Herz-Schreck im Training

Wunderkind der Frauen-WM trifft gegen Deutschland: Vor drei Tagen brach sie noch zusammen

  • schließen

Kolumbiens Wunderkind Linda Caicedo trifft gegen Deutschland zur Führung. Die 18-jährige Dribbelkünstlerin erlitt erst vor drei Tagen einen Zusammenbruch.

Update vom 30. Juli, 12.55 Uhr: Sie trifft auch gegen Deutschland. Kolumbiens Wunderkind Linda Caicedo hat bei der Frauen-WM im zweiten Gruppenspiel gegen die DFB-Elf den 1:0-Führungstreffer erzielt. In der 53. Minute kam die 18-Jährige von Real Madrid links im Strafraum an den Ball, wackelte mit einer blitzschnellen Körpertäuschung Svenja Huth und Sara Däbritz aus und schlenzte das Leder traumhaft rechts oben in den Knick. Dabei war Caicedo erst drei Tage zuvor im Training zusammengebrochen (siehe Erstmeldung).

Kolumbiens Wunderkind Linda Caicedo trifft bei der Frauen-WM gegen Deutschland.

Erstmeldung vom 27. Juli: Sidney – Schock bei der Frauen-WM: Die Kolumbianerin Linda Caicedo brach beim Training am Donnerstag zusammen, konnte die Einheit nach einer kurzen Behandlungspause aber fortsetzen. Dies berichteten mehrere kolumbianische Medien übereinstimmend. Kolumbien ist am Sonntag der zweite Gruppengegner der deutschen Nationalmannschaft.

Linda Caicedo
Geboren:22. Februar 2005 (Alter 18 Jahre), Cali, Kolumbien
Nationalmannschaft:Kolumbien
Verein:Real Madrid
Position:Sturm

Vor Deutschland-Duell: Kolumbiens Linda Caicedo fasst sich an die Brust und sinkt zu Boden

Videoaufnahmen zeigen Caicedo beim leichten Joggen mit Teamkolleginnen, als sie sich plötzlich an die Brust fasst und kontrolliert auf den Rasen sinken lässt. Drei besorgte Mitspielerinnen sind sofort bei ihr und rufen ärztliche Hilfe herbei. Während die 18-Jährige behandelt wird, bilden weitere Kolleginnen einen Sichtschutz um sie. Nach einer Weile setzt sie sich aber wieder auf.

„Sie ist nicht ohnmächtig geworden“, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur AFP und versicherte: „Sie war nur müde, es geht ihr gut.“ Die Seleccion ist am Sonntag (11.30 Uhr MESZ/ARD) zweiter Gruppengegner der DFB-Auswahl. Ob Caicedos Einsatz nach dem Zusammenbruch gefährdet ist, war zunächst nicht bekannt. Auch der deutschen Nationalmannschaft droht ein Ausfall.

Die Kolumbianerin Linda Caicedo, nächster Deutschland-Gegner, brach im Training zusammen.

Herz-Drama bei Frauen-WM: Wunderkind bricht vor Deutschland-Spiel zusammen

Caicedo ist gesundheitlich vorbelastet. Vor fast genau einem Jahr hatte es nach ihrer Auswechslung beim Spiel der Copa América gegen Chile einen ähnlichen Vorfall gegeben, Caicedo musste ärztlich behandelt werden. Damals erklärte Trainer Nelson Abadía, dass es sich um eine „Dekompensation“ handele.

Bei der kardialen Dekompensation sind alle Fähigkeiten des Körpers, die Herzschwäche auszugleichen, erschöpft. Die Leistung des Herzens reicht nicht mehr aus, um genügend Blut aufzunehmen und in den Körper auszuwerfen.

Werdende Mutter, Zahlen-Genie, Babysitter im Quartier: Deutschlands WM-Frauen im Überblick

Ann-Katrin Berger beim Deutschland-Spiel gegen Brasilien
Ann-Katrin Berger, Torhüterin, FC Chelsea: Lernte ihre Freundin, die zuvor ihre WG-Mitbewohnerin war, während ihrer Zeit beim Londoner Top-Klub kennen. Kehrte bereits zwei Mal nach einer Krebsdiagnose auf den Platz zurück. © Imago / ActionPictures
Merle Frohms im Training der DFB-Frauen
Merle Frohms, Torhüterin, VfL Wolfsburg. Geht als deutsche Nummer eins in die WM. Hat neben ihrer Karriere als Fußballerin ein Studium in Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Stina Johannes beim Training der DFB-Frauen
Stina Johannes, Torhüterin, Eintracht Frankfurt. Kickte vor ihrem Engagement bei der SGE für drei Monate in Japan. Absolviert ein Bachelor-Studium der Mathematik. Als einzige Nominierte noch ohne Länderspiel. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl
Sara Doorsoun beim Training der DFB-Frauen
Sara Doorsoun, Verteidigerin, Eintracht Frankfurt. Teilt sich bei der WM ein Zimmer mit Torhüterin Merle Frohms. Engagiert sich für das soziale Projekt „Scoring Girls“ der ehemaligen Bundesliga-Spielerin Tugba Tekkal, das in Berlin, Köln und im Nord-Irak Bildungs- und Sportprogramme für Mädchen und junge Frauen bereitstellt und fördert. © IMAGO/DEAN LEWINS
Chantal Hagel beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Chantal Hagel, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Absolvierte keine einzige Partie für eine Junioren-Nationalmannschaft. Verfügt über ein abgeschlossenes Grundschullehramt-Studium. © IMAGO/Laci Perenyi
Marina Hegering beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Marina Hegering, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Wurde einst mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Arbeitete während einer langen Verletzungspause als Kauffrau in einem Bauunternehmen. © IMAGO/Laci Perenyi
Kathrin Hendrich beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Kathrin Hendrich, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Wurde 1992 im belgischen Eupen geboren. Bruder Markus ist als Moderator und Stand-Up-Comedian tätig. Freund Sebastian Griesbeck steht aktuell bei Eintracht Braunschweig unter Vertrag. © IMAGO/Laci Perenyi
Sophia Kleinherne gibt nach einem Training der DFB-Frauen Autogramme
Sophia Kleinherne, Verteidigerin, Eintracht Frankfurt. Befindet sich in einem Fernstudium im Bereich Sportmanagement. Bundeswehr-Soldatin mit dem Rang einer Hauptgefreiten. Bruder Lukas ist in der Bezirksliga aktiv. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl
Sjoeke Nüsken beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Sjoeke Nüsken, Verteidigerin, FC Chelsea. War Teil der DFB-Auswahl, die vor sechs Jahren die U17-EM gewann. Wurde im Alter von neun und zehn Jahren deutsche Meisterin im Tennis. Schwester Hjördis war ebenfalls Junioren-Nationalspielerin. © IMAGO/Revierfoto
Felicitas Rauch beim Spiel Deutschland gegen Sambia
Felicitas Rauch, Verteidigerin, VfL Wolfsburg. Teilte sich in Wolfsburg eine Wohnung mit Pia Wolter, die unmittelbar vor der WM zu Eintracht Frankfurt ging. Eines der liebsten Fotomotive auf Instagram: ihre Pudeldame. © IMAGO/Heiko Becker
Jule Brand beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Jule Brand, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Mit 20 Jahren jüngste Akteurin im WM-Kader. Stammt aus einer Sportlerfamilie: Mutter war Leichtathletin, Vater war Handballer, Bruder spielte unter anderem in der 3. Liga für den FSV Zwickau. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON
Sara Däbritz vor einem Training der DFB-Frauen
Sara Däbritz, Mittelfeldspielerin, Olympique Lyon. Einzige Frankreich-Legionärin im deutschen Aufgebot. Studiert nebenbei Wirtschaftspsychologie. Mit 97 Länderspielen die zweiterfahrenste DFB-Akteurin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Melanie Leupolz beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Melanie Leupolz, Mittelfeldspielerin, FC Chelsea. Reiste mit Kind und Babysitterin nach „Down Under“. Gewann bereits 2013 mit der deutschen Nationalmannschaft die Europameisterschaft. © IMAGO/Sportfoto Zink / Peter Kotzur
Svenja Huth beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Svenja Huth, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Erwartet nach der Weltmeisterschaft ihr erstes Kind mit Ehefrau Laura. Engagiert sich für den Tierschutz und hat mit dem Bolonka-Rüden Jamie auch einen eigenen Vierbeiner zu Hause. © IMAGO/Laci Perenyi
Lena Lattwein beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Lena Lattwein, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Schloss ihr Abitur mit der Bestnote von 0,7 ab und studierte im Bachelor Wirtschaftsmathematik, arbeitet aktuell an einem Masterabschluss in Controlling. Schaute in ihrer Kindheit regelmäßig Videos mit Fußballtricks und stellte diese im Garten nach. © IMAGO/Sportfoto Zink / Peter Kotzur
Sydney Lohmann beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Sydney Lohmann, Mittelfeldspielerin, FC Bayern München. Wurde von ihren Eltern nach der australischen Metropole benannt, nachdem diese kurz vor der Geburt während einer Weltreise dort Halt machten. Trat bereits im Alter von vier Jahren mit ihrem Vater gegen das runde Leder. © IMAGO/Laci Perenyi
Lina Magull beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Lina Magull, Mittelfeldspielerin, FC Bayern München. Ging als 14-Jährige in das Sportinternat in Kaiserau, um den Traum vom Profifußball weiter zu verfolgen. Absolvierte eine Ausbildung zur Bürokauffrau und ist zertifizierte Ernährungsberaterin. Freund Luca arbeitet als Athletiktrainer beim FC Ingolstadt. © IMAGO/Laci Perenyi
Lena Oberdorf beim Training der deutschen Nationalmannschaft
Lena Oberdorf, Mittelfeldspielerin, VfL Wolfsburg. Schaffte es 2022 in die Top 3 zur „UEFA Fußballerin des Jahres“. Wurde 2019 jüngste deutsche WM-Spielerin der Geschichte. Machte unmittelbar vor dem Turnier ihre Beziehung mit Freundin Kimberly öffentlich. Schwester Julia spielt American Football in der 2. Bundesliga, Bruder Tim ist Profifußballer (zuletzt Fortuna Düsseldorf). © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Alexandra Popp beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Alexandra Popp, Stürmerin, VfL Wolfsburg. Führt die DFB-Elf als Kapitänin aufs Feld. Absolvierte mit 128 Länderspielen die meisten im Kader. Ausgebildete Zootierpflegerin. Drückt privat Borussia Dortmund die Daumen. © IMAGO/Laci Perenyi
Klara Bühl beim Testspiel von Deutschland gegen Sambia
Klara Bühl, Stürmerin, FC Bayern München. Feierte bereits mit 15 Jahren ihr Debüt in der Bundesliga. Ist für ihre Häkelkünste bekannt und zeichnete auf diesem Wege auch für das inoffizielle Maskottchen der DFB-Frauen, einen Koala, verantwortlich.  © IMAGO/Revierfoto
Nicole Anyomi beim Training der DFB-Frauen
Nicole Anyomi, Stürmerin, Eintracht Frankfurt. Sportliches Vorbild: Cristiano Ronaldo. Setzte mit ihrem Kniefall-Jubel 2020 im DFB-Pokal in Anlehnung an die Proteste nach der Ermordung von George Floyd ein Zeichen gegen Rassismus – als erste deutsche Profifußballerin. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Laura Freigang auf dem Weg zum Training der DFB-Frauen
Laura Freigang, Stürmerin, Eintracht Frankfurt. War vor ihrem Wechsel in die Bundesliga an der Pennsylvania State University eingeschrieben und kickte für das Uni-Team, die „Penn State Nittany Lions“. Als Kabinen-DJ für die Musik bei der deutschen Mannschaft verantwortlich. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Memmler
Lea Schüller beim Spiel von Deutschland gegen Sambia
Lea Schüller, Stürmerin, FC Bayern München. Wurde 2022 zur „Fußballerin des Jahres“ gekürt. Studiert Wirtschaftsingenieurwesen. Freundin Lara Vadlau wurde bereits Welt- und Europameisterin im Sportsegeln. © IMAGO/Laci Perenyi

DFB-Gegnerin Linda Caicedo überwand Eierstockkrebs

Das Wunderkind von Real Madrid ist nicht nur die wichtigste Spielerin Kolumbiens, sie hat auch eine ganz besondere Krankenakte. 2020, da war Caicedo gerade mal 15 Jahre alt, wurde bei ihr Eierstockkrebs diagnostiziert. „Damals dachte ich, ich würde nie wieder professionell Fußball spielen können“, sagte die Stürmerin einmal, „das war mental eine sehr schwierige Zeit“.

Caicedo kämpfte sich nach einer erfolgreichen Operation durch eine mehrwöchige Chemotherapie – und zurück auf den Platz. Doch seither steht sie nicht nur wegen ihrer herausragenden Fähigkeiten im Fokus, sondern eben auch aus gesundheitlichen Gründen.

Deutschland-Schreck Caicedo: Kolumbien siegte schon bei der U20-WM

Caicedo mag eine Teenagerin sein, doch sie ist längst Schlüsselspielerin und Superstar bei dieser Frauen-WM. „Linda Caicedo erinnert mich an die Besten von uns“, sagte Ikone Carlos Valderrama 2022, „vor allem an Fausto Asprilla.“ Mit damals 17 führte Caicedo, Spitzname „La Neymar“, Kolumbien bei der Copa im eigenen Land ins Finale und wurde zur besten Spielerin des Turniers gekürt.

Einen Monat später schalteten Caicedo und Kolumbien bei der U20-WM in der Gruppenphase die DFB-Juniorinnen aus, im Oktober 2022 schoss sie auch die U17 ins WM-Endspiel. Beim Auftakt der Erwachsenen-Endrunde traf sie gegen Südkorea zum 2:0-Endstand. Assistenztrainer Angelo Marsiglia schwärmte danach, die „einzigartige“ Caicedo stamme „von einem anderen Planeten“.

Deutschland-Gegnerin Caicedo auf den Spuren von Brasilien-Legende Marta

In Australien ist Caicedo mit nun 18 Jahren und 153 Tagen die zweitjüngste WM-Debütantin Südamerikas überhaupt – nach einer gewissen Marta. Die Brasilianerin war sechsmal „Weltfußballerin des Jahres“ und ist mit 37 immer noch dabei. Die deutsche Mannschaft dürfte gewarnt sein.

„Linda ist eine herausragende Spielerin, die auch hier für Furore sorgen kann. Wir müssen im Team gut gegen sie verteidigen. Das wird eine alleine nicht schaffen. Wir müssen auf der Hut sein“, warnte Joti Chatzialexiou, Leiter Nationalmannschaften beim DFB. Eine Gegenspielerin für Caicedo könnte Verteidigerin Sjoeke Nüsken sein: Deutschlands Multitalent war früher das Tennis-Wunderkind der Nation, heute spielt sie Frauenfußball-WM. (ck/sid/dpa)

Rubriklistenbild: © Eibner-Pressefoto/Memmler/Imago

Kommentare