Dortmund plant mit Mut zur Lücke

BVB riskiert Mini-Kader bei Maxi-Belastung: Direkter Weg in die nächste Herbst-Krise

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Der BVB startet augenscheinlich ein gefährliches Experiment: Ein Mini-Kader soll die Maxi-Belastung bewältigen. Droht die nächste Herbst-Krise?

Dortmund – Mini-Kader für die Maxi-Belastung – so lautet offenbar die riskante Devise von Borussia Dortmund für die neue Saison.

Während der internationale Spielkalender die Profis der Spitzenklubs mit seiner aufgeblähten Champions League und der FIFA Klub-WM an ihre absoluten Grenzen treibt, herrscht bei den Westfalen auf der Zugangsseite ein auffälliger Transferstau. Und das, obwohl die Kassen beim BVB durch die Klub-WM-Teilnahme und beträchtliche Einnahmen aus den Verkäufen von Jamie Gittens, Soumaïla Coulibaly und Youssoufa Moukoko ordentlich gefüllt sein müssten.

Die laut Medienberichten ganz bewusst getroffene Entscheidung für einen schmalen Kader von angeblich nur 22 Vollprofis wirkt wie ein Vabanquespiel. Anstatt den Kader in der Spitze und vor allem in der Breite zu stärken, um für die kommenden Herausforderungen gewappnet zu sein, scheint man beim BVB mit wehenden Fahnen in die nächste, fast schon vorprogrammierte Herbst-Krise zu reiten.

Wer geht? Wer bleibt? – Die Vertragslaufzeiten der Stars von Borussia Dortmund

Gregor Kobel
Stammtorhüter Gregor Kobel hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und bleibt bis 2028 gesetzt. © IMAGO/Madeleine Fantini
Patrick Drewes
Patrick Drewes unterschrieb am 26. Juni 2025 seinen Vertrag beim BVB bis 2027 – als neue Nummer 3 hinter Gregor Kobel und Alexander Meyer. © IMAGO/RHR-FOTO
Silas Ostrzinski
Auch Silas Ostrzinski hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert und ist als zukünftige Nummer eins bei der U23 fest eingeplant. Sein Vertrag läuft bis 2027. © IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Meusel
Alexander Meyer
Ersatztorwart Alexander Meyer steht seit 2022 beim BVB unter Vertrag. Sein Arbeitspapier läuft am 30.06.2027 aus.  © IMAGO/Jess Stiles
Yan Couto
Der Brasilianer Yan Couto kam zunächst als Leihe vom Manchester City, ehe Dortmund frühzeitig die Kaufpflicht zog – sein Vertrag läuft bis zum 30.06.2030. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Waldemar Anton
Waldemar Anton wechselte im Sommer 2024 von VfB Stuttgart zum BVB – Vertrag bis zum 30.06.2028. © IMAGO/Marco Bader
Nico Schlotterbeck
Abwehrchef Nico Schlotterbeck ist seit Sommer 2022 gesetzt in Dortmund – sein aktueller Vertrag läuft bis 2027, doch der BVB plant bereits eine vorzeitige Verlängerung bis 2030 inklusive einer Gehaltsverdopplung. © IMAGO/Revierfoto
Ramy Bensebaini
Der algerische Außenverteidiger Ramy Bensebaini kam 2023 ablösefrei und unterschrieb einen Vierjahresvertrag beim BVB. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Niklas Süle
Niklas Süles Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2026. Im März gab der Verein bekannt, dass sich die Wege im Sommer trennen werden.  © IMAGO/Marco Bader
Julian Ryerson
Der Norweger Julian Ryerson verlängerte ebenfalls vorzeitig seinen Vertrag bis 2028 und hat sich zu einem festen Bestandteil der Mannschaft etabliert. © IMAGO/Marco Bader
Almugera Kabar
Das BVB-Talent Almugera Kabar erhielt im Februar 2025 seinen ersten Profivertrag bis 2028. © IMAGO/Fotostand / Fantini
Filippo Mane
Der italienische Innenverteidiger Filippo Mane hat ebenfalls Anfang 2025, seinen ersten Profivertrag bis 2028 unterschrieben. © IMAGO/Katie Stratman
Nachwuchstalent Luca Reggiani hat einen bis 2027 gültigen Kontrakt.
Nachwuchstalent Luca Reggiani hat seinen bis 2027 gültigen Kontrakt langfristig verlängert. Über die genaue Laufzeit ist nichts bekannt. © IMAGO/Dennis Ewert/RHR-FOTO
Daniel Svensson
Der zunächst ausgeliehene Daniel Svensson kam Anfang Februar 2025 vom FC Nordsjælland – Dortmund zog frühzeitig die Kaufoption, sein Vertrag läuft nun bis zum 30. Juni 2029. © IMAGO/Katie Stratman
Salih Özcan
Salih Özcan unterschrieb 2022 seinen Vierjahresvertrag bis 2026. Dieser wird nicht verlängert, sodass der türkische Nationalspieler den BVB im Sommer verlässt. © IMAGO/Hesham Elsherif
Felix Nmecha
Der Mittelfeldspieler Felix Nmecha kam 2023 für knapp 30 Mio.€ vom VfL Wolfsburg. Im März 2026 verlängerte er seinen Vertrag vorzeitig bis Sommer 2030. ©  IMAGO / Nicolo Campo
Julian Brandt
Julian Brandts Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2026 – dann endet nach sieben Jahren seine Zeit beim BVB. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Carney Chukwuemeka
Der Engländer Carney Chukwuemeka unterschrieb nach seiner Leihe vom FC Chelsea fest beim BVB. Er ist noch bis 2030 gebunden. © IMAGO/Heuler Andrey / SPP
Marcel Sabitzer
Marcel Sabitzer wechselte 2023 vom FC Bayern nach Dortmund – sein Vertrag läuft regulär bis 2027, der BVB hat wohl vorerst keine Vertragsverlängerung geplant. © IMAGO/Marco Bader
Emre Can
Der Vertrag des Kapitäns läuft nach der Saison 2025/26 aus. Berichten zufolge verlängert er nach seiner schweren Kreuzbandverletzung allerdings um ein weiteres Jahr.  © IMAGO/Madeleine Fantini
Kjell Wätjen
Das Dortmunder Talent unterschrieb 2024 seinen ersten Profivertrag – für die Saison 2025/2026 wird der 19-Jährige, für die Spielpraxis an den VfL Bochum ausgeliehen. Sein BVB-Kontrakt läuft noch bis 2028. © IMAGO/Fotostand / Fantini
Jobe Bellingham
Der 19-jährige Jobe Bellingham unterzeichnete im Juni 2025 einen Fünfjahresvertrag bis 2030 und bereitet sich momentan bei der Klub-WM auf die Bundesliga-Saison 2025/26 vor. © IMAGO / Nicolo Campo
Karim Adeyemi
Karim Adeyemi wechselte im Sommer 2022 von RB Salzburg zum BVB – sein Vertrag läuft noch bis 2027. Immer wieder rankten sich Abgangsgerüchte um den Flügelspieler. © IMAGO/Jonathan Moscrop
Maximilian Beier
Der 21-jährige Maximilian Beier wechselte im August 2024 von Hoffenheim zum BVB, nachdem er dort mit 16 Bundesligatoren glänzte – sein Vertrag läuft noch bis zum 30.06.2029. © IMAGO/Marco Bader
Verlässt Serhou Guirassy den BVB?
Torjäger Serhou Guirassy kam im Juli 2024 vom VfB Stuttgart und lieferte seitdem bei den Borussen ab – sein Vertrag läuft noch bis 2028. ©  IMAGO / Gribaudi/ImagePhoto
Julien Duranville
Julien Duranville ist noch bis 2028 an Dortmund gebunden. In der Rückrunde der Saison 2025/26 spielt er auf Leihbasis beim FC Basel. © IMAGO/Madeleine Fantini
Cole Campbell
Cole Campbell unterschrieb 2024 einen Profivertrag in Dortmund – sein Vertrag läuft noch bis 2028. Auch er ist 2025/26 ausgeliehen und verbringt die Rückrunde bei der TSG Hoffenheim. © IMAGO/Katie Stratman
Neuzugang Fabio Silva unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2030.
Neuzugang Fabio Silva unterschrieb beim BVB einen Vertrag bis 2030. © IMAGO/Jordi Mergen

BVB hat immer wieder Probleme im Herbst

Fragt man die Verantwortlichen, ist die Sache klar. Der Kader ist gut genug, die Mittel sind begrenzt. „Den großen Umbruch hatten wir im letzten Sommer mit 25 Kaderbewegungen“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Das können wir auch ökonomisch nicht jedes Jahr machen.“

Die größte Gefahr dieser Strategie ist längst statistisch belegt und hat beim BVB immer wieder zugeschlagen: der „Herbstfluch“. Sobald im September die englischen Wochen beginnen, bricht über Dortmund regelmäßig eine Verletzungswelle herein. Die Daten sind alarmierend: In den letzten Jahren war der BVB mehrfach der unrühmliche „Ausfall-Meister“ der Liga. In manchen Spielzeiten verpasste ein Dortmunder Kicker im Schnitt über 40 Tage mehr als ein durchschnittlicher Bundesliga-Profi.

Daran sind auch schon Saisonziele zerbrochen. Erst im letzten Jahr musste der BVB mit einer durch Spieler aus der U23 aufgefüllten Rumpftruppe im DFB-Pokal beim Ligarivalen Wolfsburg antreten, weil eine Krankheits- und Verletzungswelle wütete. Dortmund kämpfte wacker, kassierte aber kurz vor dem Elfmeterschießen den Knockout.

Der BVB plant offenbar mit einem kleinen Kader, der die Belastung auf Profis wie Kapitän Emre Can vergrößert.

BVB-Stars bekommen kaum Zeit zum Atmen

Mit Blick auf die neue Saison ist derweil völlig unklar, wie die Spieler die Belastung der Klub-WM vertragen. Der BVB bereitet sich erst ab dem 26. Juli auf die neue Runde vor, zu diesem Zeitpunkt haben manche Teams in der Bundesliga schon vier Wochen in den Beinen.

Und die Belastung wird nicht geringer: In den letzten zehn Jahren hat Dortmund stets mindestens 45 Pflichtspiele absolviert, mehrfach auch die Marke von 50 Pflichtspielen geknackt. Zudem sind die meisten Kicker bei ihren Nationalmannschaften noch mehrfach im Jahr aktiv. Nun kamen fünf BVB-Spiele unter widrigen Bedingungen bei der Klub-WM in den USA hinzu.

Wenn die internationale Spielergewerkschaft FIFPRO von einer „Kannibalisierung des Wettbewerbskalenders“ spricht, können auch die Stars von Dortmund mitreden.

Ritt auf der Rasierklinge: Was, wenn das Glück den BVB verlässt?

In den vergangenen Spielzeiten konnte sich der BVB oft nur mit Ach und Krach das Minimalziel der Champions-League-Qualifikation sichern. Man ritt auf der Rasierklinge und hatte am Ende das nötige Glück. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Die aktuelle Transferperiode liefert dafür bittere Beweise: Bayer Leverkusen hat die Wirtz-Millionen für mehrere Neuzugänge reinvestiert, im Werben um Johan Bakayoko hatte RB Leipzig das bessere Ende für sich.

Die Sachsen machten zuletzt an einem Tag sogar einen Transfer-Hattrick perfekt. Beim BVB ist neben Jobe Bellingham nur Ersatztorhüter Patrick Drewes neu dabei.

Kaum weniger ärgerlich für Fans: Gleichzeitig droht der Verlust der eigenen Identität als Top-Adresse für Talente. Junge Spieler wie Cole Campbell, der mit einem Wechsel zum VfB Stuttgart liebäugelt, verlieren die Geduld, weil sie keine Perspektive auf regelmäßige Einsätze sehen. Der Ruf als perfektes Sprungbrett erodiert beim BVB, wenn der Weg in die erste Mannschaft blockiert scheint.

Riskantes Spiel oder 4D-Schach der BVB-Bosse?

Die Fakten zeichnen das Bild eines Vereins, der ein enormes Risiko eingeht. Die Strategie des kleinen Kaders in Zeiten der Maxi-Belastung wirkt wie ein Anachronismus. Doch vielleicht steckt mehr dahinter als bloße Fahrlässigkeit. Spielt die Vereinsführung um Lars Ricken und Sebastian Kehl vielleicht 4D-Schach?

Es ist zumindest denkbar, dass sie bewusst pokert und darauf wartet, dass sich im Verlauf des Transferfensters neue, günstige Optionen ergeben, um den Kader doch noch in der Spitze und vor allem in der Breite zu verstärken.

Alles andere wäre ein riskanter Poker, bei dem der BVB sehenden Auges in eine Krise schlittern könnte, die diesmal vielleicht nicht mehr glimpflich ausgeht.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bahho Kara

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