Sollte das Weiterkommen gelingen, müsste Deutschland in dieser XXL-Ausgabe der WM laut Spielplan der Weltmeisterschaft 2026 noch fünf K.o.-Spiele gewinnen, bevor Kapitän Joshua Kimmich den begehrten Pokal in die Luft recken dürfte. Doch eins nach dem anderen: Zunächst gilt es, die Vorrunde erfolgreich zu bestreiten, was erfahrungsgemäß alles andere als ein Kinderspiel werden wird.
Deutschlands Gruppengegner bei der WM 2026 im Check
Den Deutschland-Fans werden die Endrunden 2018 und 2022 schließlich noch gut im Gedächtnis geblieben sein. In beiden Turnieren schied die Nationalmannschaft enttäuschend schon in der Gruppenphase aus. 2018 als Letzter hinter Schweden, Mexiko und Südkorea, 2022 als Dritter hinter Japan und Spanien. Die Vorrunde 2026 wird die DFB-Elf also sicherlich nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die deutschen Gruppengegner im Check.
DFB-Kader für die WM 2026: Wenn Nagelsmann heute nominieren müsste
Zum Gruppenauftakt spielt Deutschland am 14. Juni (19 Uhr deutscher Zeit) gegen Curacao. Der kleine Inselstaat aus der südlichen Karibik ist WM-Neuling und der große Außenseiter der Gruppe. Allein die Qualifikation ist schon eine echte Sensation, schließlich leben auf Curacao etwa so viele Menschen wie in Paderborn. Noch nie nahm ein Land mit einer geringeren Bevölkerung an einer Weltmeisterschaft teil.
Die fußballerische Geschichte Curacaos ist entsprechend übersichtlich. Erst 2011 bestritt die Nationalmannschaft ihr erstes Spiel, ihren größten Erfolg feierte sie im CONCACAF Gold Cup 2019, als erst im Viertelfinale gegen die USA Endstation war. Bei der WM würde indes jeder Punktgewinn als großer Erfolg gewertet werden.
DFB-Gegner im Check: Bei Curacao ist ein Ex-Bundesliga-Profi der Star
Personell ist der Kleinstaat etwas überraschend kein völlig unbeschriebenes Blatt. Das liegt vor allem daran, dass Curacao als Land zum Königreich der Niederlande gehört. Nur zwei der in der WM-Quali eingesetzten 30 Spieler wurden tatsächlich auf der Insel geboren, der Großteil ist gebürtig aus der Niederlande und spielte zu Teilen auch dort in den Jugend-Nationalmannschaften.
Der größte Star im Team ist Tahith Chong, der aktuell bei Sheffield United unter Vertrag steht. Früher spielte der Mittelfeldspieler bei Manchester United und war in der Saison 2020/21 an Werder Bremen ausgeliehen. Relativ prominent ist auch, der mittlerweile zurückgetretene Cheftrainer, Dick Advocaat. Er lenkte seit Anfang 2024 die fußballerischen Geschicke der Insel-Auswahl. Der 78-Jährige war auch schon Trainer der niederländischen Nationalmannschaft. Advocaat trat Ende Februar aus persönlichen Gründen zurück. „Ich habe immer gesagt, dass die Familie vor dem Fußball kommt“, erklärte Advocaat einer Mitteilung zufolge. „Das ist daher eine logische Entscheidung. Ich werde Curacao, die Menschen dort und meine Kollegen sehr vermissen. Dass wir uns als das jemals kleinste Land für die WM qualifiziert haben, ist eines der Highlights meiner Karriere.“
Advocaats Nachfolger als Nationaltrainer von Curacao ist Fred Rutten, ebenfalls ein ehemaliges Gesicht der Bundesliga. Rutten trainierte unter anderem Schalke 04. „Es ist eine Ehre, seine Arbeit fortzusetzen. Ich hab mich gründlich mit ihm und den Mitarbeitern ausgetauscht und werde seinen Weg fortsetzen. Curaçao kann von mir dieselbe Leidenschaft erwarten“, sagte er nach seiner Vorstellung.
Im zweiten Gruppenspiel trifft Deutschland am 20. Juni (22 Uhr) auf die Elfenbeinküste. Gegen die Ivorer hatte der DFB eigentlich ein Testspiel im März geplant. Nach der Auslosung wurde jedoch umgehend ein neuer Gegner gesucht. Die Elfenbeinküste hat deutlich mehr Erfahrung bei großen Turnieren vorzuweisen, kam bei Weltmeisterschaften aber noch nie über die Vorrunde hinaus.
DFB-Gegner im Check: RB-Youngster und United-Star bei der Elfenbeinküste
Deutschland spielte bisher erst einmal in einem Testspiel gegen den dreifachen Afrika-Cup-Sieger. 2009 gab es in Gelsenkirchen ein 2:2 – Lukas Podolski erzielte damals beide Treffer für Deutschland. Bei der WM visiert die Nagelsmann-Elf also ihren ersten Sieg über „die Elefanten“ an, die allerdings eine beachtliche Kader-Qualität mitbringen.
Beinahe auf jeder Position ist die Elfenbeinküste stark besetzt. Einen Superstar wie Nationalheld Didier Drogba gibt es aktuell zwar nicht, dafür finden sich zahlreiche hochtalentierte Stars europäischer Top-Mannschaften wie Bayern-Flirt Ousmane Diomande (Sporting Lissabon), RB-Leipzig-Juwel Yan Diomande oder Dribbelkünstler Amad Diallo (Manchester United) in den ivorischen Reihen wieder. An der Seitenlinie steht mit Emerse Faé aber ein relativ unerfahrener Trainer.
Zu guter Letzt spielt Deutschland am 25. Juni (22 Uhr) gegen Ecuador. Die Südamerikaner sind für das DFB-Team ein alter Bekannter: Schon bei der WM 2006 im eigenen Land traf Deutschland auf Ecuador, gewann damals ebenfalls in der Gruppenphase mit 3:0. 2013 gab es dann noch ein Freundschaftsspiel zwischen den beiden Ländern, das Deutschland mit 4:2 gewinnen konnte.
DFB-Gegner im Check: Ecuador bringt die beste Defensive der Gruppe
Ecuador könnte als letzter Gruppengegner besonders schwierig für Nagelsmann und Co. werden. Die Mannschaft folgt einem besonders defensiven Ansatz und setzt auf ein dichtes Abwehrbollwerk, das kaum zu knacken ist. 2025 fielen in zehn Spielen von Ecuador nur zehn Tore (7:3). Die stargespickten Weltklasse-Mannschaften von Brasilien und Argentinien blieben beide torlos.
Der Kader hat zwar nur wenige Star-Spieler, diese verleihen der Defensive aber ihre besondere Kraft. Die Innenverteidigung besteht mit Willian Pacho (PSG) und Piero Hincapie (Arsenal) aus zwei Weltklasse-Profis, ein dritter räumt in Moises Caicedo (Chelsea) auf der Sechs eine Position weiter vorne ab.
Trainer ist seit 2024 der Argentinier Sebastián Beccacece. Unter seiner Leitung ging von 16 Partien nur eine einzige verloren (0:1 gegen Brasilien). Außerdem spielte Ecuador sieben Mal 0:0 und kassierte im Schnitt nur 0,25 Gegentore pro Spiel. Heißt im Klartext: Deutschland muss im Duell mit „La Tri“ im Angriff sein absolutes A-Game auf den Platz bringen. (mbo/tu)