Von Christoph Klaucke
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Uli Hoeneß schafft mit einer Transfer-Ansage an Max Eberl Unruhe. Die Bayern-Bosse wirken zerstritten. Scheitert der Wechsel eines Offensiv-Stars?
München – Mitten in der heißen Phase des Transferfensters sorgt eine öffentliche Aussage von Uli Hoeneß für Unruhe an der Säbener Straße . Der Ehrenpräsident des FC Bayern hat sich mit klaren Worten zu den weiteren Transferplänen des deutschen Rekordmeisters geäußert und dabei eine Richtung vorgegeben, die wohl nicht bei allen Verantwortlichen auf Gegenliebe stößt. Die sportliche Führung um Max Eberl zeigt sich offenbar irritiert von der Ansage des 73-Jährigen.
Uli Hoeneß greift in die Transfer-Politik der Bayern-Bosse um Max Eberl ein.
© Bernd Feil/M.i.S./Imago
Hoeneß machte gegenüber der Süddeutschen Zeitung deutlich, wie er sich die weitere Kaderplanung vorstellt: „Ich würde sehr dafür plädieren, den Kader noch aufzufüllen mit einem Leihspieler, der bis zum 30. Juni 2026 unter Vertrag genommen wird.“ Diese Aussage bedeutet konkret: Keine weiteren festen Verpflichtungen mehr in diesem Sommer, sondern ausschließlich Leihgeschäfte bis zum Saisonende 2025/26.
Bayern-Führung gespalten: Eberl wollte investieren Die Hoeneß-Ansage trifft die sportliche Führung offenbar unvorbereitet . Laut Süddeutscher Zeitung sorgt das Statement bei den Bayern-Bossen um CEO Jan-Christian Dreesen, Sportdirektor Christoph Freund und Sportvorstand Max Eberl für Irritationen. Der Grund: Nach dem Verkauf von Kingsley Coman zu Al-Nassr war Eberl demnach fest davon ausgegangen, die kassierte Ablösesumme in einen neuen Offensivspieler reinvestieren zu dürfen.
Besonders brisant wird die Situation, da der Bayern-Kader nach den zahlreichen Abgängen deutlich ausgedünnt ist. Thomas Müller, Leroy Sané, Kingsley Coman und Mathys Tel haben den Verein verlassen, hinzu kommt der verletzungsbedingte Ausfall von Jamal Musiala. Selbst Torjäger Harry Kane hatte nach dem Gewinn des Franz-Beckenbauer-Supercups öffentlich Kritik geübt: „Es ist wahrscheinlich einer der kleinsten Kader, in dem ich je gespielt habe. Wir sind ein bisschen dünn besetzt“.
Weltmeister, Manager-Legende, Haft – Flugzeugabsturz beendete Leben von Uli Hoeneß beinahe schon 1982 Uli Hoeneß kam zu Beginn des Jahres 1952 in Ulm, als Sohn von Metzgermeister Erwin Hoeneß und Ehefrau Paula zur Welt. © Pressefoto Rudel/Imago Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Dieter Hoeneß startete Ulis Fußballkarriere in der Jugendabteilung des VfB Ulm. © Pressefoto/Baumann Im Alter von 15 Jahren wird Uli Hoeneß (rechts neben dem Torwart im Bild) von der späteren Trainerlegende Udo Lattek zum Kapitän der DFB-Schülerauswahl ernannt. Dort stand er bereits mit seinem späteren Bayern-Buddy Paul Breitner auf dem Platz. Auf Lehrgängen teilten sich die beiden das Zimmer. © Fred Joch/Imago Im Jahr 1967 wechselt Hoeneß vom VfB Ulm in die Jugendabteilung der TSG Ulm 1846 (heute SSV Ulm 1846), wo er schnell Fuß fasste und bereits mit 17 Jahren fester Bestandteil der Amateurliga-Mannschaft (damals dritthöchste deutsche Spielklasse) war. In der Saison 1969/70 war er mit 22 Treffern der beste Torschütze der Ulmer. Eine Empfehlung für höhere Aufgaben. © Sven Simon/Imago FUSSBALL 1 BUNDESLIGA SAISON 1970 1971 1 SPIELTAG VfB Stuttgart 1 1 FC Bayern München 15 08 1970 Im Anschluss an diese torreiche Spielzeit klopfte der FC Bayern in Ulm an und Hoeneß unterschrieb bei den Münchnern einen Amateurvertrag. Bereits im ersten Spieltag der Bundesligasaison 1970/71 feierte der damals 18-Jährige sein Debüt gegen den VfB Stuttgart. Auch an der Isar etablierte er sich daraufhin schnell zum Stammspieler unter dem neuen Bayern-Coach – wer hätte es gedacht – Udo Lattek. © WEREK/Imago Hoeneß-Breitner-WG Gemeinsam mit Hoeneß wechselte auch Breitner an die Isar. Zu Beginn ihrer Zeit in München lebten die Beiden in einer gemeinsamen WG. „Es klingt vielleicht blöd, aber der Uli und ich haben oft den Eindruck eines alten Ehepaars gemacht“, erzählte Breitner einige Jahre später. © Fred Joch/Imago Uli Hoeneß and Gerd Müller Bayern Munich with the tyrophy European Cup Final In München gewann Hoeneß alles, was es im Klub-Fußball zu gewinnen gab. An der Seite von Gerd Müller (links im Bild) wurde er dreimal Deutscher Meister und feierte einen Pokalsieg. Mit dem Bomber der Nation formte er eines der gefährlichsten Angriffsduos der Bundesligageschichte, das auch Europa – wortwörtlich im Sturm erobern sollte. Ganze dreimal in Folge holten sie den Europapokal der Landesmeister in die bayrische Landeshauptstadt. © Colorsport/Imago Mannschaftsfoto BR Deutschland, Europameister 1972, hi.v.li.: Franz Beckenbauer, Bundestrainer Helmut Schön, Hans Georg Nach seinem A-Nationalmannschafts-Debüt 1972 fuhr Hoeneß im selben Jahr auch mit zur Europameisterschaft in England. Im Finale des Turniers ließ die deutsche Mannschaft nichts anbrennen und sicherte sich mit einem 3:0-Sieg über die Sowjetunion den Titel. Hoeneß mitten drin. © Sven Simon/Imago Weltmeister 1974 BR Deutschland Nur zwei Jahre später folgt der größte Erfolg seiner Karriere. Bei der Heim-WM 1974 wird die Bundesrepublik zum zweiten Mal Fußball-Weltmeister. Im Finale bezwang man die Niederlande mit 2:1 aus deutscher Sicht. © Horstmüller/Imago Uli Hoeneß (hinten, BR Deutschland) verschießt gegen Torwart Ivo Viktor (CSSR) - der finale Fehlschuss im Elfmeterschießen Bei der Europameisterschaft 1976 wird Hoeneß zum tragischen Helden. Im Finale steht es nach 120 Minuten 2:2 zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei. Elfmeterschießen. Hoeneß tritt nach drei verwandelten deutschen Elfmetern als vierter Schütze an – und versenkt den Ball statt im Tor im Nachthimmel von Belgrad. Deutschland verliert. © Sven Simon/Imago Uli Hoeneß FCN Nach einer schweren Meniskusverletzung war Hoeneß nicht mehr der Alte und verlor letztendlich seinen Stammplatz beim FC Bayern. 1978 wechselte er auf Leihbasis zum 1. FC Nürnberg, konnte dort jedoch auch nicht an vergangene Leistungen anknüpfen. Nach seiner Rückkehr nach München musste Hoeneß schließlich seine Karriere 1979 aufgrund von irreparablen Knorpelschäden im Knie beenden – im Alter von nur 27 Jahren. © Kicker/Liedel/Imago FUSSBALL 1 BUNDESLIGA SAISON 1979 1980 Manager Uli Hoeness FC Bayern Muenchen sitzt am 29 05 1979 Doch mit dem Ende seiner aktiven Karriere beim FC Bayern, ging seine Zeit bei den Münchnern eigentlich gerade erst los. Noch im selben Jahr stieg Hoeneß ins Management des Vereins ein und wurde damit zum jüngsten Manager der Bundesliga-Geschichte. © WEREK/Imago Hannover Hoeneß war mit seinem Freund dem Verleger Helmut Simmler auf dem Weg zu einem Fußballspiel Im Winter 1982 hätte für den damals 30-jährigen Hoeneß alles vorbei sein können. Gemeinsam mit drei Freunden stürzte er mit einem Propellerflugzeug ab und konnte das Unglück als einziger Insasse der Maschine überleben. Später sagte Hoeneß, sich an, kaum etwas von dem Unfall mehr erinnern zu können. © Iocalpic/Imago Uli Hoeneß Hoeneß formte in seinem neuen Amt den FC Bayern, zu dem Verein, wie wir ihn heute kennen. Er orientierte sich am professionellen Merchandising in den USA und erschloss neue Märkte für die Münchner. Dies führte zum wirtschaftlichen Aufschwung des Klubs und Millioneneinnahmen. © Frinke/Imago FUSSBALL CHAMPIONSLEAGUE FINALE SAISON 2000 2001 23 05 2001 FC Bayern München FC Valencia 6 5 n E Unter der Leitung von Hoeneß stieg der FC Bayern zum erfolgreichsten Klub in Deutschland auf. Zwischen 1980 und 2008 feierte man an der Isar 16 deutsche Meisterschaften, neun DFB-Pokal-Siege sowie den Gewinn des Henkelpotts im Jahr 2001. © Ulmer/Imago Cottbuser Fans begrüßen Uli Hoeneß Auch neben dem Platz wusste Hoeneß immer wieder für Schlagzeilen zu sorgen und seinen Einfluss im deutschen Fußball geltend zu machen. So spielte er beispielsweise eine entscheidende Rolle in der „Koks-Affäre“ um Christoph Daum, indem er den öffentlichen Druck auf den damaligen Leverkusen-Coach erhöhte. © Camera 4/Imago Uli Hoeneß FC Bayern München mit Ehefrau Susi und Tochter Sabine nach deren Geburt im Krankenhaus Seit 1973 ist Hoeneß mit seiner Frau Susanne verheiratet, welche ihm zwei Kinder schenkte – Florian und Sabine. Ein Paar sind Uli und Susi bereits seit seinem 15. Lebensjahr. „Ich weiß, dass ich das, was ich bin, nie ohne meine Frau geworden wäre“, gesteht Hoeneß gegenüber der Bunten. © Fred Joch/Imago Uli Hoeness in der Allianz Arena beim Bau in der Allianz Arena beim Bau Allianz Arena Anzug Im Jahr 2001 startete der Bau der Allianz Arena, für welchen sich Hoeneß sehr eingesetzt hatte. Das 2005 eröffnete Stadion ist nun seit über 20 Jahren die Heimat des deutschen Rekordmeister. © HJS/Imago Hoeneß Präsident Auf der Jahreshauptversammlung 2009 wurde Hoeneß schließlich mit über 99 Prozent zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. © MIS/Imago Beckenbauer Hoeneß Im Folgejahr übernahm Hoeneß auch das Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden, welches zuvor Franz Beckenbauer innehatte. © Sven Simon/Imago Lastwagen vor der Firma HOWE Wurstwaren KG Manager Uli Hoeneß FC Bayern München Auch Abseits des Fußballs trieb Hoeneß sein Unwesen. Gemeinsam mit Werner Weiß gründete er 1985 die heutige HoWe Wurstwaren. Das Unternehmen beliefert unter anderem das Oktoberfest-Zelt von Feinkost Käfer und wird mittlerweile von Hoeneß Kindern geleitet. © Bernd Müller/Imago Uli Hoeness bei der Steuerhinterziehungsverhandlung gegen Uli Hoeneß vor der 5 Strafkammer des Land Im Jahr 2013 scheint Hoeneß seine Vergangenheit einzuholen. Durch Recherchen von Stern Online geriet der Bayern-Präsident unter Druck und erstattete schließlich Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung. „Am 20. März änderte sich dann mein Leben, morgens um sieben“, sagte Hoeneß später gegenüber der Zeit. An diesem Tag wurde sein Haus am Tegernsee durchsucht und Hoeneß vorläufig festgenommen. © Future Image/Imago leerer Gefängnisflur Zellengang Zellenflur Gefängnisgang Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech Im März 2014 wurde Hoeneß in sieben Fällen der Steuerhinterziehung über 28,5 Millionen Euro für schuldig gesprochen und zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Doch bereits nach Verbüßung der halben Haftzeit durfte Hoeneß die JVA Landsberg 2016 auf Bewährung verlassen. © Sven Simon/Imago Uli HOENESS haelt einen Blumenstrauss Jahres Hauptversammlung 2016 des FC Bayern Muenchen e V Wahl Noch im Jahr seiner Entlassung aus der JVA wird Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung erneut zum Präsident des FC Bayern gewählt. Das Amt hatte er im Laufe des Prozesses abgelegt. Bald übernahm er auch wieder den Vorsitz des Aufsichtsrates. © Sven Simon/Imago Fussball 1.Bundesliga, FC Bayern Muenchen - FSV Mainz 05 2019 legte er seine offiziellen Ämter beim FC Bayern nieder, doch noch heute ist Hoeneß als Ehrenpräsident Dauergast auf der Ehrentribüne des Rekordmeisters. © Jan Huebner/Imago Meisterfeier FC Bayern Muenchen auf dem Marienplatz Am Samstagabend (02.08.2025) wurde Hoeneß laut der Bild aufgrund einer geplatzten Ader ins Krankenhaus eingeliefert. Ihm soll es den Umständen entsprechend jedoch gut gehen. Der deutschen Presseagentur zufolge hat er das Krankenhaus bereits wieder verlassen. © Sven Simon/Imago Eröffnung Alter Botanischer Garten Hoeneß gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten in der Geschichte des deutschen Fußballs und schuf einst das Fundament für die bis heute anhaltende Dominanz des FC Bayern. Sein Lebenswerk hat ihm bei den Fans den inoffiziellen Titel als Mr. FC Bayern eingebracht. © Ulrich Wagner/Imago Die Transferstrategie der Bayern scheint nun zwischen zwei Lagern aufgeteilt zu sein. Während die sportliche Führung um Eberl weitere Investitionen für notwendig hält , plädiert der einflussreiche Ehrenpräsident für eine zurückhaltendere Herangehensweise. Diese Meinungsverschiedenheit könnte sich auch auf konkrete Transferziele auswirken.
Ein prominentes Opfer der neuen Linie könnte Christopher Nkunku werden. Der 27-jährige Offensivspieler vom FC Chelsea stand auf der Wunschliste der Bayern, doch die Londoner wollen den Franzosen nur fest verkaufen, nicht verleihen. Laut Transfer-Experte David Ornstein mischt sich nun RB Leipzig in den Poker ein und will Nkunku fest verpflichten – im Gegensatz zu den Bayern , die ihn nur ausleihen wollen.
Uli Hoeneß irritiert mit Transfer-Ansage offenbar Bayern-Bosse um Max Eberl Hinter der Hoeneß-Ansage steckt offenbar eine langfristige Strategie. Laut Süddeutscher Zeitung soll der große Umbruch bei den Bayern erst für den kommenden Sommer geplant sein. Dann soll frühzeitig entschieden werden, welche Spieler mit auslaufenden Verträgen wie Serge Gnabry, Leon Goretzka oder Raphaël Guerreiro gehen oder auf Gehalt verzichten müssen.
Die aktuelle Situation zeigt einmal mehr, welchen Einfluss Uli Hoeneß auch als Ehrenpräsident noch auf die Geschicke des FC Bayern hat . Seine Aussagen werden intern als richtungsweisend betrachtet, auch wenn sie bei der sportlichen Führung für Unmut sorgen. Bis zum Ende des Transferfensters am 1. September bleibt rund um den FC Bayern abzuwarten , ob sich die Hoeneß-Linie durchsetzt oder ob doch noch Kompromisse gefunden werden. (ck)
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