VonLars Pollmannschließen
Borussia Dortmund erreicht doch noch die Champions League. Die Saison hat jedoch neben Gewinnern auch Verlierer hervorgebracht.
Dortmund – Borussia Dortmund hat die Bundesliga-Saison mit Ach und Krach auf Tabellenplatz vier beendet und so das alljährliche Minimalziel Champions League erreicht.
Nach dem entscheidenden 3:0-Erfolg gegen Holstein Kiel machte sich neben Euphorie vor allem Erleichterung breit. Die Gefahr lautet nun, dass der BVB den starken Endspurt unter Trainer Niko Kovač überbewerten könnte, wo es eigentlich einer lückenlosen Aufklärung der Probleme bis Mitte März bräuchte. Darauf hat auch das wichtigste Fanbündnis in Dortmund mit einem offenen Brief abgezielt.
Es ist ein diffiziles Spannungsfeld, in dem sich der Klub bewegt: Einerseits will und muss der Schwung der letzten Wochen mitgenommen werden, weshalb der erfolgreiche Endspurt nicht zerredet werden sollte. Andererseits müssen alle Beteiligten ehrlich miteinander umgehen und die Krisen-Monate aufarbeiten.
Passend dazu nennt Absolut Fußball, das Fußball-Portal von Home of Sports, nach den drei großen BVB-Gewinnern auch die Verlierer der Saison.
Ein krachend gescheitertes Trainer-Experiment beim BVB
Als größter Verlierer beim BVB muss fraglos Nuri Şahin gelten. Das Experiment mit dem Trainer-Talent, das parallel zum Job in Dortmund noch die letzten Scheine absolvieren musste, ist krachend gescheitert. Der 36-Jährige hatte zuvor lediglich in der Türkei in der ersten Reihe gestanden – und das nicht bei einem Top-Klub, sondern beim Mittelklasse-Verein Antalyaspor.
Die Idee, den vorherigen Co-Trainer von Edin Terzić zum Chef zu machen, hatte Charme. Der BVB wollte sich eine langfristige Lösung heranzüchten, mit der sich sportliche Erfolge und Identifikation mit den Fans und der Region verbinden lassen würden. Der Mangel an Erfahrung von Şahin stellte sich jedoch schnell als Problem heraus.
Der Ex-Nationalspieler überfrachtete die Mannschaft mit taktischen Ideen, die nur selten fruchteten. Zum Fanal wurde die 2:5-Niederlage bei Real Madrid, die der Trainer mit ängstlichen Einwechslungen nach 2:0-Führung selbst heraufbeschwor. Problematisch war auch das Fitnessniveau des Teams, für das die Verletzungssorgen nur anteilig verantwortlich gemacht werden können. Dass Nachfolger Kovač Grundlagenarbeit leisten musste, sagt eigentlich alles.
Şahin wurde letztlich nach vier Niederlagen zum Start ins Fußballjahr 2025 regelrecht erlöst. Es bleibt festzuhalten: Dieser Job kam viel zu früh für den ehemaligen BVB-Star. Seine Trainerlaufbahn muss Şahin an anderer Stelle und mit geringerem öffentlichen Druck neu aufbauen.
Ein Rohdiamant, den Dortmund einfach nicht geschliffen bekommt
In die Freude über den geglückten Saisonabschluss mischten sich bei Giovanni Reyna Tränen. Die Ruhr Nachrichten berichten von einem hemmungslosen Weinkrampf beim US-Amerikaner, der darauf zurückzuführen sei, dass der Mittelfeldspieler seinen letzten Einsatz in Dortmund hinter sich gebracht habe.
Ein endgültiger Abschied von Reyna wäre gewiss keine Überraschung. Der Nationalspieler stellt den geradezu klassischen Fall eines Talents dar, dem ein Tapetenwechsel guttun sollte. Beim BVB ist er jedenfalls längst nur noch ein Mitläufer ohne regelmäßigen Einfluss. Dem Vorwurf, dass er zu wenig aus seinem Talent mache, gibt es wenig entgegenzusetzen.
Das ist auch nicht mehr alleine auf Verletzungen zurückzuführen. Immerhin stand Reyna in 37 Pflichtspielen im Kader, genau so oft wie Karim Adeyemi, Felix Nmecha und Nico Schlotterbeck. Dabei sammelte er aber fast nur halb so viele Minuten wie Winter-Neuzugang Daniel Svensson. Dem Spiel von Reyna fehlen Tempo, Selbstverständlichkeit und womöglich auch der letzte Biss.
Real Sociedad soll aktuell die heißeste Option sein, bei der Reyna seine Karriere in Schwung bringen könnte. Die Klub-WM in der amerikanischen Heimat wird er aber wohl noch beim BVB miterleben.
Ein Wunderkind, dessen Leihe für den BVB zum Flop wurde
Wenn Reyna seine Karriere wieder in Schwung bringen muss, gilt das doppelt und dreifach für Youssoufa Moukoko. Das einstige Wunderkind des deutschen Fußballs steht am absoluten Scheideweg – mit gerade einmal 20 Jahren. Weil in Dortmund keine Spielpraxis winkte, verlieh der Klub den Stürmer im Sommer zu OGC Nizza.
Dort hat Moukoko stark begonnen, aber noch stärker nachgelassen. Das letzte von 22 Pflichtspielen für den französischen Erstligisten absolvierte der Angreifer Anfang Februar, ohne dass ihn anschließend eine Verletzung ausgebremst hätte. Von einer Festverpflichtung sind „Les Aiglons“ denkbar weit entfernt. Der BVB will Moukoko aber auch nicht zurück und sieht wegen des hohen Gehalts von einer Rückholaktion zur Klub-WM ab.
Damit stünde der Weg zur U21-EM frei, Bundestrainer Antonio di Salvo hat sich jedoch gegen eine Nominierung von Moukoko entschieden. Der WM-Fahrer von Katar ist keine drei Jahre später nicht einmal mehr Teil der U21, deren vorläufiger EM-Kader am Mittwoch (21. Mai) vorgestellt wurde. Dieser Absturz muss dem Jungprofi und seinen Beratern zu denken geben. Moukoko sollte den BVB endgültig verlassen und lernen, sich mit kleineren Brötchen zufriedenzugeben.
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