022 in Katar war Musiala der überragende deutsche Akteur trotz des Gruppenphasen-Aus. Seine 12 erfolgreichen Dribblings gegen Costa Rica stellten einen Teenager-Rekord bei Weltmeisterschaften auf. © IMAGO/BSR Agency
Deutschlands Nationalspieler des Jahres 2022
2022 wurde Musiala erstmals zu Deutschlands Nationalspieler des Jahres gewählt. Eine frühe Anerkennung seines außergewöhnlichen Talents und seiner wachsenden Bedeutung für die Nationalmannschaft trotz seines jungen Alters. © IMAGO/ActionPictures
Das Meistertor von Köln
In der 89. Minute des letzten Spieltags der Saison 2022/2023 zirkelte Musiala den Ball gegen Köln ins lange Eck und entriss Dortmund die schon sicher geglaubte Meisterschaft. Sein „Aguero-Moment“ - ein Treffer, der in die Ewigkeit eingehen wird. © IMAGO/RHR-Foto
Die dramatischste Meisterfeier
Nach seinem Last-Minute-Siegtor brachen alle Dämme - Musiala feierte mit seinen Teamkollegen die wohl dramatischste Meisterschaft der Bayern-Geschichte. Ein Titel, der in der allerletzten Minute einer chaotischen Saison gerettet wurde und ihn bei den Fans unsterblich machte. © IMAGO/Eibner
Anerkennung unter Gleichaltrigen
2023 wurde Musiala sowohl bei der Kopa Trophy als auch beim Golden Boy Award Zweiter hinter Jude Bellingham. Die formelle Anerkennung als einer der beiden besten jungen Fußballer der Welt. © IMAGO/Xinhua
Der erste Hattrick bei den Profis
Beim 4:0-Pokalsieg gegen Mainz erzielte Musiala am 30. Oktober 2024 seinen ersten Profi-Hattrick. Der Beweis seiner Entwicklung zu einer rücksichtslosen und dominanten Tormaschine. © IMAGO/HJS
Der Star der EURO 2024 - Auf dem Platz
Bei der Heim-EM 2024 dominierte Musiala mit drei entscheidenden Toren gegen Schottland, Ungarn und Dänemark die deutsche Offensive. Er trug die Hoffnungen einer ganzen Nation auf seinen Schultern und lieferte spektakulär ab. © IMAGO/Moritz Müller
Der Goldene Schuh - Die Krönung
Als einer der Torschützenkönige der EURO 2024 erhielt Musiala den Goldenen Schuh und wurde damit offiziell als bester Torjäger des Turniers ausgezeichnet. Die persönliche Wiedergutmachung nach der WM-Enttäuschung von 2022 war perfekt. © IMAGO/Sven Simon
Der Distanz-Donnerschlag
Im Spiel gegen St. Pauli 2024 offenbarte Musiala eine neue Waffe mit einem brutalen 25-Meter-Schuss an die Unterkante der Latte. Der greifbare Beweis seiner kontinuierlichen Entwicklung zu einem noch kompletteren Torjäger. © IMAGO/Lobeca
Deutschlands Nationalspieler des Jahres 2024
2024 erhielt Musiala erneut die Auszeichnung als Deutschlands Nationalspieler des Jahres nach seiner herausragenden EURO-Leistung im eigenen Land. Die Bestätigung seiner Rolle als unumstrittener Fahnenträger und bester deutscher Fußballer seiner Generation. © IMAGO/Laci Perenyi
Der neue Vertrag
Am 14. Februar 2025 unterschrieb Musiala einen Vertrag bis 2030 mit 25 Millionen Euro Jahresgehalt und 175 Millionen Euro Ausstiegsklausel. Die Krönung zum unantastbaren Eckpfeiler des FC Bayern für das nächste Jahrzehnt. © IMAGO/Sven Simon
Hattrick auf der Weltbühne
Bei der FIFA Klub-WM 2025 erzielte Musiala einen Hattrick gegen Auckland City und erreichte seine persönliche Bestmarke von 20 Saisontoren. Ein weiterer Baustein seiner internationalen Marke auf globaler FIFA-Bühne. © IMAGO/Agencia EFE
Triumph bei der Klub-WM
Nach dem dominanten 10:0-Sieg gegen Auckland City feierten Musiala und seine Bayern-Teamkollegen den perfekten Start in die neu formatierte FIFA Klub-Weltmeisterschaft. Ein Moment des kollektiven Triumphs auf der größten Klubbühne der Welt. © IMAGO/Beautiful Sports
Das Erbe einer Ikone
Im Juli 2025 übernahm Musiala die legendäre Rückennummer 10 beim FC Bayern München, die zuvor von Ikonen wie Arjen Robben und Lothar Matthäus getragen wurde. Die ultimative Bestätigung seines Status als kreativer Herzschlag und unumstrittener Talisman der Mannschaft - ein Mantel der Verantwortung, den nur die größten Bayern-Legenden trugen. © FC Bayern
Die Reifung zum Anführer
Um 2025 herum ist Musialas Transformation vom Wunderkind zum unumstrittenen Anführer abgeschlossen. Er spricht offen davon, „eine Ära beim FC Bayern prägen“ zu wollen - die Sprache eines wahren Führungsspielers. © IMAGO/Sven Simon

Max Eberl ist unter Zugzwang

Sportvorstand Max Eberl macht seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2024 auch keine besonders gute Figur. Die Trainersuche war zeitweise peinlich, bis er Kompany als Kandidat Nummer sieben den Zuschlag gab.

Die Spieler tanzten ihm bei Vertragsverlängerungen auf der Nase herum, zugleich bekam er wenige Stars im Formtief los und holte nur einen Treffer mit Flügelstürmer Michael Olise neu zur Mannschaft dazu.

Talente werden kaum gefördert beim FC Bayern

In Sachen Talentförderung kommt der FC Bayern auch kaum voran. Viele Spieler wurden zu Abstiegskandidaten in 1. und 2. Liga ausgeliehen und nicht in die Mannschaft eingebunden. Mega-Talente wie Paul Wanner oder Lennart Karl haben kaum Perspektive.

Kein Wunder, dass nun auch Sportdirektor Christoph Freund angezählt wird, der mit seinem Wissen aus dem Red-Bull-Imperium eigentlich den FC Bayern in diesem Bereich top hätte aufstellen sollen.

Nur einen Titel in zwei Jahren

Die Titelbilanz der Münchner ist folgerichtig mickrig. Der Klub will stets das Triple gewinnen, doch die vergangenen zwei Saisons gab es genau einen Erfolg: die deutsche Meisterschaft 2025.

In diesem Zusammenhang ist natürlich auch die Frage nach der Qualität der Spieler zu stellen. Viele von ihnen verdienen 15 bis 25 Millionen Euro pro Jahr, in entscheidenden Spielen und bei der Wahl zum Ballon d‘Or ist aber wenig von ihnen zu sehen.

Sind die Stars des FC Bayern überbezahlt? Bei vielen Stars muss man diese Frage bejahen.

Bayern-Trainer Vincent Kompany musste seine Mannschaft nach dem bitteren CL-Aus gegen Inter Mailand trösten.

Verletzungsmisere ist ein großes Problem beim FC Bayern

Oftmals wird angeführt, dass die Stars der Münchner durch viele und lange Verletzungen ihr Potenzial nicht abrufen können. Das ist sicherlich ein extra Thema in München.

Im Vergleich zu anderen europäischen Topklubs haben die Münchner über die Jahre sehr viele verletzte Spieler mit langen Ausfallzeiten. Tun die Profis nicht alles für ihre körperliche Gesundheit? Stimmt etwas in der medizinischen Abteilung nicht? Ist an den Rahmenbedingungen etwas zu verändern? Diese Fragen lassen die Münchner seit Jahren unbeantwortet.

Top-Stars wirken abgeschreckt von München

Im UEFA-Ranking steht der FC Bayern noch auf Platz zwei, doch auf dem Transfermarkt erhält man einen anderen Eindruck. Die Stars des Weltfußballs zeigen kein besonderes Interesse, nach München zu wechseln.

Die Mischung aus Top-Trainer, viel Geld, gute Rahmenbedingungen und Chancen auf große Titelgewinne wirkt nicht mehr ideal beim FC Bayern. Es schreckt eher ab.

Geldsorgen beim FC Bayern?

Hinzu kommt, dass der FC Bayern, zugegeben auf hohem Niveau, Geldsorgen hat. FC-Bayern-Patron Uli Hoeneß räumte unlängst ein, der Klub müsse überlegen, für Transfers vielleicht einen Kredit aufzunehmen.

Zu hohe Spielergehälter, einige Abfindungen für Trainerentlassungen, Transferflops wie Sacha Boey (30 Millionen Euro) und wenige Spielerverkäufe dürften die Schlussfolgerung aus der Aussage von Hoeneß sein.

Ehrenvorsitzender Uli Hoeneß wollte den FC Bayern erfolgreich an seine Nachfolger übergeben.

Kommt der 2012-Effekt beim FC Bayern zurück?

Allerdings sollte man den FC Bayern nie unterschätzen. Der deutsche Rekordmeister war fast immer in der Lage, mit einem Kraftakt innerhalb von wenigen Wochen die Situation komplett zu drehen.

Ein Paradebeispiel stammt vom Sommer 2012. Nach drei zweiten Plätzen planten die Münchner ihren Kader neu, redeten ihren Trainern und Spielern ins Gewissen und räumten danach alle Titel ab.

So bleibt die Frage: Verstehen die Münchner diesen Sommer wieder zu nutzen, um einen Umbruch und Aufbruch im Verein zu starten? Erst wenn diese Frage mit „nein“ zu beantworten ist, muss man sich Sorgen um den großen FC Bayern machen.

Rubriklistenbild: © M.i.S./imago

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