VonChristoph Klauckeschließen
Neue Wende im Betrugsdrama um Biathlon-Star Julia Simon. Die Französin erklärt ihre Unschuld. Mehr noch: Simon wurde offenbar Opfer eines „Identitätsdiebstahls“.
München – Sommerloch im Wintersport. Während sich die Athleten auf die anstehende Saison vorbereiten, entbrennt im Biathlon eine große Diskussion im Kreditkarten-Skandal um Julia Simon. Jetzt hat die Französin ihr Schweigen gebrochen. Simon streitet die Betrugsvorwürfe ab und stellt sich selbst als Opfer dar, sie habe Anzeige wegen Identitätsdiebstahls erstattet.
| Julia Simon | |
|---|---|
| Geboren: | 4. Juli 1996 (Alter 27 Jahre), Albertville, Frankreich |
| Nationalität: | Frankreich |
| Sportart: | Biathlon |
Biathlon-Ass Julia Simon bestreitet Betrugsvorwürfe
„Ich weise die Anschuldigungen absolut zurück. Deshalb muss ich meine Version der Tatsachen darlegen“, sagte die Biathlon-Gesamtweltcupsiegerin im Interview mit den französischen Zeitungen L‘Équipe und Le Dauphiné. Simon hat die Betrugsvorwürfe ihrer Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet vehement bestritten. Stattdessen sei auch sie mutmaßlich Opfer von Betrügern geworden und habe Anzeige wegen Identitätsdiebstahls erstattet, sagte die 26-Jährige.
Julia Simon wird vorgeworfen, die Kreditkarten von Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet und einem weiteren Mitglied der französischen Mannschaft illegal benutzt zu haben. Zugetragen hat sich der Vorfall bereits im vergangenen Sommer bei einem Rollerski-Event in Norwegen. Die Biathlon-Weltmeisterin soll die beiden Karten belastet und dafür ihren eigenen Computer samt Mailadresse genutzt haben, wodurch der Betrug auffiel. Nach Informationen der L‘Équipe versuchte Braisaz-Bouchet offenbar, die Angelegenheit im internen Kreis zu lösen und damit nicht zur Polizei zu gehen. Dieser Versuch scheiterte aber und die Teamkollegin von Simon reichte Klage ein.
Nach Betrugsdrama: Biathlon-Star Simon stellt Strafanzeige wegen „Identitätsdiebstahls“
Simon bestätigte, dass es drei identische Käufe gegeben habe. Das sei aber eher ein Hinweis, dass etwas mit den gegen sie erhobenen Vorwürfen nicht stimme.
„Es stimmt, dass mit der Kreditkarte Käufe in meinem Namen getätigt wurden. Sie sind sehr wohl Opfer, aber ich bin es auch. Ich glaube, dass meine Identität missbraucht wurde. Mein Name wurde ohne mein Wissen verwendet“, sagte die dreimalige WM-Medaillengewinnerin von Oberhof. Durch ihre Anzeige wegen Identitätsdiebstahls zeige sie, „dass auch ich unschuldig bin und versuche, die Wahrheit zu finden“. Die Ermittlungen zu dem Fall dauern an.
Die 18 erfolgreichsten deutschen Wintersportler des neuen Jahrtausends




Biathlon-Star Simon bricht ihr Schweigen und fordert Unschuldsvermutung
Der Betrugs-Skandal schlug im Biathlon und darüber hinaus hohe Wellen. Die Kritik war groß, auch eine Ski-Legende verurteilte Biathlon-Ass Simon.
„Ich sehe, was die Medien schreiben und dass die Fakten die ganze Zeit geschildert werden. Aber zu keinem Zeitpunkt hieß es, dass ich es womöglich gar nicht war, die es getan hat. Deswegen will ich selbst darüber reden und damit aufräumen. Mein Ziel ist es nicht, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen“, erklärte Simon, die „jetzt nicht mehr darüber reden will, nachdem ich meine Position klargemacht habe“. Mit ihrer Kollegin Braisaz-Bouchet habe es noch keine Aussprache gegeben.
Biathlon-Weltmeisterin Simon sucht Aussprache mit Braisaz-Bouchet
„Aber das ist etwas, was wir machen müssen. Ich gebe ihr nicht die Schuld. Ich kenne sie sehr gut, wir sind zusammen aufgewachsen. Wir hatten den gleichen Weg. Aber die Situation ist sehr traurig“, sagte Simon. „Ich hoffe, das wird unsere Karrieren nicht beeinflussen. Ich habe viel Respekt für Justine und fühle nicht, dass wir in einem Krieg sind, zumindest nicht von meiner Seite aus. Ich gebe ihr nicht die Schuld und verurteile sie nicht“.
Simon, die zuletzt nicht mehr im Kader stand und plötzlich von der Startliste verschwand, will nun ins Biathlon-Team Frankreichs zurückkehren – auch wenn das aus ihrer Sicht nicht einfach werden dürfte. „Ich hatte das Gefühl, dass sie sich über mich ärgern. Was vielleicht auch verständlich ist. Aber ich habe nichts getan“, meinte die Französin. Auch sie selbst habe in der ganzen Situation „Fehler gemacht“, gab Simon zu. So sei es etwa falsch gewesen, die Sache alleine regeln zu wollen. „Mein größter Fehler war, es am Anfang auf die leichte Schulter genommen und es gar nicht verstanden zu haben. Ich habe nicht realisiert, wie groß diese Story sein könnte. Ich hätte sofort Hilfe suchen sollen, von einem Anwalt zum Beispiel.“ (ck)
