Transferpoker in München

Teure Spielerverträge beim FC Bayern: Was macht der Aufsichtsrat?

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Die Stars des FC Bayern feilschen um viel Geld. Zahlreiche Spieler verdienen pro Jahr 15 Millionen Euro plus X. Was tut das Kontrollgremium dagegen?

München – Joshua Kimmich soll rund 20 Millionen Euro verdienen und in den Vertragsverhandlungen mit dem FC Bayern auch nicht zu einem großen Gehaltsverzicht bereit sein, obwohl die Klubführung dieses Ziel anpeilt. Teamkollege Alphonso Davies hat diese Woche einen neuen Vertrag unterschrieben – mit einer saftigen Gehaltserhöhung.

Die Routiniers Thomas Müller und Manuel Neuer werden ebenfalls auf ein Jahresgehalt zwischen 15 und 20 Millionen Euro geschätzt. Und selbst Spieler wie Kingsley Coman und Leon Goretzka sollen sich bei 15 Millionen Euro Jahresgehalt bewegen, weshalb sie der FC Bayern nur schwer auf dem Transfermarkt verkaufen kann.

Eberl verweist auf die Vergangenheit

Im FC-Bayern-Kosmos wird regelmäßig darüber diskutiert, ob die Stars des FC Bayern überbezahlt sind – und welcher Verantwortliche in München diese ungesunde Gehaltsstruktur aufgebaut hat. Sportvorstand Max Eberl deutete zuletzt an, ohne Namen zu nennen, dass bei diesem Thema in der Vergangenheit Fehler gemacht wurden.

So landet man schnell bei Amtsvorgänger Hasan Salihamidžić. Doch selbst wenn der Bosnier bis 2023 in der Finanzpolitik womöglich eine gewagte Strategie verfolgt hat – es gibt beim FC Bayern zahlreiche Persönlichkeiten, die stets ihr Veto hätten einlegen können. Formal hat der FC Bayern als Kontrollgremium einen Aufsichtsrat installiert.

Neun Mitglieder im Aufsichtsrat

Darin sitzen neben Ehrenpräsident Uli Hoeneß und Klubpräsident Herbert Hainer Wirtschaftsbosse von großen Konzernen wie adidas und Telekom. Insgesamt sind es neun Mitglieder in diesem Gremium. Manche Aufsichtsräte besitzen vielleicht kein tiefes Verständnis von Fußball, aber in Sachen Finanzen und Personalführung gelten sie als Elite in Deutschland.

Warum konnte sich also Salihamidžić mit seiner Vorstellung durchsetzen, nahezu allen etablierten Spielern Langzeitverträge zu geben und auch noch Gehälter zuzugestehen, die es der hohen Anzahl nach nicht mal bei Real Madrid geben soll?

Fehler bei Hernandez?

Als eine Ursache für dieses Missmanagement gilt der Präzedenzfall Lucas Hernández. Der französische Weltmeister wurde vor der Coronazeit noch von Atlético Madrid verpflichtet und Salihamidžić sah enormes Potenzial in dem Weltmeister von 2018. Neben einer teuren Ablöse von rund 80 Millionen Euro soll auch das Jahresgehalt von Hernández bei rund 20 Millionen Euro, wenn nicht höher, gelegen haben.

Kingley Coman (l.) und Alphonso Davies gewannen 2020 die Champions League.

Hernández brachte allerdings nur durchschnittliche Leistungen beim FC Bayern, weil er oftmals verletzt war. In der Folge reklamierten jedoch andere Stars des FC Bayern diese Gehaltsmarke für sich – und dem war von Klubseite argumentativ kaum etwas entgegenzuhalten.

Stars vergolden Sieg in der Champions League

Eine weniger beachtete Theorie aus dem FC-Bayern-Umfeld besagt zudem: Viele dieser teuren Verträge wurden erst nach dem Jahr 2020 verhandelt und abgeschlossen. Die Spieler brachten deshalb in die Verhandlungen die zahlreichen Titelgewinne ein, allen voran den Champions League-Sieg 2020 und das Sextuple.

Da die Verantwortlichen die Lage so einschätzten, mit diesen Topstars regelmäßig um alle Titel mitzuspielen zu können, war der Aufsichtsrat offenbar bereit, die charmant vorgetragenen Wünsche von Sportvorstand Hasan Salihamidžić zu erfüllen.

Aufsichtsrat macht Druck

Dass der Aufsichtsrat des FC Bayern aber kein „Abnickgremium“ auf Ewigkeiten ist, das bekommt nun vor allem der aktuelle Sportvorstand Max Eberl zu spüren. Im Sommer 2024 scheiterte ein Transfer von Jonathan Tah aus Leverkusen wegen „nur“ fünf Millionen Euro Differenz. Im Kosmos des FC Bayern sind fünf Millionen Euro eine relativ geringe Summe bei Transfers.

Und Eberl bekommt weiterhin Druck! Denn sein Auftrag ist es auch, die Spielergehälter beim FC Bayern zu reduzieren und eine gesunde Hierarchie bei der Gehaltsstruktur einzuführen. Man könnte schlussfolgern: Auch die Aufsichtsräte des FC Bayern wissen, dass sie vielleicht in der Vergangenheit Fehler gemacht haben. Nun soll das Rad zurückgedreht werden. Wie das Beispiel von Alphonso Davies zeigt, ist das für alle Beteiligten nicht so einfach.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

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