Vor dem brisanten WM-Spiel des Iran gegen die USA kam es zu einer denkwürdigen Pressekonferenz des US-Teams. Kapitän Tyler Adams wurde dabei von einem iranischen Journalisten angegangen.
Al-Rajjan - Bei einer denkwürdigen Pressekonferenz vor dem politisch aufgeladenen WM-Spiel zwischen den USA und Iran ist es zu bemerkenswerten Aussagen durch einen US-Spieler gekommen. Der Trainer der US-Amerikaner, Gregg Berhalter, und sein Kapitän Tyler Adams versuchten, den Fokus bei der Presserunde auf sportliche Themen zu lenken. Doch bei der Pressekonferenz am Tag vor dem heiklen Gruppenduell am Dienstag wurden die beiden Vertreter der amerikanischen Fußball-Nationalmannschaft offensichtlich von Reportern aus dem Iran unter anderem zu Rassismus in den USA, Visa-Regelungen für den Iran und die USA sowie zu Militärangelegenheiten befragt.
In dem letzten Gruppenspiel der Fußball-WM geht es im Al-Thumama Stadion von Doha um das Weiterkommen in Gruppe B, und jede Menge politische Brisanz ist dabei. „Wir unterstützen die Menschen im Iran und das Team Irans. Aber wir konzentrieren uns alle auf das Spiel“, sagte der ehemalige Leipziger Tyler Adams. Als er in hartem Ton aus der Presserunde von einem iranischen Reporter darauf hingewiesen wird, dass er „Iran“ falsch ausgesprochen habe („Airan“ anstatt „Iran“), entschuldigt sich der Mittelfeldakteur.
US-Kapitän Adams wird von iranischem Journalist angegangen - und reagiert besonnen
Der Journalist will außerdem vom Kapitän der USA wissen, wie er sich dabei fühle, ein Land zu repräsentieren, in dem es Diskriminierung von schwarzen Menschen gebe. Daraufhin holt Adams zu einem längeren Monolog aus. Diskriminierung gebe es überall, beginnt der 23-Jährige und fügt an: „Eine Sache, die ich gelernt habe, vor allem weil ich in den vergangenen Jahren im Ausland gelebt habe und mich dort in verschiedene Kulturen einfügen musste, ist, dass wir in den USA jeden Tag Fortschritte machen.“ Adams spielte in der Vergangenheit unter anderem für den Bundesligisten RB Leipzig.
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Er sei in einer weißen Familie aufgewachsen, habe aber „natürlich einen afroamerikanischen Hintergrund“, so Adams weiter. „Ich habe also ein bisschen was von unterschiedlichen Kulturen in mir, es fiel mir immer sehr leicht, mich in verschiedenen Kulturen zurechtzufinden.“ Nicht jeder habe diese Fähigkeit, sagte Adams weiter und betonte, dass dabei „Bildung super wichtig ist“.
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Dann richtet er sich noch einmal direkt an den iranischen Reporter und sagt zu diesem: „Du hast mich gerade über die Aussprache deines Landes aufgeklärt. Also, ja, es ist ein Prozess. Ich denke, solange man Fortschritt sieht, ist das das Wichtigste.“ Die besonnene Reaktion Adams‘ wird im Netz von vielen Seiten gelobt. Der bekannte US-amerikanische Fußballexperte Stu Holden nannte Adams auf Twitter einen „Kapitän und Helden.“ (fmü/dpa)