Spiel gegen Mainz

Eintracht Frankfurt: Wut in Energie umwandeln

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Beim Afrika-Cup schon ausgeschieden: Ellyes Skhiri mit Tunesien.
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Eintracht Frankfurt will aus den Fehlern lernen und sich im Nachbarschaftsduell gegen den FSV Mainz 05 keine Blöße geben. Trainer Dino Toppmöller: „Wir wollen uns oben festbeißen.“

Aus gegebenem Anlass hat Dino Toppmöller darauf hingewiesen, dass er seiner Mannschaft keineswegs untersagt habe, per Weitschuss ein Tor zu erzielen, ein entsprechendes Verbot gebe es nicht, definitiv nicht. Das Thema war vor dem fälligen Punktspiel im Stadtwald am Freitag (20.30 Uhr/live Dazn) gegen den Gram gebeugten Nachbarn FSV Mainz 05 aufgekommen, weil jüngst eine Statistik belegte, dass Eintracht Frankfurt in der gesamten Bundesliga das Team stelle, das am seltensten aufs gegnerische Tor schieße.

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Tatsächlich ist es so, dass der Frankfurter Trainer kein Freund davon ist, „mit aller Gewalt und aus allen Lagen“ aufs Tor zu hämmern, Versuche aus 30 Metern seien sicherlich „nicht das schlaueste Mittel“, um zum Erfolg zu kommen. Er und damit auch die Spieler bevorzugten die Variante, mittels Kombination und „in der Box“ die entsprechenden Treffer zu erzielen. Freilich räumt Toppmöller ein, könne er sich sehr wohl an Momente erinnern, in „denen wir verpasst haben“, den Torabschluss nicht nur zu suchen, sondern auch zu finden.

Gelegenheit dazu, dieses statistische Manko auszumerzen, könnten sich aktuell am Freitag unter Flutlicht ergeben, ob jenseits oder diesseits der Strafraummarkierungen dürfte dem 43 Jahren Coach einerlei sein. Immerhin haben sich die Hessen mittlerweile einen Stürmer mit Gardemaß aus England geliehen, nämlich Sasa Kalajdzic, bei dem es angezeigt erscheint, auch mal hohe Bälle von den Flügeln in den Strafraum zu schaufeln. „Das mag er ganz gerne.“ Dazu kommt: Mittlerweile sei der lange Österreicher bereit für 90 Minuten, das war er zuletzt ja nicht, diese Woche hat Kalajdzic so viel trainiert wie lange nicht mehr.

Eintracht stellt sich auf aggressive Mainzer ein

Dass auf den Schlaks ganz vorne ein paar Hoffnungen der Frankfurter ruhen, ist logisch, stellt man sich im Hause Eintracht doch auf eine eher kratzbürstige, aggressive Mainzer Mannschaft ein, die zu verteidigen weiß und zuletzt unter dem neuen Trainer Jan Siewert kaum mehr als ein Gegentor hat schlucken müssen. Und im Frankfurter Stadion, so steht zu vermuten, werden die arg vom Abstieg bedrohten Rhein-Hessen als Tabellen-16 womöglich noch einen Tick defensiver agieren als es ohnehin in ihrer DNA steckt. Da steckt, laut Toppmöller, aber zudem eine gesunde Portion Härte drin, die Nullfünfer pressten gerne hoch und früh, eine Taktik, die den Frankfurtern nicht immer wohl schmeckt.

Zum Spiel

Frankfurt: Trapp – Tuta, Koch, Pacho – Dina Ebimbe, Larsson, Götze, Nkounkou – Knauff, van de Beek – Kalajdzic.

Mainz: Zentner – Fernandes, van den Berg, Caci – Widmer, Kohr, Barreiro, Mwene – Gruda – Onisiwo, Burkardt.

Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin)

Es fehlt der Eintracht : Marmoush (Afrika-Cup).

Rode nicht in der Startelf

In Darmstadt zum Beispiel resultierten beide Gegentore am vergangenen Wochenende zum weiterhin ärgerlichen 2:2 just aus solchen Aktionen, bei denen Frankfurter Verteidiger beim Spielaufbau erstaunlicherweise massiv und vehement attackiert und unter Druck gesetzt wurden. Und die dann zu folgenschweren Fehlern führten.

Toppmöller hat das natürlich mit seiner Mannschaft aufgearbeitet, er hat konstatieren müssen, dass „wir noch nicht die Reife haben, solche Situationen clever zu Ende zu spielen“. Unter Druck wurden dann „falsche Entscheidungen“ getroffen mit bösem Ende. Als Mannschaft müsse man lernen, schlauer und raffinierter zu agieren.

Aber Dino Toppmöller findet, dass man sich nun genug geärgert habe über diese verschenkten Doppelpunkte gegen den Tabellenletzten, „die Wut wollen wir in Energie umwandeln“ und auf den Platz bringen. „Wir wollen dem Spiel unseren Stempel aufdrücken.“ Dass Eintracht Frankfurt als glasklarer Favorit in diese Partie geht gegen einen zwar „unangenehmen Gegner“, aber auch einen, der in der Fremde nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt, ist kein ganz großes Geheimnis mehr. Mainz 05 hat die letzten 13 Auswärtsspiele nicht gewonnen, ist Drittletzter und hat hinter dem 1. FC Köln (zehn) die wenigsten Tore (14) der Liga erzielt. Aber gegen solche vermeintlichen Leichtgewichte tun sich die Hessen bekanntlich schwer.

Bei allem Ärger über das vermeidbare Remis vom Böllenfalltor: Dino Toppmöller ist mit dem Start ins neue Jahr nicht unzufrieden: Vier Punkte aus zwei Auswärtsspielen seien okay, selbst wenn es leicht sechs Zähler hätten werden können. Und er unterstrich am Donnerstag bei der Spieltagspressekonferenz noch einmal, um was es ihm geht: „Wir wollen uns oben festbeißen, mit aller Macht“, und das wolle er auch von jedem einzelnen Spieler sehen auf dem Rasen. Personell kann der Coach aus dem Vollen schöpfen: Am Donnerstagabend kehrten, früher als erwartet, die beiden Afrikacup-Fahrer Fares Chaibi und Ellyes Skhiri zurück, deren Teams, Algerien und Tunesien, überraschenderweise bereits ausgeschieden sind. Die Enttäuschung bei beiden sei groß, sagte Toppmöller, der erst einmal abwarten will, wie beide das Aus mental verkraftet haben. Eine Option für den Kader seien sie allemal. Nun fehlt allein Stürmer Omar Marmoush, der mit Ägypten im Achtelfinale steht

Im Kader wird sich auch erneut Sebastian Rode finden. Ein Einsatz in der Startformation schloss Toppmöller allerdings noch aus. Rode brauche aktuell zunächst „einen gesunden Trainingsrhythmus“. Man müsse „Schritt für Schritt“ an die Sache herangehen, allemal sei man froh, dass der 33-Jährige wieder da sei. Und allzu lange wird Seppl Rode nicht mehr warten müssen, ehe er das Team dann als Erster aufs Feld führen darf.

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