König Kovač und zwei Top-Transfers: Die Gewinner der BVB-Saison
VonLars Pollmann
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Borussia Dortmund rettete die Saison: Der Sprung auf Platz vier gelang in letzter Sekunde. Drei Gewinner waren hierfür ausschlaggebend.
Dortmund – Durch ein Finale Furioso hat Borussia Dortmund doch noch den Sprung in die Champions League geschafft!
22 von 24 möglichen Punkten holte der BVB aus den letzten acht Spielen der Bundesliga-Saison. Weil zudem auch die Konkurrenten FSV Mainz 05, RB Leipzig und SC Freiburg genügend Punkte ließen, rettete Schwarzgelb eine Spielzeit, die lange verloren schien. Nun gilt es, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ein einfaches „Weiter so“ kann es beim BVB nicht geben.
Den großen Umbruch haben die Verantwortlichen bereits ausgeschlossen. Die Fans des BVB dürfen offenbar nicht zu viel erwarten, wollen sie nicht enttäuscht werden. Der Klub hat punktuelle Verstärkungen angekündigt, setzt aber auch darauf, den starken Endspurt der letzten Wochen verstetigen zu können. Er ist untrennbar verbunden mit dem größten Gewinner der BVB-Saison: Niko Kovač.
Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, listet neben dem Trainer die zwei weiteren großen Gewinner in Dortmund. Und wer weiß, ob bei der FIFA Klub-WM im Sommer nicht noch weitere hinzukommen ...
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Was war nicht alles über Kovač geschrieben und gesagt worden, als er seinen Posten beim BVB antrat. Der Kroate galt als Verlegenheitslösung, die eher aus Mangel an Alternativen denn der ganz großen Überzeugung als Nachfolger von Nuri Şahin verpflichtet wurde.
Immerhin hatte Kovač einst beim FC Bayern klassisch „die Kabine verloren“ und seinen Ruf auch beim VfL Wolfsburg nicht wiederherstellen können. Der Berliner kam als harter Hund nach Dortmund, der sich mit prominenten Spielern anlegt und dem es an einem sportlichen Konzept fehlt, das über die Grundtugenden hinausgeht – so eine landläufige Meinung.
In den ersten Wochen beim BVB konnte Kovač den Eindruck noch nicht nachhaltig zurechtrücken. Von den ersten zehn Pflichtspielen gewann der Trainer vier, ebenso viele gingen verloren – darunter die ersten beiden in der Liga gegen den VfB Stuttgart und beim VfL Bochum, was seit 1984 keinem Dortmund-Trainer passiert war.
Sie hat aber auch die Situation von Kovač fundamental verändert: War bis Mitte März noch durchaus naheliegend, von einem in seiner langfristigen Bedeutung fraglichen Intermezzo des Cheftrainers auszugehen – der BVB hatte für ein solches Szenario vertraglich vorgesorgt –, stellt sich jetzt vielmehr die Frage, wann Gespräche über eine Vertragsverlängerung mit Kovač anstehen.
Nach dem 3:0-Sieg gegen Holstein Kiel, der die erfolgreiche Aufholjagd abschloss, gab es Sprechchöre für Kovač, Sportchef Lars Ricken attestierte ihm „eine der größten Trainerleistungen in der Geschichte des BVB“. Das war zwar aus der Emotionalität kurz nach Abpfiff gesprochen und gewiss etwas übertrieben, wie übrigens auch der Gelobte selbst anmerkte. Und doch besteht kein Zweifel: Kovač ist der große Gewinner der BVB-Saison, obwohl er sie nicht einmal zur Hälfte miterlebt hat.
Guirassy ist der große Gewinner unter den BVB-Profis
Als größter Gewinner unter den BVB-Profis ist Serhou Guirassy zu bewerten. Der Stürmer war in 45 Pflichtspielen an 43 Toren beteiligt, 34 Treffer sind ihm selbst gelungen. In der Bundesliga jubelte Guirassy 21 Mal und sogar öfter aus dem Spiel heraus als Torschützenkönig Harry Kane, der neun Strafstöße nutzte, um seine Bilanz aufzuhübschen.
Der Guineer hat nicht nur in der Bundesliga auf herausragendem Niveau abgeliefert und kann dem BVB sogar noch einen kleinen Titel einbringen: Wenn es nicht ein reichlich verrücktes Finale zwischen Inter Mailand und Paris Saint-Germain gibt, wird Guirassy zusammen mit Raphinha vom FC Barcelona die Champions League als Top-Torschütze abschließen.
13 Tore und insgesamt sogar 18 Scorerpunkte in der Königsklasse weisen Guirassy als Stürmer von internationaler Klasse aus. Eingedenk dessen, dass viele Fans bei Guirassy vor einem One-Hit-Wonder aus Stuttgart warnten und sein Wechsel zum BVB wegen einer Knieverletzung kurzzeitig infrage gestellt wurde, hat Guirassy alle Fragen in absoluter Deutlichkeit beantwortet.
Winter-Transfer Svensson entwickelt sich beim BVB rasant
Als zweiter großer Gewinner aus dem Kader von Dortmund drängt sich Winterneuzugang Daniel Svensson auf. Der Schwede kam als große Unbekannte vom FC Nordsjaelland in Dänemark zum BVB. Weil den Linksverteidiger kaum jemand kannte und sich Neuzugänge bei Schwarzgelb oftmals schwertun, war die Erwartungshaltung gegenüber dem Nationalspieler sehr gering.
Vielleicht war das ein Knackpunkt für die unverhofft fulminante Entwicklung von Svensson, der unter Kovač schnell unverzichtbar geworden ist. Der 23-Jährige vereint den fast schon stereotypischen skandinavischen Arbeitseifer mit spielerischer Klasse, wird von seinem Trainer vor allem für die Wissbegierde und die Fähigkeit gelobt, Instruktionen sofort umzusetzen. Kovač ließ mehrfach sogar regelrecht väterliche Gefühle durchblicken, wenn es um „den kleinen Jungen“ namens Svensson ging.
Auch bei den Fans des BVB hat sich der Schwede sofort beliebt gemacht. Dass der Klub zuletzt eine Kaufoption nutzte, um den Spieler bis 2029 an sich zu binden, war nur folgerichtig. Gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis und der überraschend schnellen Entwicklung in Dortmund war Svensson einer der besten Transfers der letzten Jahre.