Happyend in der Bundesliga

König Kovač und zwei Top-Transfers: Die Gewinner der BVB-Saison

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Borussia Dortmund rettete die Saison: Der Sprung auf Platz vier gelang in letzter Sekunde. Drei Gewinner waren hierfür ausschlaggebend.

Dortmund – Durch ein Finale Furioso hat Borussia Dortmund doch noch den Sprung in die Champions League geschafft!

22 von 24 möglichen Punkten holte der BVB aus den letzten acht Spielen der Bundesliga-Saison. Weil zudem auch die Konkurrenten FSV Mainz 05, RB Leipzig und SC Freiburg genügend Punkte ließen, rettete Schwarzgelb eine Spielzeit, die lange verloren schien. Nun gilt es, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Ein einfaches „Weiter so“ kann es beim BVB nicht geben.

Den großen Umbruch haben die Verantwortlichen bereits ausgeschlossen. Die Fans des BVB dürfen offenbar nicht zu viel erwarten, wollen sie nicht enttäuscht werden. Der Klub hat punktuelle Verstärkungen angekündigt, setzt aber auch darauf, den starken Endspurt der letzten Wochen verstetigen zu können. Er ist untrennbar verbunden mit dem größten Gewinner der BVB-Saison: Niko Kovač.

Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, listet neben dem Trainer die zwei weiteren großen Gewinner in Dortmund. Und wer weiß, ob bei der FIFA Klub-WM im Sommer nicht noch weitere hinzukommen ...

Die schönsten Momente in der Karriere von Mats Hummels

Mats Hummels Bundesliga-Debüt für den FC Bayern
Am 19. Mai 2007 schnuppert Mats Hummels zum ersten Mal Bundesliga-Luft. Ottmar Hitzfeld bringt den damals 18-jährigen Innenverteidiger in der 52. Minute für Martín Demichelis ins Spiel. Im Laufe seiner Karriere sollte Hummels ganze 441 weitere Einsätze in Deutschlands höchster Spielklasse verbuchen können.  © MIS/Imago
Mats Hummels U21 Europameister
Im Sommer 2009 konnte die deutsche U21-Nationalelf sich zu den Königen von Europa krönen. Mit einem Team um Mats Hummels, aber auch Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Benedikt Höwedes, Sami Khedira und Mesut Özil gewann die DFB-Auswahl das Endspiel gegen England eindrucksvoll mit 4:0. © Gribaudi/ImagePhoto/Imago
Mats Hummels Nationalmannschaftsdebüt gegen Malta
Im Frühjahr 2010 durfte der frisch gebackene U21-Europameister zum ersten Mal bei den Großen mitmischen. Unter Bundestrainer Joachim Löw feierte er beim 3:0-Erfolg gegen Malta sein Debüt in der A-Nationalmannschaft.  © Chai v.d. Laage/Imago
Fußball, Borussia Dortmund, Deutscher Meister 2011 Mats HUMMELS (BVB) jubelt mit der Deutschen Meisterschale
Am letzten Spieltag der Saison 2010/11 konnte Hummels zum ersten Mal in seiner Karriere die Meisterschale gen Himmel strecken. Nachdem er bereits im Januar 2008 den FC Bayern verlassen hatte, um sich Borussia Dortmund anzuschließen, waren die Schwarzgelben in dieser Saison unter Jürgen Klopp nicht aufzuhalten. © Sven Simon/Imago
Erstes Double für Mats Hummels
In der Folgesaison schlossen die Dortmunder an den Erfolg des letzten Jahres an und setzten sogar noch einen drauf: Mit Abwehrchef Mats Hummels gewann der BVB erneut die Meisterschaft und servierte den FC Bayern im DFB-Pokalfinale mit 5:2 ab. Das Double war perfekt. Hummels traf per Elfmeter zum zwischenzeitlichen 2:1. © Team 2/Imago
Dortmund dreht 1:2 in der Nachspielzeit gegen Malaga und zieht ins CL-Viertelfinale ein.
Die Champions-League-Saison 2012/13 sollte zu einer wilden Achterbahnfahrt der Gefühle werden für alle, die es mit Schwarz-gelb hielten. Im Viertelfinale gegen Malaga lag der BVB bis zum Ende der regulären Spielzeit mit 1:2 zurück. In Minute 90+1 leitet Hummels den Angriff ein, Neven Subotic legt quer und Marco Reus staubt zum 2:2 ab. Doch aufgrund der damals noch gültigen Auswärtstorregel brauchten die Dortmunder noch ein weiteres Tor. Und dieses lieferte Felipe Santana – kaum eine Minute später. Dortmund stand nach einem gigantischen Willensakt im Halbfinale. © Uwe Kraft/Imago
Hummels zieht mit dem BVB ins Champions-League-Finale ein.
Im Halbfinale warten Superstar Cristiano Ronaldo und Real Madrid auf den BVB. Doch Robert Lewandowski verschafft den Dortmundern mit einer Galavorstellung und vier Treffern im Hinspiel eine komfortable Ausgangssituation für das Rückspiel im Bernabeu. Mit einem 4:1-Vorsprung reisen die Borussen nach Madrid. Real trifft im Rückspiel doppelt und der BVB gerät in den letzten Spielminuten noch ins Zittern, doch der Schlusspfiff erlöst die Dortmunder schließlich. Hummels steht in seinem ersten Champions-League-Endspiel. Im Finale in Wembley ist der BVB zwar über weite Strecken des Spiels die bessere Mannschaft, doch am Ende muss man sich mit 1:2 dem FC Bayern geschlagen geben. © Sven Simon/Imago
Mats HUMMELS DFB 5 Torschuss schiesst das Tor zum 1 0 Kopfball gegen Hugo LLORIS Fra 1 DEUTSCHLAND
Bei der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien ist Mats Hummels in der Viererkette von Joachim Löw gesetzt. Im Viertelfinale gegen Frankreich köpft er das DFB-Team ins Halbfinale gegen den Gastgeber.  © ActionPictures/Imago
HUMMELS Mats Team Deutschland bei der Siegerehrung mit dem Welt Pokal World Cup 2014 Brasil FIFA
Nach der 7:1-Packung für Brasilien steht Deutschland schließlich im WM-Finale gegen Lionel Messi und Argentinien. In der 113. Minute schreibt Mario Götze Geschichte, Tom Bartels schreit sich ins Gedächtnis einer ganzen Nation und das DFB-Team ist Weltmeister. Mats Hummels feiert den größten Triumph seiner Karriere. © Laci Perenyi/Imago
Fußball Bundesliga Pressekonferenz Vorstellung von Mats Hummels
Im Sommer 2016 kehrt Hummels schließlich zum FC Bayern zurück. Zurück zu seinem Jugendklub, diesmal jedoch mit den Ambitionen, sich als Stammspieler zu etablieren. Dies sollte ihm auch gelingen. Sein erstes Pflichtspiel zurück im roten Dress bestritt er ausgerechnet gegen Borussia Dortmund im Supercup. Der FC Bayern gewann mit 2:0. © foto2press/Imago
Themen der Woche SPORT Bilder des Tages SPORT 11 03 2017 xjhx Fussball 1 Bundesliga FC Bayern
In der Liga-Begegnung gegen die Frankfurter Eintracht sorgt Mats Hummels im März 2017 für Schlagzeilen. Beim Stand von 0:0 umspielte SGE-Stürmer Branimir Hrgota den Münchner Schlussmann Manuel Neuer und lief aufs leere Tor zu. Doch Hummels kommt von hinten angeflogen und verhindert die eigentlich schon sichere Frankfurter Führung mit der „schönsten Grätsche der Saison“, wie der Spiegel später titelt. © Jan Huebner/Imago
Winners ceremony with trophy: Mats HUMMELS, FCB 5 beer shower for Leon GORETZKA, FCB 18 FC BAYERN MUNICH - EINTRACHT
Auch beim Rekordmeister sollten die Titel für den Abwehrspieler nicht ausbleiben. In seinen drei Saisons in München jubelte Hummels am Ende jeder Spielzeit mit der Meisterschale vom Rathausbalkon zu den Bayernfans herab. Dabei war das Titelrennen in der Saison 2018/19 so knapp, wie es lange nicht mehr war. Nach zwischenzeitlich neun Punkten Rückstand auf den BVB entschied man erst mit einem Sieg am letzten Spieltag die Meisterschaft für sich. Dies sollte zugleich die letzte Bierdusche für den Innenverteidiger sein. © ActionPictures/Imago
Mats Hummels Pokalsieger Pokalgewinner Fußball Fussball DFB Pokal Finale Herren Saison 2018
Mit einem 3:0-Sieg über RB Leipzig im DFB-Pokalfinale 2019 verabschiedete sich Hummels schließlich wieder von der Säbener Straße. Mit dem Double im Gepäck zog es ihn zurück vor die gelbe Wand, zurück nach Dortmund. © Contrast/Imago
REUS Marco Kapitaen Team BVB bei der Siegerehrung mit HUMMELS Mats bei der Siegerehrung mit dem DFB Pokal
Zurück in Dortmund war Hummels Titelhunger immer noch nicht erloschen und so feierte der BVB 2021 mit dem damaligen Interimstrainer Edin Terzić einen weiteren Finalsieg im DFB-Pokal unter dem Berliner Nachthimmel.  © Laci Perenyi/Imago
Mats Hummels schießt auf das Tor
Trotz Knieproblemen steht Hummels am 9. Spieltag gegen Arminia Bielefeld auf dem Platz. Von etwaigen Schmerzen lässt sich der Dortmunder jedoch nichts anmerken und trifft nach Eckball per Volley von der Strafraumkante. Traumtor – und das von einem Innenverteidiger. Der BVB gewinnt das Spiel mit 3:1. © Sascha Schuermann/AFP
Bilder des Jahres 2024, Sport 04 April Sport Themen der Woche KW16 Sport Bilder des Tages 16.04.2024, xjrdrx, Fussball
Bei der Champions-League-Partie gegen Atlético Madrid am 4. April 2024 steht Hummels bereits vor Anpfiff im Fokus. Der Grund: Es ist sein 500. Pflichtspiel für den BVB. Damit ist er erst der zweite Spieler nach Michael Zorc, der diese Marke für Dortmund knacken konnte und wird dementsprechend auf dem Madrider Rasen geehrt. © Jan Huebner/Imago
Julian Ryerson (Borussia Dortmund, 26), Youssoufa Moukoko (Borussia Dortmund, 18), Mats Hummels (Borussia Dortmund, 15)
Im Spätherbst seiner Karriere schafft es Hummels mit seinem BVB noch einmal ins Halbfinale der Champions League. Der Gegner: Paris Saint Germain. Die Dortmunder konnten in dieser Saison zwar nur selten wirklich spielerisch überzeugen, kämpften sich in der Königsklasse aber dennoch an einigen Top-Gegnern vorbei. Und auch gegen PSG gewann der BVB sowohl Hin- als auch Rückspiel überraschend mit 1:0 und löste das Finalticket. Hummels wurde in beiden Partien zum „Man of the Match“ gekürt. Im Endspiel zogen die Borussen gegen Real Madrid jedoch den Kürzeren. © Eibner/Imago
Germany, Dortmund, 18.05.2024, Signal-Iduna-Park, BV Borussia Dortmund vs SV Darmstadt 98 - 1. Bundesliga, Mats Hummels
Mats Hummels sitzt nach dem letzten Spiel der Saison 2023/24 am Pfosten und blickt nachdenklich, aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht in die Weiten des Signal Iduna Parks. Vielleicht wusste er damals schon, dass es sein letztes Heimspiel für den BVB sein sollte. © eu-images/Imago
Hummels Platz 29 beim Ballon d’Or Voting
Im Zuge seiner starken Leistungen in seinem letzten BVB-Jahr wurde Hummels sogar für die Wahl des Ballon d‘Or nominiert. Letztendlich landete er auf dem 29. Platz. © NurPhoto/Imago
Tottenham Hotspur v AS Roma, Europa League, Football
Im Sommer 2024 unterschrieb Hummels bei der AS Rom. Seine Zeit in der italienischen Hauptstadt lässt sich wohl am besten als chaotisch bezeichnen. Mehrere Trainerwechsel auf der einen Seite und schwankende Leistungen des Innenverteidigers auf der anderen Seite. Sinnbildlich dafür steht die Europa-League-Begegnung gegen Tottenham Hotspur. Kurz nach Anpfiff verschuldet Hummels einen Elfmeter, der zum 1:0 für die Engländer führt. Doch in der Nachspielzeit macht er seinen Fehler wieder gut und trifft zum 2:2 Endstand. © Insidefoto/Imago

Kovač gelang beim BVB kein Raketenstart

Was war nicht alles über Kovač geschrieben und gesagt worden, als er seinen Posten beim BVB antrat. Der Kroate galt als Verlegenheitslösung, die eher aus Mangel an Alternativen denn der ganz großen Überzeugung als Nachfolger von Nuri Şahin verpflichtet wurde.

Immerhin hatte Kovač einst beim FC Bayern klassisch „die Kabine verloren“ und seinen Ruf auch beim VfL Wolfsburg nicht wiederherstellen können. Der Berliner kam als harter Hund nach Dortmund, der sich mit prominenten Spielern anlegt und dem es an einem sportlichen Konzept fehlt, das über die Grundtugenden hinausgeht – so eine landläufige Meinung.

In den ersten Wochen beim BVB konnte Kovač den Eindruck noch nicht nachhaltig zurechtrücken. Von den ersten zehn Pflichtspielen gewann der Trainer vier, ebenso viele gingen verloren – darunter die ersten beiden in der Liga gegen den VfB Stuttgart und beim VfL Bochum, was seit 1984 keinem Dortmund-Trainer passiert war.

BVB-Wende seit der Länderspielpause im März

Die Länderspielpause im März brachte die Wende: Von seinen nächsten zehn Pflichtspielen gewann Kovač acht, nur im Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale beim FC Barcelona vercoachte sich der Ex-Profi. Diese Serie führte den BVB zurück unter die Top vier der Bundesliga, sicherte dem Klub die wichtigen Einnahmen aus der Königsklasse.

Sie hat aber auch die Situation von Kovač fundamental verändert: War bis Mitte März noch durchaus naheliegend, von einem in seiner langfristigen Bedeutung fraglichen Intermezzo des Cheftrainers auszugehen – der BVB hatte für ein solches Szenario vertraglich vorgesorgt –, stellt sich jetzt vielmehr die Frage, wann Gespräche über eine Vertragsverlängerung mit Kovač anstehen.

Nach dem 3:0-Sieg gegen Holstein Kiel, der die erfolgreiche Aufholjagd abschloss, gab es Sprechchöre für Kovač, Sportchef Lars Ricken attestierte ihm „eine der größten Trainerleistungen in der Geschichte des BVB“. Das war zwar aus der Emotionalität kurz nach Abpfiff gesprochen und gewiss etwas übertrieben, wie übrigens auch der Gelobte selbst anmerkte. Und doch besteht kein Zweifel: Kovač ist der große Gewinner der BVB-Saison, obwohl er sie nicht einmal zur Hälfte miterlebt hat.

Niko Kovač hat beim BVB einen erstaunlichen Wandel bewirkt.

Guirassy ist der große Gewinner unter den BVB-Profis

Als größter Gewinner unter den BVB-Profis ist Serhou Guirassy zu bewerten. Der Stürmer war in 45 Pflichtspielen an 43 Toren beteiligt, 34 Treffer sind ihm selbst gelungen. In der Bundesliga jubelte Guirassy 21 Mal und sogar öfter aus dem Spiel heraus als Torschützenkönig Harry Kane, der neun Strafstöße nutzte, um seine Bilanz aufzuhübschen.

Der Guineer hat nicht nur in der Bundesliga auf herausragendem Niveau abgeliefert und kann dem BVB sogar noch einen kleinen Titel einbringen: Wenn es nicht ein reichlich verrücktes Finale zwischen Inter Mailand und Paris Saint-Germain gibt, wird Guirassy zusammen mit Raphinha vom FC Barcelona die Champions League als Top-Torschütze abschließen.

13 Tore und insgesamt sogar 18 Scorerpunkte in der Königsklasse weisen Guirassy als Stürmer von internationaler Klasse aus. Eingedenk dessen, dass viele Fans bei Guirassy vor einem One-Hit-Wonder aus Stuttgart warnten und sein Wechsel zum BVB wegen einer Knieverletzung kurzzeitig infrage gestellt wurde, hat Guirassy alle Fragen in absoluter Deutlichkeit beantwortet.

Daniel Svensson und Serhou Guirassy haben beim BVB sofort eingeschlagen.

Winter-Transfer Svensson entwickelt sich beim BVB rasant

Als zweiter großer Gewinner aus dem Kader von Dortmund drängt sich Winterneuzugang Daniel Svensson auf. Der Schwede kam als große Unbekannte vom FC Nordsjaelland in Dänemark zum BVB. Weil den Linksverteidiger kaum jemand kannte und sich Neuzugänge bei Schwarzgelb oftmals schwertun, war die Erwartungshaltung gegenüber dem Nationalspieler sehr gering.

Vielleicht war das ein Knackpunkt für die unverhofft fulminante Entwicklung von Svensson, der unter Kovač schnell unverzichtbar geworden ist. Der 23-Jährige vereint den fast schon stereotypischen skandinavischen Arbeitseifer mit spielerischer Klasse, wird von seinem Trainer vor allem für die Wissbegierde und die Fähigkeit gelobt, Instruktionen sofort umzusetzen. Kovač ließ mehrfach sogar regelrecht väterliche Gefühle durchblicken, wenn es um „den kleinen Jungen“ namens Svensson ging.

Auch bei den Fans des BVB hat sich der Schwede sofort beliebt gemacht. Dass der Klub zuletzt eine Kaufoption nutzte, um den Spieler bis 2029 an sich zu binden, war nur folgerichtig. Gemessen am Preis-Leistungs-Verhältnis und der überraschend schnellen Entwicklung in Dortmund war Svensson einer der besten Transfers der letzten Jahre.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Madeleine Fantini

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